kempen am niederrhein propsteikirche

ado ⌂ @, Donnerstag, 24. April 2014, 10:43 (vor 4567 Tagen)

neulich war ich wieder in kempen, hatte allerdings keine gelegenheit zur besichtigung der propsteikirche (wirklich drin war ich auch nur einmal, und das war zu einer beerdigung; ein andermal war zwar das hauptportal offen, aber man stand dann nur in einem kasten UNTER der orgelempore und weiter kam man nicht.)

die albiez-orgel von 1979 scheint ja bei organisten recht beliebt. bei orgel database sehe ich aber nun, daß sie eine sonreck-orgel von 1875 ersetzt, von der es bei orgbase heißt, sie sei damals "außer dienst gestellt" worden. ein foto dort des prospekts dieser orgel beeindruckt. man fragt sich doch, wie konnte man denn damals eine solche orgel einfach ausmustern?? nachdem sie die erhebliche beschädigung der kirche im zweiten weltkrieg offenbar überstanden hatte? und was heißt "außer dienst gestellt"? wo ist die orgel jetzt? noch in der kirche? oder...?

im netz fand ich mindestens auf die schnelle dazu gar nichts, wohl aber die information, es sei in der propsteikirche ein "in seiner einzigartigkeit unvergleichlicher" renaissance-orgelprospekt neu aufgestellt worden: das bildmaterial des architektenbüros, das die neue empore dazu entwarf, ist allerdings unbefriedigend. bei orgbase gibt es ein auch nur mäßig gutes bild und die datierung 1541 -- die für die geschnitzten details, soweit erkennbar, sehr früh wirkt: wenn die jahreszahl stimmt, dann ist dieser prospekt schwerlich das erzeugnis eines örtlichen künstlers? wo kommt dieses teil her, wo war es bis zu seiner neuaufstellung offenbar erst vor wenigen jahren?

schon erstaunlich, daß etwa der internetauftritt der gemeinde sich zu diesen dingen völlig ausschweigt. wikipedia auch. die kirche ist immerhin ein recht bedeutendes baudenkmal.

kempen am niederrhein propsteikirche

MAT @, Donnerstag, 24. April 2014, 11:26 (vor 4567 Tagen) @ ado

Die Albiezorgel ist in der Tat ein beeindruckendes Instrument. Ich hab sie mal vor Jahren spielen dürfen. Der Sonreck-Prospekt befindet sich noch an seinem angestammten Platz vorne links, im Hochchor. Sieht gut aus, ein Instrument steht aber nicht mehr dahinter. Was daraus geworden ist? Keine Ahnung. Den Renaissance-Prospekt habe ich in der Kirche noch nicht gesehen. Ich hörte wohl von Plänen, einen solchen (vorhandenen?) in der Kirche aufzustellen und auch ein entsprechendes Instrument dahinter zu stellen. Diese Informationen sind aber schon seit Jahren im Umlauf, passiert ist bisher wohl nichts.

--
Gruß
MAT

kempen am niederrhein propsteikirche

Hilbrands @, Donnerstag, 24. April 2014, 13:30 (vor 4567 Tagen) @ ado

* Walter Damm, Die ältesten Orgeln der Kempener Propsteikirche, in: Heimatbuch des Kreises Viersen, 1976, S. 200-210.
* 500 Jahre Kempener Orgeln. Zur Einweihung der neuen Orgel in der Propsteikirche St. Marien Kempen-Niederrhein am 22. September 1979. Orgelbauverein Kempen, 1979.
* Walter Damm, Die Kempener Renaissance-Orgel von 1541/53, in: RH 32, 1995, S. 283-291.
* Grotesken Ranken & Gesichter. Frühe Renaissance am Niederrhein am Beispiel der Orgel der Kempener Propsteikirche, hg. von Städtischen Kramer-Museums Kempen, der Abteilung Kirchbau und Denkmalpflege des Bischöflichen Generalvikariates Aachen, des Stadtgeschichtlichen Museums Jülich, des Kempener Geschichts- und Museumsvereins e.V. und des Kempener Orgelbauvereins e.V. Kempen, 1997.
* Ulrich Schäfer, Der Niederrhein und die Alten Niederlande. Kunst und Kultur im späten Mittelalter, Bielefeld: Verlag für Regionalgeschichte, 1999.
* Walter Damm, Fantasia sopra Rennenberg. Hinweise und Vermutungen zu den Porträts des Kempener Orgelgehäuses von 1541, in: RH 41, 2004, S. 161-171.
* Ars Organi 52/1, 2004, S. 176

Hier ein Foto der (später umgebauten) Orgel von 1541.
Martin Balz schreibt: "Der Orgelprospekt in Kempen bei Krefeld ist nächst dem süddeutsch-italienischen im Konstanzer Münster (1522) der älteste Renaissance-Prospekt auf deutschem Boden. Er gehörte zu einer Orgel, die Meister Veit ten Bendt aus Köln 1541 gebaut hatte."
Gruß,
Walter

kempen am niederrhein propsteikirche

untersatz32, Donnerstag, 24. April 2014, 13:57 (vor 4567 Tagen) @ Hilbrands

Genau, der Prospekt gehört zu einem der bedeutendtsten Exemplare der Epoche um 1500.
Musikalische Bestrebungen (sogar samt bereits stehender Finanzierung!!!) ein entsprechendes Instrument stilgerecht zu rekonstruieren, wurden seinerzeit von betreffenden Kirchenverantwortlichen torpediert, obwohl die Finanzierung scheins schon ok gewesen wäre...

