Kirchenmusik - ACV/VDD
Das dürfte einige hier evtl. interessieren:
https://www.nmz.de/politik-betrieb/musikleben/was-ist-der-kirche-die-kirchenmusik-wert
Kirchenmusik - ACV/VDD
Vielen Dank für den Link.
In diesem Zusammenhang stellt sich mir erneut die Frage, welche konkrete Relevanz der ACV eigentlich für uns Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker „an der Basis“ hat. Natürlich ist er historisch gewachsen und vertritt offiziell die Interessen katholischer Kirchenmusik in Deutschland, aber:
- Spüre ich als Organist, Chorleiter etc. im Alltag überhaupt Auswirkungen der Verbandsarbeit? Es ist ja schließlich kein Verband für Einzelpersonen.
- Werden meine Tätigkeit, mein Ansehen oder meine Möglichkeiten vor Ort durch den ACV tatsächlich gestärkt?
- Gibt es Projekte, Förderungen oder Initiativen, von denen ihr unmittelbar profitiert habt?
- Oder bleibt die Bedeutung eher auf einer repräsentativen Ebene (z. B. kirchenpolitisch, kulturpolitisch) - Stichwort: "Dachverband"?
Mich interessiert eure Erfahrung: Wo macht sich Existenz des ACV - von der Herausgabe der Musica Sacra mal abgesehen - für euch konkret bemerkbar?
Hat nicht die Konferenz der Leiterinnen und Leiter der Ausbildungsstätten für Katholische Kirchenmusik in Deutschland (KdL) zusammen mit den Referaten/Abteilungen/Fachstellen für Kirchenmusik der einzelnen Bistümer einen deutlich spürbareren inhaltlichen Einfluss auf die Arbeit vor Ort? Braucht es den ACV als Dachverband?
Perspektivwechsel: Wie sieht die Verbandsarbeit auf evangelischer Seite aus?
Bin sehr gespannt auf eure Einschätzungen und freue mich auf viele Sichtweisen!
Kirchenmusik - ACV/VDD
Danke für diesen Einwurf. Ich finde die Fragen durchaus berechtigt.
In meiner Zeit als Kirchenmusiker spielte der ACV lediglich als Herausgeber der "Musica sacra" eine Rolle, und wenn es Jubiläen zu feiern gab. Urkunden haben eher einen symbolischen und vergänglichen Wert. Im Prinzip erschien mir der ACV immer als ein etwas konservatives Element.
Wäre nicht vielleicht jetzt die Gelegenheit, über einen überkonfessionellen Kirchenmusikerverband nachzudenken? Ökumene von der Kirchenmusik ausgehend, wo die Konfessionsunterschiede ohnehin musikalisch kaum eine Rolle spielen/spielen sollten?
Kirchenmusik - ACV/VDD
Danke für diesen Einwurf. Ich finde die Fragen durchaus berechtigt.
In meiner Zeit als Kirchenmusiker spielte der ACV lediglich als Herausgeber der "Musica sacra" eine Rolle, und wenn es Jubiläen zu feiern gab. Urkunden haben eher einen symbolischen und vergänglichen Wert. Im Prinzip erschien mir der ACV immer als ein etwas konservatives Element.
Wäre nicht vielleicht jetzt die Gelegenheit, über einen überkonfessionellen Kirchenmusikerverband nachzudenken? Ökumene von der Kirchenmusik ausgehend, wo die Konfessionsunterschiede ohnehin musikalisch kaum eine Rolle spielen/spielen sollten?
Als ich noch katholisch war, hatte ich dieselbe Wahrnehmung. Allerdings war diese nur indirekt - ich las in der MS, was der ACV tat. PRof. Bretschneider erlebte ich mehrfach persönlich und war sehr beeindruckt von ihm, aber er war ja nicht der Verband und schon gar nicht eine Verbands-Arbeit, die ich wie gesagt nur theoretisch wahrnahm. Die Idee eines überkonfessionellen Verbandes hat einen gewissen Reiz, allerdings wäre das konkrete Wirken dann in zwei verschiedene Strukturen einzubringen, was viel Aufwand wäre.
