Reubke-Orgel Niederdorla
Am Ostersonntag wurde im thüringischen Niederdorla (5 km südlich von Mühlhausen) ein ungewöhnliches Instrument nach seiner Restaurierung wieder eingeweiht. Die Orgel wurde 1874 durch Emil Reubke (Hausneindorf) mit III/31 erbaut. 1899 erfolgte ein technischer Neubau durch Robert Knauf & Sohn (Bleicherode), wobei das Reubke-Pfeifenwerk von mechanischen Kegelladen auf neue pneumatische Kegelladen gestellt wurde. Durch mangelhafte Pflege und Wassereinbrüche wurde das Instrument ab 1977 nicht mehr gespielt; im Altarraum wurde eine Kleinorgel von Rudolf Böhm eingebaut. Von 2013-2016 wurde die Reubke-Orgel dann durch Firma Brode (Heilbad Heiligenstadt) restauriert.
Disposition:
I.Manual C-f3
Bordun 16'
Principal 8'
Gambe 8'
Hohlflöte 8'
Bordun 8'
Octave 4'
Flöte harmonique 4'
Quarte 2' (2 2/3' + 2')
Cornett 4' 3f (ab g0)
Mixtur 2' 4f
Trompete 8' (durchschlagend)
II.Manual
Gedackt 16'
Geigenprincipal 8'
Quintatön 8'
Flöte harmonique 8'
Salicional 8'
Octave 4'
Gemshorn 4'
Waldflöte 2'
Mixtur 3f
III.Manual (schwellbar)
Gedackt 8'
Harmonika 8'
Vox coelestis 8'
Flöte 4'
Oboe 8' (durchschlagende Physharmonika)
Pedal C-d1
Violon 16'
Subbaß 16'
Offenbaß 8'
Cello 8'
Gedacktbaß 8'
Posaune 16' (durchschlagend)
Koppeln: II/I, III/II, I 4'/I, I/P, II/P
3 feste Kombinationen (p, mf, ff), 1 freie Kombination (additiv wirkend zu Handregistern)
Herr Brode erzählte mir, dass sie die Orgel buchstäblich "freischaufeln" mussten, so viel Dreck hatte sich angesammelt. Die Bilder auf seiner Homepage sprechen für sich.
Ich habe kurz mal probiert: Das Spielgefühl... Naja, natürlich nicht mit Pneumatiken von Sauer, Rühlmann & Co. vergleichbar, aber akzeptabel. Der Klang ist überraschend: Schöne Flöten und Principale, interessante originale Zungenregister, die sich gut mischen. Die Streicher haben keine gängigen Ansprachehilfen, deswegen leider nicht so überragend. Mixturen sehr kräftig.
Das Einweihungskonzert spielte David Schlaffke, Organist der Amsterdamer Sloterkerk, jedoch gebürtiger Mühlhäuser. Er spielte mit hervorragender Technik und fein abgestuften Registrierungen Weckmann (geboren 1616 in Niederdorla!), Bearbeitungen von Alexander Wilhelm Gottschalg (Wagner, J.S.Bach), Mendelssohn Bartholdy (Andante und Variationen D-Dur), Reubke (Trio Es-Dur) und Ritter (Sonate Nr.1). Ein ähnliches Programm hat Schlaffke schon vor einem halben Jahr auf CD veröffentlicht - ohne Weckmann, Mendelssohn und Ritter (leider...), dafür mit Liszt (Weinen, Klagen) und dem 94. von Reubke. Erhältlich beim Label Querstand, im Booklet auch detaillierte Angabe der Registrierungen.
Hier noch ein paar Bilder:
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Pedal (vorne Posaune 16')
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Vordergrund und Hintergrund: I. Manual mit Vorder- und Hinterlade; oben: II.Manual; Prospekt rechts
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