In Memoriam Orgel Nussbach
Gestern abend bin ich auf Youtube zufällig auf ein
"Gedenkvideo" für eine mittlerweile nicht mehr existierende
Kirchenorgel in Nußbach (Oberösterreich).
(Wem die künstlerisch anmutende Einleitung des Videos zu lang wird, dem empfehle ich auf die Stelle 2.30 "vorzuspulen")
Die Orgel stammte von Leopold Breinbauer, wurde 1907 erbaut, mit pneumatischen Kegelladen und typisch grundtöniger Disposition.
Leider wurde sie anscheinend 2005 durch eine neue Orgel ersetzt, die vom belgischen Orgelbauer Patrick Cologne stammt.
Für mich stellt sich hier die Frage ob diese kleine romantische Landkirchenorgel, die sich anscheinend noch im Originalzustand befand, nicht ein Klangdenkmal gewesen wäre?
Schon allein der Spieltisch mit seinen handgeschriebenen Porellanschildern ist für mich ein Kunstwerk und Breinbauer galt ja hierzulande als guter Orgelbauer.
In Österreich herrscht leider noch immer eine sehr romantikfeindliche Denkweise in der Orgeldenkmalpflege - und solche Orgeln werden meist als "Scherben" bezeichnet, auf der man nix Gscheites spielen kann.
Klar wenn man auf einer solchen Orgel Bach oder Buxtehude spielen will, wird die Musik nicht richtig aufegehen, aber es gibt auch Stücke die man auf so einer Orgel besser spielen kann als auf einer neuen neobarocken.
Ich denke ich gerade an Rheinberger und Co, Komponisten der englischen Romantik, kleinere Orgelwerke der französischen Romantik etc etc...
Auch zum Begleiten von Solisten und Chören hat man bei so einer Orgel viele dynamische Möglichkeiten.
Es liegt auch in der Hand der Orgellehrer ihren Schülern ein Gefühl für die Qualitäten, Stärken aber auch Schwächen der jeweiligen Orgel zu vermitteln und sie auch mit passender Literatur zu versorgen.
(Wäre dies hier der Fall gewesen, hätte der Organist als Klangbeispiel sicher etwas Anderes gewählt als das C-Dur Präludium aus den 8 kleinen.... und hätte an seiner Orgel neben der Verzögerung der Pneumatik auch positive Seiten gesehen)
Lg Martin