Wiederinbetriebnahme Kemper-Orgel, Rhein-Mosel-Halle, Koblenz

kjz1, Freitag, 25. Juli 2014, 18:47 (vor 4481 Tagen)

Hallo!

Da immer noch Saure Gurken Zeit ist, hat unsere Regionalzeitung heute wieder einen Orgelartikel publiziert (aber auch aus anderen Gründen, dazu später mehr).

Unsere Stadthalle wurde in den letzten Jahren generalsaniert und bis auf den Beton entkernt. Da musste natürlich auch die Orgel weichen. Es handelt sich dabei um eine 1963 (zusammen mit der Halle) erbaute Kemperin: IV/70, elektropneumatische Traktur, 5674 Pfeifen. Zur Zeit ihrer Erbauung war sie die größte Profanorgel in Deutschland.

Die Orgel ist in 2 Kammern (relativ weit voneinander getrennt) links und rechts der Bühne aufgestellt. Aufgrund dieser nicht unbedingt optimalen Aufstellung sollen (gerüchteweise) andere Orgelbauer damals den Auftrag abgelehnt haben. Von der Orgel sieht man normalerweise recht wenig, sie ist auf diesem Bild hinter den dunklen Vorhängen ganz links und rechts augestellt. Bei Konzerten werden die Vorhänge aufgezogen und die Holzschutzwand dahinter aufgeklappt. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass die Akustik der Halle ziemlich 'staubtrocken' ist.

Zwischenzeitlich wurde die Orgel zweimal durch eine 'übereifrige' Sprinkleranlage unter Wasser gesetzt, was natürlich zu Schäden geführt hat.

Orgelbauer H. Mayer (der z. Zt. auch die Orgel in St. Kastor hier in der Stadt baut) hat die Orgel jetzt renoviert. Die Kosten beliefen sich auf 150 - 170.000 Euro. Im Wesentlichen wurde die Orgel dem Bericht nach ausgebaut, gereinigt, repariert, gestimmt und wieder eingebaut. Also keine klanglich umfassende Überarbeitung.

Wesentliche Änderungen: die Windversorgung wurde verbessert und es wurde die Elektrik (bisher ein armdickes Kabel am Spieltisch) auf ein Bussystem umgestellt. Jetzt genügt ein dünnes Glasfaserkabel zum Spieltisch. Bisher hatte die Orgel auch nur 4 freie Kombinationen. Der Zeitungsverleger hat zusätzlich 20.000 Euro gestiftet, so dass jetzt (in einer Schublade am Spieltisch programmierbar) eine elektronische Setzeranlage mit 10.000 Kombinationen zur Verfügung steht.

Die Orgel soll mit einem Konzert (Manfred Faig, Koblenz; Jörg Schwab, Freiburg) am 17. Oktober (Bach, Improvisationen, das Poulenc-Konzert) wieder in Betrieb genommen werden.

Viele Grüße,

- Karl-Josef

Wiederinbetriebnahme Kemper-Orgel, Rhein-Mosel-Halle, Koblenz

Wolfgang Gourgé @, Freitag, 25. Juli 2014, 21:34 (vor 4481 Tagen) @ kjz1

Hallo!

Da immer noch Saure Gurken Zeit ist, hat unsere Regionalzeitung heute wieder einen Orgelartikel publiziert (aber auch aus anderen Gründen, dazu später mehr).

Unsere Stadthalle wurde in den letzten Jahren generalsaniert und bis auf den Beton entkernt. Da musste natürlich auch die Orgel weichen. Es handelt sich dabei um eine 1963 (zusammen mit der Halle) erbaute Kemperin: IV/70, elektropneumatische Traktur, 5674 Pfeifen. Zur Zeit ihrer Erbauung war sie die größte Profanorgel in Deutschland.

