Praetorius II

Daniel, Montag, 10. März 2014, 18:08 (vor 4610 Tagen)

Lese gerade – noch einmal nach 30 Jahren – den Praetorius / Sytagma Musicum II / De Organographia.

Vom Text her etwas schwierig, da mehrere Wörter aus der Zeit um 1600 heute eine andere Bedeutung haben, manche auch überhaupt nichts zum Verständnis beitragen. Auch schreibt Praetorius etwas weitschweifig, mit Wiederholungen und unstrukturiert. Aber es ist immerhin das umfassendste Werk aus jener Zeit, das auch n o c h ältere Orgeln (z.B. Halberstadt) beschreibt.

Bis jetzt (bin erst halb durch) aufgefallen sind mir:

Konstanz („Costnitz“) habe eine Orgel besessen (von vor 1600) mit 70 Register und 3009 Pfeifen, tiefste 24‘, 12 Blasbälge.

Praetorius meint, für einen 32‘-Pedal wäre am besten eine „Flachflöiten“, will er aber „einem verständigen Orgelmacher zu probieren anheim gestellt haben“.
Vielleicht gar keine so abwegige Idee: Kontrabass oder Violon 16‘ im Magdeburger Dom sind aus Holz mit dem Labium auf der breiteren Seite gebaut.

„Nachthorn“ = kleine Quintadeena. „Die Holländer arbeiten das Nachthorn offen“.

„Schweitzerpfeiff“ (8‘ bis 1‘) enger als Principal, mit Seitenbärten und Unterleiste:
ist mir in dieser Bauweise aus Orgeln der letzten Jahrzehnte (außer Nördlingen SW 1') nicht bekannt.

„andere Art von Schweitzerpfeiffen“ + Querflöit (er erwähnt aber auch ein offen-Querflöit): gedackt und dabei überblasend (vergleichbar der engl.-amerik. „Zauberflöte“).

Bei den aufgeführten Dispositionen hat Praetorius teilweise keine Fußton-Zahlen angegeben. Ein versierter Orgelkenner kann sich die meisten zwar zusammenreimen, aber da und dort sind die Lagen, ob 4‘ oder 2’, 2‘ oder 1‘, Repetitionen von Regalen, doch nicht zu 100 % festzulegen.

Praetorius II

Hilbrands @, Dienstag, 11. März 2014, 09:43 (vor 4609 Tagen) @ Daniel

Prätorius ist eine Fundgrube (online), aber in der Tat manchmal recht verworren und mit Fehlern gespiekt. Da fehlen Register oder werden ergänzt, die Fußzahlen stimmen nicht usw., wie ein Vergleich mit erhaltenen Werken oder anderen Quellen zeigt. Trotz der teils schlampigen Arbeit immer noch eine der Hauptquellen für die Orgelkunst von Gotik und Renaissance.
Gruß, Walter

Praetorius II

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Dienstag, 11. März 2014, 16:28 (vor 4609 Tagen) @ Hilbrands

Prätorius ist eine Fundgrube (online), aber in der Tat manchmal recht verworren und mit Fehlern gespiekt. Da fehlen Register oder werden ergänzt, die Fußzahlen stimmen nicht usw., wie ein Vergleich mit erhaltenen Werken oder anderen Quellen zeigt. Trotz der teils schlampigen Arbeit immer noch eine der Hauptquellen für die Orgelkunst von Gotik und Renaissance.
Gruß, Walter

das mit den Fehlern stimmt leider. Von der großen Glowatz-Orgel hier (Rostock Marien) überliefert er nur die Hälfte der Register (ob der Brief mit den Daten in der Sortieranlage halbseitig beschädigt wurde...?).

Lustig wiederum, dass Hans Henny Jahnn aus dieser Dispo zitiert und Schlüsse zieht. (Fragt mich jetzt nicht genau nach der Stelle, hat irgendwas mit gotischen Hauptwerken zu tun....).

Praetorius II

Daniel, Dienstag, 11. März 2014, 16:35 (vor 4609 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Aber die aufgeührte Disposition (3 Manuale, 39 Register) ist in sich stimmig.
Eigentlich vermißt man nichts, höchstens, daß das Oberwerk (Hauptwerk) etwas dürftig mit nicht-Prinzipalen ausgestattet ist. Und beachtlich ist, daß das Brustwerk ein eigenes Manual hat.

Praetorius II

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Dienstag, 11. März 2014, 23:09 (vor 4609 Tagen) @ Daniel

Aber die aufgeührte Disposition (3 Manuale, 39 Register) ist in sich stimmig.
Eigentlich vermißt man nichts, höchstens, daß das Oberwerk (Hauptwerk) etwas dürftig mit nicht-Prinzipalen ausgestattet ist. Und beachtlich ist, daß das Brustwerk ein eigenes Manual hat.

