Passau: Evangelienorgel
Nun noch zur Evangelienorgel:
Das Steinmeyer-Konzept blieb dort auch 1980 erhalten, allerdings mit Reduzierung der Grundstimmen. Jetzt wird dies wieder rückgängig gemacht und sogar erweitert.
Als ich Schüler von Walther R. Schuster war, hätte ich fragen können, was ihn klanglich an den 3 Steinmeyer-Trompettes so gestört hat, dass er sie bereits 1966/70/71 austauschen lies.
Die Nachfolger sind aber tatsächlich sehr schön!
Die Steinmeyer-EvO hat Schuster eigentlich immer geschätzt... im Gegensatz zur Steinmeyer-Epistelorgel... Soweit ich weiß, hat er sie bei Tonaufnahmen auch nie eingesetzt.
Disposition
(Schwellwerk)
100mm WS
Grossprincipal 16´ (C-cs1 Altbestand, ab d1 neu)
Gemshorn 16´ (neu)
Nachthorn 16´ (1928/1980)
Principal major 8´ (Extens. aus Grossprinc. 16´ ab cs3 neu)
Keraulophon 8´ (neu)
Biffara 8´ (1928)
Flauto amabile 8´ (1928 aus HO-Positiv)
Rohrgedackt 8´ (1928/1980)
Holzgeige 8´ (1928)
Salicional 8´ (neu)
Viola céleste 8´ (1980)
Quinte 5 1/3´(1980)
Octave 4´ (1980)
Flûte traversiére 4´ (1980 aus HO-Hauptwerk, ab cs3 neu)
Blockflöte 4´ (1885 Hechenberger)
Violine 4´ (1980)
Aeolsharfe 4´ (1980 höherschwebend)
Terz 3 1/5´(1980)
Nasard 2 2/3´(1980)
Septime 2 2/7´(1980)
Flageolett 2´ (1980)
Terz 1 3/5´(1980)
Octavin 1´ (1980)
Fourniture 7-fach 2´ (1969/80/99)
Grosskornett 3-8-fach 2 2/3´ (neu)
Trompette 16´ (1970)
Trompette 8´ (1966)
Saxophone 8´ (1928 USA)
Trompette harm. 4´ (1971)
Tremulant
Pedal
Principalbass 16´ (Trans.)
Offenbass 8´ (Trans.)
Choralbass 4´ (Trans.)
Bombarde 16´ (neu, französisch)
Passau: Evangelienorgel
Eine Frage, die bei mir schon beim Lesen der Dispo der Epistelorgel aufkam: Wie groß ist eigentlich die Kubatur der Schwellkästen? Da muss ja allerhand reinpassen. Und wie hat man jeweils bei den 16' getrickst? Gibt es neben Haskell auch Pfeifen, die außerhalb stehen, aber in den Schwellkasten hineinsprechen?
Passau: Evangelienorgel
Wie ist denn so ein Großkornett 3-8fach zusammengesetzt? Also 3-5fach kennt man ja. Aber wie geht es dann weiter? In die Tiefe oder in die Höhe, oder werden Chöre aufgedoppelt?
Passau: Evangelienorgel
Spekulation: Es kommen auch noch Quinte 1 1/3', Septime 1 1/7' und Oktave 1' oder stattdessen sogar die None 8/9' dazu.
Passau: Evangelienorgel
Wie ist denn so ein Großkornett 3-8fach zusammengesetzt? Also 3-5fach kennt man ja. Aber wie geht es dann weiter? In die Tiefe oder in die Höhe, oder werden Chöre aufgedoppelt?
C = 2 2/3'
G = 4' + 2 2/3'
g0 = 8' + 4' + 2 2/3' + 2' + 1 3/5'
c1 = 8' + 4' + 2 2/3' + 2' + 1 3/5' + 1 1/3' + 1 1/7' + 1'
(Friesach cornet 1-8fach - Eisenbarth)
Das heißt, das Register beginnt 1-fach mit 2 2/3', dann kommt bei G der 4' hinzu, bei g0 besteht ein vollständiger 5-facher Cornett und ab c1 kommen dann die weiteren drei Chöre hinzu und vervollständigen die natürliche Teiltonreihe komplett bis zum 1'. Es ist eigentlich ein progressiver Cornett, der nach oben hin stetig wächst. Dies ist ganz im Sinne des französischen Orgelbaues im 19. Jahrhundert, wo eines der wichtigsten Augenmerke die Betonung im Diskant war!
