WEISE-Mania!
Cmcmcm1
, Ottobrunn, Montag, 07. Juli 2025, 11:39 (vor 427 Tagen)
bearbeitet von Cmcmcm1, Montag, 07. Juli 2025, 11:50
Ich habe den Eindruck das Forum braucht mal wieder einen Erlebnis-Bericht und was bietet sich da mehr an, als unser neuestes Dauer-Thema: NDdP war gestern -> WEISE ist angesagt! Und da passt es gerade gut, dass ich gestern wieder einen Weise-Thementag hatte:
Seit ein paar Jahren spiele ich jährlich Anfang Juli im niederbayerischen Frontenhausen zum Pfarrfest die Orgel im Hochamt. Wem Frontenhausen nichts sagt, der kennt das Ortsbild aus Film und Fernsehen unter dem Namen Niederkaltenkirchen aus der Kriminalkömödie um Polizeihauptmeister Eberhofer.
Auch der berühmte Kreisel wurde natürlich umfahren:
![[image]](images/uploaded/20250707084245686b8885e3725.jpg)
Unweit des hübschen Marktplatzes im Ortskern befindet sich die spätgotische Pfarrkirche St. Jakobus.
![[image]](images/uploaded/20250707084457686b8909b4edc.jpg)
Während der Chorraum wunderbar lichtdurchflutet ist, ist das Langhaus der Pseudobasilika aufgrund des fehlenden Obergadens relativ finster.
![[image]](images/uploaded/20250707093625686b95194e8f5.jpg)
![[image]](images/uploaded/20250707084711686b898fcf9e3.jpg)
Die erste größere Orgel der Kirche war eine Edenhofer (nicht Eberhofer!) aus dem Jahr 1869. Sie besaß folgende Disposition.
I. Manual
Bordun 16'
Principal 8'
Flauto dolce 8'
Gedeckt 8'
Gamba 8'
Octave 4'
Flauto amabile 4'
Quarte 2f 2 2/3' + 2'
Mixtur 5f 2'
Cornett 3f 4'
II. Manual
Geigenprincipal 8'
Salicional 8'
Flöte 4'
Pedal
Violonbass 16'
Subbass 16'
Principalbass 8'
![[image]](images/uploaded/20250707085306686b8af21a364.png)
In den 1930er Jahren wurde die Kirche zu klein, man entschloss sich für eine schlauchartige Verlängerung des Langhauses nach Westen. Die vorgelagerte hölzerne Orgelempore mitsamt der Edenhofer-Orgel wurde abgebrochen.
1936 lieferte die Firma Weise aus Plattling eine neue Orgel. Leider ist bisher kein Foto dieser Orgel aufgetaucht. Zeitzeugenberichten nach soll sie an Stahlträgern an der linken Emporenwand (zum Turm hin) aufgehängt gewesen sein. Die Disposition dieser ersten Weise-Orgel lautet wie folgt:
I Hauptwerk
Bordun 16'
Principal 8'
Hohlflöte 8'
Gedeckt 8'
Gamba 8'
Octave 4'
Mixtur 2 2/3'
II Schwellwerk
Geigenprincipal 8'
Bordun 8'
Salicional 8'
Aeoline 8'
Vox coelestis 8'
Fugara 4'
Traversflöte 4'
Cornett 3-5f
Pedal
Violonbass 16'
Subbass 16'
Zartbass 16'
Octavbass 8'
Von 1984 bis 1987 wurde die Pfarrkirche St. Jakobus erneut renoviert. Wie schon so oft schuf man Fakten, in dem man unter anderem die originalen Fußbodenplatten der Kirche herauswarf. Über den Frontenhausener Fußboden freute sich niemand anderes als ein gewisser Herr Dr. Lampl, der die Platten in der Zollingerhalle recyclete.