Persönlich bin ich Mitglied im Kirchenmusikerverband im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Ev.-luth. Kirche in Norddeutschland (Nordkirche). Früher hatten wir in MV das "Kirchenchorwerk" - das lebte von einer Pflichtmitgliedschaft jedes Kirchenchores, der Geldbetrag musste von der Gemeinde aufgebracht werden. Dieser Zwang entfiel bei der Fusion mit dem "Westen", und so gibt es heute das Kirchenchorwerk der Nordkirche - eine der wenigen Ideen, die von Ost nach West übernommen wurde. Hier geht es vor allem um größeres Veranstaltungs- und Fortbildungsmanagement, und es ist insofern eher eine Dienststelle der Kirche, als ein Gegenüber.
Unser für die einzelnen Kolleg:innen relevantere Kirchenmusik-Verband, der ein echtes Gegenüber ist, hat einen engagierten Vorstand. Die Mitgliederversammlung ist der jährlichen Arbeitstagung vorgeschaltet - letztere dauert 2,5 Tage, davon ist der erste Dienstpflicht. Das erhöht die Präsenz beim Verbandstag. An diesem gibt es - wie andernorts - Referate von kompetenten Gästen, aber auch viel Austausch über die berufliche Situation. In unserem Bereich war das aktuell eine Stellenplan-Umgestaltung. Die Änderung der Anstellung von Gemeinde auf eine höhere Ebene (Kirchenkreis?) wird ebenfalls befürwortet und in den geeigneten Gremien betrieben. Zu diesen besteht ein mindestens korrekter bis guter Kontakt. Ob und wie viel Förderung der Verband von der Nordkirche bekommt, kann ich nicht sagen. Unser Mitgliedsbeitrag ist, da er auch das Abo für "Forum Kirchenmusik" enthält (das durch einen Einleger zum "Verbandsorgan" wird), recht günstig.
Unser Verband ist also mindestens gefühlt von Bedeutung - eben das Gefühl, dass da jemand ist, der über das kurfristigere Geschäft der Mitarbeitervertretungen hinaus noch für einen, für uns da ist. Durch Verbandstag und Arbeitstagung besteht in unserem Ostteil der Nordkirche auch eine gute Gemeinschaft über die unmittelbaren Nachbarn hinaus (auch, weil die meisten KollegInnen mehr als einen Tag wahrnehmen und übernachten, was zu viel Begegnung führt). Der Westen der Nordkirche hat einen so überregionalen Termin meines Wissens nicht. Allerdings wären das auch viel mehr Menschen, die dort versammelt werden müssten, wir sind so rund um die 80 Personen...
Kirchenmusik - ACV/VDD
Obwohl mir die Ökumene auch ein wirkliches Anliegen ist, halte ich einen ökumenischen KiMu-Verband zum jetzigen Zeitpunkt für wenig sinnvoll - und halte diese Idee auch mittel- längerfristig (noch?) für wenig erfolgsversprechend. Dafür sind sowohl die kirchlichen Strukturen als auch das Selbstverständnis der beiden Berufe zu unterschiedlich - nach meinem Eindruck zumindest.
In der Diskussion geht es bisher auch fast ausschließlich um die hauptamtlichen Mitglieder eines Verbands. Nur wenig Beachtung wird häufig dem Aspekt geschenkt, dass die Verbände auch die Belange der nebenamtlichen Kirchenmusiker vertreten. Diese sind allerdings im Verband - sowohl als Mitglieder als auch bei den Tagungen/Mitgliederversammlungen - meiner Erfahrung nach noch schlechter vertreten als die hauptamtlichen Kirchenmusiker.
Und das wundert mich als Nebenamtlicher, der ab und an die Mitgliederversammlungen besucht: es geht doch unsere Vertretung in den kirchlichen Gremien! Und da wundert es mich auch sehr, wie viele hauptamtlichen Kirchenmusiker nicht Mitglieder in ihren Verbänden sind. Von diesen Anstellungen wird an den hauptamtlichen Stellen oftmals der Lebensunterhalt (oder ein nicht geringer Teil davon) bestritten und man investiert selbst einen beträchtlichen Teil der Arbeitswoche in diese Tätigkeit.
Ja, auch die Verbände werden keine großen Felsen verrücken, aber je mehr sie durch die Mitgliedschaft und auch durch aktive Mitarbeit gestärkt werden, desto eher können kirchliche Prozesse, die derzeit anstehen oder auch schon am Laufen sind, im eigenen Interesse mitgestaltet werden. Das ist anstrengend und gehört auch für die meisten nicht zu den Tätigkeiten, für die man studiert hat. Wenn sich aber alle denken, dass es schon jemand anderes machen wird, dann gibt es keine sichtbare Vertretung.
