Alina Nikitina, Auferstehungskirche, D-Oberkassel

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Mittwoch, 30. April 2014, 23:08 (vor 4562 Tagen)

Hallo Forum,

Alina Nikitina spielte das erste Konzert des mittlerweile bereits 10. Oberkasseler Orgelfrühlings am 30.04.2014 in der Auferstehungskirche zu Düsseldorf-Oberkassel. Sie hat in St. Petersburg bei Daniel Zaretzky studiert, mehrere erste Preise gewonnen und vervollständigt ihre Ausbildung zur Zeit bei Prof. Michael Kapsner in Weimar.

In Rußland sei Bach an erster Stelle im Programm so etwas wie Pflicht; so Thorsten Göbel, in seiner Begrüßung. Nikitina begann denn auch mit BWV 659 “Nun komm’ der Heiden Heiland”. Das war schon mal ein vielversprechender Auftakt. Das Choralvorspiel kam schön gleichmäßig fortschreitend.

Nun folgte ein Reigen russischer Kompositionen, von denen etliche Bearbeitungen für die Orgel waren. Zunächst machte ein Stück von Georgij Catoire (1861.1928) Eindruck: Praeludium g-moll Opus 25. Harmonisch und stilistisch an Karg-Elert erinnernd bot es schillernde Klangfarben und raffinierte Stimmungswechsel. Ruhiger Schluß.

Mit dem Panorama aus dem Ballett Dornröschen von Piotr I. Tschaikowsky (1840-1893) hatte sich Nikitina eine sehr süffige Melodie ausgesucht. Fein. Aber auch etwas automatenhaft in der Begleitung.

Von Arkady Agababov (1940-2013) folgte ein Diptych mit Adagio (elegisch und spätromantisch) und Toccata (heftiger, mit ruhigem Mittelteil).

Irrlichternd dann die Sinnestäuschung (Delusion) von Prokofiev (1891-1953). Vom gleichen Komponisten dann noch Fairy Tail (Märchen) - ruhig erzählend.

Die Toccata von Sergey Slonimsky (*1932) klang ein wenig nach Petruschka. Aufhorchen ließen dann zwei Choralpräludien (N2 und N3 - “Imitating Old Masters”) von Mikael Tariverdiev (1931-1996). Das erste mit klarem c.f. das zweite coloriert.

Nun folgte Modest Mussorgsky mit Auszügen seiner Bilder. Die Tullerien gerieten etwas zu brav., das Ballett der Küken (in der Zugabe durch Kuckuckrufe unterbrochen) hätte quirliger sein können und die Hütte der Baba Yaga kann man drastischer machen. Außerdem fehlte hier, was jeder erwartet: Das große Tor zu Kiew. Ein atacca gab es nicht.

Aus dem Orgelkonzert Nr. 1 “Cassandra” von Tariverdiev schloß sich die Aria an, mäßig modern und schön ausgesungen. Schlußstück war die Passacaglia von Christophor Kuschnarew (1890-1960), ein hörenswertes Stück mit großer Steigerung. Hier, wie im ganzen Programm, ließ Nikitina Maß und Übersicht walten. Nie wurde es lärmend, immer stimmten die Proportionen, waren die Farben fein gewählt. So war denn auch der Beifall der knapp 100 Hörer sofort da. Eine sympathische Künstlerin, von der man gerne mal ein größeres Werk der Literatur hören würde.

Gruß Clemens Schäfer

P.S. Mittwoch, 07.05.2014, 18.30h, Auferstehungskirche Düsseldorf-Oberkassel, Andrej
Chorosinski (Bach/Reger, Blarr, Chopin, Surszynski, Sawa)

--
Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)


gesamter Thread:

 

powered by my little forum