Die 1936er Weise fiel auch der Kirchenrenovierung zum Opfer und wurde 1987 durch einen Neubau derselben Firma ersetzt, die Disposition stammt aus der Feder von Eberhard Kraus:
I Hauptwerk
Quintade 16'
Prinzipal 8'
Rohrflöte 8'
Flute douce 8'
Oktave 4'
Gambetta 4'
Gemshörnlein 2'
Mixtur 6f 1 1/3'
Fagott 16'
Trompete 8'
II Schwellpositiv
Holzgedackt 8'
Prinzipal 4'
Flauto amabile 4'
Nachthorn 2'
Septsesquialter 3f 2 2/3' + 1 3/5' + 1 1/7'
Scharff 4f 1'
Clairon 4'
Pedal
Violonbass 16'
Subbass 16'
Oktavbass 8'
Bourdon 8'
Choralbass 4'
Rauschquinte 3f 2 2/3'
Posaune 16'
Hautbois 8'
![[image]](images/uploaded/20250707090514686b8dca33c1a.jpg)
Die auskragende Konsole unterhalb der Pedaltürme ist auf einer solch dämlichen Höhe, dass sie wirklich dazu einlädt sich den Kopf zu stoßen, zumal man genau dort vorbei muss, um die Empore zu betreten.
Aus dem Kirchenraum wirkt der Prospekt auf mich etwas unterproportioniert. Auch die Tatsache einen symmetrischen Prospekt außerhalb der Mittelachse der Kirche aufzustellen, empfinde ich persönlich etwas störend. Hier wäre m.E. entweder eine asymmetrische Lösung oder eine symmetrische Lösung in der Mittelachse der Kirche (sprich: am linken Emporenrand) stimmiger gewesen.
![[image]](images/uploaded/20250707090840686b8e983d105.jpg)
Was gibt es zu dem Instrument zu sagen? Erst einmal ist das Gehäuse relativ eng und damit wartungsunfreundlich
-> und das wieder einmal ohne Not, denn die Empore ist in der Tiefe riesig:
An dieser Wand soll die 1936er Weise gehangen haben. Abgeflexte Ansätze der Stahlträger sind noch zu erkennen.
![[image]](images/uploaded/20250707090824686b8e88194d3.jpg)
Hinter der Orgel ist nochmal ebensoviel Platz, der quasi ungenutzt ist:
(denkt man sich statt des braunen Weise-Gehäuses eine Jalousiewand in den Spitzbogen, kommen mir beim Anblick dieses Raums Tonhallenfantasien in den Kopf. Anton Feith hätte genau sowas gemacht)
![[image]](images/uploaded/20250707090918686b8ebe7aaa5.jpg)
![[image]](images/uploaded/20250707090942686b8ed636f1d.jpg)
Die Tiefe der Empore wird vor allem auch im Erdgeschoss deutlich, wenn man bedenkt, dass die Grundfläche identisch mit dem als Rosstausch bezeichneten Anbau aus den 30er Jahren ist.
![[image]](images/uploaded/20250707091017686b8ef9b1ec7.jpg)
![[image]](images/uploaded/20250707091036686b8f0c183d2.jpg)
Die Disposition zu kommentieren überlasse ich euch ;) Die Anzahl der Zungen jedenfalls ist beachtlich.
...wenn sie denn nur nutzbar wären. Die Orgel wurde nämlich zig Jahre überhaupt nicht gestimmt, und gerade die Zungen klingen wirklich diabolisch, aber auch z.B. die Flute douce 8' an sich ein Register mit schöner Klangfarbe ist in zahlreichen Tönen eine sehr unfreiwillige (und uneinheitliche) Schwebung zur Rohrflöte.
Ich hatte bereits Monate im Vorfeld angeregt man sollte sich bis zum Pfarrfest wenigstens um eine dringend notwendige Generalstimmung der Orgel kümmern. Man berichtete mir Stolz, die Orgel sei "gerichtet" und vom Schimmel gereinigt worden - und meinte damit auch eine Stimmung.
Entsprechend groß war dann meine Enttäuschung am Sonntagmorgen beim ersten Akkord festzustellen, dass überhaupt nichts gestimmt worden war. Die groß angekündigte Schimmelreinigung bezog sich, wie ich dann anschließend zwischen den Zeilen feststellte, lediglich auf das Entfernen von Schimmel im Spieltischbereich (immerhin!).
An dieser Stelle nochmal ein ausdrückliches Hoch auf die Septsesquialter - der Zungenersatz für harte Zeiten und in der Tat eine hübsche Klangfarbe der Weise-Orgel.