Also für 1593 fehlt schon noch einiges. Für ein Oberwerk von 1520 oder so mag es ja als Blockwerk gereicht haben. Und dass das dürftige Pedal mit "in den Seiten-Bässen zur linken Hand" tituliert ist, zeigt ja, dass das Hauptpedal - nämlich oben "im Werk" - fehlt.

Praetorius II

Evacuant, Mittwoch, 12. März 2014, 18:56 (vor 4608 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Also für 1593 fehlt schon noch einiges. Für ein Oberwerk von 1520 oder so mag es ja als Blockwerk gereicht haben.

Ich bin mir nicht ganz sicher. Das Hauptwerk der Scherer-Orgel in Tangermünde (1624) hat ja auch kaum mehr. Da haben wir nur die labialen Grundstimmen 16' 16' 8' 8' 4' und drei gemischte Stimmen.

Oder hat Glovatz ein älteres Hauptwerk übernommen? Das könnte das auffallende Missverhältnis von 6 Registern im Hauptwerk gegenüber 12 Registern im Brustwerk auch erklären.

Praetorius II

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Mittwoch, 12. März 2014, 19:33 (vor 4608 Tagen) @ Evacuant

Also für 1593 fehlt schon noch einiges. Für ein Oberwerk von 1520 oder so mag es ja als Blockwerk gereicht haben.

Ich bin mir nicht ganz sicher. Das Hauptwerk der Scherer-Orgel in Tangermünde (1624) hat ja auch kaum mehr. Da haben wir nur die labialen Grundstimmen 16' 16' 8' 8' 4' und drei gemischte Stimmen.

Oder hat Glovatz ein älteres Hauptwerk übernommen? Das könnte das auffallende Missverhältnis von 6 Registern im Hauptwerk gegenüber 12 Registern im Brustwerk auch erklären.

Nach aktuellem Stand nein. Die gesamte Dispo ist ja auch bekannt, wenngleich die Quellen leicht voneinander abweichen. Es sind 53 bzw. 54 Stimmen, das Hauptwerk hatte davon 12/13 Stimmen (Tp. 16 und 8 als gemeinsamer Zug).

Die Orgel gehörte für einige Jahre zu den größten drei/vier Orgeln (je nach Quellen und Interpretation) überhaupt, gemeinsam mit Hamburg, Lübeck, Danzig. Grüningen käme von der Registerzahl hinzu, aber die war von den Fußlagen her ja kleiner angelegt.

Praetorius II

jrbecker @, Dienstag, 11. März 2014, 17:09 (vor 4609 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Prätorius ist eine Fundgrube (online), aber in der Tat manchmal recht verworren und mit Fehlern gespiekt. Da fehlen Register oder werden ergänzt, die Fußzahlen stimmen nicht usw., wie ein Vergleich mit erhaltenen Werken oder anderen Quellen zeigt. Trotz der teils schlampigen Arbeit immer noch eine der Hauptquellen für die Orgelkunst von Gotik und Renaissance.
Gruß, Walter


das mit den Fehlern stimmt leider. Von der großen Glowatz-Orgel hier (Rostock Marien) überliefert er nur die Hälfte der Register (ob der Brief mit den Daten in der Sortieranlage halbseitig beschädigt wurde...?).


... um diesen Hinweis zu ergänzen, wollte ich gerade auf die "Geschichte der Orgel" verweisen, deren Link man ja hier findet - aber der scheint ins Leere zu führen...

LG
Jörg

Praetorius II

Daniel, Dienstag, 11. März 2014, 19:12 (vor 4609 Tagen) @ jrbecker
bearbeitet von Daniel, Dienstag, 11. März 2014, 19:24

Zu Anfang des „Tomi secundi“ erwähnt Praetorius die Costnitzer (Konstanzer) Orgel, mit 70 Register und 3000 Pfeifen und 23 Blasbälge, deren Disposition (und auch die von Ulm) er nicht in Erfahrung bringen konnte. Die Konstanzer Orgel wurde 1523 vollendet, und 1592 restauriert.

Auch ich konnte bisher keine Disposition in Erfahrung bringen. Wäre aber interessant, ein Werk dieser Größe aus 1523.