Die Orgel ist in 2 Kammern (relativ weit voneinander getrennt) links und rechts der Bühne aufgestellt. Aufgrund dieser nicht unbedingt optimalen Aufstellung sollen (gerüchteweise) andere Orgelbauer damals den Auftrag abgelehnt haben. Von der Orgel sieht man normalerweise recht wenig, sie ist auf diesem Bild hinter den dunklen Vorhängen ganz links und rechts augestellt. Bei Konzerten werden die Vorhänge aufgezogen und die Holzschutzwand dahinter aufgeklappt. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass die Akustik der Halle ziemlich 'staubtrocken' ist.

Zwischenzeitlich wurde die Orgel zweimal durch eine 'übereifrige' Sprinkleranlage unter Wasser gesetzt, was natürlich zu Schäden geführt hat.

Orgelbauer H. Mayer (der z. Zt. auch die Orgel in St. Kastor hier in der Stadt baut) hat die Orgel jetzt renoviert. Die Kosten beliefen sich auf 150 - 170.000 Euro. Im Wesentlichen wurde die Orgel dem Bericht nach ausgebaut, gereinigt, repariert, gestimmt und wieder eingebaut. Also keine klanglich umfassende Überarbeitung.

Wesentliche Änderungen: die Windversorgung wurde verbessert und es wurde die Elektrik (bisher ein armdickes Kabel am Spieltisch) auf ein Bussystem umgestellt. Jetzt genügt ein dünnes Glasfaserkabel zum Spieltisch. Bisher hatte die Orgel auch nur 4 freie Kombinationen. Der Zeitungsverleger hat zusätzlich 20.000 Euro gestiftet, so dass jetzt (in einer Schublade am Spieltisch programmierbar) eine elektronische Setzeranlage mit 10.000 Kombinationen zur Verfügung steht.

Die Orgel soll mit einem Konzert (Manfred Faig, Koblenz; Jörg Schwab, Freiburg) am 17. Oktober (Bach, Improvisationen, das Poulenc-Konzert) wieder in Betrieb genommen werden.

Viele Grüße,

- Karl-Josef

.....diese Halle verströmt den Charme eines Urologenkongresses - die Orgel wahrscheinlich auch.....

Wozu ja paßt, daß sie schon zweimal von der Sprinkleranlage unter Wasser gesetzt wurde. Ich hab's schon mal erwähnt, aber aus diesem Anlaß nochmal: in den 1970ern, eine Orgelbauer-Runde, dabei auch Kemper-Leute. Einer von ihnen: "unseren Orgeln kann Feuchtigkeit nichts anhaben!" - Antwort aus der Gruppe: "...und unter Wasser klingen eure Orgeln sogar noch viel besser....."

Sorry, Karl-Josef, ich hoffe, Du bist kein Koblenzer Lokalpatriot.....

feuchte Grüße,
Wolfgang

Wiederinbetriebnahme Kemper-Orgel, Rhein-Mosel-Halle, Koblenz

ado ⌂ @, Samstag, 26. Juli 2014, 10:30 (vor 4480 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

.....diese Halle verströmt den Charme eines Urologenkongresses - die Orgel wahrscheinlich auch.....

über die qualität der orgel kann ich natürlich nichts sagen, die innenarchitektur der halle spricht mich ästhetisch aber durchaus an (um da einfach mal gegenzuhalten). insofern freut es mich auch, daß die orgel reaktiviert wird. in mancher hinsicht bin ich einfach optimist: irgendwas kann man ja wohl aus fast jeder orgel machen, und fast jede orgel ist vielfach besser als keine.

Wiederinbetriebnahme Kemper-Orgel, Rhein-Mosel-Halle, Koblenz

kjz1, Samstag, 26. Juli 2014, 14:08 (vor 4480 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
bearbeitet von kjz1, Samstag, 26. Juli 2014, 14:12

Hallo Wolfgang!

Sorry, Karl-Josef, ich hoffe, Du bist kein Koblenzer Lokalpatriot.....

