Holtkamp-Orgel

hardy @, Samstag, 22. März 2014, 22:48 (vor 4602 Tagen)

Schon mal 'ne Holtkamp-Orgel (die ohne Prospekt) gehört?
https://www.youtube.com/watch?v=QF-mM80-LOo
Gefällt mir ganz gut (die Musik von Karg-Elert natürlich auch).
Am Ende erklingt die Trompeteria.
Bei den meisten neoklassischen amerikanischen Orgeln der 50er und 60er Jahre gibt es, soweit ich weiß, doch ein quasi romantisches Schwellwerk mit Streichern und Schwebung. Worte, die es in Deutschland zu dieser Zeit kaum gab...
Mehr zu der Orgel: http://www.christchurchcincinnati.org/music/instruments
unter "Nave Organ".
(sagt mir bitte nochmal jemand, wie man die Links so einrichtet, daß nicht die gesamte Adresse hier stehen muß?)
Gruß Hardy

Holtkamp-Orgel

Hilbrands @, Samstag, 22. März 2014, 22:53 (vor 4602 Tagen) @ hardy

(sagt mir bitte nochmal jemand, wie man die Links so einrichtet, daß nicht die gesamte Adresse hier stehen muß?)

Wenn Du rechts auf "Link" klickst, gibt Du in das Feld die http-Adresse ein. Wenn Du dann auf OK bestätigst, erscheint eine ähnlich aussehende Box mit "Linktext (optional)". Dort kannst Du einen Kurznamen oder was auch immer eingeben. (Vermutlich hast Du die zweite immer weggedrückt?)
Gruß, Walter

Holtkamp-Orgel

hardy @, Samstag, 22. März 2014, 23:01 (vor 4602 Tagen) @ Hilbrands

Danke, Walter, werde ich nächstes Mal so machen.

Holtkamp-Orgel

perotin, Samstag, 22. März 2014, 23:01 (vor 4602 Tagen) @ hardy

sagt mir bitte nochmal jemand, wie man die Links so einrichtet, daß nicht die gesamte Adresse hier stehen muß?

Ist nicht schwer:

1. Das selbst geschriebene Wort bzw. den Textabschnitt, der ein Link werden soll, markieren (Ziehen mit der linken Maustaste). Erscheint dann dunkel hinterlegt...

2. Rechts auf die Schaltfläche Link klicken, es erscheint ein Fenster zur Eingabe der URL (Internet-Adresse). Diese eingeben und mit OK bestätigen.

3. Über die Vorschau-Funktion lässt sich das Funktionieren des Links einfach testen.

Grüße,
perotin

PS. Punkt 1 ist eine Alternative zu dem eben von Walter beschriebenen Vorgehen. Möglich ist beides.

Holtkamp-Orgel

hardy @, Samstag, 22. März 2014, 23:32 (vor 4602 Tagen) @ perotin

Danke!
In Youtube ist der Spieltisch der Orgel zu sehen... sicher praktisch, aber schön?

Holtkamp-Orgel

Orlos @, Samstag, 22. März 2014, 23:33 (vor 4602 Tagen) @ hardy

Naja, das Klangbild ist schon recht hell für Karg-Elert, da finde ich deutsche Orgeln aus der Spätromantik passender (oder eben 'ne schöne Skinner-Orgel).

Die Mischung neobarocker Klänge mit romantischen Streichern kann man auch bei den Instrumenten der 1920er und 30er Jahre finden, ich denke da zum Beispiel an die großen Klais-Orgeln, von denen ja ein paar erhalten sind (Münsterschwarzach, Ludwigshafen). Bei vielen Firmen wurde ja nicht gleich die Riege der Intonateure ausgetauscht. Ich kenne eine Walcker-Orgel aus den frühen 50ern, die noch ziemlich romantische Grundstimmen hat.

