Franz Liszt
Ich bezweifle, dass Anton Bruckner (um ihn als Beispiel zu zitieren) jedes einzelne Orchesterinstrument wirklich so gut kannte, dennoch tauchen "sie alle" in seinen Sinfonien auf (von Gustav Mahlers Achter ganz zu schweigen...).
Die Frage ist eben, was man unter "so gut" versteht. Wie gesagt: das grundsätzliche handwerkliche Wissen (Ambitus der Instrumente, grundsätzliche Spielweisen etc.) konnte und sollte man eigentlich erwarten. Zudem waren Komponisten ja auch Werke der Kollegen und Vorbilder bekannt und wurden studiert.
"Perfekt" war damit natürlich noch nicht alles, die Kunst der Instrumentation beherrschten nicht alle gleich gut. Noch heute ärgern sich viele Dirigenten über weniger bis schlecht instrumentierte Passagen (auch bei den "Großen"). Gerade bei Bruckner meinte man, seine Sinfonien überarbeiten und verbessern zu müssen. Mahler tat dies beispielsweise auch und war zudem als Operndirigent mit den Orchesterinstrumenten aus der Praxis recht gut vertraut. Dennoch (um mal on-topic zu werden) notierte er beispielsweise in der erwähnten Achten Sinfonie im Orgelpart Bass-Töne unter dem großen C - was so streng genommen nicht gespielt werden kann. Aber es geht ja um die tatsächliche Tonhöhe: mit einer 16'-Registrierung geht also auch das.
Und Max Reger komponierte sein erstes Streichquartett mit 16 Jahren - da hatte er, so berichtete es sein Lehrer Adalbert Lindner - noch nie eine Komposition für diese Besetzung gehört und auch noch nie eine Quartettpartitur zu Gesicht bekommen. Trotzdem ist es gute Musik, wenn auch klanglich etwas eigenartig.
Nun ja, bei Lindners AUssagen muss man immer etwas vorsichig sein ;)
Aber gerade Reger ist ja ein bekannter Fall dafür, dass, obwohl er über grundlegende Orgelspieltechnik verfügte, ohne die Praxis zu berücksichtigen komponierte und die Interpreten heute ganz schön ins Schwitzen bringt.
Allgemein gesagt: "es geht alles". Wenn man das Instrument kennt, klingt freilich das Ergebnis souveräner - und man macht dem ausführenden Musiker leichter....
Oder eben auch nicht: Bach, Scarlatti, Beethoven, Liszt, Chopin, Godowsky am Klavier, auf der Violine Tartini, Paganini etc. - sie alle gingen zu ihrer Zeit über die möglichen technischen Grenzen der Spieler und Instrumente weit hinaus. Die Werke galten als "unspielbar", wurden aber für die nachfolgenden Generationen zum Repertoire, auf dem man aufbauen musste...
Gruß
Karsten
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Daniel,
10.03.2014, 18:23
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10.03.2014, 19:13
- Franz Liszt - Karsten, 10.03.2014, 20:28
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