Auf diesen Kommentar von Wolfgang habe ich gewartet, da Wolfgang ja insbesondere ein 'glühender und bekennender Fan' von Kemper-Orgeln ist... ;-)

Ich bin zwar Lokalpatriot, aber über das Design der Halle kann man durchaus geteilter Meinung sein. Zur Zeit der Erbauung, als teilweise noch das 'Gelsenkirchener Barock' vorherrschte, hat man das Design der Halle als modern und wegweisend für die Zukunft empfunden. Es sollte halt auch ein Zweckbau mit vielfältiger Funktion sein. Mit fällt dazu direkt der Begriff 'neue Sachlichkeit' ein. Und auch tatsächlich:

Der Architekt Wilhelm Neveling realisierte einen viergeschossigen „Stahlbetonkubus mit einer zum Rhein hin wirksamen Vorhängefassade“ in der formalen Architektur der 1950er Jahre, basierend auf den Ideen des Bauhauses. (Quelle)

Die Denkmalschützer waren auch sehr interessiert daran, dass die Halle im Innern möglichst nicht geändert wird. Insbesondere nicht die Rhombendecke und die langen Lüster. Die größte Änderung sind die Paneele an den Wänden, die den Schall dispersieren sollen. Früher waren dort lange Gardinen, jetzt können hinter diese Paneele reflektierende Platten eingefahren werden, die den Schall besser reflektieren. Die Vorgängerhalle war in Neo-Renaissance gehalten und besass ebenfalls eine Orgel (Voit, wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht). Diese fiel allerdings den Bomben des 2. Weltkrieges zum Opfer. Die Halle ist halt ein Kind ihrer Zeit und insofern kann ich die Argumentation der Bauhistoriker schon etwas verstehen.

Die Orgel befindet sich in den 2 Kammern, die man hier oben links und rechts der Bühne sehen kann. Ein kurzer Artikel ist jetzt auch online, ebenso ein Blick in eine der Kammern. Vielleicht bringt die Verbesserung der Windversorgung (ich vermute: neues Gebläse, größere Windkanäle, leicht erhöhter Winddruck) auch etwas.

Was wäre denn realistischerweise die Alternative gewesen? Die Orgel musste man so oder so für die Hallenrenovierung ausbauen. Für denselben Preis hätte man dann ein großes Digital-Instrument der gehobenen Preisklasse kaufen können und die Lautsprecher in die dann leeren Orgelkammern gestellt. Aber ob dies die bessere Variante gewesen wäre, wo hier halt quasi der 'Original-Zustand' wiederhergestellt wurde.

Fragt sich,

- Karl-Josef

Wiederinbetriebnahme Kemper-Orgel, Rhein-Mosel-Halle, Koblenz

Friedrich @, Samstag, 26. Juli 2014, 14:34 (vor 4480 Tagen) @ kjz1

… Ein kurzer Artikel ist jetzt auch online, ebenso ein Blick in eine der Kammern.

Heidewitzka, ist das alles schmal. Die Kupferpfeifen im Hintergrund dürften ein abgeführtes 16’-Prinzipal und die tiefe Oktave eines Streichers sein (Harfpfeife oder so wird der dann heißen). Dahinter ahnt man ganz rechts gedeckte Holzpfeifen und Mündungen eines offenen 8’-Registers.

Dann direkt vor dem Herrn im Kurzen Arm ein Nagelbett aus, ich rate mal, Zwergzimbel VIII und Hintersatz XIV. Das Holz, aus dem die Posaunenbecher rechts sind (auch mehr die schlanke Sorte), macht keinen übermäßig edlen Eindruck. Ein Rankett und eine Drehdeckeloboe – eigentlich würde ich da irgendwo eine Schwellwand erwarten, aber muss ja nicht sein. Eine relativ fette Spitzflöte 4’ sehe ich neben einer 4’-Rohrflöte; ganz rechts im Vordergrund sind enorm enge Stöpsel zu sehen, wahrscheinlich stöpseln die etwas Konisches zu. Davor so etwas wie eine Oktave 4’.

