Eher OT, aber...: Evangelischer Kirchbautag
Orlos
, Donnerstag, 11. September 2025, 21:23 (vor 357 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
"Vor allem dann, wenn mehrere Gemeinden sich zusammentun und dann feststellen, dass alle ihre Kirchen aus den frühen 60er Jahren stammen und eigentlich nicht zu retten sind, weil sie einfach das Ende ihrer Lebenszeit erreicht haben. Und dann bauen sie gemeinsam neu."
Ich wusste gar nicht, dass Kirchen ein Ende ihrer Lebenszeit haben. Ich dachte immer, Kirchen baue man für die Ewigkeit.
Eher OT, aber...: Evangelischer Kirchbautag
Violonbass
, Donnerstag, 11. September 2025, 23:04 (vor 357 Tagen) @ Orlos
Die Situation, dass mehrere Kirchen aus den 60er Jahren benachbart sind, die ggf. abgerissen und durch Neubau ersetzt werden, klingt für ostdeutsche Leser wie aus einer anderen Welt. Hier hat man bei Fusionen auf einmal mehrere alte Kirchengebäude in einer Gemeinde und muss sich über Nutzung - oder Nicht-Nutzung - einigen.
Eher OT, aber...: Evangelischer Kirchbautag
Orlos
, Freitag, 12. September 2025, 00:19 (vor 357 Tagen) @ Violonbass
In unserem Ort wurde eine nicht mehr benötigte Kirche aus den 1950er-Jahren zu Wohnungen umgebaut. Eine Kirche abzureißen, weil sie das "Ende ihrer Lebensdauer" erreicht hat, kommt mir unwirklich vor. Man baut doch keine Kirche mit einem "einprogrammierten" Ende. Von Bürohäusern habe ich davon schon gehört, aber nicht von Kirchen.
Natürlich gibt es immer 'mal wieder Fälle von großen Baumängeln, die einen Abriss erfordern, aber das war sicherlich nicht beim Bau der Kirche gezielt eingeplant.
Eher OT, aber...: Evangelischer Kirchbautag
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Freitag, 12. September 2025, 09:23 (vor 357 Tagen) @ Orlos
In unserem Ort wurde eine nicht mehr benötigte Kirche aus den 1950er-Jahren zu Wohnungen umgebaut. Eine Kirche abzureißen, weil sie das "Ende ihrer Lebensdauer" erreicht hat, kommt mir unwirklich vor. Man baut doch keine Kirche mit einem "einprogrammierten" Ende. Von Bürohäusern habe ich davon schon gehört, aber nicht von Kirchen.
Natürlich gibt es immer 'mal wieder Fälle von großen Baumängeln, die einen Abriss erfordern, aber das war sicherlich nicht beim Bau der Kirche gezielt eingeplant.
Die Bauten der Wirtschaftswunderzeit waren, wie auch vieles andere, so angelegt, "als gäbe es kein Morgen".
Der Begriff der Material-Ermüdung musste in der Luftfahrt tragisch durch die Caravelle-Abstürze erlernt werden (obwohl man ihn von organischen Materialien ja aus demvAlltag kannte), Innenkorrosion in Stahlbetonteilen hätte man eventuell vorhersehen können, das weiß ich nicht.
Ich sehe noch den 16mm-Film aus meiner frühen Gymnasiumszeit vor mir, es ging um verschmutzte Gewässer und Flüsse. Er endete sinngemäß mit dem Satz "Erst das Meer hat die Kraft, die Verunreinigungen zu bewältigen", gesprochen über den Blick auf das Wasser von einem Nordsee-Strand (?) aus.
Im Gemeindezentrum meiner ersten Stelle, Baujahr 1964, wurde hinter den Heizkörpern die Wand auf eine Steinlage verdünnt, damit im Wohnraum nicht so viel Platz verloren geht. Die ebenfalls an die Zentralheizung angeschlossene Kirche (ca. 150 Pl.) hatte transparaente Seitenwände, einfach verglast...
Ich denke, dass der Geist der Schnellebigkeit und des vorsätzlichen Verkaufens von Produkten mit absehbar kurzer Lebensdauer im Keim damals schon angelegt wurde, wenn auch unbewusst - aus dem Schwung der neuen Möglichkeiten jener Jahre.
