Royal Festival Hall - Orgel ist fertig

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Donnerstag, 27. Februar 2014, 20:01 (vor 4629 Tagen)

Die Orgel der RFH, ein Denkmal der englischen Orgelbewegung und die zweite große Konzertorgel Londons, wird am 18. März feierlich eingeweiht (Eröffnung bereits ausverkauft).

Viele interessante Ideen und ein starkes Programm. Ob es bei der Hamburger Elbphilharmonie auch mal so ähnlich wird?
Allerdings sind die Orgelprojekte wenig vergleichbar....

Royal Festival Hall - Orgel ist fertig

Wolfgang Gourgé @, Donnerstag, 27. Februar 2014, 21:52 (vor 4629 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Die Orgel der RFH, ein Denkmal der englischen Orgelbewegung und die zweite große Konzertorgel Londons, wird am 18. März feierlich eingeweiht (Eröffnung bereits ausverkauft).

Viele interessante Ideen und ein starkes Programm. Ob es bei der Hamburger Elbphilharmonie auch mal so ähnlich wird?
Allerdings sind die Orgelprojekte wenig vergleichbar....

...es wäre ein Glücksfall, wenn es dort genauso klappen würde - vor allem mit ein paar musikbegeisterten Kindern, die mitmachen. Denn diese Präsentation ist wirklich unschlagbar charmant. - Meine Güte, geht doch! Ist die Orgelwelt nicht manchmal ein bißchen arg kleinmütig, wenn es ständig nur heißt: alles schrumpft, bald ist nichts mehr da außer ein paar Elektronien?

findet:
Wolfgang.

Royal Festival Hall - Orgel ist fertig

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Donnerstag, 27. Februar 2014, 23:10 (vor 4629 Tagen) @ Wolfgang Gourgé


Meine Güte, geht doch! Ist die Orgelwelt nicht manchmal ein bißchen arg kleinmütig, wenn es ständig nur heißt: alles schrumpft, bald ist nichts mehr da außer ein paar Elektronien?

findet:
Wolfgang.

Genau! Weiterhin volle Kraft voraus - auf Winddrücken von 40 bis 600 mm!

Royal Festival Hall: John Scott

Flûte harmonique, Samstag, 22. März 2014, 10:03 (vor 4607 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Am 21. März spielte John Scott in der Royal Festival Hall ein Konzert, das live von BBC übertragen wurde und noch innerhalb der kommenden sieben Tage online nachgehört werden kann:

Live at Southbank Centre: John Scott

Das Programm:

Louis Marchand: Grand Dialogue en Ut
Dieterich Buxtehude: Komm, heiliger Geist (BuxWV 199)
J. S. Bach: Präludium & Fuge Es-Dur (BWV 552)
W. A. Mozart: Adagio & Allegro f-Moll (KV 594)
Marcel Dupré: Esquisses in e-Moll und b-Moll (Op. 41 Nr. 2 & 3)

- Pause: Währenddessen ein Mitschnitt des Pre-Concert-Talks mit John Scott und dem Orgelkurator William McVicker.

Franz Liszt: Ad nos, ad salutarem undam
Zugabe: Méditation von Louis Vierne

Disposition der Orgel

Royal Festival Hall: John Scott

Florian-L @, Samstag, 22. März 2014, 10:45 (vor 4607 Tagen) @ Flûte harmonique

Fuge Es-Dur (BWV 552)

Sehr schön spielt er die.
Ohne die oft zu hörende, mir unerklärliche Temposteigerung im dritten Teil. Warum machen das eigentlich so viele Interpreten?

Gruß, Florian

Royal Festival Hall: John Scott

Evacuant, Samstag, 22. März 2014, 12:38 (vor 4607 Tagen) @ Florian-L

Sehr schön spielt er die.
Ohne die oft zu hörende, mir unerklärliche Temposteigerung im dritten Teil. Warum machen das eigentlich so viele Interpreten?

Weil sie in den Noten steht.

Scott spielt die Sechzehntel des dritten Teils wie die Achtel des zweiten Teils.

Also quasi im halben Tempo.

Temporelationen in BWV 552,2

Karsten @, Samstag, 22. März 2014, 13:48 (vor 4607 Tagen) @ Evacuant
bearbeitet von Karsten, Samstag, 22. März 2014, 14:10

Hallo!

Wie die Temporelationen der Fugenabschnitte in BWV 552,2 zu realisieren ist, ist nicht ganz unumstritten.