Holtkamp-Orgel

hardy @, Samstag, 22. März 2014, 23:49 (vor 4602 Tagen) @ Orlos

Klar, ich meine ja auch den Vergleich mit (vielen) deutschen Orgeln aus dieser Zeit. Da gab es dann maximal ein Gemshorn als Streicher-Ersatz :)
Ich finde, die Holtkamp-Orgel klingt einer heutigen Orgel hierzulande relativ ähnlich. (Ich weiß, schwer zu verallgemeinern)

Holtkamp-Orgel

Friedrich @, Samstag, 22. März 2014, 23:57 (vor 4602 Tagen) @ Orlos

Naja, das Klangbild ist schon recht hell für Karg-Elert, da finde ich deutsche Orgeln aus der Spätromantik passender (oder eben 'ne schöne Skinner-Orgel).

Wir hatten mal einen sehr schönen Artikel von Jonathan Ambrosino in OI, in dem er Holtkamp-Orgeln weniger als neobarock denn als antiromantisch bezeichnete – alles ganz klar und kräftig, nichts verschwiemelt. Ein Schwellkasten mit freier Front, der nicht irgendwo hinten oben begraben ist, gibt den Klang wohl auch anders aus als einer der schweren Skinner-Machart. An den amerikanisch-romantischen Orgeln finde ich (neobarock Aufgewachsener) den immer indirekten Klang auf die Dauer frustrierend, dasselbe gilt übrigens für alle eher indirekt klingenden romantischen Orgeln – es sei denn, sie werden entsprechend virtuos-bewegt gespielt, dann ist es auszuhalten. Maria Laach vor ein paar Jahren war schon ziemlich ernüchternd.

Die Mischung neobarocker Klänge mit romantischen Streichern kann man auch bei den Instrumenten der 1920er und 30er Jahre finden, ich denke da zum Beispiel an die großen Klais-Orgeln, von denen ja ein paar erhalten sind (Münsterschwarzach, Ludwigshafen). Bei vielen Firmen wurde ja nicht gleich die Riege der Intonateure ausgetauscht. Ich kenne eine Walcker-Orgel aus den frühen 50ern, die noch ziemlich romantische Grundstimmen hat.

Ich glaube auch, dass Klais und vielleicht Steinmeyer in der Zwischenkriegszeit dem amerikanischen Reformklang in ziemlich vieler Hinsicht recht nahe kommen; auch das Angebot an technischem Komfort und die Zuverlässigkeit der Orgeln ist wohl vergleichbar. Hans-Klais-Dispositionen sind trotzdem in vieler Hinsicht radikaler, als Holtkamp jemals zu träumen gewagt hätte (diese »Brustwerke« mit 8’-Diapason oder die Minimal-Schwellwerke).

Viele Grüße,
Friedrich

Holtkamp-Orgel

Orlos @, Sonntag, 23. März 2014, 00:16 (vor 4602 Tagen) @ Friedrich

Vielen Dank für die Bemerkungen, wir empfinden da sehr ähnlich.
Sind die romantischen Orgeln wirklich dumpf? Ich bin ebenfalls "neobarock" aufgewachsen und habe erst die Vorurteile über romantische Orgeln gehört, bevor ich die Instrumente selbst kennenlernen konnte. (Ich weiß noch, wie ich meinen damaligen Orgellehrer fragte, wie denn das Pedalregister "Cello" klingen würde, was ich nicht kannte, und er meinte: "einfach nur schrecklich!").
Dann habe ich erst Orgeln erlebt, die mehrfach umgebaut worden sind und selbst schon eine nerobarocke Phase hinter sich hatten (Wiesbaden, Marktkirche, Lutherkirche, Ringkirche). Das war ja gar nicht mehr das originale Klangbild. Als ich dann weiter herumkam und originale Instrumente hören konnte (naturgemäß eher kleine, da die großen oft schon umgebaut waren), war ich doch erstaunt, wie schön diese Orgeln klingen können. Eine meiner jetzigen Dienstorgeln ist von 1906. Da spielt man nicht viel Barockes drauf, aber eben Passendes - und das klingt besser als auf jeder Orgel, die ich als Jugendlicher hören konnte. Die Orgel ist weich, aber nicht dumpf, laut, aber nicht brutal, sondern sehr differenziert in den Grundstimmen (z. B. sechs unterschiedliche 8'-Streicher), aber insgesamt schon hell im Plenum. Jedoch mit viel Fundament und Gravität.
Nachdem die Wiesbadener Walcker-Orgel von 1912 in der Lutherkirche "originaler" intoniert wurde, ist das ein phantastisches Instrument, die ist gar nicht dumpf - es sei denn, man legt es bewusst darauf an und registriert entsprechend.
Also: Irgendwie habe ich die "böse" Fabrikorgel, die nur säuselt oder brüllt, noch gar nicht erlebt. Vielleicht gibt es diese Instrumente auch gar nicht mehr. Oder sie gab es nie, sondern nur ein böses Vorurteil.

