2 Schwellwerke

Daniel, Dienstag, 25. Februar 2014, 11:27 (vor 4624 Tagen)

Lohnt sich bei III / ca. 35-40 Register ein 2. Schwellwerk (Positiv/Rückpositiv, sofern architektonisch möglich, mit Prospekt-Register vor dem Schwellwerk)?

2 Schwellwerke

Evacuant, Dienstag, 25. Februar 2014, 11:38 (vor 4624 Tagen) @ Daniel

ja.

2 Schwellwerke

MAT @, Dienstag, 25. Februar 2014, 11:44 (vor 4624 Tagen) @ Evacuant

:-)

--
Gruß
MAT

sehe ich auch so *owt*

samuelscheidt, Dienstag, 25. Februar 2014, 14:34 (vor 4624 Tagen) @ Evacuant

.

2 Schwellwerke

Solcena ⌂ @, Dienstag, 25. Februar 2014, 12:08 (vor 4624 Tagen) @ Daniel
bearbeitet von Solcena, Dienstag, 25. Februar 2014, 22:26

Hallo Daniel,

das ist eine der Fragen, auf die man m.E. nur mit "es kommt darauf an" antworten kann, wenn keine weiteren Infos bekannt sind: Welcher Aufstellungsort, welche Akustik, welche stilistische Ausrichtung der Orgel, welche Einsatzfunktionen? Z.B. kann man natürlich ein mitteltönig gestimmtes Werk mit kurzbecherigen Zungen oder ein französisch-klassisches Bombardenklavier hinter Schwelltüren setzen, aber warum sollte man?

Viele Grüße!

2 Schwellwerke

Daniel, Dienstag, 25. Februar 2014, 14:52 (vor 4624 Tagen) @ Solcena

Ich dachte eher an:
Lautstärke verändern/anpassen,
Klangfarbe beim Schließen des Schwellers verdunkeln

2 Schwellwerke

perotin, Dienstag, 25. Februar 2014, 15:40 (vor 4624 Tagen) @ Daniel

Ich dachte eher an:
Lautstärke verändern/anpassen,
Klangfarbe beim Schließen des Schwellers verdunkeln

Ja sicher, man kann den Schweller in dieser Weise verwenden, sozusagen "statisch".

Ich spiele z.B. öfters auf 2 Orgeln der 1950er Jahre, die im SW ein halbwegs kräftiges Scharff haben. Das verwende ich u.a. gelegentlich zur Gemeindebegleitung (vorwiegend bei festlichen oder "freudigen" Liedern/Gesängen), meist aber mit halb oder 3/4 geschlossenem Schweller, damit es nicht zu grell wird.

Für eine solche "Dosiermöglichkeit" ist man an vielen Orgeln dankbar, durchaus auch bei einem zweiten Manualwerk (Positiv, Brustwerk o.ä.). Und natürlich nicht nur im Bezug auf Mixturen.

Grüße,
perotin

2 Schwellwerke

orgelquaeler, Dienstag, 25. Februar 2014, 18:46 (vor 4624 Tagen) @ Daniel

Lohnt sich bei III / ca. 35-40 Register ein 2. Schwellwerk (Positiv/Rückpositiv, sofern architektonisch möglich, mit Prospekt-Register vor dem Schwellwerk)?

Hey Daniel!

Das Ding hat 8 Register mehr als angegeben mit zwei Schwellwerken. Ich hatte mal die Ehre, auf ihr spielen zu dürfen: Beide Schweller zu, 16´- Koppel, einfachste akkordische Tokkata, Schweller eins ein bisschen auf, Schweller zwei ein bisschen, usw. Orgelpunkt, auf Hauptmanual und beide Schweller voll auf….grrr, Gänsehaut…
Und davon abgesehen, sehr tolle Möglichkeiten zum Abschattieren usw. Herz-Jesu in AB hat die Hauptwerkszungen als Bombardwerk hinter Schweller, nette Idee. Dazu noch ein romantisches SW.

Auf jeden Fall ne feine Sache bei einem entsprechenden Konzept.