Das ist alles sehr rätselhaft. Wo in der Orgel kann man denn da sein? Die Lade, die man in ihrer Gänze sieht (Rankett, Spitzflöte 4’, Rohrflöte 4’, ein paar teils konische Aliquoten, Mixturen), könnte zu einem Positivwerk gehören, aber dann fehlen die Achtfüße. Posaune und der kupferne 16’ wiederum deuten aufs Pedal; Oboe 8’, Oktave 4’, Streicher 8’ und eventuell ein Spitzgedackt 8’ würde ich in einem größeren Nebenwerk vermuten, Oberwerk oder Schwellwerk. Andererseits muss man bei einer Disposition dieser Kempergeneration auf alles gefasst sein (Hauptwerke ohne Oktave 4’ z. B.).

Es bleibt spannend.

Viele Grüße
Friedrich

Wiederinbetriebnahme Kemper-Orgel, Rhein-Mosel-Halle, Koblenz

kjz1, Samstag, 26. Juli 2014, 15:23 (vor 4480 Tagen) @ Friedrich

Von der Halle aus ist nur ein 16' Kupferprinzipal zu sehen. Das könnte dann die Öffnung im Hintergrund sein, die man leicht angeschnitten sieht.

Wiederinbetriebnahme Kemper-Orgel, Rhein-Mosel-Halle, Koblenz

Wolfgang Gourgé @, Samstag, 26. Juli 2014, 16:36 (vor 4480 Tagen) @ kjz1

Von der Halle aus ist nur ein 16' Kupferprinzipal zu sehen. Das könnte dann die Öffnung im Hintergrund sein, die man leicht angeschnitten sieht.

....oh weh - was soll da rauskommen? - Es ist schon in Ordnung, daß man die Orgel wiederherstellt, zumal die Firma, die's macht, eine gute Adresse ist. Aber die Pfeifen sind eingesperrt in einer Höhle, und aus den relativ kleinen Öffnungen kann kaum was herauskommen - zumal dann, wenn diese auch noch mit großen Pfeifen versperrt sind. Erinnert mich an die Aufstellung der Orgel im Salle Pleyel in Paris über der Bühne mit einem über die Bühnenbreite gehenden Schlitz in der Decke, durch den sie klang - oder besser: nicht klang. Meine Erwartungen wären jedenfalls nicht sehr hoch.

Gruß,
Wolfgang

Wiederinbetriebnahme Kemper-Orgel, Rhein-Mosel-Halle, Koblenz

kjz1, Samstag, 26. Juli 2014, 17:24 (vor 4480 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

....oh weh - was soll da rauskommen?

Es gibt nicht nur die Öffnung zum Saal hin nach vorne (also direkter Schall; hinter den Orgelpfeifen im Prospekt war ein dünnes schwarzes Tuch gespannt, drumherum war aber durchaus noch viel freie Fläche zum Klangaustritt, das Photo täuscht da etwas). Die Orgelkammern haben auch eine Öffnung (wenn ich mich richtig erinnere, sah ich da 'vergitterte Pfeifen') zur Seite in den Bühnenraum hinein, also indirekter Schall. Dazu kommt aber noch, dass die Halle wirklich eine staubtrockene Akustik hat. Mit irgendwelchem Hall kann da im Klang nichts beschönigt oder 'verschmiert' werden.

In den Siebzigern (also nach den Wasserschäden) habe ich dort das wohl einzige Orgelsolo-Konzert gehört: Peter Dicke u.a. mit Werken von Reger. Da 'stand' der Klang durchaus solide im Raum (ohne jedoch genau ortbar zu sein), ohne dass es jetzt zu laut geworden wäre. Vom Klangeindruck her erinnerte die Orgel mich etwas an die Klaisine in der Bonner Beethovenhalle. Ich bin dann mal gespannt, wie es denn im Zusammenspiel mit einem Symphonieorchester aussieht.

