Da staunte ich nicht schlecht, als ich das heute las. Die jetzige Orgel wurde 1985 neu gebaut, allerdings wurde ein Großteil des vorhandenen Pfeifenmaterials wiederverwendet. Die Windladen und Trakturen waren neu und funktionierten eigentlich ganz ordentlich. Auch das Gehäuse aus Massivholz war neu. Nun, nach erst 40 Jahren also wieder ein Neubau?
Noch sind die Details nicht veröffentlicht, aber diese Ankündigung. Auf dem Bild erkennt man, dass die neue Orgel wohl zweigeteilt wird, die Rosette wird völlig frei gelassen.
Bisher liegen die drei Manualwerke nebeneinander auf einer Höhe, was eine gute Stimmhaltung und Klangabstrahlung gewährleistet. Problematisch klingt das freistehende Pedal, es kommt nur indirekt und "verwaschen" in der Kirche an, was vor allem bei den Soloregistern nachteilig ist.
Gabriel Dessauer hat jahrzehntelang interessante Programme mit diesem Instrument realisiert, zahlreiche CD-Aufnahmen zeigen die enorme Bandbreite. Sicher, der Grundstimmenbereich ist etwas dünn, die Zungen sind zeittypisch. Über dem jetzigen Hauptwerk gibt es übrigens einen großen Freiraum. Da hätte man locker zehn Register in 8'-Länge unterbringen können, dann halt elektrisch angespielt.
Wir sind gespannt, welche deutsche Orgelbaufirma sich mit dem "überragenden Gesamtkonzept, das insbesondere eine grandiose äußerliche Gestaltung der neuen Orgel mit sich bringt" durchgesetzt hat.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Freitag, 29. August 2025, 00:08 (vor 375 Tagen) @ Orlos
Wir sind gespannt, welche deutsche Orgelbaufirma sich mit dem "überragenden Gesamtkonzept, das insbesondere eine grandiose äußerliche Gestaltung der neuen Orgel mit sich bringt" durchgesetzt hat.
Definitiv!
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
stein
, Freitag, 29. August 2025, 08:18 (vor 375 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Eule
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Contrebasson 32'
, Wien, Freitag, 29. August 2025, 13:00 (vor 374 Tagen) @ Orlos
Vielleicht meldet sich ja Gabriel Dessauer selber zu Wort, zB. zu den Stärken und den Schwächen des Instruments. Wobei man meiner Erinnerung nach versucht hat, letztere mit elektronischen Stimmen zu kompensieren. Ich könnte aber auch gut verstehen, wenn er sich lieber bedeckt hält ;)
Der Stellennachfolger von Gabriel Dessauer ist Dr. Johannes Schröder, der auch Regionalkantor für das Bistum ist, ist meines Wissens nach nicht nur - im positiven Sinne - umtriebig, sondern auch ein begnadeter Literaturspieler. Dupré 2 als Examensstück (in Kirchenmusik, nicht für Konzertfach!) halte ich für eine ziemliche Ansage. Vor Wiesbaden war er im "Westerwalddom" tätig und hat damals dort erfolgreich eine behutsame Erweiterungen der dortigen Göckel-Orgel initiiert. Entsprechend gönne ich ihm als Künstler, der dortigen Kirchenmusik und den Menschen allgemein eine adäquate Orgel für Liturgie und Konzert. Eule/Klais (?) wird sich ebenfalls über den Auftrag freuen.
PS: Die Metallstreben im Rendering sind wahrscheinlich Teil eines neuen Leuchters im Hauptschiff und haben nichts mit der Orgel zu tun.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
3rd_astronaut, Freitag, 29. August 2025, 13:40 (vor 374 Tagen) @ Contrebasson 32'
Der Stellennachfolger von Gabriel Dessauer ist Dr. Johannes Schröder, der auch Regionalkantor für das Bistum ist, ist meines Wissens nach nicht nur - im positiven Sinne - umtriebig, sondern auch ein begnadeter Literaturspieler. Dupré 2 als Examensstück (in Kirchenmusik, nicht für Konzertfach!) halte ich für eine ziemliche Ansage. Vor Wiesbaden war er im "Westerwalddom" tätig und hat damals dort erfolgreich eine behutsame Erweiterungen der dortigen Göckel-Orgel initiiert.
Ich finde das schon die zentrale Frage, warum eine ca 40-jährige Orgel nicht mit einer Reorganisation (nennen wir es mal so) wieder in einen allseits tauglichen Zustand versetzt werden kann?
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Orlos
, Freitag, 29. August 2025, 13:52 (vor 374 Tagen) @ 3rd_astronaut
Ich finde das schon die zentrale Frage, warum eine ca 40-jährige Orgel nicht mit einer Reorganisation (nennen wir es mal so) wieder in einen allseits tauglichen Zustand versetzt werden kann?
Genau. Ich habe die damaligen Spendenaktionen mitbekommen. Als Spender würde ich mir jetzt doch etwas seltsam vorkommen, dass die bisherige Orgel angeblich ersetzt werden muss.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Contrebasson 32'
, Wien, Freitag, 29. August 2025, 16:34 (vor 374 Tagen) @ Orlos
Ich finde das schon die zentrale Frage, warum eine ca 40-jährige Orgel nicht mit einer Reorganisation (nennen wir es mal so) wieder in einen allseits tauglichen Zustand versetzt werden kann?
Genau. Ich habe die damaligen Spendenaktionen mitbekommen. Als Spender würde ich mir jetzt doch etwas seltsam vorkommen, dass die bisherige Orgel angeblich ersetzt werden muss.
So teuer kann es damals ja nicht gewesen sein, wenn viel Pfeifenmaterial aus der Seifert-Orgel wiederverwendet wurde ;) Wiewohl mir das Gehäuse recht gut gefällt.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
link1907
, Donnerstag, 18. September 2025, 17:40 (vor 354 Tagen) @ Orlos
bearbeitet von link1907, Donnerstag, 18. September 2025, 17:52
Auf Instagram kam jetzt ein Aufruf zum Spenden.
Ein 5-, 6-, oder 7-stelliger Betrag ist erwünscht, nicht gerade bescheiden.
Beginnt dann bei 10 000 EUR !!!
Na ja, wers hat!
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
CamilVH, Freitag, 29. August 2025, 14:22 (vor 374 Tagen) @ Contrebasson 32'
Leute! Ich lese zwar mit Interesse mit, habe auch eine eigene Meinung dazu, aber wie es so schön in einer britischen Serie hieß: "Ich kann das hier unmöglich kommentieren" ;-)
Tatsächlich weiß ich auch nicht Bescheid, wie die Planungen genau aussehen. Ich finde das auch ganz in Ordnung, dass ich da als Vorgänger rausgehalten werde. Nichts ist unangenehmer, als wenn der Vorgänger noch seinen Senf dazu gibt. Denn natürlich ist meine Meinung auch subjektiv.
Ausgangslage war ja, dass auch zu meiner Zeit eine Chororgel mit Generalspieltisch geplant war. Ich gehe davon aus, dass das sichtbare 4. Manual dafür da ist.
Am 14.9. werde ich zum "Kick-off" gehen, dann werde ich wohl auch Näheres erfahren. Allerdings wird auch schon damit geworben, dass Philipp Klais zu diesem Event kommt.
cum organo pleno,
Gabriel
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Orlos
, Freitag, 29. August 2025, 14:42 (vor 374 Tagen) @ CamilVH
Als es um den Neubau im Jahr 1985 ging, soll Hans-Gerd Klais in St. Bonifatius gestanden und gesagt haben: Hier müssen mindestens 60 Register in die Kirche.
Wenn man die riesige Hallenkirche mit grandiosem Nachhall erlebt und dann einen "Gedacktpommer 16' und eine enge 16'-Trompete mit halber Länge im Hauptwerk vorfindet, ahnt man, dass die Mayer-Orgel im Grunde zu klein war. Man hat das mit sehr vielen Zungen und später mit Elektronik versucht auszugleichen, aber im Kern ist die Orgel schlicht zu klein.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
perotin, Freitag, 29. August 2025, 16:02 (vor 374 Tagen) @ CamilVH
Am 14.9. werde ich zum "Kick-off" gehen, dann werde ich wohl auch Näheres erfahren. Allerdings wird auch schon damit geworben, dass Philipp Klais zu diesem Event kommt.
Tja, wenn EULE eine neue große Orgel baut, sind auch andere wichtige Orgelbauer gehalten, wenn nicht gar moralisch verpflichtet, sich blicken zu lassen.
Das gehört so!