Ewald Kooiman in "Zur Interpretation der Orgelmusik Johann Sebastian Bachs" (Merseburger, 1995, S. 57):

"Problematischer ist der zweite Teil der Fuge Es-Dur BWV 552. In dieser Fuge gibt es drei Taktarten:
C - 6/4 -12/8
Die Temporelation zwischen den Außenteilen liegen auf der Hand: [Halbe] = [Viertel punktiert].
Für den zweiten Teil wird oft folgende Relation angenommen:
1. [Halbe] = 2. [Halbe punktiert] = 3. [Viertel punktiert]
Gegen diese Relation spricht, daß hier die Achtel im 6/4 einer Sechzehntel im 12/8 entspricht, statt des 6/4 entsteht hier also ein 6/8. Richtiger scheint mir deshalb folgende Relation:
1. [Halbe] = 2. [Halbe] = 3. [Viertel punktiert]
Die Hemiolen im letzten Takt der zweiten Fuge bewirken einen fließenden Übergang zum 12/8 und sind ein gutes Beispiel zu Kimbergers Anmerkung über das Verhältnis von 6/4 und 3/2 (s.o. S.47)."

Jon Laukvik führt in seiner "Orgelschule zur historischen Aufführungspraxis, Teil 1 - Barock und Klassik" (Carus, S.256) zu der Temporelation aus:

"[...]
Die allgemeinen Regeln zum Rahmen hinsichtlich der Temponahme im Spätbarock wurden in Teil A. Kap. II.1. erörtert. Hinzu kommt, daß mehrteilige Stücke, wie bei G. Frescobaldi (s. Kap. I.1.) so auch bei Bach, eine Temporelation zwischen den einzelnen Abschnitten erfordern. Mit diesem Problem konfrontiert uns vor allem die Fuge in Es aus dem III. Teil der Clavierübung (552/2).
Die Taktvorzeichnung des ersten Teiles ist im Originaldruck C (also nicht [Allabreve]). Nehmen wir das 6/4 des zweiten Teiles wörtlich, ist das Verhältnis: alt Ganzenote = neu punktierte Ganzenote (oder einfacher: Halbenote = punktierte Halbenote). Dies ergibt, spielt man die erste Fuge langsam-gravitätisch, für den zweiten Teil ein ruhig fließendes Tempo, was dessen Taktart, Notenbild und Charakter entspricht.
Ein noch schnelleres Tempo würde den Mittelteil zu einem kurzen, unbedeutenden Intermezzo zwischen den beiden gewichtigen Außenteilen reduzieren. Soll der mittlere Teil den Sohn in der Gottes-Trinität vertreten, ist ein zu kindliches "Weglaufen" hier keineswegs angebracht.
Schwieriger ist der Fall beim Übergang zum dritten Teil der Fuge. Hier bestehen zumindest folgende zwei Möglichkeiten:
1. Alt Halbenote (der Hemiole der abschließenden Kadenz) = neu punktiertes 4tel, oder
2. Alt punktierte Halbenote = neu punktiertes 4tel.
1. müßte die adäquatere Lösung sein, weil 12/8 mit 16teln als kleinsten Notenwerten ein recht schnelles Tempo anzeigt, und weil dieser Teil eine Gigue ist, der "Tanz des lebendigen Heiligen Geistes"! Vgl. hierzu "Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist" (631) aus dem Orgelbüchlein, Bsp. 89 und das Duo aus Grignys Hymne "Veni creator", Bsp. 124.
Von Teil zu Teil nimmt durch diese Temporelationen die Geschwindigkeit zu, was dem Aufbau dieser Fuge entspricht."

Wie machen's die Profis hier im Forum?

Gruß
Karsten

Temporelationen in BWV 552,2

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Samstag, 22. März 2014, 14:48 (vor 4607 Tagen) @ Karsten


Wie machen's die Profis hier im Forum?

Gruß
Karsten

1. zur 2. Fuge: Halbe wird zur punktierten Halbe
2. zur 3. Fuge: Achtel werden Sechzehntel

Das war in Wien unter Heiller-Schülern (Radulescu, Mitterhofer, Planyavsky etc.) üblich. Radulescu konnte das auch sehr gut begründen, aber dazu müsste ich jetzt alte Skripten ausgraben.

Ich kann vom Kopf her die andere Deutung nachvollziehen, allerdings hat mir, als ich das Stück noch nicht so intensiv kannte/gespielt habe, keine entspr. Interpretation wirklich guit gefallen.
Und dann bin ich derart in die andere Version hineingewachsen, dass ich selbst nicht mehr in der Lage bin, abzuweichen.

