Orgeln zwischen Freiburg und Mainz

Dorforganist, Mittwoch, 25. Juni 2014, 22:35 (vor 4515 Tagen) @ Dorforganist

Wie immer auf Radtouren mußten natürlich viele Orgeln "auf der Strecke bleiben", aber es war doch immer wieder schön, "Bekannte" aus dem Forum plötzlich live zu sehen - so z.B. die Speyrer Domorgeln, die grüne Woehl in Oppenheim, die neue Klais in Mainz St. Stephan etc. - und von einigen konnte ich sogar ein paar Klangeindrücke mitnehmen:

Zum Auftakt in Freiburg eine gesungene Vesper, die von einem E-Klavier(!) begleitet wurde. Ein schauderhafter Klangbrei, der da durch die Kathedrale waberte und uns bis zum Beginn des nachfolgenden Gottesdienstes aus der Kirche trieb. Dem Gottesdienst-Organisten hingegen schien sein neuer Spieltisch mächtig Spaß zu machen, und er ließ den Klang aus allen Richtungen auf die Gläubigen los, was schöne Raumwirkungen ergab, ohne die Gemeinde zu irritieren.

In Straßburg in St.Thomas ("am besten erhaltene Silbermann-Orgel in Straßburg" - aber etliche Male um- und von Kern zurückgebaut) 20 Minuten Andacht mit Musik. Letztere nutzte eine effektvoll verspätet reingerauschte Dame als klangvollen Hintergrund für ihre lautstarke Unterhaltung mit dem Nebenmann, während sie die meditative Stille mit einem Klingelton-Crescendo bereicherte, das sich proportional zur Förderungstiefe aus ihrer Handtasche entwickelte. Der Eindruck von der Orgel trat dadurch etwas in den Hintergrund.

In Speyer pünktlicher Einflug zum Konzert mit Josef Still: ein sehr eigenartiges Programm, das im ersten Teil am mitteltönigen Werk der Chororgel und in der zweiten Hälfte an der Hauptorgel dargeboten wurde. Über deren Prospekt wurde hier schon heftig diskutiert; in der Realität sieht er aber meiner Meinung nach durchaus passend für diesen grandiosen Raum aus: während die Chororgel sich der Architektur unterordnet, stellt die Hauptorgel ihren Anspruch, den Raum zu beherrschen, auch optisch dar, ohne aber aufdringlich zu sein. Das Anfangscrescendo von Regers op. 135b rollte jedenfalls wie ein Gewitter an, und es blieb den Rest des Konzerts immer wieder faszinierend, wie gut durchhörbar der Klang in allen dynamischen Lagen blieb - und dies trotz eines immens langen Nachhalls, der sich aber nie überschlug.

In Mainz, St.Stephan eine kurze Mittagsmeditation mit Musik, die einen sehr noblen Klang der neuen Klais-Orgel zum Vorschein brachte, der sowohl für Buxtehude als auch Boellmann überzeugend war. Weniger zurückhaltend fand ich hier allerdings den Prospekt, der mich doch ziemlich an einen lamettabehangenen Christbaum erinnerte. Aber man konnte ja seinen Blick stattdessen auf die Chagall-Fenster richten, die die Kirche in ein zauberhaftes blaues Licht tauchen.

Mehr Gelegenheiten ergaben sich in der doch recht kurzen Woche leider nicht, aber insbesondere das Elsaß (Colmar, Straßburg, etc.) hinterließ einen bleibenden Eindruck, der vielleicht zu einem neuen Besuch einlädt.


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