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Contrebasson 32'
, Wien, Freitag, 29. August 2025, 16:31 (vor 374 Tagen) @ perotin
Am 14.9. werde ich zum "Kick-off" gehen, dann werde ich wohl auch Näheres erfahren. Allerdings wird auch schon damit geworben, dass Philipp Klais zu diesem Event kommt.
Tja, wenn EULE eine neue große Orgel baut, sind auch andere wichtige Orgelbauer gehalten, wenn nicht gar moralisch verpflichtet, sich blicken zu lassen.
Das gehört so!
Haha, das halte ich für eher unwahrscheinlich, zumal Johannes Schröder und Klais spätestens seit Zornheim ein gutes Verhältnis pflegen. Die dort aufgenommene CD ist übrigens empfehlenswert, ziemlich beeindruckend was da klanglich alles möglich ist.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
gedackt08
, Sonntag, 14. September 2025, 18:52 (vor 358 Tagen) @ Orlos
Es wird eine neue Klais-Orgel mit 104 Registern - Kosten: 3,2 Mio. €.
So zumindest auf Instagram.
Herzliche Grüße!
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
fluteceleste
, Sonntag, 14. September 2025, 19:50 (vor 358 Tagen) @ gedackt08
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
untersatz32, Sonntag, 14. September 2025, 20:12 (vor 358 Tagen) @ fluteceleste
Sehr französisch. Hauptorgel 46, Chororgel 13 Register.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Sonntag, 14. September 2025, 22:07 (vor 358 Tagen) @ untersatz32
Schicke Visualisierungen. Wenn die Pfeifen so "frei herumhängen", ist die Klumpfußlösung wohl folgerichtig. Ich mag die dicken Rohre aber nicht.
Ich wollte schon beginnen, die Dispo aus der Patenschaftstabelle abzutippen, hab dann aber innegehalten, weil ich das System ohne weitere Angaben nicht verstehe. Ebenso ist ja der Spannungsbereich von 59 bis 102 Registern je nach Lesart nicht unbeträchtlich. Da wird also fröhlich extendiert und transmittiert werden. Das ist ja schon in Ventspils stark ausgereizt worden, in Bad Nauheim haben wir es wieder gesehen.
Also warte ich lieber auf eine offizielle Darstellung der "Spiel-Disposition". Oder hat sie jemand schon entschlüsselt oder zugespielt bekommen?
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Contrebasson 32'
, Wien, Sonntag, 14. September 2025, 21:55 (vor 358 Tagen) @ gedackt08
Es wird eine neue Klais-Orgel mit 104 Registern - Kosten: 3,2 Mio. €.
Hier findet man eine ausführlichere Beschreibung der Orgel inkl. vielen Visualisierungen. Dass die Dispo eindeutig französisch ist, überrascht nicht. Die Orgelsituation auf der Empore erinnert mich stark an St. Peter, Düsseldorf.
Der Spieltisch ist sehr kompakt. Gefällt mir. Insbesondere die Mögichkeit, jedes Werk mit kleinen Tastern jedem Manual in beliebiger Lage zuzuordnen. Und einen Zweit/Konzertspieltisch wird es wohl auch geben.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Orlos
, Sonntag, 14. September 2025, 22:43 (vor 358 Tagen) @ Contrebasson 32'
Und einen Zweit/Konzertspieltisch wird es wohl auch geben.
Mit dem "wird" wäre ich noch vorsichtig. Finanziell steht diese Pfarrei nicht so rosig da. Und es ist nicht ausgemacht, dass jeder, der bei den vergangenen Aktionen für die Erweiterung der Mayer-Orgel Geld gespendet hat, nun schon wieder Geld locker macht.
Ich habe an dem Instrument oft gespielt und halte einen Neubau absolut nicht für notwendig. Wenn man das Geld dafür zusammenbekommt, wünsche ich dem Kollegen viel Freude. Höchtswahrscheinlich wäre eine neue Orgel besser als die bisherige, die viel historischen "Ballast" mit sich tragen muss. Aber schlecht ist sie nicht, nur etwas unterdimensioniert.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Contrebasson 32'
, Wien, Montag, 15. September 2025, 08:02 (vor 358 Tagen) @ Orlos
Man kann nur hoffen, dass es mindestens einen Großspender gibt, ansonsten ist die beachtliche Summe (die wahrscheinlich auch bauliche Maßnahmen an der Empore einschließt) nur schwer zu stemmen. Ehrlicherweise hätte ich aber erwartet, dass in Wiesbaden das Geld etwas lockerer sitzt.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Grundstimmenplenum, Montag, 15. September 2025, 08:40 (vor 358 Tagen) @ Orlos
Woher hast du denn dieses Insiderwissen, ich kenne den finanziellen Spielraum meiner eigenen Kirchengemeinde nicht.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Orlos
, Montag, 15. September 2025, 08:55 (vor 358 Tagen) @ Grundstimmenplenum
St. Bonifatius ist eine Großpfarrei, zu der auch die Kirche St. Elisabeth mit einer großen viermanualigen Orgel gehört, die derzeit nicht spielbar ist. Für eine Reparatur fehlt das Geld, so war die Aussage. Natürlich kann eine Pfarrei Prioritäten setzen, dann sollte man das offen sagen. Vielleicht möchte man sich langfristig von diesem Kirchort trennen und investiert dort nichts mehr.
Ich bin in drei Pfarreien tätig, die über ihre finanziellen Möglichkeiten bzw. den Mangel an Geld transparent informieren. Wenn der Pfarrer in der Dienstversammlung sagt: "Bei den Wochentagsgottesdiensten wird nicht mehr Orgel gespielt, weil wir uns die Organistendienste nicht mehr leisten können", dann ist doch relativ klar, dass kostspielige Orgelrenovierungen schwierig sind.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
stein
, Montag, 15. September 2025, 09:02 (vor 358 Tagen) @ Orlos
Wenn der Pfarrer in der Dienstversammlung sagt: "Bei den Wochentagsgottesdiensten wird nicht mehr Orgel gespielt, weil wir uns die Organistendienste nicht mehr leisten können", dann ist doch relativ klar, dass kostspielige Orgelrenovierungen schwierig sind.
Ich bin mir sicher, dass man sich in diesem Fall auch den Pfarrer sparen kann.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
stein
, Montag, 15. September 2025, 08:57 (vor 358 Tagen) @ Grundstimmenplenum
Woher hast du denn dieses Insiderwissen, ich kenne den finanziellen Spielraum meiner eigenen Kirchengemeinde nicht.
Man muss aber probieren, dann wundert man sich manchmal.
Bei unserem Chororgelprojekt habe ich eine Person angesprochen. Das hätte gereicht, nicht einmal ein Spendenflyer war nötig.
2. Projekt, blind in die Luft geschossen, 2 Jahre später stürzte ein Geier mit einer niedrigen 6 stelligen Summe ab.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
link1907
, Montag, 15. September 2025, 10:20 (vor 357 Tagen) @ Orlos
Ich habe an dem Instrument oft gespielt und halte einen Neubau absolut nicht für notwendig.<
Halt mal wieder "französisch".
Ich finde die Dispo der jetzigen Orgel wesentlich interessanter.
Könnte man ja entsprechend erweitern.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
stein
, Montag, 15. September 2025, 10:43 (vor 357 Tagen) @ link1907
Ich habe an dem Instrument oft gespielt und halte einen Neubau absolut nicht für notwendig.<
Halt mal wieder "französisch".
Ich finde die Dispo der jetzigen Orgel wesentlich interessanter.
Könnte man ja entsprechend erweitern.
Gönnt den Polen ein gutes Instrument. War vor vielen Jahren dort, fand die Orgel eigentlich auch ganz gelungen, ist aber heute überholt. Zentralspieltische und Orgelanlage hat ja jede Dorfkirche. Raus mit den Ayer, ganz haiß auf Klais!
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
MAT
, Montag, 15. September 2025, 12:17 (vor 357 Tagen) @ stein
Die Orgel ist gelungen, aber überholt? Bei allem Respekt, aber so einen Käse habe ich selten gelesen.
--
Gruß
MAT
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Evacuant, Montag, 15. September 2025, 13:59 (vor 357 Tagen) @ MAT
Die Orgel ist gelungen, aber überholt? Bei allem Respekt, aber so einen Käse habe ich selten gelesen.
Du kennst doch unseren stein?
(In seinen Beiträgen verbirgt sich hin und wieder eine Prise Ironie...)
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Orlos
, Montag, 15. September 2025, 14:10 (vor 357 Tagen) @ Evacuant
Die Orgel ist gelungen, aber überholt? Bei allem Respekt, aber so einen Käse habe ich selten gelesen.