Dabei fällt mir auf, dass wir heute das Gleiche mit den Neobarock-Orgeln machen. Meine Schüler können einen Hornaliquot nicht mehr erleben, die gibt es nicht mehr in unseren Orgeln. Wenn sie fragen, wie die denn geklungen haben, werde ich wohl antwortet: "einfach nur schrecklich".

Dafür kann ich ihnen neue Orgeln mit einem Cello im Pedal zeigen.

Interessant, oder?

Holtkamp-Orgel

Friedrich @, Sonntag, 23. März 2014, 02:23 (vor 4602 Tagen) @ Orlos

Vielen Dank für die Bemerkungen, wir empfinden da sehr ähnlich.
Sind die romantischen Orgeln wirklich dumpf? Ich bin ebenfalls "neobarock" aufgewachsen und habe erst die Vorurteile über romantische Orgeln gehört, bevor ich die Instrumente selbst kennenlernen konnte.

Ich hatte keine Vorstellung, was mit »dumpf« gemeint sein könnte, bis ich einmal (jetzt wird’s kritisch) die Cavaillé-Coll-Orgel in der Kathedrale von Angers hörte, später umgebaut von Beuchet. Da hat man eine Eins-A-neoklassische Disposition, aber es kam nix raus. Alles klingt weit weg. So ähnlich ging es mir in Maria Laach (nach der Klais-Restaurierung), wo alles kontur- und richtungslos klang außer im Tutti, das aber wiederum sehr laut war. Dieses Gefühl, dass der Klang, den ich ja wirklich gerne hören möchte, irgendwo da hinten bleibt und einfach nicht zu mir kommen möchte – das meine ich mit frustrierend. (Am schlimmsten war es allerdings im Stephansdom – aber die ist ja “off-category” …)

Ich kenne auch romantische Orgeln, die wunderbar geradeheraus klingen. Ich habe ja schon mal erzählt von dem Emporengang im Bremer Dom bei der Orgeltagung in den frühen Neunzigern (da war die Orgel noch nicht in der heutigen Verfassung – grüne Ständerfront mit Lattenverkleidung), wo ein süddeutscher Teilnehmer nach ein paar Tuttiakkorden meinte: »Des klingt ja nach Orgl daheroben!« Unten im Schiff kam wegen der tiefen Empore wenig an, oben war der Klang kernig, herb und kräftig.

Dabei fällt mir auf, dass wir heute das Gleiche mit den Neobarock-Orgeln machen. Meine Schüler können einen Hornaliquot nicht mehr erleben, die gibt es nicht mehr in unseren Orgeln. Wenn sie fragen, wie die denn geklungen haben, werde ich wohl antworten: "einfach nur schrecklich".
Dafür kann ich ihnen neue Orgeln mit einem Cello im Pedal zeigen.

