Frage zu 2 Stücken

JRorgel @, Samstag, 16. August 2014, 11:59 (vor 4467 Tagen)

Guten Tag an alle,
ich habe gestern mal wieder in meinem Archiv aus Noten gekramt und mir sind dabei
3 Stücke in die hand gefallen, die ich mir mal bestellt hatte, aber noch nie ausprobiert habe, und deshalb frage ich euch mal. Das eine Stück ist die "Incantation pour un jour saint" von Jean Langlais, das andere Stück ist die bekannte Toccata aus der Suite Op. 5 von Durufle, und das 3. Stück ist die Sonate über den 94. Psalm von Reubke, genauer gesagt der letzte Satz.

Nun meine Frage an euch: Wie sind eurer Erfahrung nach die Stücke zu bewältigen, wo gibt es Gemeinheiten und Problemstellen? Wie lange dauert etwa die Erarbeitung, wie ist der Schwierigkeitsgrad der Stücke?
Danke für eure Hilfe!

Viele Grüße
JRorgel

--
"Orgelspielen heißt, einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren." (Charles-Marie Widor)

Frage zu 2 Stücken

perotin, Samstag, 16. August 2014, 23:57 (vor 4466 Tagen) @ JRorgel
bearbeitet von perotin, Sonntag, 17. August 2014, 00:28

Das eine Stück ist die "Incantation pour un jour saint" von Jean Langlais, das andere Stück ist die bekannte Toccata aus der Suite Op. 5 von Durufle, und das 3. Stück ist die Sonate über den 94. Psalm von Reubke, genauer gesagt der letzte Satz.

An die "Incantation" habe ich mich vor 30 Jahren, als fortgeschrittener Orgelschüler, mal gewagt, nachdem ich das Stück durch eine LP kennengelernt hatte (Jean Langlais an der Orgel der Abteikirche Marienstatt). Es ist eine Fantasie über Motive der katholischen Osternachtsfeier, nämlich den Ruf "Lumen Christi" sowie die Allerheiligen-Litanei (Nr. 762 im alten Gotteslob, 556 im neuen).

Insgesamt sicher kein übermäßig schweres Werk, nicht machbar waren für mich allerdings die in schnellem Tempo zu spielenden oktavierten Sechzehntel (r.H.) gegen Ende:
Hier oder hier jeweils ab 4:34, hier schon ab 3:05
(Lauer spielt das Stück anscheinend recht schnell)

... da habe ich notgedrungen nur die Oberstimme gespielt, was aber der Intention des Komponisten sicher nicht ganz gerecht wird.

Die Duruflé-Toccata und die Reubke-Sonate sind sehr schwer! Es gibt bestimmt auch so manchen A-Kirchenmusiker, der das nicht spielen kann...

Für weniger virtuose Organisten ist aus der Duruflé-Suite der erste Satz zu empfehlen; macht aber eigentlich nur Sinn auf einer großen "symphonischen" Orgel mit "franzosentauglichem" Schwellwerk.

Grüße,
perotin

Frage zu 2 Stücken

JRorgel @, Sonntag, 17. August 2014, 09:13 (vor 4466 Tagen) @ perotin

Danke für die schnelle Information.
Dass der Durufle es sehr in sich hat, habe ich mir fast schon gedacht,
wenn man sich mal die Aufnahme von Latry anschaut...
Die Oktaven habe ich schonmal versucht, das geht eigentlich, obwohl ich das fis''' weglassen muss, da nicht vorhanden...
Und, noch eine Frage, wie macht sich das Finale aus der 1. Sinfonie von Vierne so?
(Dazu möchte ich anmerken, ohne überheblich wirken zu wollen: Ich habe 11 Jahre Klaviererfahrung, u.a. mit Rachmaninovs berühmten cis-Moll-Prelude, Brahms g-Moll-Ballade und Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung".)
Ich suche nähmlich noch Literatur für das festliche nachspiel des GDs zum Tag des
offenen Denkmals. Gut, Reubke und Durufle eignen sich dazu eher weniger, aber der Langlais vielleicht schon...und der Vierne?
Was meinst du?

Viele Grüße
JRorgel

--
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Frage zu 2 Stücken

FranzS., Sonntag, 17. August 2014, 12:53 (vor 4466 Tagen) @ JRorgel

Ich suche nähmlich noch Literatur für das festliche nachspiel des GDs zum Tag des
offenen Denkmals. Gut, Reubke und Durufle eignen sich dazu eher weniger, aber der Langlais vielleicht schon...und der Vierne?
Was meinst du?


Hallo,

wie wärs denn hiermit. Für einen guten Pianisten leicht zu lernen, dennoch keine Blendernummer.

Grüße Franz

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JRorgel @, Sonntag, 17. August 2014, 13:32 (vor 4466 Tagen) @ FranzS.

Ich suche nähmlich noch Literatur für das festliche nachspiel des GDs zum Tag des
offenen Denkmals. Gut, Reubke und Durufle eignen sich dazu eher weniger, aber der Langlais vielleicht schon...und der Vierne?
Was meinst du?

Hallo,

wie wärs denn hiermit. Für einen guten Pianisten leicht zu lernen, dennoch keine Blendernummer.

Grüße Franz

Vielen herzlichen Dank, das Stück ist toll!
Ist das aus den "Equisses byzanthines" oder von woanders her?

Grüße JRorgel

--
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Frage zu 2 Stücken

Florian-L @, Sonntag, 17. August 2014, 15:31 (vor 4466 Tagen) @ JRorgel

Ist das aus den "Equisses byzanthines" oder von woanders her?

Carillon-Sortie gehört nicht zu den "Equisses byzanthines".