Du kennst doch unseren stein?
(In seinen Beiträgen verbirgt sich hin und wieder eine Prise Ironie...)
Es ist durchaus etwas dran. Die Mayer-Orgel repräsentiert den Universalorgel-Typ der 1980er-Jahre, wie auch bei Klais oder Rieger aus dieser Zeit. Der Gesamtklang ist mixturen- und zungenlastig, wenig Grundstimmen, diese aber differenziert und nicht mulmig. Man kann vieles auf solchen Orgeln spielen, kaum etwas wirklich authentisch. Ich mag solche Orgeln, weil sie vielseitig sind und man Register kombinieren kann, die aus verschiedenen Stilrichtungen kommen. In den letzten Jahren sind neue Orgeln deutlich runder geworden. In unserer Region war die Klais-Orgel in St. Stephan in Mainz ein neues Kapitel im Klais-Klang. Auch Rieger wurde symphonischer, Eule gleichfalls. Die Orgeln aus den 1980er-Jahren sind insofern tatsächlich überholt, die würde man heute nicht mehr so bauen und intonieren. Trotzdem kann man, guten Willen vorausgesetzt, diese Instrumente als "gelungen" bezeichnen, eben in ihrer Art.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
MAT
, Montag, 15. September 2025, 15:30 (vor 357 Tagen) @ Orlos
Heute baut man anders. Man baut aber auch anders als zu Schnitgers Zeiten, niemand käme auf die Idee, dessen Orgeln als überholt zu betrachten. Im Gegenteil, es werden allenthalben Stilkopien gebaut. Wer weiß, vielleicht baut man in 50 oder 100 Jahren wieder so wie 1980. Also, für mich gibt es keine überholten Orgeln, es sei denn, man meint es ironisch. Die größte Gefahr droht Orgeln (auch den gelungenen) nicht durch Schimmel, nicht durch Heizung, nicht durch Klerus oder Gemeinde, sondern immer schon durch die, die sie spielen. ;-)
--
Gruß
MAT
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Orlos
, Montag, 15. September 2025, 15:55 (vor 357 Tagen) @ MAT
Heute baut man anders. Man baut aber auch anders als zu Schnitgers Zeiten, niemand käme auf die Idee, dessen Orgeln als überholt zu betrachten. Im Gegenteil, es werden allenthalben Stilkopien gebaut. Wer weiß, vielleicht baut man in 50 oder 100 Jahren wieder so wie 1980. Also, für mich gibt es keine überholten Orgeln, es sei denn, man meint es ironisch. Die größte Gefahr droht Orgeln (auch den gelungenen) nicht durch Schimmel, nicht durch Heizung, nicht durch Klerus oder Gemeinde, sondern immer schon durch die, die sie spielen. ;-)
Ich glaube, wir liegen gar nicht weit voneinander weg. Man kann schon sagen, dass es "Moden" gibt. In den letzten Jahren einerseits die historischen Neubauten oder Rekonstruktionen, die sich längst nicht mehr nur auf Barockorgeln beschränken, sondern mittlerweile auch die Rekonstruktion pneumatischer Orgeln betrifft (siehe etwa hier). Andererseits die "normalen" Neubauten, die in den letzten Jahren deutlich "romantischer" geworden sind. Orgeln aus der Nachkriegszeit gibt es kaum noch, jedenfalls größere Instrumente, oder sie sind einschneidend umgebaut worden. Nun geht es den Instrumenten aus den späten 1970er- und aus den 1980er-Jahren an den Kragen, also den Instrumenten, mit denen viele von uns aufgewachsen sind, an denen wir Unterricht hatten und nun Gottesdienste spielen. Viele Orgeln bekommen nun technische Probleme (Schleifenzugmotoren!), die Elektrik gilt als veraltet. Die Windladen und Trakturen sind meistens völlig in Ordnung. Klanglich "fehlen" uns die Streicher, die Schwebung, die Soloflöten, die Oboe, eine Trompete im Schwellwerk, ein 16' im Hauptwerk. Generell sind die Zungen in solchen Orgeln weniger stilecht als heute, das wird auch der Mayer-Orgel in St. Bonifatius angekreidet. Das war ja auch damals gar nicht das Ziel: stilechte Orgeln zu bauen. Die Universalorgel sah sich als ein eigenständiges Instrument, auf dem fast alles spielbar war.
Die Orgel in St. Bonifatius ist insofern "überholt", als sie heutigen Ansprüchen nicht gerecht wird, wenn man sie mit einem luxuriösen Neubau vergleicht. Ich denke da auch an die Manualumfänge (nur bis g3), fehlende Register (es gibt kein Cornet, keine Soloflöte, keine Voix humaine, die Oboe steht im "falschen" Werk, keine Gambe im Hauptwerk, keine Clarinette). Gabriel Dessauer ist es trotzdem gelungen, auf dieser Orgel sehr viel unterschiedliche Musik gut darzustellen, wenngleich nicht so authentisch wie an einer Stil-Orgel.
Wie gesagt: Es wäre kein Problem gewesen, etwa 10 Register über dem Hauptwerk in den Leerraum unterzubringen, elektrisch angespielt (floating). Aber man hätte trotzdem noch die anderen "Defizite" gehabt.
Der Vorteil der Mayer-Orgel ist die große Abstrahlfläche der Manualwerke, die alle nebeneinander auf einer Höhe liegen mit dem Positiv in der Mitte. Ob bei der jetzt nach hinten gestaffelten seitlichen Anordnung die Werke auch so präsent in der Kirche klingen, wird sich herausstellen. Eine Fehlplanung der Mayer-Orgel ist das hinterständige Pedal, das nur Brei erzeugt. Dessauer hat bei barocker Musik ein Manualwerk als "Kleinpedal" missbraucht, um dem Pedal die notwendige Präsenz zu geben.
Sollte die Klais-Orgel wie geplant gebaut werden, wird einiges besser klingen als jetzt. Aber es wird auch Klänge geben, die man vermissen wird. Die Orgel hat auch für den Chor eine Rückwand gebildet, damit dieser nach vorne klingen kann. Wenn bis zur Rosette nun Leerraum vorhanden ist, wird der Chor anders klingen.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Montag, 15. September 2025, 17:44 (vor 357 Tagen) @ Orlos
Interessante Einsichten. Und auch eine weitere Würdigung für G. Dessauer und ausdauernde Arbeit unter erschwerten Bedingungen. Die "Kleinpedal-Lösung" machte ich hier auch öfter, die Zungen sind bekömmlicher als im Pedal. (Zunehmende Zähigkeit der Arbeitsbälge im HW reduziert die Möglichkeiten inzwischen).
Ich liebe ebenfalls die eigentlich nicht für etwas geeigneten, also nicht sitlistisch ausgeprägten Orgeln. Nicht mehr als die ausgeprägten, klar, aber ich glaube an die Sinnhaftigkeit des Versuchs der Universal- bzw. universellen Orgel.
Ich bin überzeugt, dass wir einst eine Retro-Welle für die Mitte des 20. Jhdts haben werden. Ich meine die 30er, 50er und 60er. (Für 1939-45 habe ich kein Retro-Bedürfnis).
Der relativ spektakuläre Entwurf für Bonifatius ("Röhrenglocken" fand ich lustig) samt der noch nicht völlig entschlüsselten Dispo lässt mich schon ein wenig skeptisch sein. Nun gut, unterstellt man Andreas Saages maximales Potential und denkt an Würzburg Hochschule, dann ist unter kundiger Bedienung mit Auszug und Co. sehr viel möglich. Wenn die Sche aber nicht so gut wird, Orlos hat asuch schon die Aufstellungsfrage angeschnitten, halte ich auch für möglich, dass die neue Bonifatius-Orgel in der geplanten Gestalt deutlich kürzer existieren wird, als erhofft.
MAT warnte vor der Gefahr für Orgeln durch Organisten. Ja, da muss man sich schon an die Nase fassen. Die Person(en), die eine bestimmte Orgel plant/planen, werden dies möglicherweise sehr gut bedienen und das Konzept überzeugend erscheinen lassen. Werden aber auch andere diese Fähigkeit haben, die sich mit dem Instrument erst anfreunden müssen?
Wie diesbezüglich die Lege in Wiesbaden ist, erfahren wir ja eventuell noch.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Grundstimmenplenum, Montag, 15. September 2025, 19:11 (vor 357 Tagen) @ Orlos
Ich glaube du irrst, wenn du einmal eine Blick in die Orgel gewagt hättest, würdest du die teilweise desaströse Situation erkennen.