Kirchenmusik - ACV/VDD
Unser für die einzelnen Kolleg:innen relevantere Kirchenmusik-Verband, der ein echtes Gegenüber ist, hat einen engagierten Vorstand. [...]
Unser Verband ist also mindestens gefühlt von Bedeutung - eben das Gefühl, dass da jemand ist, der über das kurfristigere Geschäft der Mitarbeitervertretungen hinaus noch für einen, für uns da ist.
Ist das überhaupt das "richtige" Pendant zum ACV? ;-)
Hier gibt es den "Verband Evangelischer Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker in Bayern e.V." und den "Verband der katholischen Kirchenmusiker im Erzbistum Bamberg" (die übrigens zunehmend zusammenarbeiten, zumindest im "touristischen" Teil).
Diese beiden Institutionen würde ich auch als "fühlbar" bezeichnen (wobei mir die katholische Version zu brav ist für ein "Gegenüber" zur Kirchenleitung).
Wo da jetzt der ACV ins Spiel kommt, weiß ich nicht -- ich habe den bislang immer eher mit Kirchenchören in Verbindung gebracht.
Kirchenmusik - ACV/VDD
Unser für die einzelnen Kolleg:innen relevantere Kirchenmusik-Verband, der ein echtes Gegenüber ist, hat einen engagierten Vorstand. [...]
Unser Verband ist also mindestens gefühlt von Bedeutung - eben das Gefühl, dass da jemand ist, der über das kurfristigere Geschäft der Mitarbeitervertretungen hinaus noch für einen, für uns da ist.
Ist das überhaupt das "richtige" Pendant zum ACV? ;-)
Wie gesagt, das wäre eher unser Kirchenchorwerk.
Hier gibt es den "Verband Evangelischer Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker in Bayern e.V." und den "Verband der katholischen Kirchenmusiker im Erzbistum Bamberg" (die übrigens zunehmend zusammenarbeiten, zumindest im "touristischen" Teil).Diese beiden Institutionen würde ich auch als "fühlbar" bezeichnen (wobei mir die katholische Version zu brav ist für ein "Gegenüber" zur Kirchenleitung).
Wo da jetzt der ACV ins Spiel kommt, weiß ich nicht -- ich habe den bislang immer eher mit Kirchenchören in Verbindung gebracht.
Kirchenmusik - ACV/VDD
Dafür sind sowohl die kirchlichen Strukturen als auch das Selbstverständnis der beiden Berufe zu unterschiedlich -
Wie meinst Du das?
--
Gruß
MAT
Kirchenmusik - ACV/VDD
Das Problem des ACV ist, dass ein Großteil seiner Arbeit an der Basis kaum wahrgenommen wird, weil sie sich im institutionellen Bereich abspielt. Nur die Preisverleihungen und Urkunden spielen bei der breiten Masse eine Rolle. Dabei ist der ACV auch Ansprech- und Verhandlungspartner für Politik und Musikwirtschaft, er strickt am musikalischen Netzwerk in Deutschland mit, arbeitet mit Partnerverbänden in anderen Ländern zusammen etc.. Das hat an der Basis kaum spürbare Auswirkungen und doch ist es das Fundament dafür, dass Kirchenmusik öffentlich Gehör findet! Wer in diesen Zirkeln nicht vertreten ist, wird schlicht nicht wahrgenommen! Und was nicht wahrgenommen wird, gerade in Zeiten, in denen kaum etwas wichtiger als Networking und die gute altmodische "Gesichtspflege" sind, ist nicht mehr wichtig.
Natürlich ist auch beim ACV nicht immer alles rund gelaufen und auch bei der öffentlichen Sichtbarkeit besteht noch Luft nach oben. Aber man arbeitet dran, gerade der aktuelle Präsident nebst Generalsekretär. Und auch deshalb ist die VDD-Entscheidung ebenso kurzsichtig wie strategisch falsch. Hier sägt die Kirche an einem Ast, der einer ihrer tragenden Äste ist - was sie in den "Zahlen und Fakten" ja selbst hinausposaunt.
Ich werde das Thema auf jeden Fall weiter verfolgen, auch noch für Musik und Kirche und für Backstage Classical. Jeglicher Input ist willkommen. Vom VDD erfährt man ja nix.....