Heike Ittmann, Auferstehungskirche D-Oberkassel
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10. Oberkasseler Orgelfrühling, 21.05.2014, Auferstehungskirche Düsseldorf-Oberkassel, 4. Konzert - Deutschland: Heike Ittmann.
D wie Deutschland, hatte sich Heike Ittmann (Kantorin in Lampertheim, Organistin am dortigen Dom) gedacht: Alle Kompositionen des Konzerts standen in d bzw. D. Es ging los mit Buxtehude Toccata in d BuxWV 155. Sehr schön die Agogik, die Abgrenzung der einzelnen Abschnitte, die Tempi.
Mit BWV 565 ging es weiter. “Gar nicht von Bach” sei das Stück, hatte Ittmann in ihren kurzen, prägnanten Einführungsworten gesagt, “Wohl aber von einem sehr begabten, leider noch unbekanntem Schüler”. Sei’s drum; das Stück fesselt halt immer wieder. Und Ittmann wußte es bestens zu inszenieren. Präzise, nicht zu feierlich sondern durchaus spielerisch. Da hörte man gebannt zu.
Ohne größere Pause schloß Ittmann Jürgen Essls Demoltokata Op. 22 an, sozusagen als dritten Satz. Und das war durchaus logisch, verbindet Essl (*1961) in seiner Komposition doch von Beginn an die Bach’schen Themen von Praeludium und Fuge miteinander. Immer wieder blieb ein Ton stehen und war dann Anfangspunkt für eine neue Version solcher Verknüpfungen. Gut zu hören, witzig im Wortsinn, intelligent gemacht.
Höfisches Zeremoniell, gerne auch gestelzte Tanzszenen, das ist die Welt des Carl Philipp Emanuel Bach. Der Jubilar durfte nicht fehlen. Es gab die Sonate in D Wq 70,5, die CPhE für die Schwester Friedrich II. komponiert hat. Ob dieses Werk auf ihrer Hausorgel (daher rein manualiter komponiert) hat spielen vermocht, ist nicht überliefert. Ittmann konnte und setzte die beteiligten Höflinge mit Verbeugungen, Knicksen, galanten Drehungen usw. ins rechte Bild - wie Figuren einer Spieldose.
Empfindsames Zeitalter nannte man diese Musikperiode. Da wußte man wohl nicht, was noch kommen würde. Drei Takte Reger, und schon ist die Gefühlswelt ganz anders und um ein Vielfaches existentieller betroffen. Größer konnte der Kontrast kaum sein. Und er war wirklich überwältigend. Denn Ittmann stieg großartig ein in Regers zweite Sonate d-moll op. 60. Beherzter Zugriff, gute Dosierung der Kräfte, bis ins letzte ausgefeilte Klangregie. Und das in einer Akustik, wo kein gnädiger Nachhall irgendetwas verbergen könnte. Ittmann spielte volles Risiko und gewann. Was soll man mehr loben? Die himmlischen Registerfarben in der Invokation mit einer traumhaften Einführung des “Vom Himmel hoch” oder die Steigerung am Schluß mit oktaviertem Pedal? Ganz gleich, ob es um leise, empfindsame Stellen oder die großen Ausbrüche ging, Ittmann meisterte alle Klippen souverän. Und auch die Orgel konnte zeigen, was sie kann. Gewiß - es ist nicht leicht, so einem Brocken zu folgen. Es ist anstrengend auch für den Hörer. Aber der Lohn ist riesig. 80 Hörer hatten eine Sternstunde erlebt.
Und so fiel denn auch der Beifall aus, herzlich, dankbar und anhaltend. Ittman spielte die Air aus der D-Dur-Suite von Bach als Zugabe - in einer Bearbeitung für Orgel von Karg-Elert, wie mir nachher gesagt wurde. Bemerkenswert ist hier die Führung der Melodiestimme in Tenorlage.
Schon bei der Konsole entspannen sich lebhafte Gespräche zwischen der sympathischen Künstlerin und Konzertbesuchern, darunter auch einer ihrer Lehrer: Prof. Johannes Geffert. Auch im Orgelcafé “Örjelchen” und auf dem Platz davor gingen die angeregten Unterhaltungen weiter. Man mochte sich dem Zauber des Ereignisses einfach nicht zu schnell entziehen.
Gruß Clemens Schäfer
P.S. Am 28.05.2014, 18.30h am gleichen Ort: Markus Hinz mit niederländischer Orgelmusik (Andriessen, Sweelink, Wammes, Noordt und Welmers)
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Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)