Wiederinbetriebnahme Kemper-Orgel, Rhein-Mosel-Halle, Koblenz

Friedrich @, Samstag, 26. Juli 2014, 11:04 (vor 4480 Tagen) @ kjz1

Gibt’ denn irgendwo eine Disposition zu lesen?

Ich erinnere mich an eine Abbildung der Kemper-Orgel des Kieler Schlosses im fantastischen, leider immer vergriffenen Fotobuch »Orgeln der Gegenwart«. In der Disposition stand der mir damals fremde Begriff »Pitman-Laden«. Wurde die vielleicht auch hier verbaut? Das könnte z. B. erklären, wie die Orgel zwei Sprinkler-Angriffe reparabel überstanden hat.

Viele Grüße
Friedrich

Dispo, war: Wiederinbetriebnahme Kemper-Orgel, Rhein-Mosel-Halle, Koblenz

jrbecker @, Samstag, 26. Juli 2014, 22:30 (vor 4480 Tagen) @ Friedrich
bearbeitet von jrbecker, Samstag, 26. Juli 2014, 22:47

Gibt’ denn irgendwo eine Disposition zu lesen?

Auf www.die-orgelseite.de. Ich erlaube mir einmal zu zitieren:

I. Hauptwerk
Prinzipal 16
Prinzipal 8
Offenflöte 8
Metallgedackt 8
Spitzgamba 8
Oktave 4
Rohrflöte 4
Quinte 2 2/3
Oktave 2
Cornet VI
Mixtur VI
Zimbel III
Trompete 16
Trompete 8
Trompete 4


II. Oberwerk
Praestant 8
Spitzgedackt 8
Gemshorn 8
Italienischer Prinzipal 4
Blockflöte 4
Rohrquinte 2 2/3
Oktave 2
Spitzflöte 2
Scharffmixtur IV
Glockenzimbel IV
Rankett 16
Ged. Trompete 8
Rohrschalmey 4
Tremulant


III. Schwellwerk
Gedacktpommer 16
Prinzipal 8
Bordun 8
Salicional 8
Schwebung 8 ab c
Oktave 4
Querflöte 4
Schwegel 2
Terzflöte 1 3/5
Sifflöte 1 1/3
Septime 1 1/7
Oktävlein 1
None 8/9
Rauschquinte II
Mixtur V
Scharffzimbel II
Dulzian 16
Oboe 8
Kopfregal 4
Tremulant


IV. Positiv
Holzgedackt 8
Quintade 8
Prinzipal 4
Spillflöte 4
Oktave 2
Nasat 1 1/3
Sesquialter II
Scharff IV
Krummhorn 8
Tremulant


Pedalwerk
Prinzipal 16
Subbass 16
Gedacktbass 16
Quintbass 10 2/3
Oktavbass 8
Flötbass 8
Choralbass 4
Nachthorn 2
Basszink III
Pedalmixtur V
Großfagott 32
Posaune 16
Trompete 8
Klarine 4
Singend Cornett 2


Als Quelle wird dort ein "Fax Rhein-Mosel-Halle" angeführt.

LG
Jörg

Dispo, war: Wiederinbetriebnahme Kemper-Orgel, Rhein-Mosel-Halle, Koblenz

tombecher @, Saarbrücken, Sonntag, 27. Juli 2014, 00:01 (vor 4480 Tagen) @ jrbecker
bearbeitet von tombecher, Sonntag, 27. Juli 2014, 00:14

