Andrzej Chorosinski, Auferstehungskirche, D-Oberkassel
Hallo Forum,
10. Oberkasseler Orgelfrühling, Auferstehungskirche Düsseldo0rf-Oberkassel, 2. Konzert am 07.05.2014, 18.30h: Andrzej Chorosinski (Warschau).
Die Konzerte dieser Reihe beleuchten zum 10-jährigen Orgeljubiläum den Namen “Europa-Orgel”, indem die Länder Rußland, Polen, Italien, Deutschland, Niederlande und Frankreich zum Thema gemacht werden. Jetzt war also Polen an der Reihe. Der erste Teil des Konzerts war freilich noch Deutschland gewidmet. Chorosinski begann mit Bach Chromatischer Fantasie und Fuge in der Orgelbearbeitung von Max Reger. Ob die Umsetzung auf das größere Instrument wirklich ein Gewinn ist, mag dahinstehen. Bach ist bekanntlich so leicht nicht zu beschädigen. Und da Chorosinski geschickt registrierte, hörte man gerne zu.
Oskar Gottlieb Blarr war gestern 80 Jahre alt geworden (ich hatte das hier angekündigt). Der Jubilar war im Konzert anwesend, war vom Hausherrn Thorsten Göbel begrüßt und vom Auditorium mit herzlichem Beifall bedacht worden. Nun spielte Chorosinski, der Blarr seit über 30 Jahren freundschaftlich verbunden ist, aus dessen Sonate “Schaallu Schlom Jeruschalajim” den ersten Satz “Psalmodie”. Das war ein überaus hörenswertes Stück mit ostinaten rhythmischen Motiven in wiederkehrenden Abschnitten, eine Art Rondo, wenn ich richtig gehört habe; Fachleute mögen das besser erklären. Leider gab es nur diesen ersten Satz - man hätte gerne mehr davon gehört.
Was nun folgte, sank nämlich leider im Niveau doch deutlich herab. Da gab es höchst zweifelhafte Bearbeitungen von Chopin für die Orgel ( Etüde es-moll op. 10 -Lemare, Scherzo b-moll - Chorosinski). Kein Komponist ist so eng mit dem Pianoforte verbunden wie gerade Chopin. Tut mir leid, aber die Orgel vermag perlende Diskantläufe, überhaupt virtuose Anschlagkultur, kaum abzubilden. Manches klang gar kirmesk, platt und farblos. Hier fragt sich, wie neulich bei di Rosa, was das soll. Werkdienlich ist es jedenfalls nicht.
Blieben noch Stücke von Mieczyslaw Surzinski (1866-1924) und Marian Sawa (1937-2005). Ein Capriccio von Surszinski erinnerte an die Scherzi von Widor, eine Elegie war ein nettes Genrestück. Etwas moderner dann “Sekwens” von Sawa. Eine vogelkundliche Einlage (unter Nutzung von Kuckuck und Nachtigall) gab es hier. Auch das vermochte nicht unbedingt zu fesseln.
Die um 90 Hörer applaudierten höflich, schnell war Chorosinski mit Zugaben zur Stelle: Zuerst gab’s die Moldau von Smetana, ad hoc mit Händen und Walze registriert - ausgefeilte Interpretationen klingen anders. Stimmiger dann Vivaldi aus den Jahreszeiten - auch hier noch mal Schurrpfeifereien.
Gruß Clemens Schäfer
P.S.: 14.05.2014, 18.38h, Auferstehungskirche Düsseldorf-Oberkassel, Franz Comploi
(Brixen) zum Thema Südtirol/Italien)
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Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)