Die Aufteilung auf den Windladen ist absolut unorganisch und verhindert ein sinnvolles Aufarbeiten selbiger.
Und wie schon richtig erwähnt, ist in dem vorhandenen Gehäuse Platz sinnlos verschenkt worden. Allerdings kann man aufgrund der Platzverhältnisse auch nicht so einfach weitere Windladen platzieren, da sich dadurch die Zugänglichkeit weiter verschlimmbessern würde.
Eine der Planungen war es ja, die Orgel zu ertüchtigen und klanglich zu verbessern. Vier Firmen wurden für diese Aufgaben angefragt und das Ergebnis war in qualitativer wie finanzieller Hinsicht erschütternd, was schlussendlich in das derzeitige Vorhaben geführt hat.
Alles was jetzt kommen soll, ist in jeder Hinsicht verantwortungsvoll.
Aber es hat in diesem Forum schon Tradition, aus der Ferne alles zu desavouieren, ohne jegliche fachliche Kompetenz.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Orlos
, Montag, 15. September 2025, 19:23 (vor 357 Tagen) @ Grundstimmenplenum
Ich glaube du irrst, wenn du einmal eine Blick in die Orgel gewagt hättest, würdest du die teilweise desaströse Situation erkennen.
Aber es hat in diesem Forum schon Tradition, aus der Ferne alles zu desavouieren, ohne jegliche fachliche Kompetenz.
Ich habe diese Orgel jahrelang gestimmt. "Aus der Ferne" trifft es nicht ansatzweise. Im Auftrag von Gabriel Dessauer hatte ich damals versucht, die Schwellwirkung zu verbessern, was allerdings kaum gelungen ist. Mayer hat später die Wände verstärkt. Die Zugänglichkeit scheint mir jetzt nicht schlechter als in anderen Orgeln. Ich kam an jede Pfeife. Da es sowohl hinten als auch vorne einen Stimmgang gibt, ist das auch kein Wunder.
Ich gebe zu, dass ich in den letzten Jahren nicht mehr so oft in der Orgel war, aber da wurde konstruktiv auch nichts mehr geändert. Es würde mich interessieren, was an dieser Orgel "desaströs" sein soll.
Wer eine neue Orgel will, findet immer Punkte, die an der bestehenden Orgel zu bemängeln sind.
Die Aussage mit der fehlenden "fachlichen Kompetenz" soll wohl triggern; ich würde so etwas nicht einfach in den Raum stellen. Bisher sind fünf neue Orgeln nach meinen Plänen gebaut worden.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Grundstimmenplenum, Montag, 15. September 2025, 19:36 (vor 357 Tagen) @ Orlos
Wie erklären sich dann die vielen Schäden an den Pfeifen, die eindeutig von jemandem stammen, der in der Orgel versucht hat, selbige zu stimmen?
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Orlos
, Montag, 15. September 2025, 19:52 (vor 357 Tagen) @ Grundstimmenplenum
Wie erklären sich dann die vielen Schäden an den Pfeifen, die eindeutig von jemandem stammen, der in der Orgel versucht hat, selbige zu stimmen?
Ui, raffiniert, aber die sind nicht von mir.
Eben haben Sie behauptet, ich würde die Orgel nicht von innen kennen, jetzt bin ich angeblich für die Schäden verantwortlich.
Habe ich Ihnen irgendetwas getan, dass Sie mir solche Dinge anhängen?
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Grundstimmenplenum, Montag, 15. September 2025, 20:01 (vor 357 Tagen) @ Orlos
Niemand unterstellt, dass die Schäden von Ihnen stammen!
Lediglich stehen sie sinnbildlich dafür, dass diese Orgel nicht gut gewartet werden kann und deswegen sich auch ein weiteres herumlaborieren an einer fehlerhaften Konzeption sich nicht lohnt.
Bitte nehmen Sie das nicht persönlich, aber sie werden auch anderen zugestehen müssen, insbesondere, wenn man sich fachlich mit dieser Situation beschäftigt, zu einer anderen Einschätzung zu kommen und diese auch in diesem Forum kund zu tun.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
stein
, Montag, 15. September 2025, 20:13 (vor 357 Tagen) @ Grundstimmenplenum
Niemand unterstellt, dass die Schäden von Ihnen stammen!
Lediglich stehen sie sinnbildlich dafür, dass diese Orgel nicht gut gewartet werden kann und deswegen sich auch ein weiteres herumlaborieren an einer fehlerhaften Konzeption sich nicht lohnt.
Bitte nehmen Sie das nicht persönlich, aber sie werden auch anderen zugestehen müssen, insbesondere, wenn man sich fachlich mit dieser Situation beschäftigt, zu einer anderen Einschätzung zu kommen und diese auch in diesem Forum kund zu tun.
Totalschaden durch Stimmschäden.
Welche Partei war das nochmal?
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
jori
, Montag, 15. September 2025, 22:34 (vor 357 Tagen) @ Grundstimmenplenum
Wie erklären sich dann die vielen Schäden an den Pfeifen, die eindeutig von jemandem stammen, der in der Orgel versucht hat, selbige zu stimmen?
Diese Aussage hat Geschmäckle.
Wenn ich den Schlüssel "meiner"
Orgel, die ich seit knapp 39 Jahren selbst pflege, abgebe, wird vorher ein Sachverständiger die Orgel begutachten.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
stein
, Montag, 15. September 2025, 22:51 (vor 357 Tagen) @ jori
Wie erklären sich dann die vielen Schäden an den Pfeifen, die eindeutig von jemandem stammen, der in der Orgel versucht hat, selbige zu stimmen?
Diese Aussage hat Geschmäckle.
Wenn ich den Schlüssel "meiner"
Orgel, die ich seit knapp 39 Jahren selbst pflege, abgebe, wird vorher ein Sachverständiger die Orgel begutachten.
Red mit deinem Nachfolger, vielleicht darfst du nach fast 40 Jahren die Orgel gleich mitnehmen.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
3rd_astronaut, Montag, 15. September 2025, 11:28 (vor 357 Tagen) @ Contrebasson 32'
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
j.schroeder, Montag, 15. September 2025, 19:54 (vor 357 Tagen) @ Orlos
Liebes Forum,
ich bin (leider) nicht sehr überrascht angesichts der allgemeinen Reaktion auf dieses Projekt. Ich werde mich auf die Diskussion hier selbstverständlich nicht einlassen – Sie alle sind herzlich eingeladen, persönlich mit mir Kontakt aufzunehmen oder sich gemeinsam mit mir vor Ort ein Bild über die Dinge zu machen, über die von den zuständigen Gremien entschieden wurden.
Was ich sagen kann, ist, dass die hier niedergeschriebenen »Feststellungen« zum Instrument oder zu den Rahmenbedingungen teilweise sehr weit von der Realität entfernt sind. Es scheint mir aber weder der richtige Ort noch der richtige Ton für Klarstellungen zu sein.
Es haben viele Menschen für den Neubau votiert, die nicht vom Fach sind und denen wohl nichts ferner liegt, als manche der ideologisch stark aufgeladenen Diskussionen hier. Diese Menschen freuen sich sehr auf ihr neues Instrument und diese Freude wird durch die hier fallengelassenen Worte auch nicht so einfach zu erschüttern sein. Worte in einem Forum sind eben manchmal nur Worte in einem Forum.
Wir werden in den nächsten Tagen auch die Disposition im Internet veröffentlichen (auf dem gedruckten Material ist sie bereits zu lesen) und ungeachtet jedes schlechten Wortes, das sich darüber ausbreiten wird, stehe ich hinter jeden Transmission, Extension und PVC-Röhre aus dem Baumarkt. Und das tue ich nicht nur hier, sondern auch in der echten Welt.
Meine Einladung nach Wiesbaden kann ich nur wiederholen und freue mich, die Gesichter hinter den Namen – sofern noch nicht bekannt – kennenzulernen.
Allen einen schönen Abend
Johannes Schröder
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
stein
, Montag, 15. September 2025, 20:35 (vor 357 Tagen) @ j.schroeder
Liebes Forum,
ich bin (leider) nicht sehr überrascht angesichts der allgemeinen Reaktion auf dieses Projekt. Ich werde mich auf die Diskussion hier selbstverständlich nicht einlassen – Sie alle sind herzlich eingeladen, persönlich mit mir Kontakt aufzunehmen oder sich gemeinsam mit mir vor Ort ein Bild über die Dinge zu machen, über die von den zuständigen Gremien entschieden wurden.