Hallo,

aus meiner Erinnerung heraus stimmt die Dispo so. Hatte im Vorgängerforum schon mal was zu der Orgel geschrieben - zumindest das Pfeifenmaterial ist eher hochwertig... Zinkpfeifen findet man in der Orgel nicht, alles >8' ist in Kupfer (oder Holz), alles <8' in Zinn... Die 16' Prinzipale von HW und Pedal sind eigenständige Register, keine Transmission.
HW und OW sowie Teile des Pedals stehen links der Bühne; SW, Pos. und der Rest vom Pedal rechts. Die Zimbel im SW ist meiner Erinnerung nach 5fach, nicht 2fach (...machts auch nicht angenehmer... ;-))
In Anbetracht der Entstehungszeit und der Erbauerfirma könnte man wahrlich haarsträubendes erwarten... dem ist aber durchaus nicht so. Das Instrument ist m.E. von guter Qualität und durchaus erhaltenswert.
Das von Karl-Josef verlinkte "Kammerfoto" *) zeigt die linke Kammer mit der OW-Lade, darunter das HW, man sieht rechts die Kupferbecher von Trompete 16'. Die Holzbecher gehören zum Kontrafagott 32' (C-H halbe Länge) des Pedals.

Viele Grüße
Thomas

*) P.S. Der Herr im verschwitzten Hemd auf dem Foto ist ein sehr guter Freund von mir. Sollte weiterer Informationsbedarf bestehen, kann ich mich bei ihm gerne schlau machen... ;-)

Dispo, war: Wiederinbetriebnahme Kemper-Orgel, Rhein-Mosel-Halle, Koblenz

Friedrich @, Sonntag, 27. Juli 2014, 00:36 (vor 4480 Tagen) @ jrbecker

Gibt’ denn irgendwo eine Disposition zu lesen?

Auf www.die-orgelseite.de. Ich erlaube mir einmal zu zitieren:
…

Danke, auch an tombecher. Alles sehr interessant.

Das mit der Oberwerkslade war dann klar (Blockflöte & Rohrnasat – aha), aber die Kupferbecher aus dem HW hatte ich für was Zylindrisches gehalten. So täuscht man sich.

Wenn die Orgel anständig klingt und konstruiert ist, fragt man sich, wer da sachverständigt hat. Irgendjemand dürfte dann den Kempers doch auf die Finger geschaut haben.

(Fragt »man« sich wirklich, und ich bitte um Entschuldigung, dass ich selber im Moment nicht selber forschen kann. Um so mehr Dank an alle, die hier Auskunft parat hatten!)

Viele Grüße
Friedrich

Wiederinbetriebnahme Kemper-Orgel, Rhein-Mosel-Halle, Koblenz

kjz1, Sonntag, 27. Juli 2014, 15:45 (vor 4479 Tagen) @ kjz1

Es wurde noch ein Artikel und weitere Bilder online gestellt:

Artikel

Pfeifenreinigung

Der Juniorchef in einer Kammer

Beim Pfeifenstimmen

Die ausgebauten Klaviaturen

Der Juniorchef am Spieltisch (unten ist die neue Schublade mit der Setzersteuerung zu sehen)

Wiederinbetriebnahme Kemper-Orgel, Rhein-Mosel-Halle, Koblenz

kjz1, Montag, 28. Juli 2014, 09:32 (vor 4478 Tagen) @ kjz1

Hier noch einmal die Disposition, wie ich sie mittlerweile aus 'offizieller' Quelle erhalten habe:

I. Manual
1. Principal 16’
2. Principal 8’
3. Offenflöte 8’
4. Spitzgambe 8’
5. Metallgedackt 8’
6. Oktave 4’
7. Rohrflöte 4’
8. Quinte 2 2/3’
9. Oktave 2’
10. Zimbel III
11. Cornett VI
12. Mixtur VI
13. Trompete 16’
14. Trompete 8’
15. Trompete 4’
16. IV – I
17. III – I
18. II – I


II. Manual
38. Prästant 8’
39. Gemshorn 8’
40. Spitzgedackt 8’
41. Ital. Prinzipal 4’
42. Blockföte 4’
43. Rohrquinte 2 2/3’
44. Oktave 2’
45. Spitzflöte 2’
46. Glockenzimbel IV
47. Scharffmixtur IV
48. Rankett 16’
49. Ged. Trompete 8’
50. Schalmey 4’
51. IV – II
52. III - II
Tremulant