… oder vielleicht doch auf den gelungenen Hornaliquot in Hildesheim, St. Andreas hinweisen, warum der auch unter weniger luxuriösen Raumverhältnissen praktisch sein kann und was für ein Gesamtklang dazugehört. Eben genauso, wie man ein Pedalcello nicht ohne kräftigen Manualstreicher vorführen würde. Jedenfalls würde ich das eher erwarten, nach allem, was zumindest ich hier so von Dir las. :-)

Viele Grüße,
Friedrich

Holtkamp-Orgel

Florian-L @, Sonntag, 23. März 2014, 08:43 (vor 4601 Tagen) @ Friedrich

Ich glaube auch, dass Klais und vielleicht Steinmeyer in der Zwischenkriegszeit dem amerikanischen Reformklang in ziemlich vieler Hinsicht recht nahe kommen; auch das Angebot an technischem Komfort und die Zuverlässigkeit der Orgeln ist wohl vergleichbar.

So nahe, dass Steinmeyer sogar in Übersee bauen durfte.

Gruß, Florian

Holtkamp-Orgel

Martin Kondziella, Montag, 24. März 2014, 22:10 (vor 4600 Tagen) @ Florian-L

Das ist aber eher umgekehrt. Steinmeyer hat die Entwicklung in Amerika speziell mit der Orgel in Altoona massgeblich beeinflußt.

Holtkamp-Orgel/indirekter Klang

hardy @, Sonntag, 23. März 2014, 21:11 (vor 4601 Tagen) @ Friedrich

Das ist dann ja auch verständlich, daß Holtkamp zu der Zeit auf Gehäuse verzichtete, um möglichst direkten Klang zu erreichen. Neu war mir, daß viele romantische amerikanische Orgeln eher indirekt klingen.
Indirekter Klang ist auch sehr schlecht für die Gemeindebegleitung, für die Orgeln ja vor allem gebaut sind. Unverständlich daher die Maria-Laach-Lösung, zumal vorher ja die Chororgel das Teil war, das heute hinten in der Ecke steht. Auch wenn es ursprünglich in etwa so war. Die alte Paderborner Domorgel (1926) übrigens war überhaupt nicht zu sehen. Vom Klang bzw. der Gemeindetauglichkeit ist mir nichts bekannt.

Holtkamp-Orgel/indirekter Klang

Friedrich @, Sonntag, 23. März 2014, 21:32 (vor 4601 Tagen) @ hardy
bearbeitet von Friedrich, Montag, 24. März 2014, 06:14

Das ist dann ja auch verständlich, daß Holtkamp zu der Zeit auf Gehäuse verzichtete, um möglichst direkten Klang zu erreichen. Neu war mir, daß viele romantische amerikanische Orgeln eher indirekt klingen.

Das taten sie schon deswegen, weil sie oft in tiefen seitlichen Kammern im Chorraum (chancel) standen, vielfach hintereinander gestaffelt, davor stumme Prospekte oder Latten, Gaze oder sogar bemalte Leinwand – das fand man praktisch, weil sie dann nahe beim Chor und beim Liturgen waren und die Emporen im Hauptraum frei waren für die Gemeinde. Manchmal gab es dann Antiphonals, die auf der hinteren Empore standen und von dort aus stützten. Aber die Aufstellung im “chancel” war vor allem Schuld daran, dass diese oft gigantischen Orgeln im Hauptraum schwach klangen. Bei den damals üblichen Drücken war jegliche Artikulation sowieso wegintoniert – gewaltige Aufschnitte, gewölbte Labien und Kernstiche allenthalben. Alles machte tendenziell Uuuu (forte) oder Uuummmm (piano).

Funktion zu zeigen – und sei es nur ein möbelartiges Gehäuse, das der Orgel Körper gab –, das muss in der damaligen Zeit ungefähr so gewirkt haben, als ob der Pastor seine Strumpfbänder zeigte. Vielleicht hat mancher von euch das Lieberwirth-Buch über die Gewandhausorgeln (war mal ein beliebter Zwangsumtausch-Artikel): Da wurden die Pfeifenfüße der Walcker-Orgel schwarz verhängt, »aus ethischen Gründen«, wie Lieberwirth zitiert. Zu Deutsch: Kondukten wirkten unanständig. Da kann man sich ausmalen, dass Holtkamps Orgeln geradezu provokant waren – nicht nur klanglich, sondern eben auch gestalterisch.