LG

OQ

2 Schwellwerke – lieber nicht.

Friedrich @, Dienstag, 25. Februar 2014, 19:26 (vor 4624 Tagen) @ Daniel
bearbeitet von Friedrich, Dienstag, 25. Februar 2014, 19:44

Lohnt sich bei III / ca. 35-40 Register ein 2. Schwellwerk (Positiv/Rückpositiv, sofern architektonisch möglich, mit Prospekt-Register vor dem Schwellwerk)?

Abgesehen von Solcenas immer richtigem Einwand: Es liegt zumindest nahe, dass sich das nicht lohnt.
(Kleiner Exkurs: Organisten finden meiner Erfahrung nach Schweller viel öfter toll als Orgelbauer.)

Erstens:

Eine Orgel der genannten Größe steht vermutlich in einem Raum, der akustisch verhältnismäßig unkompliziert ist und in dem die Orgel eher nahe bei Gemeinde oder Chor steht; in einem Raum also, in dem es sich lohnt, einen musikalischen und kreativen Intonateur ranzulassen.

Eine Schwellwand wird dessen Kunst immer ein wenig verdunkeln. Sie nimmt jeder Pfeife, die dahinter steht, etwas von ihrer Charakteristik, vor allem in der Ansprache. Starke Streicher, Prinzipale mit Expressionen, intensive Zungenregister mit überblasendem Diskant, das sind Stimmen, die für Schwellwerke und tiefe Orgelgehäuse erfunden wurden. Das ist aber erstens ein teurer und zweitens ein stilistisch eng begrenzter Registerbestand, überdies für eine Literatur, die zu großen Teilen außer der Reichweite vieler Organisten steht.

Wenn man beide Nebenwerke einpfercht, hat allein das Hauptwerk das Privileg, seine Pfeifen in voller Charakteristik in den Raum klingen zu lassen. Ein Hauptwerk soll aber idealerweise anders klingen als ein freistehendes Nebenwerk – größer, vielleicht etwas entrückter, majestätisch statt intim. Da gehen musikalische Möglichkeiten verloren, die in meinen Ohren von den Vorteilen eines Schwellers nicht aufgewogen werden. Ich finde nichts schöner als ein sorgfältig und lebhaft intoniertes Register im Freien. Es ist eine Chance, die man vergibt, wenn man es einsperrt.

Zweitens:

Effiziente Schwellkästen sind schwer, groß und teuer. Allein eine Schwellwand verbraucht locker den Platz für zwei Register – zwei Klangfarben und Lautstärken, die dann nicht real zur Verfügung stehen. Der Schwellkasten selber braucht in Tiefe, Breite, Höhe und Tragwerk sehr viel mehr Raum als ein normaler Gehäusekasten mit Schutzfunktion.

Statt einer zweiten Schwellwand könnten ein oder zwei zarte Labialregister zur Begleitung disponiert werden, z. B. ein Gemshorn, eine Dulziana, ein Salizional; oder der Bestand an flötigen Acht- und Vierfüßern könnte differenziert werden (siehe alten Thread über dergleichen), sodass sich für alle Umstände genügend Begleitmöglichkeiten ergeben – über den Bestand des bereits vorhandenen Schwellwerks hinaus, wohlgemerkt (so lautet ja Daniels Frage). All das verspricht musikalisch ergiebigere Klänge als eine Wand stummer Schwellklappen.

Wenn der Organist die Schwellwand braucht, um seine Ohren zu schützen, ist die Orgel falsch konstruiert. Meistens bedeutet so etwas musikalischen Verlust für die Hörer.

Fazit:

Ich meine, eine gut konstruierte und intonierte Orgel für den Alltagsgebrauch sollte nicht mehr Klänge einsperren, als unbedingt nötig ist, damit sie ihrem Zweck in ihrer besonderen Situation gerecht wird. Bestenfalls halten sich musikalische Gewinne und Verluste durch eine Schwellwand die Waage.

Zwei Schwellkästen sind meiner Ansicht nach am Platze, wenn die Orgel schon wirklich groß ist und der gewünschte Bestand an schwellbaren Registern so groß ist, dass es technisch und musikalisch sinnvoll ist, ihn auf mehrere Manuale zu verteilen. Allerdings sollte man in Auge und Ohr behalten, dass eine viermanualige Orgel mit zwei Schwellwerken schon wieder einer zweimanualigen ähnelt – darin, dass nur zwei Manualwerke wirklich die volle Intonationscharakteristik offenen Pfeifenwerks ausschöpfen können. Bei sehr großen Orgel ist dieser Nachteil dadurch gemindert, dass sie oft weit weg von den Zuhörern stehen.