Cavaille Coll baute sogar eigene Winddrücke für Bass und Diskant, der Diskant wurde dabei immer höher angelegt. (Cosmas Fruth)
ich hatte hier mal nach der zusammensetzung gefragt - aber keine Antwort bekommen
wahrscheinlich ist das großkornett genauso zusammengesetzt beginnt allerdings dreichörig
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Orgelspielen heißt: im Sitzen tanzen ...
... für Gott
Passau: Evangelienorgel
Wie ist denn so ein Großkornett 3-8fach zusammengesetzt? Also 3-5fach kennt man ja. Aber wie geht es dann weiter? In die Tiefe oder in die Höhe, oder werden Chöre aufgedoppelt?
C = 2 2/3'
G = 4' + 2 2/3'
g0 = 8' + 4' + 2 2/3' + 2' + 1 3/5'
c1 = 8' + 4' + 2 2/3' + 2' + 1 3/5' + 1 1/3' + 1 1/7' + 1'
(Friesach cornet 1-8fach - Eisenbarth)Das heißt, das Register beginnt 1-fach mit 2 2/3', dann kommt bei G der 4' hinzu, bei g0 besteht ein vollständiger 5-facher Cornett und ab c1 kommen dann die weiteren drei Chöre hinzu und vervollständigen die natürliche Teiltonreihe komplett bis zum 1'. Es ist eigentlich ein progressiver Cornett, der nach oben hin stetig wächst. Dies ist ganz im Sinne des französischen Orgelbaues im 19. Jahrhundert, wo eines der wichtigsten Augenmerke die Betonung im Diskant war!
Cavaille Coll baute sogar eigene Winddrücke für Bass und Diskant, der Diskant wurde dabei immer höher angelegt. (Cosmas Fruth)ich hatte hier mal nach der zusammensetzung gefragt - aber keine Antwort bekommen
wahrscheinlich ist das großkornett genauso zusammengesetzt beginnt allerdings dreichörig
Könnte so sein!
Ich weiß es aber nicht. Auf der Liste steht die Septime mit Fragezeichen.
Dazu müßte sich Ludwig Ruckdeschel äußern.
Passau: Evangelienorgel
Eine Frage, die bei mir schon beim Lesen der Dispo der Epistelorgel aufkam: Wie groß ist eigentlich die Kubatur der Schwellkästen?
Dazu müsste sich Ludwig Ruckdeschel äußern.
Da muss ja allerhand reinpassen.
Natürlich braucht man jetzt deutlich mehr Platz.
Die Gehäuse müssen entsprechend in der Tiefe erweitert werden.
Hier Bilder:
![[image]](images/uploaded/2025090122174168b61b85287a3.jpg)
![[image]](images/uploaded/2025090122201468b61c1ec31fc.jpg)
![[image]](images/uploaded/2025090122225768b61cc18bcf0.jpg)
![[image]](images/uploaded/2025090122240768b61d07497d9.jpg)
Und wie hat man jeweils bei den 16' getrickst?
Ich glaube nicht, dass da getrickst werden muß.
![[image]](images/uploaded/2025090122214268b61c76219c8.jpg)
![[image]](images/uploaded/2025090122220868b61c90320e4.jpg)
Gibt es neben Haskell auch Pfeifen, die außerhalb stehen, aber in den Schwellkasten hineinsprechen?
Nicht das ich wüsste.
Passau: Evangelienorgel
Da muss ja allerhand reinpassen.
Natürlich braucht man jetzt deutlich mehr Platz.
Die Gehäuse müssen entsprechend in der Tiefe erweitert werden.
Oha, vielen Dank für die Information und die tollen Bilder!
Ich war naiverweise - in Unkenntnis der Verhältnisse vor Ort - davon ausgegangen, dass die Gehäuse 1:1 übernommen werden. Das sind schon beeindruckende Dimensionen für ein "Nebenwerk".
Passau: Evangelienorgel
Die Register der Manualwerke Epistel- und Evangelienorgel stehen komplett im Schweller, bis auf die 16‘-8‘ Prospektregister (Principal), die im Man. und Ped. spielbar sind.
Die Pedalregister stehen jeweils dahinter.
Passau: Evangelienorgel
Das ist die Epistelorgel, aufgebaut bei Schuke
Passau: Evangelienorgel
Richtig, mit Septime
Passau: Evangelienorgel - Frage zur Holzgeige
Ist die Holzgeige in Passau vollständig aus Holz oder im Diskant aus Metall angefertigt? Kann jemand mehr über die Machart des Registers mitteilen? Ist es womöglich eine (Holz)-Harmonika, für welche nur eine andere Bezeichnung gewählt wurde?
