Mixturenbesetzung zweimanualige Barockorgel / Dom zu Zeitz

Solcena ⌂ @, Mittwoch, 11. Juni 2014, 09:45 (vor 4526 Tagen)

Hallo,

in der Krebs-Gesamteinspielung von Friedrich (Querstand) ist eine Aufnahme aus dem Dom zu Zeitz drin. Die dortige, von Eule rekonstruierte Orgel hat ein Hauptwerk (I) mit 12 Registern, ein Unterwerk (II) mit 8 Registern und ein Pedalwerk mit 7 Registern. Man wollte wohl bei der Rekonstruktion mit der Disposition auf einen Zustand von 1750 zurück.

Das Unterwerk (Prinzipal 4' als Basis) klingt, zumindest in der Aufnahme, in den Labialen etwas zurückhaltender / "gehäusiger" / wohl durch die Mikrofonaufstellung trotzdem direkter als das weiter oben in Gewölbenähe abstrahlende Hauptwerk (Bourdon 16' / Prinzipal 8' als Basis).

Nun hat das Hauptwerk eine Mixtur IV 1 1/3' und eine Cymbel III 1' bekommen, das Unterwerk dagegen eine Mixtur III 2' (einziger freier 2' in diesem Werk: Gemshorn). Das sorgt irgendwie dafür, dass das Unterwerks-Plenum erstaunlich "erwachsen" und gar nicht piepsig, aber dennoch schlank klingt. Das HW dagegen ist ja sowieso wesentlich breiter aufgestellt durch einen kompletten Prinzipalchor.

Findet man so eine Mixturenverteilung öfter bei Barockorgeln? Bei den mir bekannten Instrumenten wurde auf einem Positiv (Brustwerk, (Rück-)Positiv etc.) "in der Regel" ein Scharff oder eine Cymbel disponiert, die klanglich über der HW-Mixtur liegt, was bei neobarocken Instrumenten oft für eine übertriebene Schärfe sorgt.

LG,
Solcena

P.S. A propos "in der Regel": Mir ist natürlich klar, dass es keine Regel ohne Ausnahme gibt. Von der bei Adelung postulierten Regel "Mixtur auf 2'-Basis, wenn Werk auf Prinzipal 16' aufbaut, 1 1/3'-Basis bei Prinzipal 8' und 1'-Basis bei Prinzipal 4'" weicht z.B. die Orgel meines Heimatortes ab: Bei 23 Registern gibt es im HW (Prinzipal 8') eine Mixtur IV-V 2' und im SW (Prinzipal-4') eine Acuta IV 1 1/3', und das klingt prima.

Mixturenbesetzung zweimanualige Barockorgel / Dom zu Zeitz

Friedrich @, Mittwoch, 11. Juni 2014, 10:10 (vor 4526 Tagen) @ Solcena

Findet man so eine Mixturenverteilung öfter bei Barockorgeln? Bei den mir bekannten Instrumenten wurde auf einem Positiv (Brustwerk, (Rück-)Positiv etc.) "in der Regel" ein Scharff oder eine Cymbel disponiert, die klanglich über der HW-Mixtur liegt, was bei neobarocken Instrumenten oft für eine übertriebene Schärfe sorgt.

Die Frage kann ich leider nicht beantworten, dafür kenne ich zu wenige historische Mixturen samt Repetitionsplan. Mindestens so wichtig wie die Basis sind aber die Repetitionen.

Eine dreifache Quintmixtur lässt sich theoretisch so führen, dass sie 5 1/3' + 4' + 2 2/3' endet (drei Quint-Quart-Repetitionen) oder 4' + 2 2/3' + 2' (eine Oktav- oder zwei Quint-Quart-Repetitionen), und je nachdem, wo man diese Repetitionen ansetzt, klingt das Plenum »erwachsener« (finde ich übrigens einen schönen und einleuchtenden Ausdruck) oder »verspielter«, kühler oder bunter. Man kann die Mixtur aber auch bloß einmal eine Quarte nach unten springen lassen, vielleicht in der Klaviaturmitte, und damit dürfte sie die Hauptwerksmixtur an Farbe und Helligkeit locker überholen (Ende auf 2 2/3' + 2' + 1 1/3'). Die Spielarten vervielfachen sich, wenn man die Möglichkeit einer Terzmixtur einbezieht.

In der Martinikirche Groningen z. B. gibt es auch ein interessantes Mixturenensemble. Die große Hauptwerksmixtur IV–VI startet dort auf 2/3’ (!), die des Oberwerks auf 1 1/3’ (ebenfalls IV–VI). Im Hauptwerk steht neben dem 16’-Prinzipalchor die 8’-Trompete, im Oberwerk neben dem 8’-Chor die Trompete 16’. Eine selbstständige Prinzipalquinte 2 2/3' gibt es in der ganzen Orgel nicht. Ist trotzdem eine der schönsten der Welt.

Viele Grüße
Friedrich

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