chromatische Quarte und Sexte als Register
Daniel, Donnerstag, 13. Februar 2014, 12:39 (vor 4631 Tagen)
Gibt/gab es an irgend einer Orgel die Register chromatische „Quarte“ und „Sexte“,
also nicht 8/11‘ – 8/13‘ als Obertöne von 8‘, sondern richtige f und a ?
Es gibt da irgendwo einen Text (vor Michael Praetorius?), wo eine Zimbel in die Quarte/Sexte repetiert. Oder ist das nur im damaligen Deutsch unklar formuliert bzw. auf Tastenbezeichnungen bezogen?
Oder gab es bei Gabler mal so etwas?
Habe meine damaligen Quellen (vor Jahrzehnten) leider nicht festgehalten.
chromatische Quarte und Sexte als Register
Friedrich
, Donnerstag, 13. Februar 2014, 13:00 (vor 4631 Tagen) @ Daniel
Gibt/gab es an irgend einer Orgel die Register chromatische „Quarte“ und „Sexte“,
also nicht 8/11‘ – 8/13‘ als Obertöne von 8‘, sondern richtige f und a ?Es gibt da irgendwo einen Text (vor Michael Praetorius?), wo eine Zimbel in die Quarte/Sexte repetiert. Oder ist das nur im damaligen Deutsch unklar formuliert bzw. auf Tastenbezeichnungen bezogen?
Ich habe noch nie von Einzelreihen Quarte oder Sexte gehört. Die Quartsext-Zimbel dagegen gibt's, z. B. In Norden, in Hamburg St. Jakobi und in manchen anderen norddeutschen Orgeln als Soloregister im HW. Hat in bewegten Solostimmen eine tollen Schelleneffekt. Auf allen C und F repetiert das Register in denselben hohen Quartsextakkord C-F-A, sodass jeweils die Hälfte der Oktave unharmonisch besetzt ist.
Viele Grüße,
Friedrich
chromatische Quarte und Sexte als Register
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Donnerstag, 13. Februar 2014, 18:10 (vor 4630 Tagen) @ Friedrich
Hier in Rostock St. Marien heißt es zur Sexquialtera von 1593 im Jahr 1654 im "Verzeknis" als Zusatz: "sexta dubbelt pfeiffen", da wird die Sexte also als Binnenintervall gesehen. Würde ich also so verstehen, dass der 1 3/5' doppelchörig ist. Ähnliche Auffassungen der Sexte könnten in der Praetorius-Ära auch andernorts existiert haben.
chromatische Quarte und Sexte als Register
Friedrich
, Donnerstag, 13. Februar 2014, 22:38 (vor 4630 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Hier in Rostock St. Marien heißt es zur Sexquialtera von 1593 im Jahr 1654 im "Verzeknis" als Zusatz: "sexta dubbelt pfeiffen", da wird die Sexte also als Binnenintervall gesehen. Würde ich also so verstehen, dass der 1 3/5' doppelchörig ist. Ähnliche Auffassungen der Sexte könnten in der Praetorius-Ära auch andernorts existiert haben.
In ähnlichem Sinn gibt es auch Quarten 2 2/3' 2fach, also das, was man heute Rauschpfeife nenne würde: zwei Prinzipalreihen, 2 2/3' + 2'.
Viele Grüße,
Friedrich
chromatische Quarte und Sexte als Register
jrbecker
, Freitag, 14. Februar 2014, 08:47 (vor 4630 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Hier in Rostock St. Marien heißt es zur Sexquialtera von 1593 im Jahr 1654 im "Verzeknis" als Zusatz: "sexta dubbelt pfeiffen", da wird die Sexte also als Binnenintervall gesehen. Würde ich also so verstehen, dass der 1 3/5' doppelchörig ist. Ähnliche Auffassungen der Sexte könnten in der Praetorius-Ära auch andernorts existiert haben.
Auf diese Weise bezeichnet ja auch Woehl den Sesquialter im Brustwerk seiner "Bach-Orgel" in Leipzig, wenn ich es richtig notiert habe, heißt das da "Quint-Sexta II 1 1/3'+4/5'", repetiert bei c1 nach 2 2/3'+1 3/5'. Oder die bei G. Silbermann zu findende Benamung im Oberwerk der Dresdener Frauenkirche: "Sext Qvint altra".
In dem 114-Register-Entwurf von Christian Ludwig Boxberg für Peter den Großen (z. B. zu finden bei Rojsman, L., Die Orgel in der Geschichte der russ. Musikkultur, S. 416) findet man im Oberwerk neben der Qvinta 3' und der Tertia 1 3/5' eine Sexta 1 1/5' und im selben Manual eine "Rausch Pfeiffen IV aus 4' f a c' f' ganz durch", außerdem In der Brust ein "Scharff III 2' f c' f'" neben einer "normalen" Cymbel Mixtur IV 1'. Dieser Entwurf stammt aus dem Jahr 1715 und ist somit einiges später, als die der Ausgangsfrage zugrunde liegende Zeitlinie. Ausgeführt wurde dieser Entwurf nicht. Ob Boxberg Erfahrungen mit solchen Registern hatte, muss wohl offen bleiben, es ist die einzige mir bekannte Erwähnung solcher Register zu dieser Epoche. (Und vielleicht hier auch einfach nur aufgenommen, um die Registerzahl voll zu bekommen, denn in dem gleichzeitigen 92-Register-Entwurf findet sich dergleichen nicht... Auffällig ist in jedem Fall die sehr tiefe Lage gegenüber der "Schnitger-Cymbel" z. B. in Norden, somit ist hier eine ganz andere Wirkung erwartet.)
In AO 2/2002 findet sich wiederum bei der Zickermann-Orgel des Königsberger Doms von 1586/87 bei der "Sexta aus 2'" im RPos und HW der ergänzende Hinweis, dies sei eine Terz (=also wie oben die Sexta über der Quinta...).
Es ging hier ja um historische Quellen dazu, die orgelbewegte Verwendung können wir also glücklicherweise außer Acht lassen ... sonst müssten wir auch solche Konstruktionen wie den Sextan der Wilmersdorfer Lindenkirche aufzählen, der aus den beiden Chören 1 5/11'+1 1/7' besteht, wobei ich die Sexte immer noch suche ... (1 1/7' = b, 1 5/11 = f ...) ... oder wo stehe ich da auf dem Schlauch...
fragt sich
Jörg
chromatische Quarte und Sexte als Register
nokuhn, Donnerstag, 13. Februar 2014, 21:39 (vor 4630 Tagen) @ Friedrich
Ist das nicht die "klingende Zymbel", über die sich Praetorius auslaesst?
Nokuhn
chromatische Quarte und Sexte als Register
Friedrich
, Donnerstag, 13. Februar 2014, 22:24 (vor 4630 Tagen) @ nokuhn
Ist das nicht die "klingende Zymbel", über die sich Praetorius auslaesst?
Genau. Heute würden wir wahrscheinlich "klingelnde" sagen, weil der Effekt genau der ist – als würden ungestimmte Schellen mitlaufen.
Gruß,
Friedrich
chromatische Quarte und Sexte als Register
Hilbrands
, Freitag, 14. Februar 2014, 15:32 (vor 4629 Tagen) @ Friedrich
Die Bezeichnung geschah sicher in Anlehnung an Psalm 150,5: "Lobet ihn mit klingenden Zimbeln" (Luther),
Gruß, Walter