Wurde das Register von Steinmeyer vorgeschlagen oder von einem an der Planung beteiligten Kirchenmusiker?
Im Voraus schon vielen Dank.
Passau: Evangelienorgel - Frage zur Holzgeige
das ist ein original Steinmeyer- Register: sehr enge Holzpfeifen, ein sehr charakteristischer kräftiger Streicherklang
Passau: Evangelienorgel - Frage zur Holzgeige
das ist ein original Steinmeyer- Register: sehr enge Holzpfeifen, ein sehr charakteristischer kräftiger Streicherklang
Vielen Dank für die schnelle Antwort. Interessant, im süddeutschen Raum spielt das Register so gut wie keine Rolle, aber in Niederbayern wurde es schon um 1910 mehrmals ebenfalls als kräftige Streicherstimme ausgeführt (und nicht wie ich zuerst angenommen habe, als zarte Stimme ähnlich einer Harmonika), teilweise aus Metall. Ob da ein Zusammenhang zu Passau besteht?
Passau: Evangelienorgel - Frage zur Holzgeige
Wurde das Register von Steinmeyer vorgeschlagen oder von einem an der Planung beteiligten Kirchenmusiker?
Hallo!
Die Holzgeige wird schon im Erstentwurf der Evangelienorgel (unbekannter Verfasser) aufgeführt und wurde auch in den Folgeentwürfen beibehalten bzw. realisiert.
siehe: Hermann Fischer und Theodor Wohnhaas: Die Passauer Domorgel. Bemerkungen zur Baugeschichte der Steinmeyer-Orgel (1924-1977)
in: MUSIK IN BAYERN Halbjahresschrift der Gesellschaft für Bayerische Musikgeschichte e. V., Heft 28, S. 65ff.
Gruß
Karsten
Passau: Evangelienorgel - Frage zur Holzgeige
Danke für den Beitrag, sehr interessant!
Passau: Evangelienorgel - Frage zur Holzgeige
Wurde das Register von Steinmeyer vorgeschlagen oder von einem an der Planung beteiligten Kirchenmusiker?
Hallo!Die Holzgeige wird schon im Erstentwurf der Evangelienorgel (unbekannter Verfasser) aufgeführt und wurde auch in den Folgeentwürfen beibehalten bzw. realisiert.
siehe: Hermann Fischer und Theodor Wohnhaas: Die Passauer Domorgel. Bemerkungen zur Baugeschichte der Steinmeyer-Orgel (1924-1977)
in: MUSIK IN BAYERN Halbjahresschrift der Gesellschaft für Bayerische Musikgeschichte e. V., Heft 28, S. 65ff.Gruß
Karsten
Danke für den Hinweis, an den Aufsatz habe ich gar nicht mehr gedacht, obwohl ich ihn vorliegen habe.
Tja, wer war dieser unbekannte Verfasser... War da Peter Griesbacher mit im Spiel?
Gruß
Mark
Passau: Evangelienorgel - Frage zur Holzgeige
Als schöner Start in den Jahresurlaub und da das Wetter noch nicht völlig überzeugend war, habe ich heute begonnen, ein "Register-Reportoire" zu Ignaz Weise anzulegen mit allen Hinweisen zu Bauart, Material, Mensuren und Intonation, welche mir vorliegen.
Die Holzgeige wurde von ihm, dem jetzigen Stand der Dinge nach, dreimal disponiert, beschränkt auf den Zeitraum 1909/10.
Bei keinem anderen süddeutschen Orgelbauer taucht das Register zu dieser Zeit und in vergleichbarer Machart auf. Es muss davon ausgegangen werden, dass die niederbayerische Holzgeige eine Erfindung von Weise darstellt.
Es war der stärkste Streicher, den Weise in seiner Registerpalette hatte. Von C-h1 aus Holz und dann Metall.
War die Holzgeige disponiert, bildete sie zusammen mit Gedeckt den Sammelzug Clarinette 8', sonst wurde dieser Part von der Gamba eingenommen.
Die Holzgeige war in folgenden Translationsorgeln disponiert:
- 1909 Metten, Abteikirche
- 1909 Feichten an der Alz
- 1910 Plattling, St. Magdalena
In den weiteren größeren Translationsorgeln wie Bayerisch Eisenstein oder Wolnzach ist die Holzgeige nicht mehr disponiert.
So weit mein Senf zu diesem interessanten Thema.
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Das Gesamtresultat der Prüfung war ein äußerst günstiges, was zur wohlverdienten Weiterempfehlung des in seinem Fache großen Plattlinger Meisters förmlich drängt. (Mariakirchen 1905)