Oliphant Chuckerbutty in Ingelheim

tiratutti @, Sonntag, 30. März 2014, 15:33 (vor 4588 Tagen)

Hallo,

nun auch von mir einige Eindrücke der eindrücklichen neuen alten Orgel in der Saalkirche Ingelheim.

Das Instrument ist durch und durch amerikanisch. Unglaublich amerikanisch. Und ein großer Gewinn für die deutsche Orgellandschaft. Denn man muss nun nicht mehr nach Amerika reisen, um diesen Stil exemplarisch erhören zu können.
Carsten Lenz führte uns das Instrument vor und begann mit Oliphant Chuckerbuttys Paean - A Song of Triumph. Das ist Musik genau für diesen Orgeltyp. Auf Youtube gibt es Aufnahmen davon, die sind nicht ein Zehntel so gut wie die Wirkung, die dieses Stück in Ingelheim entfaltete. Es ist ein bisschen wie mit barock-französischer Orgelmusik: wenn die vom Komponisten vorgesehenen Klangfarben nicht da sind, dann wirkt die Musik nicht. Sind sie aber da, dann ist es umwerfend.

Die Frage tauchte auf, ob diese Orgel zu groß sei für den Raum. Ist sie nicht, denn sie hat eine immense Zahl von Farben im Piano bis Mezzoforte-Bereich, für den richtigen Wumms gibt es aber nur einige wenige Register: der First Diapason im Great, dort auch die Tromba, im Solo die Tuba Mirabilis und im Pedal die Trombone. Die Mixturen geben einen Schimmer, mehr nicht. Die Orgel hat Kraft. Das ist aber keine Kraft aus Helligkeit oder Schärfe, sondern aus Volumen.

Noch ein Register, allein dessen sich der Weg lohnt: das French Horn im Solo. In den drei unteren Oktaven ist es eine Zungenstimme mit weiten konischen Bechern, oben gedeckt mit einem seitlichen Schlitz. Der Klang: ein Horn, ein wirkliches und wahrhaftiges Horn, wie es im Symphonieorchester erklingt. In den oberen zwei Oktaven dann eine labiale Flöte, so dass allein mit diesem Register auf einem Manual zwei Orchesterfarben zur Verfügung stehen.

Drei Bilder
Carsten Lenz am Spieltisch. Man sieht den weiten Einschub des Pedals, der ein bequemes Bespielen des vierten Manuals ermöglicht
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Ein Blick ins Solo: vorne das English Horn mit Doppelkonus, dahinter das oben beschriebene unglaubliche French Horn
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Open Wood im Pedal. Man denkt an den Wolf und die sieben Geißlein ...
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Ich wünsche Carsten Lenz noch viele schöne Stunden mit und an dieser Orgel und danke ihm für die Gelegenheit zum Besuch.

Grüße von tiratutti

Oliphant Chuckerbutty in Ingelheim

stein @, Sonntag, 30. März 2014, 21:16 (vor 4588 Tagen) @ tiratutti

Ich war vor einigen Wochen dort. Kein Register zuviel! Es war für mich absolutes Neuland. Ausser von vielen Aufnahmen, Fotos und Berichten kannte ich diesen Orgelstil nur durch Rufatti Instrumente in Miami. Nicht unbedingt der ideale Ersatz. Die nicht unbedingt hübsche Saalkirche bietet mit ihrer begrenzten Akustik einen idealen Ort für dieses Instrument. In einer Riesenkathedrale würde sicherlich einiges im Diffusen verschwinden.
Hier lässt sich die gesamte Dynamik hautnah erfahren. Das Wort Sound scheint für solch ein Instrument reserviert zu sein. Ein absolut wichtiges Instrument in Europa. Die Lenzens sind sehr nette Menschen. Klais hat einen schönen Spieltisch nachgebaut. Der notwendige Koppelwald muss vom Europäer erst erkundet werden. Setzer sind ein "must" Die in den Schatten gerückte Dreymann-Orgel. glänzt auf einer Seitenempore und macht sicherlich eine weitere Orgel überflüssig. Umsomehr bewundere ich Menschen, die in einer immer rationaleren Zeit solch ein tolles Projekt durchsetzen. Es warten ja noch einige divisions für den Einbau im Versteck unter der Dreimann-Orgel. Absolut notwendig!!! Glückwunsch an die Lenzens, die Firma Klais und die Ingelheimer. Auf Wiedersehen und hören.
-bei Flickr sind fünf Bilder von den Orgeln, einfach rechts weiterblättern
https://www.flickr.com/photos/pierremarteau/12923714195/

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