Das Einzige, was ich nicht mehr machen "muss", ist die Schärfung der auftaktigen Achtel im Praeludium. Das war hier ja vor einiger Zeit auch Thema, denke ich.
Da scheint mir trotz der "sinnlichen" Attraktivität die Argumentation zur "Abweichung" vom Notentext zu dünn.

Temporelationen in BWV 552,2

Florian-L @, Samstag, 22. März 2014, 16:43 (vor 4607 Tagen) @ Karsten
bearbeitet von Florian-L, Samstag, 22. März 2014, 16:59

Zunächst herzlichen Dank für die beiden ausführlichen Zitate.

Die Taktvorzeichnung des ersten Teiles ist im Originaldruck C (also nicht [Allabreve]).

Das wusste ich nicht. Aber eine solche Notation, wie sie im ersten Teil der Fuge zu finden ist, ist doch eher unüblich, wenn ein "C" vorangestellt ist, oder?
Kein Wunder, dass man in späteren Ausgaben dann den Strich durchs C gemacht hat.

Gruß, Florian

Temporelationen in BWV 552,2

perotin, Samstag, 22. März 2014, 16:54 (vor 4607 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

1. zur 2. Fuge: Halbe wird zur punktierten Halbe
2. zur 3. Fuge: Achtel werden Sechzehntel

So finde ich es richtig. Man erhält für die 2. Fuge ein relativ flottes Tempo, das sie aber durchaus verträgt.

Von der 2. zur 3. Fuge macht John Scott es auch genau so. (Die erste Fuge wäre bei ihm im Verhältnis ein wenig zu schnell... gefällt mir aber trotzdem :-)

Die stellenweise etwas "hakelig" zu spielende zweite Fuge kann man sich beträchtlich vereinfachen, indem man einige Töne in's Pedal legt (in welchem natürlich nur die entsprechende Manualkoppel gezogen ist, keine eigenen Pedalregister). Etwa das lange b ab Takt 9 und die Unterstimme von T. 17 bis 20 (oder 22).

Grüße,
perotin

Temporelationen in BWV 552,2

Karsten @, Samstag, 22. März 2014, 17:02 (vor 4607 Tagen) @ Florian-L
bearbeitet von Karsten, Samstag, 22. März 2014, 17:20

Zunächst herzlichen Dank für die beiden ausführlichen Zitate.

Die Taktvorzeichnung des ersten Teiles ist im Originaldruck C (also nicht [Allabreve]).


Das wusste ich nicht. Aber eine solche Notation, wie sie im ersten Teil der Fuge zu finden ist, ist doch eher unüblich, wenn ein "C" vorangestellt ist, oder?


Hallo!

Auch dazu schreibt Kooiman etwas (S. 55):

"Den ersten Teil der Fuge Es-dur BWV 552 notiert Bach mit C, nicht mit [C Allebreve] wie fälschlich in der Peters-Ausgabe! Jeder Takt besteht aus vier halben Noten. Ich glaube, daß wir es hier mit dem "großen Viervierteltakt" zu tun haben, von dem Kirnberger sagt, daß er "von äusserst schwerer Bewegung" ist und dem 4/2-Takt entspricht. Zwar schreibt Bach nicht "grave" vor (wie es nach Kirnberger bei diesem Takt gebäuchlich ist), aber im übrigen entspricht Bachs Schreibweise der Charakterisierung Kirnbergers."

Kooiman merkt auch an, dass Bach - und seine Zeitgenossen - das C und Allabreve-C nicht immer einheitlich verwendet haben. Ein weites Feld...

Gruß
Karsten

P.S. Sofern es noch nicht im Bücherschrank steht:
Ewald Kooiman, Gerhard Weinberger, Hermann J. Busch: Zur Interpretation der Orgelmusik Johann Sebastian Bachs. Merseburger, Kassel, 1995, ISBN 3-87537-215-8

Temporelationen in BWV 552,2

Florian-L @, Samstag, 22. März 2014, 17:08 (vor 4607 Tagen) @ Karsten

Kooiman merkt auch an, dass Bach - und seine Zeitgenossen - das C und Allabreve-C nicht immer einheitlich verwendet haben. Ein weites Feld...

Ja, das Allabreve-C ist erstaunlicherweise z. B. auch in der Toccata von BWV 538 zu finden, nicht nur in der Fuge.

P.S. Sofern es noch nicht im Bücherschrank steht:
Ewald Kooiman, Gerhard Weinberger, Hermann J. Busch: Zur Interpretation der Orgelmusik Johann Sebastian Bachs. Merseburger, Kassel, 1995, ISBN 3-87537-215-8

Danke für den Tipp, diese Lektüre ist wirklich einmal fällig. ;-)

Gruß, Florian

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