Indirekter Klang ist auch sehr schlecht für die Gemeindebegleitung, für die Orgeln ja vor allem gebaut sind. Unverständlich daher die Maria-Laach-Lösung, zumal vorher ja die Chororgel das Teil war, das heute hinten in der Ecke steht.

Ich fand es schon interessant, die Orgel so zu hören, wenn auch unterm Strich musikalisch unbefriedigend. Aber dieser indirekte Klang, der von irgendwoher zu kommen schien und einen richtungslos einhüllte, der war offenbar einmal gewollt. Dass er immer mehr auf Ablehnung stieß, finde ich allerdings auch verständlich. Auf CDs wirkt die Orgel übrigens komplett anders, dieses wattige Klangerlebnis ist wohl nicht reproduzierbar.

Viele Grüße,
Friedrich

Holtkamp/indirekter Klang

hardy @, Sonntag, 23. März 2014, 21:45 (vor 4601 Tagen) @ Friedrich

Das ist dann ja auch verständlich, daß Holtkamp zu der Zeit auf Gehäuse verzichtete, um möglichst direkten Klang zu erreichen. Neu war mir, daß viele romantische amerikanische Orgeln eher indirekt klingen.


Das taten sie schon deswegen, weil sie oft in tiefen seitlichen Kammern im Chorraum (chancel) standen, vielfach hintereinander gestaffelt, davor stummer Prospekte oder Latten, Gaze oder sogar bemalte Leinwand – das fand man praktisch, weil sie dann nahe beim Chor und beim Liturgen waren und die Emporen im Hauptraum frei waren für die Gemeinde. Manchmal gab es dann Antiphonals, die auf der hinteren Empore standen und von dort aus stützten. Aber die Aufstellung im “chancel” war vor allem Schuld daran, dass diese oft gigantischen Orgeln im Hauptraum schwach klangen. Bei den damals üblichen Drücken war jegliche Artikulation sowieso wegintoniert – gewaltige Aufschnitte, gewölbte Labien und Kernstiche allenthalben. Alles machte tendenziell Uuuu (forte) oder Uuummmm (piano).

Funktion zu zeigen – und sei es nur ein möbelartiges Gehäuse, das der Orgel Körper gab –, das muss in der damaligen Zeit ungefähr so gewirkt haben, als ob der Pastor seine Strumpfbänder zeigte. Vielleicht hat mancher von euch das Lieberwirth-Buch über die Gewandhausorgeln (war mal ein beliebter Zwangsumtausch-Artikel): Da wurden die Pfeifenfüße der Walcker-Orgel schwarz verhängt, »aus ethischen Gründen«, wie Lieberwirth zitiert. Zu Deutsch: Kondukten wirkten unanständig. Da kann man sich ausmalen, dass Holtkamps Orgeln geradezu provokant waren – nicht nur klanglich, sondern eben auch gestalterisch.

Indirekter Klang ist auch sehr schlecht für die Gemeindebegleitung, für die Orgeln ja vor allem gebaut sind. Unverständlich daher die Maria-Laach-Lösung, zumal vorher ja die Chororgel das Teil war, das heute hinten in der Ecke steht.


Ich fand es schon interessant, die Orgel so zu hören, wenn auch unterm Strich musikalisch unbefriedigend. Aber dieser indirekte Klang, der von irgendwoher zu kommen schien und einen richtungslos einhüllte, der war offenbar einmal gewollt. Dass er immer mehr auf Ablehnung stieß, finde ich allerdings auch verständlich. Auf CDs wirkt die Orgel übrigens komplett anders, dieses wattige Klangerlebnis ist wohl nicht reproduzierbar.

Viele Grüße,
Friedrich

Holtkamp/indirekter Klang

hardy @, Sonntag, 23. März 2014, 21:48 (vor 4601 Tagen) @ hardy

oh, sorry, da ist was schiefgelaufen...
Ich meinte nur noch, daß ich eine Aufnahme (LP) einer Skinner-Orgel in Los Angeles besitze; das Gerät klingt eigentlich nur irgendwie dumpf, wie Du schon sagtest, uuuum oder so, und dann noch kaum Akustik im Raum. Auch wenn Skinner noch so gelobt wird, wenn die Orgel an der falschen Stelle steht mit den von Dir genannten Konsequenzen, hilft es auch nicht viel.