Eine vertane Chance....

Thomas

kempen am niederrhein propsteikirche

Hilbrands @, Donnerstag, 24. April 2014, 14:49 (vor 4567 Tagen) @ untersatz32

Genau, der Prospekt gehört zu einem der bedeutendtsten Exemplare der Epoche um 1500.
Musikalische Bestrebungen (sogar samt bereits stehender Finanzierung!!!) ein entsprechendes Instrument stilgerecht zu rekonstruieren, wurden seinerzeit von betreffenden Kirchenverantwortlichen torpediert, obwohl die Finanzierung scheins schon ok gewesen wäre...

Eine vertane Chance....

Jürgen Ahrend war schon erkoren, ein Werk mit 28 Registern zu rekonstruieren, und ein Vertrag zwischen ihm und dem "Förderkreis Kempener Orgelkonzerte" bereits geschlossen. Bis der Sponsor durch die Querelen schließlich verprellt wurde. (Ars Organi, 53, 2005, S. 49)
LG, Walter

kempen am niederrhein propsteikirche

JSBach @, Donnerstag, 24. April 2014, 15:23 (vor 4567 Tagen) @ Hilbrands

wie blöd kann man denn bitte sein? -.-

kempen am niederrhein propsteikirche

ado ⌂ @, Donnerstag, 24. April 2014, 16:05 (vor 4567 Tagen) @ JSBach

wie blöd kann man denn bitte sein? -.-

...und das in mehr als einer hinsicht: man hätte doch auch die sonreck-orgel einfach stehen lassen können, wenn schon der prospekt erhalten wurde?

man hat ja ebenfalls in kempen später die barocke könig-orgel in der franziskanerkirche mehr oder weniger aus dem nichts rekonstruiert...

@ hilbrands: vielen dank für die literaturhinweise!

die festschrift zur orgeleinweihung 1979 dürfte hier in berlin allerdings nicht so leicht aufzutreiben sein, leider...

das schicksal der sonreck-orgel, die gründe, warum man sich davon getrennt hat, würden mich interessieren, selbst wenn man sich denken kann, welcher ungeist da am werk war.

kempen am niederrhein propsteikirche

Karsten @, Donnerstag, 24. April 2014, 20:04 (vor 4567 Tagen) @ ado
bearbeitet von Karsten, Donnerstag, 24. April 2014, 20:13


das schicksal der sonreck-orgel, die gründe, warum man sich davon getrennt hat, würden mich interessieren, selbst wenn man sich denken kann, welcher ungeist da am werk war.

Das werden wohl vor allem ideologische Gründe und der Zeitgeschmack gewesen sein. Bis weit in die 1980er Jahre wurden doch romantische Orgeln entfernt oder nicht stilgerecht umgebaut.
In diesem Fall schaue man sich mal den Kommentar des OSV an, der wohl ebenfalls an der Kempener Albiez-Orgel mitgewirkt hat:
"Die Spielanlage mit angebauten Klaviaturen präsentiert sich in durchdachter Schlichtheit - ohne die vielen Knöpfchen, Hebelchen, Schalter und Kontrollinstrumente des alten Spieltisches à la Flugzeugkanzel."
http://www.viktorscholz.de/html/albiez_-_orgel.html

Gruß
Karsten

kempen am niederrhein propsteikirche - ALBIEZ

untersatz32, Donnerstag, 24. April 2014, 20:47 (vor 4567 Tagen) @ Karsten

... hab erst kürzlich noch meine "alte" Schallplatte mit Litaize dort digitalisiert ...
Schöne Aufnahme & Orgel!

Gruss

TH

kempen am niederrhein propsteikirche

MAT @, Donnerstag, 24. April 2014, 20:55 (vor 4567 Tagen) @ untersatz32

Ich frag mich noch immer, wo dieser Prospekt in der Kirche stehen soll. Ich war nun schon mehrfach dort, kann mich aber nur an den Sonreck-Prospekt und natürlich an die Albiezerin erinnern...

--
Gruß
MAT

kempen am niederrhein propsteikirche

Hilbrands @, Donnerstag, 24. April 2014, 22:15 (vor 4567 Tagen) @ MAT

Siehe dazu hier, demzufolge also seit 2006 auf einer "eine Stahlempore oberhalb der Michaelskapelle im südlichen Chorumgang".
Gruß, Walter

powered by my little forum