Was ich sagen kann, ist, dass die hier niedergeschriebenen »Feststellungen« zum Instrument oder zu den Rahmenbedingungen teilweise sehr weit von der Realität entfernt sind. Es scheint mir aber weder der richtige Ort noch der richtige Ton für Klarstellungen zu sein.
Es haben viele Menschen für den Neubau votiert, die nicht vom Fach sind und denen wohl nichts ferner liegt, als manche der ideologisch stark aufgeladenen Diskussionen hier. Diese Menschen freuen sich sehr auf ihr neues Instrument und diese Freude wird durch die hier fallengelassenen Worte auch nicht so einfach zu erschüttern sein. Worte in einem Forum sind eben manchmal nur Worte in einem Forum.
Wir werden in den nächsten Tagen auch die Disposition im Internet veröffentlichen (auf dem gedruckten Material ist sie bereits zu lesen) und ungeachtet jedes schlechten Wortes, das sich darüber ausbreiten wird, stehe ich hinter jeden Transmission, Extension und PVC-Röhre aus dem Baumarkt. Und das tue ich nicht nur hier, sondern auch in der echten Welt.
Meine Einladung nach Wiesbaden kann ich nur wiederholen und freue mich, die Gesichter hinter den Namen – sofern noch nicht bekannt – kennenzulernen.Allen einen schönen Abend
Johannes Schröder
Schade, Passauer Dom hat hier doch prima funktioniert. Fast der gleiche Jahrgang. Zu Beginn wurde geheult, jetzt bekommen wir Diwischen für Diwischen zum Fraß vorgeworfen und alle jubeln mit. Weg mit dem alten Ding. Pläne, Spieltische und Winddrücke brauchen wir. Schnell ist alles vergessen. Die Spender von damals sind 50 Jahre älter. Da ist nichts mehr zu holen.
Ich befürworte das Projekt. Sonst werden mit dem Geld Raketen gebaut.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
VoxCoelestis, Montag, 15. September 2025, 23:52 (vor 357 Tagen) @ j.schroeder
bearbeitet von VoxCoelestis, Dienstag, 16. September 2025, 00:02
Danke für Ihre Sicht der Dinge! Näher dran sind Sie allzumal als vermutlich die meisten hier Kommentierenden. Selbst melde ich mich auch aus den vermeintlich anonymen Weiten des Netzes und gebe nur meinen Eindruck wieder, von dem einige Aspekte schon genannte wurden:
St. Bonifatius hat eine enorme Akustik mit 8-9 Sekunden Nachhall, wenn ich mich richtig erinnere. Wenn transparente Klänge überhaupt transportiert werden können, halte ich die obertonreiche Disposition des aktuellen Instruments die prinzipiell nicht so verkehrt, zumal die frontale Aufstellung über die gesamte Breite der Transparenz sicherlich auch nicht abträglich ist.
Nach meinem Hörempfinden vor Ort hielt ich das Instrument nicht per se für ungeeignet an diesem Platz. Sicherlich: es ist ein Kind seiner Zeit, aber - nochmals darauf zurückzukommen - der große Raum trägt auch sein Übriges zur Veredelung dieser Klänge bei. Denn so viel Ehrlichkeit muss auch sein: in einer Konzertsaal-Akustik würde man sich mit diesem Klang vermutlich nicht zufrieden geben.
Und zwei etwas böse Argumente, die sich mir beim Lesen der Ankündigung schlicht und einfach aufgedrängt haben (dafür bitte ich schon im Vorhinein um Entschuldigung, weil es etwas von Moralkeule hat):
Würden „wir“ als Kirche nicht gut daran tun, uns um Nachhaltigkeit zu bemühen? Sicherlich wird das derzeit in der Pfarrei und den entsprechenden Gremien gemacht. Aber das würde auch heißen, dass die vor ca. 50 Jahren getroffene Entscheidung nicht diesem Anspruch genügt. Sicherlich war auch damals ein Ansinnen, ein Instrument „für die Ewigkeit“ bauen zu wollen. Spannend finde ich derzeit Projekte, die den alten Bestand und vermeintlich in die Jahre gekommenen Orgelanlagen mit hohem Respekt behandeln und eben NICHT alles über Bord werfen, sondern nicht selten große Teile oder sogar komplette Werke „nur“ überholen und weitestgehend unverändert lassen. Umso herausfordernder ist es oft, zum Bestand passende Erweiterungen zu finden, zu bauen und zu formen, die letztendlich mit dem Vorhandenen ein Ganzes bilden.
Und nicht zuletzt: auch als musik- und orgelbegeistertes Kirchenmitglied halte ich die Rechtfertigungsthematik für ein Instrument für über 3 Millionen Euro für nicht überholt. Sicherlich: zum Lobe des Allerhöchsten und (siehe oben) ein Werk die Ewigkeit. Eine Stadt wie Wiesbaden wird sich das leisten können. Zum großen Teil sicherlich sich aus eigenen Kräften - die kirchlichen Zuschüsse wurden für solche Projekte in den vergangenen Jahren auch nicht größer. Und trotzdem - so moralinsauer das klingt - denke ich (um jetzt gar nicht weit zu gehen) an eine eigentlich lebendige Gemeinden im Bistum Limburg, die ihre mittelgroße Orgel aus den 70ern dringend müsste und die knapp 500 Tsd. Euro eben NICHT aufbringen kann - sicherlich auch, weil die nötigen Geldgeber in der strukturschwachen Region im Gegensatz zu Wiesbaden nur rar gesäht sind. Bevor sich irgendjemand Gedanken macht: es handelt sich hierbei um ein konstruiertes Beispiel. Aber wie wäre es mit einer Sammlung in Wiesbaden für ein Orgelprojekt im Hintertaunus?
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
stein
, Dienstag, 16. September 2025, 07:36 (vor 357 Tagen) @ VoxCoelestis
Danke für Ihre Sicht der Dinge! Näher dran sind Sie allzumal als vermutlich die meisten hier Kommentierenden. Selbst melde ich mich auch aus den vermeintlich anonymen Weiten des Netzes und gebe nur meinen Eindruck wieder, von dem einige Aspekte schon genannte wurden:
St. Bonifatius hat eine enorme Akustik mit 8-9 Sekunden Nachhall, wenn ich mich richtig erinnere. Wenn transparente Klänge überhaupt transportiert werden können, halte ich die obertonreiche Disposition des aktuellen Instruments die prinzipiell nicht so verkehrt, zumal die frontale Aufstellung über die gesamte Breite der Transparenz sicherlich auch nicht abträglich ist.
Nach meinem Hörempfinden vor Ort hielt ich das Instrument nicht per se für ungeeignet an diesem Platz. Sicherlich: es ist ein Kind seiner Zeit, aber - nochmals darauf zurückzukommen - der große Raum trägt auch sein Übriges zur Veredelung dieser Klänge bei. Denn so viel Ehrlichkeit muss auch sein: in einer Konzertsaal-Akustik würde man sich mit diesem Klang vermutlich nicht zufrieden geben.
Und zwei etwas böse Argumente, die sich mir beim Lesen der Ankündigung schlicht und einfach aufgedrängt haben (dafür bitte ich schon im Vorhinein um Entschuldigung, weil es etwas von Moralkeule hat):
Würden „wir“ als Kirche nicht gut daran tun, uns um Nachhaltigkeit zu bemühen? Sicherlich wird das derzeit in der Pfarrei und den entsprechenden Gremien gemacht. Aber das würde auch heißen, dass die vor ca. 50 Jahren getroffene Entscheidung nicht diesem Anspruch genügt. Sicherlich war auch damals ein Ansinnen, ein Instrument „für die Ewigkeit“ bauen zu wollen. Spannend finde ich derzeit Projekte, die den alten Bestand und vermeintlich in die Jahre gekommenen Orgelanlagen mit hohem Respekt behandeln und eben NICHT alles über Bord werfen, sondern nicht selten große Teile oder sogar komplette Werke „nur“ überholen und weitestgehend unverändert lassen. Umso herausfordernder ist es oft, zum Bestand passende Erweiterungen zu finden, zu bauen und zu formen, die letztendlich mit dem Vorhandenen ein Ganzes bilden.