Holtkamp/indirekter Klang

Friedrich @, Sonntag, 23. März 2014, 22:40 (vor 4601 Tagen) @ hardy
bearbeitet von Friedrich, Sonntag, 23. März 2014, 22:58

oh, sorry, da ist was schiefgelaufen...
Ich meinte nur noch, daß ich eine Aufnahme (LP) einer Skinner-Orgel in Los Angeles besitze; das Gerät klingt eigentlich nur irgendwie dumpf, wie Du schon sagtest, uuuum oder so, und dann noch kaum Akustik im Raum. Auch wenn Skinner noch so gelobt wird, wenn die Orgel an der falschen Stelle steht mit den von Dir genannten Konsequenzen, hilft es auch nicht viel.

Eine der in meinen Ohren aussagekräftigsten Aufnahmen vom Skinner-Klang hat natürlich JAV gemacht: diese hier. Das ist eine mittelgroße Orgel von 1915 im Originalzustand, sie steht in einer akustisch warmen, aber fast ganz nachhallfreien Kirche. Der Klang hat schon Qualität, er ist extrem gleichmäßig und rund und hat große Dynamik, vor allem wegen des groß besetzten Schwellwerks und der mächtigen Pedalbässe (alle übrigen Manualwerke haben nur ein paar 8’- und 4’-Grundstimmen – darunter kein 4’-Prinzipal – und 8’-Zungen). Alles ist sehr weich intoniert, auch die Schwellwerksmixtur (die einzige in der ganzen Orgel) gibt nur ein mattes Schimmern. Die vollbecherigen Zungen haben, wenn man genau hinhört, ein feines Klingeln im Hintergrund, das finde ich edel und habe es selten anderswo gehört.

Aber alles klingt eben wie aus Wagners verdecktem Orchester heraus: weich, einheitlich und breit, an der Rampe vielleicht ein paar Solisten: der Heldentenor (Tuba, Tromba) oder die Walküre (Flauto mirabilis). Dafür Röhrenglocken.

Man muss sich dran gewöhnen, und ein Kundiger muss am Spieltisch sitzen, dann geht’s. Aber der Hunger nach einem kräftigen, ungehemmt sprechenden Prinzipalchor wächst minütlich.

Gruß,
Friedrich

Skinner/Toledo (Ohio), war: Holtkamp/indirekter Klang

Wolfgang Gourgé @, Montag, 24. März 2014, 00:47 (vor 4601 Tagen) @ Friedrich
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Montag, 24. März 2014, 01:19

oh, sorry, da ist was schiefgelaufen...
Ich meinte nur noch, daß ich eine Aufnahme (LP) einer Skinner-Orgel in Los Angeles besitze; das Gerät klingt eigentlich nur irgendwie dumpf, wie Du schon sagtest, uuuum oder so, und dann noch kaum Akustik im Raum. Auch wenn Skinner noch so gelobt wird, wenn die Orgel an der falschen Stelle steht mit den von Dir genannten Konsequenzen, hilft es auch nicht viel.


Eine der in meinen Ohren aussagekräftigsten Aufnahmen vom Skinner-Klang hat natürlich JAV gemacht: diese hier. Das ist eine mittelgroße Orgel von 1915 im Originalzustand, sie steht in einer akustisch warmen, aber fast ganz nachhallfreien Kirche. Der Klang hat schon Qualität, er ist extrem gleichmäßig und rund und hat große Dynamik, vor allem wegen des groß besetzten Schwellwerks und der mächtigen Pedalbässe (alle übrigen Manualwerke haben nur ein paar 8’- und 4’-Grundstimmen – darunter kein 4’-Prinzipal – und 8’-Zungen). Alles ist sehr weich intoniert, auch die Schwellwerksmixtur (die einzige in der ganzen Orgel) gibt nur ein mattes Schimmern. Die vollbecherigen Zungen haben, wenn man genau hinhört, ein feines Klingeln im Hintergrund, das finde ich edel und habe es selten anderswo gehört.