III. Manual
53. Gedacktpommer 16’
54. Prinzipal 8’
55. Salicional 8’
56. Schwebung 8’
57. Bordun 8’
58. Oktave 4’
59. Querflöte 4’
60. Schwiegel 2’
61. Sifflöte 1 1/3’
62. Septime 1 1/7’
63. Terzflöte 1 3/5’
64. Oktävlein 1’
65. None 8/9’
66. Rauschquinte II
67. Scharffzimbel V
68. Mixtur V
69. Dulcian 16’
70. Oboe 8’
71. Kopfregal 4’
72. IV – III
Tremulant


IV. Manual
73. Holzgedackt 8’
74. Quintade 8’
75. Prinzipal 4’
76. Spillflöte 4’
77. Oktave 2’
78. Nasat 1 1/3’
79. Sesquialtera II
80. Scharff IV
81. Krummhorn 8’
Tremulant


Pedal
19. Principal 16’
20. Subbass 16’
21. Gedacktbass 16’
22. Quintbass 10 2/3’
23. Octavbass 8’
24. Flötbass 8’
25. Choralbass 4’
26. Nachthorn 2’
27. Basszink III
28. Pedalmixtur V
29. Großfagott 32’
30. Posaune 16’
31. Trompete 8’
32. Klarine 4’
33. Singend Cornett 2’
34. IV – Ped.
35. III – Ped.
36. II – Ped

Und ja, Friedrich hatte recht mit seiner Vermutung: Kemper hat in dieser Orgel Pitman-Laden gebaut.

Interessant am Rande, dass die Orgelbaufirma damit 2 größere Orgelbauprojekte parallel (Rhein-Mosel-Halle und St. Kastor) durchführt. Beide Gebäude sind nur ca. 15 min. Fußweg voneinander entfernt. Da es Termine gibt, sind aber 2 unterschiedliche Intonationsteams mit den beiden Orgeln beschäftigt.

Wiederinbetriebnahme Kemper-Orgel, Rhein-Mosel-Halle, Koblenz

kjz1, Dienstag, 29. Juli 2014, 20:37 (vor 4477 Tagen) @ kjz1

Mittlerweile ist der Einweihungstermin auch offiziell bekanntgegeben.

Wiederinbetriebnahme Kemper-Orgel, Rhein-Mosel-Halle, Koblenz

Solcena ⌂ @, Dienstag, 29. Juli 2014, 21:06 (vor 4477 Tagen) @ kjz1

Mittlerweile ist der Einweihungstermin auch offiziell bekanntgegeben.

Hmmmh, sieht nicht so aus, als würde man die Orgel in irgendein Konzert bis zur nächsten Sommerpause integrieren... Ad Multos Annos.

Wiederinbetriebnahme Kemper-Orgel, Rhein-Mosel-Halle, Koblenz

kjz1, Mittwoch, 30. Juli 2014, 09:08 (vor 4476 Tagen) @ Solcena

Hmmmh, sieht nicht so aus, als würde man die Orgel in irgendein Konzert bis zur nächsten Sommerpause integrieren... Ad Multos Annos.

Das ist wohl das Schicksal, dass sie mit den meisten anderen Saalorgeln teilt: erst mit großem Aufwand gebaut, dann aber selten genutzt und in Vergessenheit geraten. Da kann man schon froh sein, dass die Orgel bei der Hallenrenovierung nicht völlig entfernt, sondern danach wiederhergestellt wurde.

Andererseits: bisher hatte die Orgel immer einen Kustos. Lange Jahre war dies der Organist meiner Heimatgemeinde, jetzt ist dies anscheinend der Organist der Nachbargemeinde. Und mit der Kombination von Pitman-Lade, Bus-System und Ansteuerung über Glasfaserkabel hat man zumindestens ein System, was als relativ 'unkaputtbar' gilt.