Und nicht zuletzt: auch als musik- und orgelbegeistertes Kirchenmitglied halte ich die Rechtfertigungsthematik für ein Instrument für über 3 Millionen Euro für nicht überholt. Sicherlich: zum Lobe des Allerhöchsten und (siehe oben) ein Werk die Ewigkeit. Eine Stadt wie Wiesbaden wird sich das leisten können. Zum großen Teil sicherlich sich aus eigenen Kräften - die kirchlichen Zuschüsse wurden für solche Projekte in den vergangenen Jahren auch nicht größer. Und trotzdem - so moralinsauer das klingt - denke ich (um jetzt gar nicht weit zu gehen) an eine eigentlich lebendige Gemeinden im Bistum Limburg, die ihre mittelgroße Orgel aus den 70ern dringend müsste und die knapp 500 Tsd. Euro eben NICHT aufbringen kann - sicherlich auch, weil die nötigen Geldgeber in der strukturschwachen Region im Gegensatz zu Wiesbaden nur rar gesäht sind. Bevor sich irgendjemand Gedanken macht: es handelt sich hierbei um ein konstruiertes Beispiel. Aber wie wäre es mit einer Sammlung in Wiesbaden für ein Orgelprojekt im Hintertaunus?
Nachhaltigkeit wird gegeben sein, wenn die alte Orgel wo anders ihren Dienst tut.
40 Jahre ist ja auch nicht nichts.
Wenn man sich im Hintertaunus anstrengt, wird man es dort sicherlich schaffen. Zwar nicht morgen und nicht mit Klais und nicht mit freifahrenden Spieltisch auf der Überholspur, aber aus eigener Anstrengung. Das gibt der Sache eine ganz besondere Note.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
VoxCoelestis, Dienstag, 16. September 2025, 10:39 (vor 356 Tagen) @ stein
Nachhaltigkeit wird gegeben sein, wenn die alte Orgel wo anders ihren Dienst tut.
40 Jahre ist ja auch nicht nichts.
Wenn man sich im Hintertaunus anstrengt, wird man es dort sicherlich schaffen. Zwar nicht morgen und nicht mit Klais und nicht mit freifahrenden Spieltisch auf der Überholspur, aber aus eigener Anstrengung. Das gibt der Sache eine ganz besondere Note.
40 Jahre finde ich für ein solches Instrument nicht besonders viel. Da reden wir doch gerade im Orgelbau von ganz anderen Zeitspannen - insbesondere auch immer wieder gerne genannt zur Abgrenzung gegenüber rein digitalen Instrumenten. Sicherlich wurden in der Entstehungszeit auch Materialien verwendet, deren Eignung sich im Nachhinein gar nicht oder in großen Teilen nicht bestätigt hat, aber auch hier gab es doch weit "schlimmere" Zeiten als die 80er-Jahre?
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Contrebasson 32'
, Wien, Dienstag, 16. September 2025, 14:17 (vor 356 Tagen) @ VoxCoelestis
bearbeitet von Contrebasson 32', Dienstag, 16. September 2025, 14:29
Nachhaltigkeit wird gegeben sein, wenn die alte Orgel wo anders ihren Dienst tut.
40 Jahre ist ja auch nicht nichts.
Wenn man sich im Hintertaunus anstrengt, wird man es dort sicherlich schaffen. Zwar nicht morgen und nicht mit Klais und nicht mit freifahrenden Spieltisch auf der Überholspur, aber aus eigener Anstrengung. Das gibt der Sache eine ganz besondere Note.
40 Jahre finde ich für ein solches Instrument nicht besonders viel. Da reden wir doch gerade im Orgelbau von ganz anderen Zeitspannen - insbesondere auch immer wieder gerne genannt zur Abgrenzung gegenüber rein digitalen Instrumenten. Sicherlich wurden in der Entstehungszeit auch Materialien verwendet, deren Eignung sich im Nachhinein gar nicht oder in großen Teilen nicht bestätigt hat, aber auch hier gab es doch weit "schlimmere" Zeiten als die 80er-Jahre?
Ich denke, man sollte die Kirche hier mal im Dorf lassen. Beim aktuellen Instrument wurde viel Pfeifenwerk aus der Seifert-Orgel wiederverwendet, es war kein reiner Neubau und scheinbar gab es damals gewisse Restriktionen, die zu teilweise suboptimalen Lösungen führten. Oder sind die digitalen Zubauten anders zu erklären? Mir fehlt ehrlicherweise aber auch ein Gespür für die generelle Qualität von Mayer-Orgel aus dieser Zeit.
Wie auch immer, ich bin sehr irritiert über den Diskussionsverlauf sowie die verbale Vehemenz so mancher Äußerung in diesem Thread und kann daher die Reaktion von Johannes Schröder gut nachvollziehen. Schade.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Orlos
, Dienstag, 16. September 2025, 15:22 (vor 356 Tagen) @ Contrebasson 32'
Mir fehlt ehrlicherweise aber auch ein Gespür für die generelle Qualität von Mayer-Orgel aus dieser Zeit.
In Wiesbaden gab es neun Orgeln dieser Werkstatt, an zweien habe ich oft geübt. Als ich den Orgelneubau in der Kirche St. Josef betrieb, wollten die Orgelsachverständigen wieder eine Mayer-Orgel haben. Natürlich kann man dann bei den Wartungsverträgen ein wenig sparen, aber im Sinne einer vielseitigen "Orgellandschaft" konnten wir die offiziellen Stellen überzeugen, es einmal mit einer ganz anderen Firma zu versuchen. Alfred Wild aus Saverne hat uns dann 1994 ein ganz wunderbares Instrument gebaut.
Die Mayer-Orgeln sind eigentlich recht solide gebaut. Bei manchen, die nun alle über 40 Jahre alt sind, gibt es jetzt die üblichen Probleme mit den Schleifenzugmotoren, von größeren Ausfällen ist mir bislang aber nichts bekannt. Die Klais-Orgel der Kreuzkirche, ebenfalls 1994 erbaut, wurde im letzten Jahr für viel Geld renoviert. In dem Augenblick, wo elektrische Schaltungen (hier: Doppeltraktur) verbaut sind, gibt es Verschleiß, das lässt sich wohl nicht vermeiden. Das sagt aber wenig zur "Qualität" aus. Die Orgel in St. Josef ist rein mechanisch, hier gab es bislang keinerlei Renovierungsbedarf.
Selbstverständlich wurde die Orgel in St. Bonifatius viel stärker benutzt als eine Orgel in einer stillen Vorortkirche. Ich kann mir gut vorstellen, dass hier größere Abnutzung auch bei mechanischen Teilen passiert ist. Es gibt ja auch Hochschulorgeln, die ziemlich "abgespielt" sind. Das betrifft Instrumente aller Firmen. Von einem Qualitätsunterschied würde ich da nicht sprechen. Etwas völlig anderes sind Fehlkonstruktionen bzw. Fehlplanungen. Da fragt man sich mitunter, wie eine solche Orgel abgenommen werden konnte.
Neue Orgel für Wiesbaden, St. Bonifatius
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Montag, 15. September 2025, 23:54 (vor 357 Tagen) @ j.schroeder
Sehr geehrter Herr Schröder, danke für Ihren Beitrag.
Sie sind schon länger registriert und mussten sich hier nicht erst einschalten, weil Sie von anderen darauf aufmerksam gemacht wurden, dass zu Bonifatius geschrieben wird.
Wenn ich zu Orgelprojekten hier schreibe, gehe ich immer davon aus, dass Verantwortliche mitlesen. Sicherlich auch jemand aus der Werkstatt Klais, in diesem Fall. Ich hoffe, meine Worte stets so gewählt zu haben, dass sie diesem eigenen Anspruch standhalten. Im Falle der Firma Klais würde ich selbst auch künftig den leitenden Personen begegenen können wollen, zumal ich stets unter Klarnamen agiere.
Meinerseits beschränkte ich mich daher im Fall Bonifatius auf das Kommende, habe ich doch die Mayer-Orgel nie real erlebt. Da bin ich auch gespannt, wie es wird, meine Skepsis in einigen Punkten vertrete ich bis auf Weiteres, und ebenfalls auch in der realen Welt. Aber ich freue mich mit Ihnen und der Gemeinde, wenn es noch besser wird als ich mir hätte vorstellen können.
Orlos' Identität ist mir bekannt (den länger Mitlesenden auch), und daher folgte ich den Einschätungen mit Interesse. "Grundstimmenplenum" scheint auch Kenntnisse aus eigener Anschauung zu haben. Sollte da ein Disput entstehen, bleibt beispielsweise mir nur die Rolle des interessierten, ggf. amüsierten Lesers.
Was mir allerdings bewusst wird: Spätestens bei den Weihe-Berichten gratuliere ich allen Beteiligten. Bei der Projektvorstellung mache ich es seltener, und hier bin ich gleich in die Diskussion rein ohne grundsätzliche Anerkennung dafür, dass überhaupt etwas passiert. Denn das finde ich immer bemerkenswerter in Zeiten wie diesen, dass wir überhaupt noch über Orgelneubauten sprechen dürfen.
