Simon Menges (Arbon, CH) in St. Antonius, D-Oberkassel

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Dienstag, 27. Mai 2014, 14:42 (vor 4540 Tagen)

Hallo Forum,

Markus Hinz, Kantor an St. Antonius, Düsseldorf-Oberkassel - wir diskutuerten neulich über das dortige Orgelprojekt - veranstaltet an der Chororgel in unregelmäßigen Abständen Sonntagskonzerte. Einmal will er damit die sicher wohlgelungene Chororgel ins Bewußtsein heben. Zum anderen wird damit aber auch zugleich die Sehnsucht nach Wiedererlangung einer großen Hauptorgel genährt. Und zum dritten könnte diese Konzertreihe dem Aufbau eines Orgelpublikums dienen, das dann nach Einweihung der neuen Hauptorgel zu regelmäßigen Orgelkonzerten strömen soll. Letzteres ist freilich ein schwieriges Unterfangen. Liebster Jesu, wir sind vier, dachte ich bange Minuten vor Beginn. Erst kurz vor 16h waren endlich knapp 20 Hörer versammelt. Dafür war Simon Menges aus Arbon (CH) angereist. Menges ist in Kleve aufgewachsen, studierte in Düsseldorf, Köln, Dallas (USA) und Berlin, arbeitete in Berlin (Herz Jesu und Berliner Dom) und ist seit 2010 Organist an der evang. Kirche Arbon.

Aus den 24 Fantasiestücken Op. 53 von Vierne spielte Menges eingangs die “Hymne au soleil”, was angesichts des strahlenden Sonnenscheins und der lichtdurchfluteten Kirche gut paßte. Danach gab es in Orgelbearbeitung von Ulisse Matthey die Chaconne d-moll aus der Partita BWV 1004. An gleicher Stelle hatte ich vor Jahren dieses Stück im Original gehört: Die Geigerin hatte von den Stufen des Altares gespielt. Die Kirche war ähnlich spärlich besetzt gewesen, was dem Nachhall alle Freiheiten ließ: Kurz, der Geigenklang war ziemlich zerflossen, die Polyphonie ging im Nachhall unter. Menges gelang mit der Orgel ein hörbareres Gesamtbild, auch wenn ich diese Übertragung nicht ideal finde.

Von Franz Schmidt folgte eine kleine aber sehr schöne und aufführungswerte Choralbearbeitung über “O Ewigkeit, Du Donnerwort”.

Dann kam Oscar Lindberg, Sonata g-moll Op. 23. Bei der Marcia Elegiaca gab es schmerzliche Chromatik zu Beginn und etwas hellere Stimmung in den Trios. Besinnlich waren auch das Adagio und ein Alla Sarabanda, die hier das Scherzo vertritt. Im Finale war brio gefordert. Bei Glanz, Lautstärke und Raumfüllung ist diese Chororgel aber etwas überfordert, insbesondere fehlt es am Baßfundament. Dennoch war es interessant, diese Sonate live gehört zu haben. Ich kannte sie bislang nur von einer Aufnahme mit Kai Rudl in St. Petri Osten (a. d. Oste).

Sehr schön und auf dieser Orgel bestens machbar war Chant du Soir von Marco Enrico Bossi Zum Ausklang gab es eine Toccata Op. 12 von Fernando Germani (1881-1925). Der greift zwar den Typ der franz. Orgeltoccata auf, läßt das ostinate Laufwerk aber weniger intensiv pochen, bevorzugt einen eher leichfüßigen Trab. Das war auch eine interessante Entdeckung.

Sympathischer Künstler, untadeliges Spiel, dankbarer Beifall, eine Zugabe.

Gruß Clemens Schäfer

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Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)

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