Weise-Special - Die frühe Orgel für Pleinting (Teil 2)

MCVL @, Samstag, 19. Juli 2025, 14:17 (vor 414 Tagen) @ MCVL

Nachdem Weise mehrere Punkte wie Mensurangaben in seinem Angebot nachgetragen hatte, wurde es erneut Haberl vorgelegt, der nun folgendes dazu zu sagen hatte:

Regensburg, den 6. März '99.

Ich habe den detailierten Kostenvoranschlag nochmals durchgesehen und finde denselben entsprechend und befriedigend. Die Hauptsache wird sein, wie die Intonation der einzelnen Register ausfällt und die Progression in derselben durchgeführt wird. Ich hoffe, daß der mir unbekannte Orgelbauer das projektierte Werk so ausführen wird, daß er trotz der niedrigen Preisansatzes nach mechanischer und musikalischer Seite gut besteht.

Weiters wurde von den Verantwortlichen auch noch der Passauer Domkapellmeister Clemens Bachstefel kontaktiert und ihm ebenfalls Weises Kostenvoranschlag vorgelegt. Dieser schrieb dazu am 17. Juni 1899 nach Pleinting:

Unterzeichneter hat den Kostenvoranschlag des angehenden Orgelbaumeisters Herrn Ig. Weise in Passau über eine neue Orgel für die Pfarrkirche in Pleinting eingehend geprüft und denselben bezüglich der Disposition, der technischen Ausführung und der Preisansätze im Großen und Ganzen übereinstimmend gerunden mit den über gleiche oder ähnliche Werke von alten, renomierten Orgelfabriken gefertigten Kostenvoranschlägen. Sachlich hat der Unterfertigte daher gegen den Bau des Werkes nichts Belangreiches vorzubringen. Betreffs der Person des Erbauers aber als einen Neuling im selbständigen Betriebe des Orgelbaues möchte derselbe bei aller Wertschätzung des in Aussicht genommenen Meisters zur Vorsicht raten und die Ausbezahlung und Annahme des fertig gestellten Werkes von Seiten der Kirchengemeinde Pleinting erst von der gut und erfolgreich bestandenen Orgelprüfung abhängig gemacht wissen.

Nun fand man sich in Pleinting hinreichend über Weises Qualifikationen informiert und reichte die Unterlagen zur Genehmigung des Orgelneubaus an das Bezirksamt Vilshofen ein, welches das Aktenkonvolut weiter an die Regierung nach Niederbayern sandte. Unter den Akten befand sich auch der nachfolgende Vertrag zwischen der Kirchenverwaltung Pleinting und Ignaz Weise:


[image]


Die Regierung in Landshut genehmigte den Neubau daraufhin anstandslos am 6. November 1899. Offenbar scheint die Fertigstellung der Orgel bis Ostern 1900 nicht mehr möglich gewesen zu sein, denn erst am 3. September 1900 konnte Pfarrer Preis nachstehendes Schreiben an das Bezirksamt Vilshofen richten:

Zu der heute nachm. 1/2 Uhr stattfindenden Orgelprobe, welche Dr. Haberl aus Regensburg vornimmt, beehre ich mich, ganz ergebenst einzuladen.

Im Heft Nr. 10 vom 1. Oktober des Jahrgangs 1900 der "Musica Sacra" berichtete Haberl dann auch prompt über die Orgel in Pleinting.

Wie es um den Erhaltungszustand der Orgel in Pleinting bestellt ist, kann ich nicht beantworten, vielleicht kennt jemand den heutigen Zustand. Jedenfalls ist das von Schott entworfene Gehäuse bis zum heutigen Tag in der Kirche vorhanden (drittes Bild, etwas nach unten scrollen): https://www.kirchen-galerie.de/de/?m=kirche&p=17189
Sollte die Orgel erhalten sein, wäre es jedenfalls höchst interessant, sie einmal näher zu untersuchen.

Ich hoffe, es hat wieder etwas gefallen. Nach den neuesten Funden (vielen herzlichen Dank nochmal dafür) kann ich mich nun womöglich noch um Orgelbauten der Firma Weise für Sachsen kümmern... Darüber aber an anderer Stelle demnächst mehr.


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