Schwellwerk

JSBach @, Sonntag, 17. August 2014, 15:07 (vor 4466 Tagen)

Welche Materialien/Bauweisen gibt es zur Schallisolation in Schwellwerken?

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friedemannw @, Gießen, Sonntag, 17. August 2014, 17:48 (vor 4466 Tagen) @ JSBach
bearbeitet von friedemannw, Sonntag, 17. August 2014, 18:06

Die Wände und Jalousien sollten möglichst schwer sein und die Jalousien im geschlossenen Zustand gut dicht sein, so dass kaum Klang rauskommt (profilierte und befilzte Kanten der Jalousien). Dabei auch alle "undichten" Stellen (z.B. Trakturdurchgänge) schließen. Für das Gewicht gibt es mehrere gute Möglichkeiten:

- massive mehrschichtige Platten
- Wände des Schwellkastens mit Sand füllen
- Bleizwischenlage in den Wänden (1-2mm)
- Füllungen des Kastens aus Stein (z.B. Granitplatten)

Es gab auch Füllungen mit Sägespänen - vielleicht werden sie von Firmen auch noch so gebaut?
In der Midmer-Losh-Orgel in Atlantic City sind einige Jalousien aus Aluminium, der Effekt soll wohl nicht so gut sein...

Oder gleich massiv gemauerte Schwellkästen, wie von Robert Hope-Jones empfohlen :)

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JuergenPB ⌂, Paderborn, Sonntag, 17. August 2014, 17:55 (vor 4466 Tagen) @ JSBach

Meist sind es wohl Holzjalousien.
Holz ist ja sowieso der beliebteste Baustoff der Orgelbauer.

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Oktavkoppler @, Sonntag, 17. August 2014, 18:15 (vor 4466 Tagen) @ JSBach

Bei einer renommierten Firma habe ich MDF-Jalousien gesehen.
Ok

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JSBach @, Sonntag, 17. August 2014, 18:23 (vor 4466 Tagen) @ friedemannw

werden auch schallschluckende Schaumstoffe eingesetzt? Oder hilft da wirklich nur die Masse...

ob wohl schon mal jemand ausversehen einen Schwellkasten angebohrt hat (hier muss jetzt ein Kabel durch!) und dann ein Sandleck hatte? :)

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zehnzweidrittel @, Sonntag, 17. August 2014, 19:05 (vor 4466 Tagen) @ Oktavkoppler

Bei einer renommierten Firma habe ich MDF-Jalousien gesehen ...

... die einen absolut überzeugenden Schwelleffekt erzeugen und aufgrund der Materialdichte auch nicht so schwer werden und damit auch mechanisch leicht traktiert werden können. Ich habe in "meiner" Orgel zwei solchermaßen gebaute Schwellwerke, die auch gemeinsam problemlos zu bewegen sind.

Foto aus der Bauphase:

[image]

Viele Grüße

zehnzweidrittel

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Oktavkoppler @, Sonntag, 17. August 2014, 19:35 (vor 4466 Tagen) @ JSBach

werden auch schallschluckende Schaumstoffe eingesetzt? Oder hilft da wirklich nur die Masse...

Wenn überhaupt, dann ist es empfehlenswert, Schaumstoff zwischen die Wandung zu packen.
Innerhalb des Schwellkasten wird zuviel Schall absorbiert.
Ok

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Hausorgler @, Feldkirch/Vorarlberg, Sonntag, 17. August 2014, 20:43 (vor 4466 Tagen) @ zehnzweidrittel

Ich kann mir gut vorstellen daß MDF-Platten eine ganz gute Dämmung haben. Wahrscheinlich leitet das Material Schall sehr schlecht.
Eine Zeit lang waren ja auch Jalousien aus Plexiglas schick. Optisch gefällt mir das nur, wenn die Pfeifen nicht gegenüber dem restlichen Prospekt "ungestaltet", also einfach in der Reihenfolge der Töne, dastehen, sondern auch - wenngleich hinter Glas- eine passende Fassade bilden. In meiner Jugend spielte ich regelmäßig an einer solchen Plexiglas-Orgel. Den Schwelleffekt habe ich als ausgesprochen schwach in Erinnerung.

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friedemannw @, Gießen, Sonntag, 17. August 2014, 22:23 (vor 4466 Tagen) @ JSBach

ob wohl schon mal jemand ausversehen einen Schwellkasten angebohrt hat (hier muss jetzt ein Kabel durch!) und dann ein Sandleck hatte? :)

Wenn man z.B. ein Pfeifenraster an der Wand befestigen will und zu lange Schrauben verwendet - dann ja :)

werden auch schallschluckende Schaumstoffe eingesetzt? Oder hilft da wirklich nur die Masse...

Die Wände an sich sollten schon gut den Schall nach Aussen reflektieren. Dafür ist eine harte Lackoberfläche gut, oder aber wie vorher beschrieben die Granitplatten. Davon war ich echt überrscht!

