Gabriele Müller in St. Andreas u.v.a.m.
Hallo Forum,
“Christus ist auferstanden”
“Ja, er ist wahrhaft auferstanden”
so grüßen einander die orthodoxen Christen am Ostermorgen. Hausorgler möge die griechische und/oder russische Version dazu liefern. Vielleicht auch die altbulgarische?
Auch am Ostersonntag gab es in St. Andreas, Düsseldorf-Altstadt, eine “Sonntagsorgel”. Dem Stadtmarathon muß sie sich allerdings beugen: Am 27.04. wird nicht gespielt.
Jetzt saß Gabriele Müller, von 1976-2011 Kirchenmusikerin bei der Graf-Recke-Stiftung in Düsseldorf, an der Konsole. Und sie war gut vorbereitet. Es ging los mit Max Reger “Erschienen ist der herrlich’ Tag aus op. 67. Unter hoher und scharfer Begleitung ein sauber fundmentierter c.f im Baß. Herrlich nach langem Vorhalt die strahlende Auflösung am Ende. Von Heinrich Scheidemann folgte die Versette über den Osterhymnus “Victimae paschali laudes”. Das war streng und von archaischer Schönheit. Auch bei Buxtehudes Choralbearbeitung “Wir danken dir, Herr Jesu Christ” hatte Müller den sicheren Griff: Der Kolorierte c.f. kam von intensiver, aber nicht
knalliger Tonquelle mit Tremulant. “Christ lag in Todesbanden”, Bicinium von Telemann, zitierte den Choral zeilenweise mit kurzen Einwürfen.
Die “Zweite Fantasie” von Alain war das längste Stück des Konzerts und wirkte so als Schwerpunkt. Müller begann leise, keinesfalls aber Pianissimo. Trotzdem schienen die Dynamikproportionen zu stimmen. Sehr schön gelang der Abstieg vom Forte vor Schluß ins Piano. Eine geschlossene Darbietung.
Erstaunlich dann die Wirkung des “Amen” von Titelouze. Jahrhunderte zurückspringend und doch frappant modern klingend. Unter einem hochliegenden Orgelpunkt dudelsackähnliche Klänge (wohl geschlossenes SW) mit vermutlich gregorianischem Amen. Sehr interessant!
Das Konzert wurde prachtvoll beendet mit “Christ ist erstanden” aus dem Orgelbüchlein. Lebhafter Beifall der leider kaum 40 Hörer.
(weiter ziemlich OT)
Am Abend des Karsamstag hieß das (Kammer-)Konzert in der Johanneskirche “Dem Andenken eines Engels”. Begonnen wurde mit Liszt: “Angelus! Prière aux Anges gardiens”. Ursprünglich für Piano (Pelerinage III Nr. 1) geschrienen, wurde das Stück von Liszt selbst für Streichquartett gesetzt. Hier trat noch ein Kb hinzu, Bearbeitung Walter Bache. Andante pietoso ist das Werk überschrieben. Sphärischer Beginn und Schluß, dazwischen romantisches Wogen.
An zweiter Stelle BWV 60, Kantate “O Ewigkeit, du Donnerwort”. Diese im einzelnen zu besprechen, würde den Rahmen hier vollends sprengen; kurz: Bestens. Danach gab es von Vaughan-Williams “The Lark ascending” für Streichsextett mit herrlichem Violinsolo (Priya Mitchell). Etwas knallig war die “Mondnacht” von Schumann. Die Singstimme einer Oboe anzuvertrauen ist nicht ganz risikofrei, das Klavier wurde durch ein Streichrio ersetzt.
Am Ende das namengebende Stück: Violinkonzert von Alban Berg in einer Fassung für sechs Streicher und Orgel, bearbeitet von Wolfgang Abendroth. Das erwies sich als Glücksfall. Hatte man schon zuvor jederzeit beobachten können, daß hier eine überaus wache, eingeschworene Gemeinschaft zugange war, so bestätigte sich das hier aufs Feinste. In sicherer Umgebung konnte Daniel Rowland den Solopart einbetten, es gelangen wunderbare Momente des ergänzenden Zusammenspiels. Abendroth hatte seiner Orgel nicht zu viel zugeschanzt, die Orgel blieb über weite Strecken dienend, hatte aber ihre Auftritte gerade in der berühmten Choralszene. Am Ende langes betroffenes Schweigen, ehe der Beifall mit Bravi losbrach. Ein beglückender Abend.
(Mitwirkende)
Gruß Clemens Schäfer
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Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)
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- Gabriele Müller in St. Andreas u.v.a.m. -
Clemens Schäfer,
20.04.2014, 18:39
- Gabriele Müller in St. Andreas u.v.a.m. - Contrebasson 32', 20.04.2014, 18:58
- Gabriele Müller in St. Andreas u.v.a.m. -
Willscher,
20.04.2014, 19:33
- Gabriele Müller in St. Andreas u.v.a.m. -
Florian-L,
21.04.2014, 09:01
- Gabriele Müller in St. Andreas u.v.a.m. - Karsten, 21.04.2014, 10:04
- Gabriele Müller in St. Andreas u.v.a.m. -
Florian-L,
21.04.2014, 09:01