Henri-Franck Beauperin in St. Lambertus, D-Alstadt
Hallo Forum,
Henri-Franck Beauperin aus Angers (F) war der Spieler des Juni-Konzerts in St. Lambertus, D-Altstadt.
Er begann mit BWV 582. In mittlerem Tempo ging es flötenbetont los. Überhaupt suchte und fand Beauperin immer wieder stimmige Klangzusammenstellungen. Der Übergang in die Fuge war fließend, die Steigerung am Schluß mächtig, bis er den Strom der Musik zur Generalpause regelrecht abreißen ließ. Er wartete den Nachhall komplett ab (das dauert in St. Lambertus!) und legte in den Schlußakkorden nochmals zu. Eine schöne Interpretation, wenn auch am Ende eine Spur zu mächtig. Auswendig gespielt übrigens.
An zweiter Stelle “Veni creator spiritus”, Improvisationen über. Fünf Doppelverse ließ Beauperin durch den Kantor Marcel Andreas Ober singen; er improvisierte jeweils danach. Die erste Impro war auffordernd heftig, die zweite erwartend und drängend. Auch die dritte und vierte hatten mehr Adagio-Charakter, während es in der Fünften wieder aufbrausender wurde. Während beim Bach der Notenvorrat am Ende einer Übertreibung Grenzen setzte, war hier die Gefahr der Ausuferung gegeben. Aber Beauperin paßte auf und ließ die Impro enden, bevor es ärgerlich hätte werden können.
Danach als letztes Stück und Hauptwerk des Konzerts “L’Anneau de Salomon”, Symphonischer Tanz op. 14 (Ballettmusik für Orchester) von Jean-Louis Florentz (1947-2004) in einer Orgelübertragung durch Beauperin, deutsche Erstaufführung. Der literarische Hintergrund, das interne Libretto, fußt auf vielfältigen Quellen: Dem Testament des Salomon aus dem fünften Buch Moses, dem ersten Buch der Könige, dem zweiten Buch der Chronik, den Chroniken der Tabari et de Qazwini, Rawzat-us-Safa von Mirkhoud, der Legende der Stadt von Airain, der Sage von der Königin Yamlika und die Geschichte vom Fischer und dem Dschinn (Tausendundeinenacht), der Geschichte von der Morgenkönigin und Soliman, dem Prinzen der Geister von Gérard de Nerval (Die Nächte von Ramazan), der Autobiographie des Nelson Mandela (Un long chemin vers la liberté) - so jedenfalls das Programmblatt. Es kommen zu ziemlich alle Elemente aus der Welt der Sagen , Märchen und Zaubergeschichten, wie auch von religiösen Riten und rscheinungen, Wundern vor, also Zaubersprüche, ein machtwirkender Ring, Kleider von Perlen, Gold und Edelsteine, scharfe Schwerter usw.; nur die Erotik bleibt doch sehr im Hintergrund. Das alles gekleidet in einen Traum des Ben Oni, der als Knabe unbekannter Herkunft bezeichnet wird. Der erlöst die von Salomon geknechteten Dschinns.
Die Komposition gliedert sich in 12 Nummern. Da diese aber ohne Pause aneinander anschließen, gab Marcel Andreas Ober über den Liedanzeiger kund, in welcher Nummer man sich gerade befand. So konnte man zur richtigen Zeit die betreffende Passage im Programmblatt lesen. Das war sehr hilfreich und sollte bei kleinteiligen Programmen öfter genutzt werden.
Angesichts dieser bunten Vorlage hatte Beauperin alle Rechte, klanglich aus dem Vollen zu schöpfen. Und da er sich offenbar mit der Orgel gut vertraut gemacht hatte, verstand er es prima, das Geschehen in orgelmäßige Klanggestalt zu gießen. Das war schon ein Fest für die Ohren. 25 Minuten. Andererseits bleibt die Befürchtung, daß man ohne Textbeilage und orientierendem Liedanzeiger mit der Abfolge tänzerischer Nummern wenig anfangen kann. Wenn dann bei der Orgelversion auch noch das Auge ausfällt (hier gibt es ja kein Ballett), könnte es problematisch werden: Ob sich die Musik so verselbständigt, wie das etwa beim Sacre geschehen ist, muß man abwarten.
Die rund 90 Hörer waren begeistert und applaudierten lange, eine Impro als Zugabe.
Von L’Anneau de Salomon gibt es übrigens eine Einspielung beim Label ArtMusique.
Gruß Clemens Schäfer
P.S. 07.07.2014, 19.30h, St. Lambertus, D-Alstadt: Thierry Mechler (Guebwiller, F) mit Richard Strauss, Franz Liszt (h-moll-Sonate) und Improvisationen.
Und auch die Sommerlichen Orgelkonzerte in der Neanderkirche werfen ihren Schatten voraus!
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Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)
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