Ihre Einladung nach Wiesbaden nehme ich virtuell schon mal gerne an. Real ist es mir normalerweise zu weit weg, aber je nach dem, wie sehenswert es wird, würde ich mich natürlich aufmachen - vielleicht, um einen faszinierenden Umgang mit Extensionen & Co vor Ort zu erleben. Man wird davon hören, und gerade auch in diesem Forum, das halt immer nur Forum und quasi Stammtisch ist, wie Sie selbst anmerkten.
Im Sinne dieser Zeilen sei Ihnen und dem Vorhaben also viel Erfolg gewünscht!
Disposition (Übersicht) Wiesbaden, St. Bonifatius
Orlos
, Dienstag, 16. September 2025, 15:55 (vor 356 Tagen) @ Orlos
![[image]](images/uploaded/2025091613550068c96c3452d7e.jpg)
Disposition (Übersicht) Wiesbaden, St. Bonifatius
stein
, Dienstag, 16. September 2025, 17:13 (vor 356 Tagen) @ Orlos
2029, da fliesst noch viel Main in den Rhein.
Bei der Hauptorgel fehlt bei dieser Grösse die 16 Fuss Zunge. Das wird bei der Einweihung jeder Franzose bemerken.
Spannend finde ich die Nonen und Septimen. Wenn das gut gemacht wird, wird das toll.
Das Harmoniumwerk in der Chororgel wird viel gestimmt werden müssen um es ständig zu benutzen. Diese Register lassen wenig Kompromisse zu. Praktisch ist dort einer schneller Tremulant.
Unbedingt einen Clairon 4' dazu. Das Instrument bekommt eine neue Dimension.
Disposition (Übersicht) Wiesbaden, St. Bonifatius
Evacuant, Dienstag, 16. September 2025, 19:00 (vor 356 Tagen) @ stein
Das Harmoniumwerk in der Chororgel wird viel gestimmt werden müssen um es ständig zu benutzen. Diese Register lassen wenig Kompromisse zu.
Ich glaube nicht, dass das dauernd rauf- und runtergestimmt werden wird. Man wird es öfter allein benutzen, und mit den Pfeifenregistern geht es halt nur bei bestimmten Temperaturen zusammen.
Disposition (Übersicht) Wiesbaden, St. Bonifatius
stein
, Dienstag, 16. September 2025, 19:43 (vor 356 Tagen) @ Evacuant
Das Harmoniumwerk in der Chororgel wird viel gestimmt werden müssen um es ständig zu benutzen. Diese Register lassen wenig Kompromisse zu.
Ich glaube nicht, dass das dauernd rauf- und runtergestimmt werden wird. Man wird es öfter allein benutzen, und mit den Pfeifenregistern geht es halt nur bei bestimmten Temperaturen zusammen.
Genau darauf läuft es letztendlich hinaus. Ich habe ein Cor anglais 16 Fuss mit durchschlagender Zunge von 1843. Herrlich! Wurde Anfang Juli gestimmt. Im August grenzwertig zu benutzen, jetzt stimmt wieder alles. Vermutlich ende Oktober und November nicht zu brauchen. Wird erst im Dezember gestimmt.
Disposition (Übersicht) Wiesbaden, St. Bonifatius
Evacuant, Dienstag, 16. September 2025, 21:42 (vor 356 Tagen) @ stein
Das Harmoniumwerk in der Chororgel wird viel gestimmt werden müssen um es ständig zu benutzen. Diese Register lassen wenig Kompromisse zu.
Ich glaube nicht, dass das dauernd rauf- und runtergestimmt werden wird. Man wird es öfter allein benutzen, und mit den Pfeifenregistern geht es halt nur bei bestimmten Temperaturen zusammen.
Genau darauf läuft es letztendlich hinaus. Ich habe ein Cor anglais 16 Fuss mit durchschlagender Zunge von 1843. Herrlich! Wurde Anfang Juli gestimmt. Im August grenzwertig zu benutzen, jetzt stimmt wieder alles. Vermutlich ende Oktober und November nicht zu brauchen. Wird erst im Dezember gestimmt.
Das wird aber keine Harmoniumzunge sein, sondern ein Register mit Pfeifen.
Disposition (Übersicht) Wiesbaden, St. Bonifatius
coranglais87, Dienstag, 16. September 2025, 22:04 (vor 356 Tagen) @ Orlos
Interessant finde ich die großen Nonen, die eigentlich nicht in den Teiltonaufbau passen. In Wien gibt es auch so einen Aliquot, welche Wirkung hat die None so isoliert?
Disposition (Übersicht) Wiesbaden, St. Bonifatius
tombecher
, Saarbrücken, Dienstag, 16. September 2025, 22:33 (vor 356 Tagen) @ coranglais87
...doch, die passen:
7 1/9 = 64/9 = 9. Teilton zum 64'
3 5/9 = 32/9 = 9. Teilton zum 32'
Wie die Wirkung ist kann ich nur vermuten, habe noch nie sowas live ausprobiert. Aber wenn es gut verschmelzend intoniert ist, entsteht vielleicht so ein leicht blubbernder oder knatternder zungenähnlicher Klang in der entsprechenden Grundtonlage?
So wie bei einem "Basszink" o.Ä. aus 5 1/3' + 3 1/5' + 2 2/7', (= 16' Teiltöne) der bei guter Intonation ähnlich einem Fagott 16' klingen kann...
(Man muss natürlich 'was geradzahliges (32' oder 16' oder 8') dazu ziehen...)
Grüße,
Thomas
Disposition (Übersicht) Wiesbaden, St. Bonifatius
Orlos
, Dienstag, 16. September 2025, 22:56 (vor 356 Tagen) @ tombecher
Wie die Wirkung ist kann ich nur vermuten, habe noch nie sowas live ausprobiert. Aber wenn es gut verschmelzend intoniert ist, entsteht vielleicht so ein leicht blubbernder oder knatternder zungenähnlicher Klang in der entsprechenden Grundtonlage?
So wie bei einem "Basszink" o.Ä. aus 5 1/3' + 3 1/5' + 2 2/7', (= 16' Teiltöne) der bei guter Intonation ähnlich einem Fagott 16' klingen kann...
Man macht sich heute ja gerne über Bornefeld lustig, aber diese "Ersatz-Zungen" im Pedal können (können!) tatsächlich gut funktionieren! Man hat mit ihnen keine Stimmprobleme, sie sprechen immer schnell an. Allerdings bestehen sie aus mehr Aliquoten als nur einer None.
Disposition (Übersicht) Wiesbaden, St. Bonifatius
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Mittwoch, 17. September 2025, 00:34 (vor 356 Tagen) @ Orlos
bearbeitet von Karl-Bernhardin Kropf, Mittwoch, 17. September 2025, 00:38
Wie die Wirkung ist kann ich nur vermuten, habe noch nie sowas live ausprobiert. Aber wenn es gut verschmelzend intoniert ist, entsteht vielleicht so ein leicht blubbernder oder knatternder zungenähnlicher Klang in der entsprechenden Grundtonlage?
So wie bei einem "Basszink" o.Ä. aus 5 1/3' + 3 1/5' + 2 2/7', (= 16' Teiltöne) der bei guter Intonation ähnlich einem Fagott 16' klingen kann...
Man macht sich heute ja gerne über Bornefeld lustig, aber diese "Ersatz-Zungen" im Pedal können (können!) tatsächlich gut funktionieren! Man hat mit ihnen keine Stimmprobleme, sie sprechen immer schnell an. Allerdings bestehen sie aus mehr Aliquoten als nur einer None.
Ich hab noch nicht nachgezählt, um ein mögliches versehentliches Fehlen der Septime 8 1/7 auszuschließen - mir würde rein von der Konsequenz her diese Septime fehlen, wenn es Quinte und None gibt. Aber noch mal 12 große Pfeifen dazu (ist ja sicher eine Reihe) mag räumlich zu viel sein.
Gut finde ich, dass die drei Hauptmanuale terzhaltig sind, zwei auch einzeln registrierbar, und entsprechend einzelne Quinten und eine Septime dabei. Aliquoten sind ja manchmal schon selten geworden, hier nicht. Ein enormes Potential für Impro, aber auch für Französisches post ACC, also Messiaen, Alain usw., und alles, was schon eher nach Victor Gonzalez als ACC verlangt. *
Dem Harmoniumwerk zolle ich großen Respekt, viel Aufwand für etwas, von dem ich zugegebenermaßen keine Ahnung habe, aber der Hausherr und einige der späteren Gäste werden das zu nutzen wissen.