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zehnzweidrittel @, Sonntag, 17. August 2014, 23:20 (vor 4466 Tagen) @ Hausorgler

Auch zu Thema Plexiglas kann ich ein Fotobeispiel bieten - in Form der Vorgängerorgel aus dem Jahre 1974 (Voll-Sperrholzgehäuse):

[image]

Die Schwellwirkung war eher minimal - das Schwellpositiv plärrte meistens ziemlich ungebremst in die Ohren der Chorsänger.

Viele Grüße

zehnzweidrittel

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Wolfgang Gourgé @, Sonntag, 17. August 2014, 23:32 (vor 4465 Tagen) @ zehnzweidrittel


Die Schwellwirkung war eher minimal -

....die architektonische Ausstrahlung des Prospektes übrigens auch. Allerdings vermag das arg gequetscht wirkende Rückpositivchen auch nicht so wirklich zu überzeugen....

Gruß,
Wolfgang

Schwellwerk

zehnzweidrittel @, Sonntag, 17. August 2014, 23:59 (vor 4465 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

....die architektonische Ausstrahlung des Prospektes übrigens auch. Allerdings vermag das arg gequetscht wirkende Rückpositivchen auch nicht so wirklich zu überzeugen....

Die Außentürmchen des RP wurden wohl beim Neubau 1974 bewusst abgesägt. Ein alte Fotos vor 1974 zeigt andere Porportionen.
Beim Neubau 2007 wurden die Proportionen wieder hergestellt - das übliche "Auf- und Ab" der Geschichte ...

Viele Grüße

zehnzweidrittel

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Friedrich @, Donnerstag, 08. September 2016, 21:22 (vor 3713 Tagen) @ JSBach

ob wohl schon mal jemand ausversehen einen Schwellkasten angebohrt hat (hier muss jetzt ein Kabel durch!) und dann ein Sandleck hatte? :)

Da bin ich fast sicher angesichts der angeborenen Sensibilität von Handwerkern gegenüber Musikintrumenten – auch wenn ich nur zu berichten habe, dass in der Aula der Freiburger Uni ein übereifriger Elektriker mal ein Kabel senkrecht durch die HW-Windlade geführt hat. Ist doch bloß Holz, kann man ja durchbohren!

Viele Grüße
Friedrich

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Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Donnerstag, 08. September 2016, 22:20 (vor 3713 Tagen) @ Oktavkoppler

War es Skinner oder D. Harrison - irgendwo las ich über Schwelljalousien mit Vakuum - wo kein Schall, da keine Dämmung, dachte man sich wohl.
Ist gemacht worden, aber wenn es richtig gut wäre (oder leicht herzustellen) würde man es wohl öfter sehen....

Schwellwerk

JSBach @, Donnerstag, 08. September 2016, 22:55 (vor 3713 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Einfach das gesamte Schwellwerk vakuumisieren! oh wait...

oder statt Schwellwerkstüren besteht die Front des Schwellwerks aus einer Vakuumkammer, die über den Schweller mit Luft befüllt bzw. geleert werden kann. Klappt bestimmt, aber vermutlich "etwas" reaktionslangsam

Schwellwerk

Orlos @, Donnerstag, 08. September 2016, 23:41 (vor 3712 Tagen) @ JSBach

In irgendeiner Fachzeitschrift habe ich einmal über Versuche gelesen, die Dämmung von Schwellwerken zu verbessern, indem man hinten auch Schwelltüren anbringt, die sich öffnen, wenn vorne geschlossen wird. Dahinter war dann akustisches Dämm-Material angebracht. Ich habe in Erinnerung, dass dadurch tatsächlich in der Kirche weniger vom Schwellwerk zu hören war. Das Ganze hat sich trotzdem nicht durchgesetzt, wahrscheinlich, weil man von hinten zum Stimmen an die Lade kommen muss.

Schwellwerk

Friedrich @, Freitag, 09. September 2016, 00:19 (vor 3712 Tagen) @ Orlos

In irgendeiner Fachzeitschrift …

Ähem.

[image]

Freiburg 2001, S. 41–60, Aufsatz von Dieter Braun, Thomas Becher und Christian Winkeler.

… habe ich einmal über Versuche gelesen, die Dämmung von Schwellwerken zu verbessern, indem man hinten auch Schwelltüren anbringt, die sich öffnen, wenn vorne geschlossen wird. Dahinter war dann akustisches Dämm-Material angebracht. Ich habe in Erinnerung, dass dadurch tatsächlich in der Kirche weniger vom Schwellwerk zu hören war. Das Ganze hat sich trotzdem nicht durchgesetzt, wahrscheinlich, weil man von hinten zum Stimmen an die Lade kommen muss.

Skizze des Versuchsaufbaus auf Seite 51.

Viele Grüße
Friedrich

der seinerzeit den Satz besorgte.

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