Viele Grüße,
Friedrich

2 Schwellwerke – lieber nicht.

orgelquaeler, Dienstag, 25. Februar 2014, 22:58 (vor 4624 Tagen) @ Friedrich

Wenn der Organist die Schwellwand braucht, um seine Ohren zu schützen, ist die Orgel falsch konstruiert. Meistens bedeutet so etwas musikalischen Verlust für die Hörer.

Da hast du auf jeden Fall recht! Da kenne ich einige Beispiele, eines unweit deiner alten Heimatstadt…

Ansonsten, wenn das Geld und der Platz (die Akustik) da ist, warum nicht ? Zwei schöne Schwellwerke, eines mit labilem, das andere mit lingualem 16´, Fettflöte, schöne Streicher…. real pipedreams


LG

OQ

2 Schwellwerke – lieber nicht.

Orlos @, Dienstag, 25. Februar 2014, 23:34 (vor 4624 Tagen) @ Friedrich

Gute Einwände.
Bei vielen Orgeln wird der Klang des Schwellwerks dumpf und indirekt, das ist ja auch kein Wunder und im Grunde bei romantischer Musik auch gewollt.
Wenn ich an meiner französischen Dienstorgel Barockmusik spiele, nehme ich gerne die Rückwand des Schwellwerk heraus. Dann wird der Klang klarer und die Balance besser. Das geht aber nur bei dieser Akustik, in anderen Räumen wird das nicht so einfach möglich sein.
Gar nicht mehr üblich sind die großen Brustwerktüren, die z. B. Klais in den 1980er-Jahren gebaut hat. Hier vier Beispiele dafür: 01, 02, 03 und 04.
Ich fand das eine gute Lösung, bei offenen Türen bleibt der Klang sehr direkt, geschlossen wird es zum Echo-Werk. Was aber nicht gut funktioniert, ist der romantische Crescendo-Effekt. Nur gibt das eben die Disposition auch gar nicht her.

Schon eher im romantischen Sinn ist die Orgel in St. Bonifatius, Wiesbaden, gedacht. Hier die Disposition (Wikipedia gibt einen älteren Zustand wieder.)
Diese Orgel verfügt über zwei Schwellwerke.
[image]
Ich habe bei Gottesdiensten und Konzerten die Schwellbarkeit des Positivs selten wirklich benötigt. Das Gehäuse ist aber nicht sehr tief, so dass auch das Scharff gut herausklingt. Unten im Schiff klingt das Positiv jedenfalls nicht indirekter als das Hauptwerk. Ganz anders das Schwellwerk, das über viel dickere Schwelltüren verfügt und deutlich "entfernter" klingt, obwohl alle drei Manualwerke nebeneinander liegen.
Es gab aber eine Situation, wo ich sehr glücklich war, dass dieses Positiv schwellbar ist: Wir haben dort den 150. Psalm von Franck in der Orgelfassung aufgeführt. Der sehr große Chor stand in voller Breite vor der Orgel. Da das SW ganz rechts liegt, hätte der andere Teil des Chores nur wenig davon mitbekommen. Das genau in der Mitte liegende Positiv ist aber ideal zur Chorbegleitung. Und mit den beiden labialen 8'-Registern und der Oboe finden sich dort auch genau die dafür brauchbaren Register. So konnte ich die Lautstärke der Orgel direkt dem Chor anpassen. Also spätestens jetzt war ich dankbar für die Schwelltüren dieses Werkes.

Also wie immer: Es kommt darauf an, wie man das Werk disponiert und dimensioniert. Dann kann das schon eine gute Sache sein.

(Weniger überzeugend fand ich in dieser Hinsicht die Vleugels-Orgel in Schifferstadt (Positiv nun recht schwach) und die Göckel-Orgel in Mannheim, besser die Rieger-Orgel in Freudenstadt (OW-Aufstellung ist präsenter als SW) und Stuttgart/Stiftskirche.)

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