Gruß, Florian

Frage zu 2 Stücken

tiratutti @, Samstag, 23. August 2014, 22:23 (vor 4460 Tagen) @ perotin
bearbeitet von tiratutti, Samstag, 23. August 2014, 22:27

An die "Incantation" habe ich mich vor 30 Jahren, als fortgeschrittener Orgelschüler, mal gewagt, nachdem ich das Stück durch eine LP kennengelernt hatte (Jean Langlais an der Orgel der Abteikirche Marienstatt). Es ist eine Fantasie über Motive der katholischen Osternachtsfeier, nämlich den Ruf "Lumen Christi" sowie die Allerheiligen-Litanei (Nr. 762 im alten Gotteslob, 556 im neuen).

Insgesamt sicher kein übermäßig schweres Werk, nicht machbar waren für mich allerdings die in schnellem Tempo zu spielenden oktavierten Sechzehntel (r.H.) gegen Ende:
Hier oder hier jeweils ab 4:34, hier schon ab 3:05
(Lauer spielt das Stück anscheinend recht schnell)

... da habe ich notgedrungen nur die Oberstimme gespielt, was aber der Intention des Komponisten sicher nicht ganz gerecht wird.

man sieht im Video schön, wie Lauer bei der Stelle nur auf seine Hände sieht. Er spielt also auswendig und unter vollständiger visueller Kontrolle.

Auf ein paar Druckfehler sei hingewiesen:
Takt 2: das d3 bleibt als Ganze liegen
Takt 4: das dis2 bleibt als Ganze liegen
Takt 4: bei der Halben h2 auf der 1 fehlt das Kreuz zum his2
Takt 7: fehlt das Abstoßen der Anches G (also des Grand Orgue/Manual I). Die Anches Recit verbleiben.
Takt 23: Anches ist zu streichen, es geht nur bei gleichbleibender Registrierung auf das gekoppelte I. Manual
Takt 33: ist analog Takt 34/35 in der linken Hand mit cis2.eis2 auf dem 7. Achtel zu spielen

Zum Tempo: wenn man die Metronomangaben von Langlais wörtlich nimmt, dann kommt eine Spieldauer allein für die Noten von mindestens 4 Minuten raus. Dazu dann die rallentandi, Fermaten und Piu lento-Angaben, die gern eine weitere Minute ergeben. Lauer ist mir zu hektisch.

Das Stück kann man liturgisch eigentlich nur in der Osternacht spielen. Dort entfaltet es dann aber durch die enge Verzahnung mit dem Lumen Christi des Diakons beim Hereintragen der brennenden Osterkerze und die Allerheiligenlitanei eine intensive Wirkung. Das klappt auch auf dem Land, dass Besucher diesen Bezug wahrnehmen und einen danach dahingehend positiv rückmeldend ansprechen.

Grüße von tiratutti

Frage zu 2 Stücken

B80C @, Sonntag, 24. August 2014, 06:24 (vor 4459 Tagen) @ tiratutti

Das Stück kann man liturgisch eigentlich nur in der Osternacht spielen.

Habe ich dieses Jahr im Regensburger Dom miterleben dürfen. Passte wirklich optimal und hatte eine wahnsinnige Wirkung!

Frage zu 2 Stücken

3rd_astronaut, Donnerstag, 06. Oktober 2016, 23:48 (vor 3684 Tagen) @ tiratutti

Gibt es in der Quelle zu den Druckfehlern (war glaube ich ein Buch?) eigentlich noch Korrigenda zu anderen Langlais-Stücken?
Sind z.B. alle Noten der linken Hand korrekt in der Meditation aus der Suite Medievale (da sind Haltebögen nicht korrekt, evtl auch Noten?) oder sollte in der Hymne d'Action de Grace in Takt 7 die linke Hand analog zu rechts gehalten sein? etc.

Frage zu 2 Stücken

AndreasM @, Völklingen, Freitag, 07. Oktober 2016, 00:37 (vor 3684 Tagen) @ 3rd_astronaut

zur Hymne d'Actions de grâces habe ich ein paar mündliche Korrekturen von Marie-Louise Langlais, ich weiß nicht, ob diese irgendwo erschienen oder revidiert wurden:

Takt 4 und 9: Tenor wird abgesetzt, Haltebögen entfallen

Takte 14 und 15: bei den C-Dur-Akkorden entfallen in beiden Händen die jeweils tiefsten e, also grifftechnisch nur Quartsextakkorde. Hat Langlais wohl aus klanglichen Gründen korrigiert. Parallelstellen gibt es wieder im C-Teil.

Takte 48 und 50: Rhythmus in den Oberstimmen muss hier analog zu Takt 38 4 punktierte Viertel lauten.

Grüße Andreas

Frage zu 2 Stücken

3rd_astronaut, Freitag, 07. Oktober 2016, 10:54 (vor 3684 Tagen) @ AndreasM

Cool, danke! Für so Infos mag ich das Forum :-)

Druckfehler bei Langlais [Frage zu 2 Stücken]

3rd_astronaut, Freitag, 18. April 2025, 18:04 (vor 569 Tagen) @ tiratutti

Ich weiß nicht, ob es hier schon mal verlinkt wurde: Es gibt (inzwischen?) auf der Homepage von Jean Langlais eine Übersicht über verlegte Kompositionen mit Fehlerkorrekturen: https://www.jeanlanglais.com/_Partitions.php?type=opo

Druckfehler bei Langlais [Frage zu 2 Stücken]

Orlos @, Freitag, 18. April 2025, 20:07 (vor 569 Tagen) @ 3rd_astronaut

Super, herzlichen Dank! Wirklich sehr hilfreich.
Könnte man eigentlich zentral für alle Komponisten anlegen, so eine Art Fehler-Wikipedia.

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