Kirsten Gramlich in St. Antonius, D-Oberkassel
Hallo Forum,
Am 09.03.2014 gab es um 16h ein Orgelkonzert in St. Antonius, D-Oberkassel. Dort steht zur Zeit nur die neue Chororgel zur Verfügung. Aber die ließ ja schon mehrfach aufhorchen. So war ich gespannt, was Kirsten Gramlich (* 1976 in Weinheim, tätig als Kantorin der Grote of Lebuinuskerk in Deventer an der Holtgraeve/Schnitger-Orgel) aus dem anspruchsvollen Programm machen würde.
Es begann mit den Trois Pièces von César Franck. Die Tempi von Fantaisie en La und Cantabile waren ruhig, - sicher auch wegen des großen Nachhalls in der neoromanischen Großkirche mit beachtlicher Vierungskuppel. Etwas bewegter dann das Pièce Héroique. Erstaunlich, wie gut sich alle drei Werke auf dieser doch recht kleinen Orgel darstellen ließen. An Klangfarben vermißte man so gut wie nichts, lediglich ein wenig mehr Kraft oder ein schwarzer Tiefbaß wären mitunter wünschenswert gewesen. Aber das lag nicht in der Verantwortung der Spielerin.
Danach gab es eine frei Improvisation. Vogelstimmen über ostinaten Baßfiguren waren hier vorherrschend. Auch hier überzeugte der Klangfundus.
Ganz herrlich geriet dann BWV 678 “Dies sind die heil’gen zehn Gebot” aus dem Dritten Theil der Clavierübung. Die beiden im Kanon all’ Oktava geführten Choralstimmen paßten bestens zueinander und ließen doch jederzeit die Einzelverfolgung zu. Gramlich hielt das Geflecht wie selbstverständlich zusammen.
Wie würden sich danach 15 Minuten minimal-music ausmachen? Von Jan Welmers (*1937) spielte Kirsten Gramlich “Laudate Dominum”. Eine Motorwelle lief gleichmäßig durch, mal ruhig, mal etwas quietschend, unter Last auch brummend und dröhnend. Darunter obstinate Themenfetzen einer Psalmmelodie aus einem Genter Psalmenbuch. Gramlich ließ das mit stoischer Ruhe laufen, wechselte mitunter die Laufwerkshand und schüttelte die andere aus. “Lief fast wie von selbst” sagte sie nachher “an den großen niederländischen Orgeln braucht man viel mehr Kraft dazu”. Nun ja, diese Chororgel hier ist elektrisch traktiert. Bei Schnitger wollen meterlange Abstrakten bewegt werden. Wer dort geübt hat, ist hier natürlich im Vorteil. Jedenfalls war dieser Abschluß des Konzerts sehr hörenswert. Großer Beifall der kleinen Schar von Hörern (kaum mehr als 20).
(OT) Und hier noch ein Konzerterlebnis, das man sehr selten hat: Im Symphoniekonzert (Düsseldorfer Symphoniker unter Andrey Boreyko) hatte es vor der Pause Schostakovitschs erstes Cellokonzert gegeben. Solist war Alban Gerhardt. Sehr gut. Nach der Pause dann Tschaikowskis Vierte. Auch sehr gut mit richtiger Mischung von Präzision und Sentimento. Mitten in der Cellogruppe saß Alban Gerhardt. Und hatte sichtlich Freude am Mitspielen. In der Pause hatte er noch im Foyer Autogramme gegeben...
Gruß Clemens Schäfer
--
Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)