Orgel-Impressionen aus Dänemark – Teil 9

Orlos @, Sonntag, 03. August 2025, 22:41 (vor 398 Tagen)

Es hat sich ergeben, dass ich ein paar kleinere Orgeln ausprobieren konnte.
Hier zwei Frobenius-Orgeln im Vergleich.

Die alte Kirche in Taarnby besitzt ein tiefes Gewölbe und kaum Nachhall.

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Die Orgel steht im Westen und muss das lange Kirchenschiff beschallen. Die Intonation ist kraftvoll, die Prinzipale tönen ordentlich. Die Mixtur ist aber verhältnismäßig sanft, ich hätte mehr "Geschrei" erwartet. Die Zungen sind allesamt kräftig und ein wenig "bäuerlich", aber mit sofortiger Ansprache. Das Brustwerk besitzt eine enorme Schwellwirkung. Der Werkaufbau ist ganz einfach: links steht das Pedal, völlig eigenständig, rechts das HW; keine Transmissionen.
Das BW lässt sich gegen das HW spielen, auch Trio-Spiel mit Pedal ist gut möglich.

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Ich habe im Internet eine Beschreibung der Orgel gefunden; Adresse und Disposition stimmen, aber das Photo ist ein völlig anderes. Entweder ist die Orgel einmal umgebaut worden, was ich für unwahrscheinlich halte, oder es ist ein falsches Photo eingestellt worden.

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Die Orgel spielt sich sehr angenehm, auch gekoppelt. Man merkt ihr das Alter kaum an. Ich habe sie auch zuvor im Gottesdienst gehört, der Kollege hat sehr abwechslungsreich registriert.

Im Vergleich dazu eine Frobenius-Orgel von 1992, welche im Jahr 2000 vergrößert worden ist. Der Raum, die Skelgårdskirke, ist modern, besitzt aber ein wenig Nachhall. Man kann den Nachbarraum, der sich rechts befindet, öffnen und damit die Grundfläche vergrößern.

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Bei dieser Orgel stehen HW und Pedal auf einer gemeinsamen Lade, es gibt zahlreiche Transmissionen. Das Schwellwerk steht dahinter und kommt deutlich indirekter in der Kirche an. Es wirkt mehr wie ein großes Echo-Werk, nicht als Partner zum HW. Es gibt zahlreiche Einzel-Aliquote, mit denen schöne Mischklänge zu erzeugen sind, aber es ergibt sich im SW kein Plenum-Klang. Die Oboe ist nicht laut. Im HW fehlt ein zartes Begleitregister. Die einzige Mixtur ist zu mild, es mangelt der Orgel an Glanz. Das Fagott 16' klingt im Diskant solistisch, gibt dem Tutti aber auch Gravität. Das Pedal verfügt nur über zwei eigene Register: Subbass 16' und Schalmei 4'. Ausgerechnet die Trompete 8' ist nicht als Transmission im Pedal spielbar, das finde ich merkwürdig. Das Tutti klingt zungenlastig und dadurch etwas herb.
Es existieren zwei Manualkoppeln: HW-SW und SW-HW. Die Idee ist, auf dem HW eine Begleitung zu spielen und auf dem SW eine Melodie, die dann über die Koppel auch die Begleitregister mitspielt. Das funktioniert in der Praxis klanglich nicht so gut, weil das SW insgesamt zu defensiv ist.

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Ich habe an dieser Orgel die hässlichste Streicherschwebung meines Lebens gehört, sie klingt einfach nur verstimmt; es stellt sich nicht der übliche süßliche Waber-Effekt ein, sondern ein unangenehmer Klang. Da sollte man unbedingt die Schwebungsfrequenz ändern. Selbst wenn die Schwebung schön klänge, bringt sie wenig, weil es im HW außer dem Principal 8' keinerlei lyrische Solostimmen gibt. Diese Orgel hat mich nicht überzeugt. Interessant, wie stark sich in 20 Jahren die Ästhetik im Orgelbau verändert hat.

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Das Kirchenzentrum ist sehr einladend gestaltet, es gibt zwei Innengärten, ein Café, viele Räume für Gruppen. Die Organisten hat ein eigenes Büro. Sie hat täglich einen Gottesdienst zu spielen und ist stark beschäftigt. In der Kirche gibt es ca. 150 Konfirmanden pro Jahr; ich habe in vielen Kirchen gesehen, wie viele Taufen pro Jahr vorgenommen werden. Nach Aussage der dort Beschäftigten gibt es keine Kirchenkrise, es werden keine Gebäude geschlossen. Im Nachbarort plant man sogar eine neue (zusätzliche) Kirche.

Ein weiteres Beispiel für ein praktisches Kirchenzentrum (Kirchenraum ist mit nebenan liegendem Saal kombinierbar) ist die Korsvejskirken mit einer Orgel von 1979, die ich auch spielen durfte.

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Ein anderer Orgelbauer mit anderen klanglichen Prioritäten: Jetzt starke, helle Mixturen, dafür flötigere Prinzipale, also eher ein neobarockes Klangbild. Wieder kraftvolle Zungen. Die Disposition erlaubt es, ein Cornet zusammenzustellen und gegen die BW-Zunge zu spielen, auch ein Trio mit Pedal (alles eigenständig) ist möglich.

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In der Kirche steht auch ein Flügel und ein Cembalo; in vielen Kirchen haben wir zudem Truhenorgeln stehen sehen.

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Die Kirche in Kastrup wurde modern umgestaltet. Ich konnte mit den abgebildeten Gestalten nicht viel anfangen, den Bezug zur Theologie hat sich mir nicht erschlossen.

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Die Orgel besitzt für beide Manualwerke große Schwelltüren.

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