Aber alles klingt eben wie aus Wagners verdecktem Orchester heraus: weich, einheitlich und breit, an der Rampe vielleicht ein paar Solisten: der Heldentenor (Tuba, Tromba) oder die Walküre (Flauto mirabilis). Dafür Röhrenglocken.

Man muss sich dran gewöhnen, und ein Kundiger muss am Spieltisch sitzen, dann geht’s. Aber der Hunger nach einem kräftigen, ungehemmt sprechenden Prinzipalchor wächst minütlich.

Gruß,
Friedrich

....dieser (wundervolle!) Clip gibt einen Begriff vom Ernest Skinner-Klang, wie Du ihn beschreibst...aber mein Hunger ist an dessen Ende eigentlich ziemlich gestillt.... - Ja, weich, breit, einheitlich, aber durchaus im positiven Sinn. Konnte schon was, der Skinner. War halt nur als Geschäftsmann nicht zu gebrauchen, und als Teilhaber wohl auch nicht....

Hier übrigens eine virtuelle Tour durch diesen beeindruckenden Raum - der Clip mit Stephen Tharp paßt perfekt als musikalische Untermalung....in "Scene 4" kann man den Spieltisch rechts hinter dem Altar erkennen sowie die mit Holzdekorationen verblendeten Orgelnischen oben.

[image]

Gruß,
Wolfgang

PS: akustisch gesehen ist diese Aufstellung alles andere als optimal - der Klang muß nicht nur durch die engen Rundbögen und die Holzverblendungen aus den (mehrere Meter tiefen) Nischen heraus, sondern dann auch noch um die Ecke, um im Kirchenschiff anzukommen.

Skinner/Toledo (Ohio), war: Holtkamp/indirekter Klang

Florian-L @, Montag, 24. März 2014, 09:06 (vor 4600 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

....dieser (wundervolle!) Clip gibt einen Begriff vom Ernest Skinner-Klang, wie Du ihn beschreibst...aber mein Hunger ist an dessen Ende eigentlich ziemlich gestillt.... - Ja, weich, breit, einheitlich, aber durchaus im positiven Sinn. Konnte schon was, der Skinner.

Hier noch ein Hinweis auf die Aufnahme von Karg-Elerts Orgelwerken mit Stefan Engels, der die klanglichen Möglichkeiten aufs Äußerste ausreizt.

Gruß, Florian

Skinner/Toledo (Ohio), war: Holtkamp/indirekter Klang

Karsten @, Montag, 24. März 2014, 15:45 (vor 4600 Tagen) @ Florian-L

Hier noch ein Hinweis auf die Aufnahme von Karg-Elerts Orgelwerken mit Stefan Engels, der die klanglichen Möglichkeiten aufs Äußerste ausreizt.

Engels verwendete im Rahmen seiner Karg-Elert-Reihe ebenfalls die Steinmeyer-Orgel in Altoona.
Wir romantisch diese Orgel klanglich war/ist, beweist auch diese schöne Aufnahme mit Orgelwerken von Max Reger, eingespielt von Peter Sykes.

Gruß
Karsten

Holtkamp/Skinner/indirekter Klang

kjz1, Montag, 24. März 2014, 09:08 (vor 4600 Tagen) @ Friedrich

Oder halt die Skinner im Girard College, die sich komplett auf dem Dachboden befindet und nur durch ein Schalloch nach unten in den Raum spricht. Auf dem Photo sieht man die 'fetten' 32' im Hintergrund und davor die Tuba mirabilis, bei den Fangnetzen geht es dann runter in den Kirchenraum.

