Ulrich Rasche in St. Lambertus, D-Altstadt
Hallo Forum,
es gibt Konzerte, über die zu berichten wenig Freude macht. Dazu gehörte das August-Konzert der Internationalen Orgelkonzerte an St. Lambertus am 04.08.2014 in Düsseldorf. Ulrich Rasche war der Spieler - in Düsseldorf wohlbekannt als langjähriger Betreuer der Orgelmusik zur Marktzeit in St. Maximilian, als Spieler von Orgelzyklen (Liszt, C. Schumann, Rheinberger) usw.
Rasche begann mit C.Ph.E. Bach, Praeludium D-Dur Wq 70/7. Extrem lange Anfangsakkorde sollen wollen die Bedeutsamkeit dessen hervorkehren, was dann folgt. Nun, es gibt munteres Plätschern und immer wieder diese Akkorde als Einschübe im Rhythmus lang-ganz kurz-lang. Rasche registrierte dicht und kompakt.
Von William Faulkes (1863-1933) spielte Rasche dann eine Sonate in d-moll mit den Sätzen Moderato, Adagio und Finale.Allegro non troppo. Daß sich Faulkes, über den sich kaum etwas im Netz recherchieren läßt, mit Widor etc. vertraut gemacht hatte, steht außer Frage. Seine Musik hat aber weniger französische Clarté, ist weniger klangsinnig, kompakter und ein wenig herb. Das allein muß nicht abschrecken. Aber Rasche betonte diese Seite der Komposition noch durch fette Registrierungen. Alles war um eine Etage zu laut, zu dicht. Ausforsten hätte hier gut getan.
Wer Mozartkugeln liebt (lecker!), war hier an der richtigen Stelle: Nein, es war schwer erträglich, was Rasche aus dem Adagio der Linzer Symphonie KV 425 hier machte. Flötig süß wie Zuckerguß.
Und am Ende eine eigene Komposition: Symphonische Sonate Nr. 1 op. 29 über S-C-H-A-D-A-C-H. Ob sich hinter dem Wort dieser Tonfolge ein besonderer Inhalt verbirgt, blieb im Dunklen. Googlen nach Schadach brachte kein Ergebnis. Mir sind weder Orte noch Personen oder biblische Bezüge (klingt irgendwie hebräisch?!) bekannt.
Das Prélude begann mit auffahrendem Signal, dann das Thema im Pedal. Das ausgedehnte Stück, überwiegend im Forte, wurde zweimal durch lyrische Passagen unterbrochen. Die rund 100 Hörer hatten darin und im heftigen Schluß bereits die noch folgenden Sätze Canzone und Toccata ausgemacht und applaudierten vorzeitig. Die Canzone zeigte sich ganz im spätromantischen Stil mit einer Reihe schöner Klangmischungen. Aber so etwas wurde schließlich schon vor 100 Jahren geschrieben, wirkt als Komposition von 2011 doch etwas anachronistisch. Desgleichen die Toccata, die im Sound stellenweise amerikanischer Filmmusik nahekam und neben spieltechnischem Aufwand und viel Forte kaum etwas bemerkenswertes zu bringen vermochte.
Der Beifall war sehr höflich: Stark aber kurz.
Gruß Clemens Schäfer
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Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)