3x 8'-gedackt

Friedrich @, Donnerstag, 20. Februar 2014, 10:34 (vor 4624 Tagen) @ Daniel

Ich kenne (außer vielleicht USA-Orgeln) nur 2 Orgeln mit 3 ausschließlich gedeckten Register (+Zungen) in 1 Manual:

Domorgel-Würzburg/Rückpositiv: Rohrflöte 8‘+Spitzgedackt 8‘+Quintatön 8‘
Domorgel-Zwickau/Brustwerk: Musiziergedackt 8‘+Quintadena 8‘+Weidenflöte 8‘.

Es mag dort am Platzmangel (in der Höhe) liegen, vielleicht wechselt auch 1 Register im Diskant zu einer offenen Bauweise.

Bringt eine Auswahl von 3 gedeckten Registern genügend Klangfarben-Unterschiede?
Oder entstehen gerade dadurch gute Mischmöglichkeiten mit höheren Registern?

Würzburg: Ohne die Orgel zu kennen, erwarte ich hier erhebliche Klangunterschiede. Eine Rohrflöte kann ein ziemlich mächtiges Grundregister sein, mit charakteristischer Ansprache und leichtem Quinteinschlag. Das Spitzgedackt dürfte schmaler und heller klingen, es liefert auch geradzahlige Teiltöne. Die Quintade wiederum liefert die übliche 2 2/3'-Würze. Für ein schwellbares Begleitwerk mit begrenzter Höhe finde ich das eine geradezu üppige Besetzung.

Zwickau: »Weidenflöte« ist eine Eindeutschung von Salizional. Da wird spätestens ab c das offene Register den Ton angeben. Zwischen dem »Musiziergedackt« und der Quintade ist wiederum alles drin. In dieser Orgel erwarte ich eine eher trockene Quintade, und auch das Gedackt wird kein Mensurweltmeister sein.

Gedackte können ganz wunderbar klingen, und auch auf sehr unterschiedliche Weise. Sie gehören einfach in jede Orgel. Die beiden von Dir erwähnten sind zudem Riesengeräte, da kann der Intonateur zeigen, was in ihm und den Pfeifen steckt. Er ist selber Schuld, wenn er die Gelegenheit verstreichen lässt. Ich erinnere mich noch immer mit Wonne an das Cor de Nuit von Goll in der hannöverschen Marktkirche – so ein herrlicher, stiller Sound …

Viele Grüße,
Friedrich


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