Skinner, war: Holtkamp/indirekter Klang

fluteceleste @, Mittwoch, 26. März 2014, 09:41 (vor 4598 Tagen) @ Friedrich
bearbeitet von fluteceleste, Mittwoch, 26. März 2014, 09:58

exakt! das problem der wohnzimmerakustik und der eingesperrten Orgeln im Altarraum hatte Skinner ständig. Erst als er praktisch am Ende seiner Hauptschaffensperiode angelangte, wurde der Klang heller. Ich habe mal die letzte unter seiner alleinigen Supervision gebaute Orgel in Brookline / Boston von 1932 klick gespielt ( übrigens Kirchenbau mit angebauter Kapelle,deren Orgel Vom Hauptspieltisch als Echo spielbar ist (*schwärm*)) da ergibt sich schon ein ganz anderer eindruck: Im Great eine 4fache "Harmonics" Mixtur (mit Septimchor!) und im Swell eine wirklich glänzende Mixture die auch noch in der Oktav ausgebaut ist. Das hat ihm allerdings auch nicht mehr geholfen, denn G Donald Harrison war bereits am Ball - stumpfe Diapasons und runde Tuben waren "out". Es gibt noch einige wenige übergangsinstrumente die nach und nach allerdings den grundtönigen Skinner- Stimmen den Rücken kehren. Celestige Grüsse von Stefan ( der sein Pseudonym in Erinnerung an Skinner trägt ...)
[image]
...übrigens auch hier die Orgel komplett unsichtbar in Kammern im Altarraum verbaut!

Skinner, war: Holtkamp/indirekter Klang

untersatz32, Mittwoch, 26. März 2014, 10:46 (vor 4598 Tagen) @ fluteceleste

...hmmm, lecker!!!!

Holtkamp-Orgel

kjz1, Sonntag, 23. März 2014, 14:32 (vor 4601 Tagen) @ hardy
bearbeitet von kjz1, Sonntag, 23. März 2014, 14:39

IMHO ein schönes Beispiel für eine 'American Classic Organ'. Das war ja quasi die 'Orgelbewegung' in Amerika, die einen Gegentrend gegen die hochromantische Aesthetik eines E. M. Skinner bildete. Wobei man in den USA nie so 'in die Extreme' gegangen ist im Vergleich zu Deutschland. Aber der Hang zu Extremen scheint irgendwie auch etwas Urdeutsches zu sein. Winston Churchill hat das ja mal so treffend ausgedrückt.

Und diese Freipfeifenprospekte sind ja ebenfalls ganz typisch für Holtkamp. Ein anderes bekanntes Beispiel wäre die Holtkamp-Orgel der Cadet Chapel in Colorado Springs.

Holtkamp-Orgel

hardy @, Sonntag, 23. März 2014, 19:55 (vor 4601 Tagen) @ kjz1

Nicht schlecht, der "Prospekt":)

Holtkamp-Orgel

Orlos @, Sonntag, 23. März 2014, 23:49 (vor 4601 Tagen) @ hardy

Finde ich auch sehr eindrucksvoll. Im Grunde ist es eine Weiterführung der deutschen Prospekte aus den späten 1920er Jahren, wie zum Beispiel hier.
Hans Klais ist aber selbst zu den Vollgehäusen zurückgekehrt, weil die Klangverschmelzung in den offenen Lösungen nicht genügend gegeben war. Und das galt für große hallige Kirchen. Wie erst klingen solche Orgeln in Amerika in den oft akustisch trockenen Räumen?!

Holtkamp-Orgel

hardy @, Dienstag, 25. März 2014, 19:22 (vor 4599 Tagen) @ Orlos

Ja das kann ich mir auch nicht so richtig vorstellen.
Ich weiss auch nicht, ob mein Gehör so genau zwischen einer Orgel mit und ohne klangverschmelzungsförderndem Gehäuse unterscheiden können.
Übrigens habe ich vor einigen Jahren die Klais-Orgel (1934, ca. 40 Register, offenbar original erhalten) der kath. Kirche in Kamen (Westf.) gehört, auch mit so einem Freiprospekt dieser Zeit, da kam schon einiges an "Lärm" herunter :)
Gruß Hardy

powered by my little forum