Vita di San Francesco in St. Franziskus-Xav., D-Mörsenbroich

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Dienstag, 25. Februar 2014, 13:49 (vor 4625 Tagen)

Hallo Forum,

das achte und letzte “Winterliche” Orgelkonzert brachte mit Lutz-Werner Hesses “Vita di San Francesco” Ein Werk mit ungewöhnlicher Besetzung. Neben der Orgel werden von einem Spieler dreizehn Gongs zum Klingen gebracht. Klingen ist hier durchaus das richtige Wort. Es ging nämlich weniger um Schlagzeug als um Klangentwicklung. So wurden die Gongs mit vielen verschiedenen Schlägeln zum Schwingen angeregt, ferner mit den bloßen Händen und auch mit einem Geigenbogen. Der Anteil des Percussionisten am Gesamtwerk war der Orgel mindestens ebenbürtig, wenn nicht überlegen.

Das in elf Stationen dargestellte Leben beginnt mit einen Gebet in San Domino. Es folgen die Lossagung vom Vater, der Traum des Papstes (wie F. die Lateranbasilika stützt), die Ekstase des hl. F. (Perc. solo), die Vertreibung der Dämonen von Arrezzo, die Erscheinung in Arles, das Quellwunder (sprudelnde Orgel), die Weihnachtsfeier in Greccio (Orgel solo - schlicht, minimalartig), die Stigmatisierung (perc. solo, gr. TamTam), der Tod (sehr ergreifend) und der
Abschied der Klarissen vom Leichnam des hl. F..

Hesse, der beim Konzert dabei war, schuf hier eine meisterliche Andachtsmusik von fast 90 Minuten, aufgelockert durch die unterschiedlichen Topoi, aber verbunden durch die Dichte der Musik. Da blieb man jederzeit dran, es wurde niemals langweilig oder zu anstrengend. Selbst bei den großen Klangausbrüchen des riesigen Drei-Meter-TamTams, die wie Dampfwolken aufstiegen und sich an der Kirchendecke brachen, um zurückzurollen (wirklich sehr effektvoll) wirkte nichts übertrieben.

Uwe Fischer-Rossier, Percussion (Wuppertal) und Christoph Ritter (Nachfolger von Reinhard Kluth in Düsseldorf-Eller etc.) machten ihre Sache bestens. Die Gongs waren vor der ersten Bankreihe aufgestellt. So konnte man das Wirken des Spielers gut miterleben. Trotz der großen Entfernung zur Orgel im Westwerk gang das Zusammenspiel einwandfrei. Die hohen Anteile an jeweiligen Solopartien halfen dabei zusätzlich.

Leider waren nur etwa 30 Hörer nach St. Franziskus-Xaverius gekommen. Die aber applaudierten den Spielern und auch dem Komponisten dankbar und anhaltend.

Gruß Clemens Schäfer

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Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)


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