Arno Ruus in der Neanderkirche, D-Altstadt
Hallo Forum,
Arno Ruus (Kantor der Tersteegenkirche) gehört zu den treuesten Mitwirkenden bei den Sommerlichen Orgelkonzerten in der Neanderkirche, Düsseldorf-Altstadt. Und er scheint abonniert auf besonders heiße Tage. Dabei pflegt er immer auch ein höchst anspruchsvolles Programm. Anstrengung also für ihn selbst wie auch die Hörer. Die freilich wissen, daß Ruus Gehaltvolles bietet und waren mit über 300 Anwesenden denn auch zahlreich. Kein Wunder, daß da der Sauerstoff bei über 30° knapp wurde; allenthalben wurde mit den Programmen gefächert.
In hellem E-Dur ging es los. Buxtehude-nahe gab es von Vincent Lübeck Praeludium und Fuge. Frisch und registermäßig schön nach Werken abgesetzt.
Ruus, der seinen pädagogischen Impetus nicht verbergen mag, hatte angekündigt (seine Vorrede war interessant und nicht gar so lang), bei den Choralvorspielen seines Programmes jeweils den Choral vorher zu spielen. So erklang jetzt “Vater unser im Himmelreich”, schön harmonisiert, und danach ohne bedeutsame Pause BWV 636. Im Kontrast zu der schlichten Harmonisierung (die übrigens auch hörenswert war) erschien die kunstvolle Bearbeitung umso eindrucksvoller. Eine Präsentation, die nachahmenswert ist.
Dieses Choralvorspiel und “Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ” BWV 639 (gleichermaßen präsentiert, rahmten die Sechste Triosonate BWV 530 ein. Frisch und konzentriert der erste Satz, etwas langsam und eine Geduldsprobe dann das Lento. Nicht ganz so stringent das Allegro. Nach dem verhaltenen BWV 639 ging es dann mit Mendelssohn weiter. Hier gab es Präludium und Fuge G-Dur. Ruus traf die richtigen Tempi ebenso wie die Klangfarben dieser etwas “saftigeren” Musik.
Am Ende Reger: Zuerst “Jesu. meine Freude”, in nämlicher Manier dargeboten und sehr schön gemacht. Dann Toccata und Fuge e-moll/E-Dur. Ruus warf sich mit Verve und Enthusiasmus ins Getümmel. Man spürt jederzeit: Er hat Freude an diesen Brocken, diesen ständigen Verwerfungen, harmonischen Übergängen, Stimmungsumschwüngen - diesem ständigen Suchen nach neuem Klang und neuen Ausdrucksformen. Und man sucht gerne mit ihm mit. Von Beginn an gefangen bleibt man als Hörer dran, der Sog ist unausweichlich. So war denn auch, kaum war der letzte Ton verklungen, der Beifall sofort da, lang anhaltend, stark und dankbar.
Gruß Clemens Schäfer
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Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)