Eher OT, aber...: Evangelischer Kirchbautag
Orlos
, Freitag, 12. September 2025, 10:12 (vor 357 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Das, was Du beschreibst (fehlende Wärmedämmung) hat eigentlich nichts mit der Langlebigkeit des Bauwerks zu tun, sondern es entspricht heute nicht mehr unseren Anforderungen. Dennoch waren diese Kirchen vom Ziel her für die Ewigkeit gebaut. Wahrscheinlich meint der Spruch vom "Ende der Lebenszeit", dass zum Beispiel eine Beton-Sanierung so teuer würde, dass sich das nicht "lohnt". Eine Frage, die man bei historischen Gebäuden wohl eher gar nicht erst stellen würde.
Eher OT, aber...: Evangelischer Kirchbautag
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Samstag, 13. September 2025, 17:09 (vor 355 Tagen) @ Orlos
Das, was Du beschreibst (fehlende Wärmedämmung) hat eigentlich nichts mit der Langlebigkeit des Bauwerks zu tun, sondern es entspricht heute nicht mehr unseren Anforderungen. Dennoch waren diese Kirchen vom Ziel her für die Ewigkeit gebaut. Wahrscheinlich meint der Spruch vom "Ende der Lebenszeit", dass zum Beispiel eine Beton-Sanierung so teuer würde, dass sich das nicht "lohnt". Eine Frage, die man bei historischen Gebäuden wohl eher gar nicht erst stellen würde.
Richtig. Ich spielte eher auf ein die unbekannte Zukunft betreffend unbedarftes Vorgehen an. Gibt es nicht so ein schwäbisches Sprichwort, dass man beim Aufbauen überlegen müsse, wie man etwas wieder abbauen/abreißen kann? (Schwaben vor, freu mich schon!
Eher OT, aber...: Evangelischer Kirchbautag
3rd_astronaut, Freitag, 12. September 2025, 13:08 (vor 357 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Ich denke, dass der Geist der Schnellebigkeit und des vorsätzlichen Verkaufens von Produkten mit absehbar kurzer Lebensdauer im Keim damals schon angelegt wurde, wenn auch unbewusst - aus dem Schwung der neuen Möglichkeiten jener Jahre.
das kann sein.
die vielen probleme mit betonbauten aus dieser zeit resultieren aber wesentlich aus unwissenheit (über ausmaß der korrosiven prozesse im bewehrungsstahl) -- die repräsentativen betonbauten waren sicher auch auf langlebigkeit gedacht.
solche betonschalen https://de.wikipedia.org/wiki/Hyperbolische_Paraboloidschale sind deshalb heute nicht mehr realisierbar in der schlanken form aus zulassungsgründen (die damaligen schalen sind nur wenige cm dick trotz großer spannweiten). eine sanierung solcher bauten stelle ich mir nicht einfach vor.
Eher OT, aber...: Evangelischer Kirchbautag
Orlos
, Freitag, 12. September 2025, 14:43 (vor 357 Tagen) @ 3rd_astronaut
die vielen probleme mit betonbauten aus dieser zeit resultieren aber wesentlich aus unwissenheit (über ausmaß der korrosiven prozesse im bewehrungsstahl) -- die repräsentativen betonbauten waren sicher auch auf langlebigkeit gedacht.
solche betonschalen https://de.wikipedia.org/wiki/Hyperbolische_Paraboloidschale sind deshalb heute nicht mehr realisierbar in der schlanken form aus zulassungsgründen (die damaligen schalen sind nur wenige cm dick trotz großer spannweiten). eine sanierung solcher bauten stelle ich mir nicht einfach vor.
Ja. Bei uns wird wohl demnächst eine Orgel umziehen. Die Beton-Empore steht in einer Kirche aus den 1960er-Jahren. Obwohl damals als "Orgelempore" geplant, hält der Statiker sie nicht für tragfähig genug, eine Orgel auszuhalten! Das ist schon ziemlich verrückt. Es werden jetzt zwei Stahlträger eingezogen, die die Kräfte in die Wände ableiten. Damals Unwissenheit oder Unvermögen?