Praetorius II

Evacuant, Dienstag, 11. März 2014, 20:03 (vor 4609 Tagen) @ Daniel

Zu Anfang des „Tomi secundi“ erwähnt Praetorius die Costnitzer (Konstanzer) Orgel, mit 70 Register und 3000 Pfeifen und 23 Blasbälge, deren Disposition (und auch die von Ulm) er nicht in Erfahrung bringen konnte. Die Konstanzer Orgel wurde 1523 vollendet, und 1592 restauriert.

Auch ich konnte bisher keine Disposition in Erfahrung bringen. Wäre aber interessant, ein Werk dieser Größe aus 1523.


Das mit den 70 Registern stimmt nicht, die 3000 Pfeifen sind wohl auch zweifelhaft. Auf jeden Fall war die Orgel nur zweimanualig.

Beschreibung laut http://www.muenster-konzerte.com/download/geschichte_muensterorgel.pdf:

"Die besaß im Hauptwerk (F-a'') 16', 16', 16', 8', 8', 5 1/3', 4', Sesquialter und Mixtur, Zimbel und Zunge 8`; im Positiv (F-a'') 8', 8', 4', 4', 2 2/3', 2', 2', Zimbel und Zunge 8' und im Pedal (F-c') 32', 16', 8', 5 1/3', Mixtur sowie Zungen 16' und 8'."

Wie zuverlässig diese Beschreibung ist? Keine Ahnung.

Praetorius II

Daniel, Mittwoch, 12. März 2014, 08:34 (vor 4608 Tagen) @ Evacuant

Vielen Dank, sehr interessant.

Praetorius II

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Dienstag, 11. März 2014, 23:05 (vor 4609 Tagen) @ jrbecker

Prätorius ist eine Fundgrube (online), aber in der Tat manchmal recht verworren und mit Fehlern gespiekt. Da fehlen Register oder werden ergänzt, die Fußzahlen stimmen nicht usw., wie ein Vergleich mit erhaltenen Werken oder anderen Quellen zeigt. Trotz der teils schlampigen Arbeit immer noch eine der Hauptquellen für die Orgelkunst von Gotik und Renaissance.
Gruß, Walter


das mit den Fehlern stimmt leider. Von der großen Glowatz-Orgel hier (Rostock Marien) überliefert er nur die Hälfte der Register (ob der Brief mit den Daten in der Sortieranlage halbseitig beschädigt wurde...?).

... um diesen Hinweis zu ergänzen, wollte ich gerade auf die "Geschichte der Orgel" verweisen, deren Link man ja hier findet - aber der scheint ins Leere zu führen...

LG
Jörg

Jetzt grade führt er aber doch zum Ziel...??

Praetorius II

jrbecker @, Mittwoch, 12. März 2014, 00:02 (vor 4609 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf


Jetzt grade führt er aber doch zum Ziel...??

Offensichtlich verwende ich einen Rechner, der irgendwelche Seiten aus irgendwelchen Gründen blockiert - obwohl mir nicht verständlich ist, welches System dahintersteckt. Ich werde mich künftig mit solchen Aussagen zurückhalten. Sorry!
LG
Jörg

Praetorius II

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Mittwoch, 12. März 2014, 10:20 (vor 4608 Tagen) @ jrbecker


Jetzt grade führt er aber doch zum Ziel...??


Offensichtlich verwende ich einen Rechner, der irgendwelche Seiten aus irgendwelchen Gründen blockiert - obwohl mir nicht verständlich ist, welches System dahintersteckt. Ich werde mich künftig mit solchen Aussagen zurückhalten. Sorry!
LG
Jörg

Aber nicht doch!

Das ist schon sehr hilfreich, oft merkt man ja nicht, dass eine eigene Website irgendwo Probleme macht. Und gelegentlich ist ja auch mal ein Server offline, und da interessiert es mich - in diesem Fall - natürlich schon, ob und wie oft das vorkommt.

Der funktionierende Link bringt allerdings gar keine Info über die Glowatz-Orgel. In den nächsten Monaten kommt da sicher etwas, ich muss nur abwägen, wieviel sozusagen "exclusiv" im neu erscheinenden Büchlein über die Rostocker Marien-Orgeln verbleiben soll und was schon mal auch online gehen kann.

Praetorius II

abstrakte @, Mittwoch, 12. März 2014, 11:25 (vor 4608 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Der funktionierende Link bringt allerdings gar keine Info über die Glowatz-Orgel. In den nächsten Monaten kommt da sicher etwas, ich muss nur abwägen, wieviel sozusagen "exclusiv" im neu erscheinenden Büchlein über die Rostocker Marien-Orgeln verbleiben soll und was schon mal auch online gehen kann.

Oho, wann und wo erscheint denn besagtes Büchlein??

Grüße,
Abstrakte

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