Wenn es dort noch gute Chorarbeit gibt, wenn die Orgel in Betrieb geht, ist es ein weiterer Standort für anglikanische Chormusik. Das meiste kann die CO abdecken, tiefen Bass oder Spezialitäten kann man von der HO einfliegen. Auch kannn man an solchen Orten darüber nachdenken, Oratorien mal nur mit Orgel statt Orchester aufzuführen.
Um zu verstehen oder zumindest zu vermuten, wie die Extensionen und Transmissionen angelegt sind/sein könnten, braucht man mehr Nachdenkzeit. Was im Forum ja immer beliebter ist, als den Haus-Organisten zu fragen ;-)
Na, dann legen wir mal eine weitere Strichliste an für die Tage bis zur Einweihung eines Orgelprojekts.
*) Edit: Und mal wieder zwei Mixturen in einem Manual - lange nicht gesehen!
Disposition (Übersicht) Wiesbaden, St. Bonifatius
coranglais87, Mittwoch, 17. September 2025, 15:12 (vor 355 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Daß das Ganze wirkungsvoll ist, wage ich nicht zu bezweifeln, aber die None ist der einzige Aliquot im 64' Obertonaufbau, die anderen Aliquote im Pedal sind die des 32', eine Oktave höher gestaltet sich das Ganze im Hauptwerk.
Disposition (Übersicht) Wiesbaden, St. Bonifatius
ThoFi, Mittwoch, 17. September 2025, 16:31 (vor 355 Tagen) @ coranglais87
Da müsste man mal den Intonateur fragen. Bei unserem Projekt in Pasing wurde seinerzeit ein 21 1/3 ins Spiel gebracht. Als einziger 64'-Aliquot.
AS war damals allerdings noch bei RS.
Thomas
Disposition (Übersicht) Wiesbaden, St. Bonifatius
Orlos
, Mittwoch, 17. September 2025, 16:48 (vor 355 Tagen) @ ThoFi
Da müsste man mal den Intonateur fragen. Bei unserem Projekt in Pasing wurde seinerzeit ein 21 1/3 ins Spiel gebracht. Als einziger 64'-Aliquot.
Ich wage die Vermutung, dass eine Quinte besser funktioniert als eine None, lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.
Disposition (Übersicht) Wiesbaden, St. Bonifatius
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Mittwoch, 17. September 2025, 16:57 (vor 355 Tagen) @ Orlos
Da müsste man mal den Intonateur fragen. Bei unserem Projekt in Pasing wurde seinerzeit ein 21 1/3 ins Spiel gebracht. Als einziger 64'-Aliquot.
Ich wage die Vermutung, dass eine Quinte besser funktioniert als eine None, lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.
In Malmö wurden ja auch Kompromisse gemacht, allerdings meines Wissens für entferntere Teiltöne - da wurde eine Reihe auch für einen weiteren Aliquot genutzt (Hier unter 4.1). Die Cent-Abweichungen dürften allerdings im schwer nachvollziehbaren Bereich liegen. Konnte ich trotz der relativen Nähe des Instruments noch nicht ausprobieren.
Vielleicht ist Ähnliches auch in Wiesbaden angedacht. Gerade bei tiefen Frequenzen dürfte die Wahrnehmbarkeit solcher Kniffe auch bei niedrigeren Teiltönen gering sein. Ich gebe aber zu, zum Nachrechnen zu bequem zu sein.
Pfeifen in Malmö - Wiesbaden, St. Boni
elias.orgel, Mittwoch, 17. September 2025, 17:43 (vor 355 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von elias.orgel, Donnerstag, 18. September 2025, 11:35
In Malmö wurden ja auch Kompromisse gemacht, allerdings meines Wissens für entferntere Teiltöne - da wurde eine Reihe auch für einen weiteren Aliquot genutzt (Hier unter 4.1). Die Cent-Abweichungen dürften allerdings im schwer nachvollziehbaren Bereich liegen.
-
Zunächst einmal muss man sich darüber klar sein, dass das Konzept in Malmö
aus 4 "verstimmten" Reihen die Teiltöne 3,5,6,7,9,10,11,12,13,14,15,17 und 18 zu erhalten
Rein theoretisch ist
Teilton 19 (kl Terz) wird aus der "unverstimmten" Reihe genommen
Genauso wie die Teiltöne 1,2,4,8,16
Zwar stimmt es, dass geringe Abweichungen in der Tonhöhe von nacheinander gespielten Tönen, von den meisten Menschen (egal ob Musiker oder nicht) kaum wahrgenommen werden können
ABER
die Schwebungen bei gleichzeitig erklingenden Tönen sind quasi nicht zu überhören...
Wie gut oder eben nicht gut (Hammond Orgel Terz) diese Aliquoten dann an der realen Orgel und im Raum funktionieren hängt sicherlich von vielen Faktoren ab...
Eine Verstimmung um 1ct macht bei 512 Hz gerade mal eine Schwebung alle 4 Sekunden
Bei 8.000 Hz sind es 5 Schwebungen pro Sekunde
Und da sind die verschiedenen Teiltöne nicht berücksichtigt (gilt nur für ideale Sinus Töne)
Deshalb kann eine Schwebung (Vox Coelestis) nicht einfach um einen festen Cent Betrag gegenüber dem Rest der Orgel "verstimmt" werden...
Wohingegen der Unterschied zwischen einer reinen Terz und einer gleichstufigen tatsächlich über die gesamte Frequenzbreite gleichbleibend ist (ca 14 ct)
und das ist dann auch der Grund, warum diese vier "verstimmten" Tonreihen (theoretisch) funktionieren sollten ... ;-)
--
Orgelspielen heißt: im Sitzen tanzen ...
... für Gott
Aliquote und exakte Cente - Wiesbaden, St. Bonifatius
elias.orgel, Mittwoch, 17. September 2025, 23:51 (vor 355 Tagen) @ elias.orgel
bearbeitet von elias.orgel, Donnerstag, 18. September 2025, 11:36
wer es ganz genau wissen will:
https://mps-orgelseite.de/home/forum/index.php?thread/2404-besondere-orgelregister/&...
natürlich sind die 15 stelligen Zahlen musikalisch nicht notwendig
dagegen
sind die ganzen Centwerte bei der Malmö Tabelle aber auch arg grob... ;-)
--
Orgelspielen heißt: im Sitzen tanzen ...
... für Gott
Pfeifen in Malmö - Wiesbaden, St. Boni
elias.orgel, Donnerstag, 18. September 2025, 10:43 (vor 354 Tagen) @ elias.orgel
bearbeitet von elias.orgel, Donnerstag, 18. September 2025, 15:05
In Malmö wurden ja auch Kompromisse gemacht, allerdings meines Wissens für entferntere Teiltöne - da wurde eine Reihe auch für einen weiteren Aliquot genutzt (Hier unter 4.1). Die Cent-Abweichungen dürften allerdings im schwer nachvollziehbaren Bereich liegen.
Noch ein bisschen Statistik gefällig?
Aus 1.645 Pfeifen würde mann grob eine klassische Orgel mit 27 Registern bauen können
Der Subbass 32' hat 32 komplett eigene Pfeifen
Die (zweit) kleinste Reihe ist die Schwebung mit 49 Pfeifen (4 Oktaven)
Vox Humana 8' und (echte) Quinte 2 2/3' werden nur in Original Lage bzw für die Mixtur genutzt jeweils 61 Pfeifen (5 Oktaven)
die Reihe K, welche ja für gleich drei verschiedene Aliquote herhalten muss, hat 104 Pfeifen...
Und bei Reihe B (Prinzipal 16 8 4 2) muß ein kleiner Fehler sein - 92 Pfeifen wäre bis g6 ;-)
--
Orgelspielen heißt: im Sitzen tanzen ...
... für Gott
Disposition (Übersicht) Wiesbaden, St. Bonifatius
tombecher
, Saarbrücken, Mittwoch, 17. September 2025, 21:35 (vor 355 Tagen) @ coranglais87
Es gibt ja noch den (akustischen) 64' in der Disposition. Da würde ich mal vermuten, dass der nicht (nur) aus Subbass 32' + None 7 1/9' gewonnen wird, sondern dass da die 32'-Reihe auch noch für eine Quintschaltung zu 21 1/3' und/oder Terz zu 12 4/5' herhalten muss, die dann halt nicht auch noch separat registrierbar sind. Die große None könnte dann möglicherweise zum "Einfärben" (bzw. um das "sanfte Knattern") zu erzeugen dazu genommen werden...