Schramm Orgel Schloß Hubertusburg Wermsorf

Holger Friedrich @, Mittwoch, 20. August 2014, 22:53 (vor 4455 Tagen)

Heute habe ich eine sehr kleine aber feine Orgel besichtigt.
Die Orgel ist vom Silbermann-Schüler Tobias Schramm (1701-1771) wohl ursprünglich für eine Kirche in Dresden gefertigt worden – sehr wahrscheinlich für die Bauzeit der Dresdener Hofkirche, bis sie dort durch die große Silbermannorgel abgelöst worden ist.
Im Jahr 1749 ist die Orgel in die Hubertusburger Schlosskapelle eingebaut worden. Die dafür vorgesehene Nische ist etwas zu klein, sodass manche Putten hinter dem Orgelprospekt nur teilweise zu sehen sind.
Der für katholische Kirchen ungewöhnliche Aufstellungsort oberhalb des Altares ist dadurch bedingt, dass die Königsloge die dem Altarraum gegenüberliegende Seite vollständig ausfüllt. Sicherlich wirken diesbezüglich auch protestantische Kirchen in Sachsen und die Versailler Schlosskirche vorbildhaft.
Fast alle Holz- und Metallpfeifen der Orgel sind 1947 verschwunden gewesen, nur das Gehäuse ist nahezu unversehrt erhalten geblieben. Die Firma Eule aus Bautzen hat 2001 sie restauriert und rekonstruiert.
Die Orgel hat ein Manual und ein Pedal, 10 Register und ca. 500 Pfeifen. Die Manualregister sind an das Pedal angehängt.
Die einzelnen Stimmen sind sehr charakteristisch und stark. Das Plenum ist äußerst ausgewogen und silbrig-klar und ähnelt durchaus dem typischen Silbermann-Klang. Orgelkenner wollen häufig, wenn sie die Orgel gehört haben, nicht glauben, dass es tatsächlich nur ein Manual und diese doch kleine Disposition gibt.
Insgesamt ist die Schramm-Orgel ein überaus reizvolles Instrument, welches sich wunderbar in der Schlosskapelle mit ihrer vorzüglichen Akustik entfaltet.
Die Orgel kann mit Kalkantenbälgen getreten werden wozu man unter die Empore in eine kleine Balgkammer klettern muss. Das war eine sehr interessante Erfahrung.

Disposition 1749 und 2001
Hauptwerk C - d''' Principal 8'

Viol' di Gamba 8'

Grob Gedackt 8'

Octav 4'

Klein Gedackt 4'

Quinta 3'

Octava 2'

Mixtur 3 fach 1 1/3'

Pedal C - c' Subbass 16'

Octavbass 8'

Winddruck 75,5mmWS
Tonhöhe 415 Hz bei 20°C
Stimmungsart modifizierte Silbermann-Stimmung

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Schramm Orgel Schloß Hubertusburg Wermsorf

untersatz32, Donnerstag, 21. August 2014, 08:31 (vor 4454 Tagen) @ Holger Friedrich

Klasse! Da sieht und hört man wieder, dass es durchaus Sinn macht, ein Gehäuse nicht zuu vollzustopfen. Heutzutage würden leicht in einem solchen Gehäuse 30 Register reingepfercht...

Gruss TH

Schramm Orgel Schloß Hubertusburg Wermsorf

Florian-L @, Donnerstag, 21. August 2014, 09:07 (vor 4454 Tagen) @ Holger Friedrich

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Ob die Prospektpfeifen schon immer derart deutlich unterhalb der Schleierbretter geendet haben?

Gruß, Florian

Schramm Orgel Schloß Hubertusburg Wermsorf

ado ⌂ @, Donnerstag, 21. August 2014, 12:37 (vor 4454 Tagen) @ Holger Friedrich

Fast alle Holz- und Metallpfeifen der Orgel sind 1947 verschwunden gewesen, nur das Gehäuse ist nahezu unversehrt erhalten geblieben. Die Firma Eule aus Bautzen hat 2001 sie restauriert und rekonstruiert.

Sieht toll aus. Heißt das, die Pfeifen sind zwar neu, aber die alte Mechanik und die Windladen erhalten?

Schramm Orgel Schloß Hubertusburg Wermsorf

Holger Friedrich @, Donnerstag, 21. August 2014, 12:46 (vor 4454 Tagen) @ ado

NUR das Gehäuse ist historisch und ca. 10 Labialpfeifen, alles andere ist neu.

Schramm Orgel Schloß Hubertusburg Wermsorf

MAT @, Donnerstag, 21. August 2014, 13:04 (vor 4454 Tagen) @ Holger Friedrich

Also eher keine Schramm-Orgel, oder?

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Gruß
MAT

Schramm Orgel Schloß Hubertusburg Wermsorf

Holger Friedrich @, Donnerstag, 21. August 2014, 13:16 (vor 4454 Tagen) @ MAT

So wird sie nunmal bezeichnet...
In Hamburg St. Jacobi steht ja auch keine Ahrend sondern Schnitger Orgel

Schramm Orgel Schloß Hubertusburg Wermsorf

MAT @, Donnerstag, 21. August 2014, 13:22 (vor 4454 Tagen) @ Holger Friedrich

Da ist aber 80 % des klingenden Materials original. Der Vergleich hinkt etwas.

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Gruß
MAT

Schramm Orgel Schloß Hubertusburg Wermsorf

Oktavkoppler @, Donnerstag, 21. August 2014, 15:39 (vor 4454 Tagen) @ MAT

Da ist aber 80 % des klingenden Materials original. Der Vergleich hinkt etwas.

Auch wenn die FA Kemper die Pfeifen in der Hand hatte?
Ok

Schramm Orgel Schloß Hubertusburg Wermsorf

Hilbrands @, Donnerstag, 21. August 2014, 17:15 (vor 4454 Tagen) @ Holger Friedrich

NUR das Gehäuse ist historisch und ca. 10 Labialpfeifen, alles andere ist neu.

Danke für den schönen Bericht samt Fotos!
Nach Dähnert sind neben dem Gehäuse noch die Windladen, Teile der Spiel- und Registertraktur inkl. der Manubrien, die Bälge und "einzelne Holzpfeifen" original.
Gruß, Walter

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