Praetorius II

Daniel, Montag, 10. März 2014, 18:08 (vor 4607 Tagen)

Lese gerade – noch einmal nach 30 Jahren – den Praetorius / Sytagma Musicum II / De Organographia.

Vom Text her etwas schwierig, da mehrere Wörter aus der Zeit um 1600 heute eine andere Bedeutung haben, manche auch überhaupt nichts zum Verständnis beitragen. Auch schreibt Praetorius etwas weitschweifig, mit Wiederholungen und unstrukturiert. Aber es ist immerhin das umfassendste Werk aus jener Zeit, das auch n o c h ältere Orgeln (z.B. Halberstadt) beschreibt.

Bis jetzt (bin erst halb durch) aufgefallen sind mir:

Konstanz („Costnitz“) habe eine Orgel besessen (von vor 1600) mit 70 Register und 3009 Pfeifen, tiefste 24‘, 12 Blasbälge.

Praetorius meint, für einen 32‘-Pedal wäre am besten eine „Flachflöiten“, will er aber „einem verständigen Orgelmacher zu probieren anheim gestellt haben“.
Vielleicht gar keine so abwegige Idee: Kontrabass oder Violon 16‘ im Magdeburger Dom sind aus Holz mit dem Labium auf der breiteren Seite gebaut.

„Nachthorn“ = kleine Quintadeena. „Die Holländer arbeiten das Nachthorn offen“.

„Schweitzerpfeiff“ (8‘ bis 1‘) enger als Principal, mit Seitenbärten und Unterleiste:
ist mir in dieser Bauweise aus Orgeln der letzten Jahrzehnte (außer Nördlingen SW 1') nicht bekannt.

„andere Art von Schweitzerpfeiffen“ + Querflöit (er erwähnt aber auch ein offen-Querflöit): gedackt und dabei überblasend (vergleichbar der engl.-amerik. „Zauberflöte“).

Bei den aufgeführten Dispositionen hat Praetorius teilweise keine Fußton-Zahlen angegeben. Ein versierter Orgelkenner kann sich die meisten zwar zusammenreimen, aber da und dort sind die Lagen, ob 4‘ oder 2’, 2‘ oder 1‘, Repetitionen von Regalen, doch nicht zu 100 % festzulegen.


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