Zuzana Ferjenčíková, Hommage à Guillou am 10.3.2019 in Saarlouis-Lisdorf
Hallo!
Die slowakische Organistin Zuzana Ferjenčíková spielte gestern, 10. März 2019, in der Pfarrkirche St. Crispinus und Crispinianus in Saarlouis-Lisdorf ein höchst anspruchsvolle Orgelkonzert.
Dem einen oder anderen wird Zuzana Ferjenčíková durch verschiedene Einspielungen und Konzert bekannt sein. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer musikalischen Arbeit ist das Werk Jean Guillous. Mit dem hat sie über Jahre zusammengearbeitet und zu seinem Dienstjubiläum in St. Eustache sämtliche seiner Orgelwerke aufgeführt. Frucht dieser Zusammenarbeit ist eine begonnene Gesamteinspielung der Guillou’schen Orgelwerke bei dem renommierten Label MDG. Folge 1 ist vor ein paar Wochen erschienen. Das Konzert als Hommage an Jean Guillou konzipiert. Es umfasste neben zwei Originalwerken Guillous Improvisationen über Themen bzw. Texte von Guillou, Transkriptionen sowie eine Interpretation, die an Guillou erinnerten:
Jean Guillou (1930-2019)
- Fantaisie op. 1
Zuzana Ferjencíková (*1978)
- Improvisation über Verse von Jean Guillou
« Un flot s’écoule…
Tout est grand nombre ici
Mais on est seul.
D’autres mains ont tissé
Les harpes du silence. »
„Ein Strom fließt dahin…
Alles ist reich an Zahl hier
Jedoch ist man allein.
Andere Hände haben gewoben
Die Harfen der Stille“
(Jean Guillou: Le Visiteur. « Orgues »)
Franz Liszt (1811-1886) / Zuzana Ferjencíková:
- « Tristis est anima mea » (aus dem Oratorium « Christus »)
Zuzana Ferjencíková
- Improvisation über Themen aus « Hyperion » von Jean Guillou
César Franck (1822-1890)
- Pièce héroïque
Zuzana Ferjencíková
- Improvisation: Cortège, litanie et toccata
Jean Guillou
- « Pensieri » op. 54
Zugabe:
Franz Liszt (1811-1886) / Zuzana Ferjencíková:
- Aus den Consolations 'Pensées poétiques', S.172: Consolation Nr.3 Des-Dur (Un poco più mosso)
Das Stammpublikum der „Klingende Kirche“-Konzerte ist insbesondere durch den Kompositionswettbewerb „moderne Musik“ ja durchaus gewohnt. Dennoch ist es meines Erachtens stets ein Versäumnis von Seiten der Veranstalter, wenn das Publikum - gerade bei solchen ambitionierten Programmen – nicht durch knappe, aber fundierte mündliche oder schriftliche Einführungen etwas „an die Hand“ genommen wird. Hier gab es lediglich bei der Begrüßung vom Gastgeber einige wenige, zudem meist wirklich hilfreiche Sätze zu manchen Stücken, die aus dem Ärmel geschüttelt wirkten. Nicht einmal die Fachbegriffe (Cortege…) wurden erklärt. Sicher, jede Art von Musik wirkt auch so, ohne Erläuterungen. Inwieweit man aber der Konzertreihe, dem Publikum und der Musik da wirklich einen Gefallen tut… Das Publikum hielt tapfer durch, man merkte jedoch an zunehmenden Herumgeruckel und Getuschel mancher Besucher, dass irgendwann die Belastungsgrenze (harmonisch wie auch dezibelmäßig) erreicht war.
Nur einige Punkte zum Programm.
Die Improvisationen waren entsprechend Ferjenčíkovás Verbundenheit mit Guillou zum einen stilistisch an ihn angelehnt und zudem sehr persönliche Kommentare zu den Texten, Themen bzw. den vorher gespielten Werken. So wurde beispielsweise der markige Rhythmus des Franck-Werkes (dessen Interpretation erkennbar an Guillous Sichtweise angelehnt war, inklusive der unorthodoxen Registrierungen und Artikulationen) in die Improvisation übernommen, die (so meine plakative Interpretation) ein Trauermarsch und Klage über Guillous Tod und letztlich ein energisches „Du lebst in uns weiter!“ war.
Die Transkription des Satzes aus Liszts Oratorium „Christus“, das die Worte Jesu im Ölberggarten vertont, war ebenfalls Guillou gewidmet. Die klangfarbenreiche Orgel machte auch hier mit, ob bei den vorhandenen Klangmöglichkeiten der Orgel ein Orchestertutti stets (wieder) mit einem Orgeltutti realisiert werden musste, weiß ich nicht.
Letztes Stück waren die „Pensieri“ von Guillou. Erstaunlicherweise wurde hier der Titelteil „pour Jean Langlais“ unterschlagen, wohl um den Fokus bei Jean Guillou zu belassen. Ein paar solcher Ruhepole im Verlauf des Konzertes wären meines Erachtens dankbar gewesen.
Herzlicher Applaus von den Besuchern, eine Zugabe.
Das Konzert an sich war grandios, wenn auch in manchen Aspekten für dieses Umfeld bzw. Klientel „too much“. Eine Stunde lang „(à la )Guillou“ ist schon eine Herausforderung. Zuzana Ferjenčíková ist eine hervorragende Musikerin und man kann sich nur auf die kommenden Konzerte und CDs freuen.
Infos zur Orgel:
http://organindex.de/index.php?title=Saarlouis/Lisdorf,_St._Crispinus_und_Crispinianus
Und zur Interpretin:
https://ferjencikova.info/de/
Gruß
Karsten
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