Neben dieser Konzertreihe gibt es auch noch andere (Chor-)Konzerte, da könnte die Orgel auch noch zum Einsatz kommen. Und der Spielplan für die Symphoniekonzerte hat meines Wissens nach einen recht langen Vorlauf, da plant man lieber keine Orgel ein, sofern der Fertigstellungstermin nicht sicher feststeht.

Wiederinbetriebnahme Kemper-Orgel, Rhein-Mosel-Halle, Koblenz

kjz1, Samstag, 02. August 2014, 13:44 (vor 4473 Tagen) @ kjz1

Hallo!

Es gab anscheinend einen Pressetermin, deshalb die Aufmerksamkeit in der Lokalpresse. In diesem Artikel ist von Pidmentladen (sic!) die Rede. Aber auch davon, dass die Holzpfeifen aus Mahagoni gefertigt wurde (aber wohl nicht bei allen Holzpfeifen?). Also anscheinend tatsächlich eine Orgel, wo jemand Kemper 'auf die Finger geschaut' hat.

Viele Grüße,

- Karl-Josef

Wiederinbetriebnahme Kemper-Orgel, Rhein-Mosel-Halle, Koblenz

Wolfgang Gourgé @, Samstag, 02. August 2014, 13:47 (vor 4473 Tagen) @ kjz1

Hallo!

Es gab anscheinend einen Pressetermin, deshalb die Aufmerksamkeit in der Lokalpresse. In diesem Artikel ist von Pidmentladen (sic!) die Rede. Aber auch davon, dass die Holzpfeifen aus Mahagoni gefertigt wurde (aber wohl nicht bei allen Holzpfeifen?). Also anscheinend tatsächlich eine Orgel, wo jemand Kemper 'auf die Finger geschaut' hat.

Viele Grüße,

- Karl-Josef

....immerhin war nicht von Pigmentladen die Rede.....

Wiederinbetriebnahme Kemper-Orgel, Rhein-Mosel-Halle, Koblenz

kjz1, Samstag, 02. August 2014, 14:50 (vor 4473 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
bearbeitet von kjz1, Samstag, 02. August 2014, 15:31

....immerhin war nicht von Pigmentladen die Rede.....

Rein phonetisch hat der Reporter ja gerade noch so 'die Kurve gekratzt'...

Andererseits: wer weiss, wie verdreckt die Lade nach so vielen Jahren war, insofern...

Wiederinbetriebnahme Kemper-Orgel, Rhein-Mosel-Halle, Koblenz

kjz1, Montag, 13. Oktober 2014, 09:37 (vor 4401 Tagen) @ kjz1

Hallo!

Heute gab es einen Bericht in unserer Lokalzeitung über die Wiederinbetriebnahme der renovierten Kemperin am 17. Oktober in der Rhein-Mosel-Halle:

Die Hallenorgel bricht endlich ihr Schweigen (falls deren Paywall den Zugriff zuläßt)

Das Bild zeigt eine Orgelkammer, die Kupferpfeifen im Hintergrund bilden den Prospekt zur Halle hin. Das Programm (unvermeidlich: die Epidemische):

Johann Sebastian Bach: Toccata und Fuge d-Moll, BWV 565
Solist: Manfred Faig (Koblenz)

Improvisationen vom Loreleylied bis "Take five"
Solist: Jörg Josef Schwab (Freiburg)

Francis Poulenc: Orgelkonzert g-Moll
Solist: Manfred Faig (Koblenz)

Moderation: Barbara Harnischfeger

Dirigent: Leslie Suganandarajah

Staatsorchester Rheinische Philharmonie

Die Orgel wird wohl deshalb auch so 'promotet', weil der Verlag der Zeitung die neue Setzeranlage (Bild) gesponsert hat.

Viele Grüße,

- Karl-Josef

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