Thorsten Göbel in der Neanderkirche, Düsseldorf-Altstadt

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Donnerstag, 31. Juli 2014, 13:39 (vor 4477 Tagen)

Hallo Forum,

6. Sommerliches Orgelkonzert in der Neanderkirche, Düsseldorf-Altstadt.. Diesmal war Thorsten Göbel von der Auferstehungskirche zu Gast. Der hatte sich mit seinem Programm etwas verrechnet; doch dazu später.

Zuerst gab es mit BWV 547 nahrhafte Kost. Göbel spielte die Baßlinie im Praeludium konsequent Portato, die Oberstimmen markant akzentuiert. So ergab sich keine verbindliche Interpretation sondern eine Aufmerksamkeit erregende. Es sollte wohl die Nähe zur norddeutschen Barockorgel à la Schnitger gezeigt werden. Die Fuge war etwas weniger auffällig registriert und lief sehr präzise.

Danach ein Mendelssohn-Block: Zuerst der Choral “Wachet auf” von Philipp Nicolai (herrlich weiche Stimmen nach dem Bach!), dann die Ouverture zu “Paulus”, in der ja diese Melodie gut erkennbar verarbeitet ist. Danach dieselbe zu “Athalia”. Die bluttriefende Geschiche aus dem AT hatte Göbel in seiner Vorrede kurz angerissen. Trotzdem schönster Mendelssohn, auch wenn es einige Schärfen und Eintrübungen (dem Stoff gemäß!) gab.

Im Mittelpunkt des Konzerts dann das Choralvorspiel “Schmücke Dich, o liebe Seele”, wie es Mendelssohn am 6.8.1840 in der Thomaskirche zu Leipzig zu Gunsten des Bachdenkmals gespielt hatte. Ruhig und bis in die letzte Feinheit genau ausformuliert. Einfach herrlich.

Nun schloß Göbel Rheinbergers 14. Sonate C-Dur op. 165 an. Im Praeludium gibt es eine Fuge, das Idylle ist hübsch, aber leicht durchschaubar und die Toccata am Ende lang. Kunstfertig ist das alles, solide gemacht. Aber an Inspiration mangelt es dem Stück doch. Vieles ist zu einfach vorhersehbar, zu sehr in bekannten Bahnen gestrickt; es fehlt an Überraschungen, an Spannung. Da konnte auch die tadellose Wiedergabe nichts ändern.

So hoffte man auf neue Erkenntnisse beim Schlußstück des Konzerts, der Orgelsonate Nr. 3 B-Dur op. 19 von Max Gulbins (1862-1932), die dieser 1901 in Elbing komponiert hatte. Aber daraus wurde nichts - jedenfalls nichts Ganzes. Denn es geschah, was nicht hätte geschehen sollen: Nach dem Rheinberger begann erst zaghafter, dann andauernder Beifall. Es war inzwischen 19:45h (Beginn 18:30h), es war über 26° warm, und die Luft in der Kirche war bei über 300 Hörern bis auf eine kleine Restmenge aufgezehrt. So blieb Göbel nichts anderes übrig als zu betonen, er käme gerne wieder und spiele jetzt sozusagen als Zugabe nur noch den letzten Satz der Gulbin-Sonate. Oh hätte er doch statt dessen den Rheinberger eingespart!

Gruß Clemens Schäfer

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Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)


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