Der Spieltisch ist ok, aber im Vergleich zu Orgeln anderer Firmen der späten 80er Jahre könnte er auch zu einer 60er-Jahre-Orgel gehören. Die Orgelbank ist seit Jahren auf niedrigster Stufe und lässt sich nicht mehr höhenverstellen... Es darf halt eben alles nichts kosten.
![[image]](images/uploaded/20250707092128686b91987484e.jpg)
![[image]](images/uploaded/20250707092145686b91a9ba298.jpg)
![[image]](images/uploaded/20250707092159686b91b70fde0.jpg)
![[image]](images/uploaded/20250707092211686b91c36cd48.jpg)
![[image]](images/uploaded/20250707092227686b91d3d111a.jpg)
Nun noch ein Blick ins Pedalwerk mitsamt der beiden Zungen Posaune 16' und Hautbois 8'. Ein Unikum, das ich so noch in keiner anderen Disposition gelesen habe:
![[image]](images/uploaded/20250707092701686b92e5537e7.jpg)
![[image]](images/uploaded/20250707092732686b9304373a7.jpg)
Mein ganz persönliches und subjektives Fazit: Ungeachtet des Zustandes scheint mir das Instrument im Vergleich mit anderen Orgeln Baujahr ~ 1987 sowohl intonatorisch, als auch in der qualitativen Ausführung eher unterdurchschnittlich.
-------------------------------------------
Nachtrag: Ein kleinerer medizinischer Notfall führte mich am Nachmittag ungeplant in die Notaufnahme nach Straubing. Im Anschluss trat ich die Heimreise mit dem Zug an und die führte mich passenderweise zum Umstieg in....
![[image]](images/uploaded/20250707093217686b942195d1f.jpg)
...und so neigte sich ein ereignisreicher Weise-Thementag ungeplant aber passend dem Ende :)
WEISE-Mania!
elias.orgel, Montag, 07. Juli 2025, 11:51 (vor 426 Tagen) @ Cmcmcm1
Vielen Dank für den schönen Bericht...
Falls ich die Links übersehen habe bitte ich um Verzeihung...
-
https://organindex.de/index.php?title=Frontenhausen,_St._Jakob
-
https://de.wikipedia.org/wiki/St._Jakob_(Frontenhausen)
-
https://www.markt-frontenhausen.de/pfarrkirche-st-jakob-frontenhausen
--
Orgelspielen heißt: im Sitzen tanzen ...
... für Gott
WEISE-Mania!
fluteceleste
, Montag, 07. Juli 2025, 11:56 (vor 426 Tagen) @ Cmcmcm1
vielen Dank für den interessanten und schön bebilderten Bericht! Ich glaube, zum Thema Kraus müsste man noch einen eigenen Fred aufmachen, ich kenne von ihm entworfene schöne, und weniger schöne orgeln...dazu wäre Franz der Experte..
WEISE-Mania!
Dorforganist, Montag, 07. Juli 2025, 12:07 (vor 426 Tagen) @ fluteceleste
Ich glaube, zum Thema Kraus müsste man noch einen eigenen Fred aufmachen, ich kenne von ihm entworfene schöne, und weniger schöne orgeln...dazu wäre Franz der Experte..
Ja, der war schon ein paarmal Thema hier. Ich habe mir seine Dispo-Sammlungen gekauft und auch größtenteils gelesen. Ist schon praktisch, wenn der planende OSV auch das Abnahmegutachten erstellt und dabei die Disposition "über den Schellenkönig" lobt. Da bleibt alles gut in einer Hand...
WEISE-Mania!
Florian-L
, Montag, 07. Juli 2025, 13:42 (vor 426 Tagen) @ fluteceleste
vielen Dank für den interessanten und schön bebilderten Bericht! Ich glaube, zum Thema Kraus müsste man noch einen eigenen Fred aufmachen, ich kenne von ihm entworfene schöne, und weniger schöne orgeln...dazu wäre Franz der Experte..
CD-Empfehlung gefällig? Der Titel weckt eventuell falsche Erwartungen...
![[image]](https://m.media-amazon.com/images/I/71lOZTTM17L._UF894,1000_QL80_.jpg)
WEISE-Mania!
Dorforganist, Montag, 07. Juli 2025, 12:02 (vor 426 Tagen) @ Cmcmcm1
Den Prospekt an sich finde ich für Weise-Verhältnisse ganz ansprechend - aber die Aufstellung ist ja so was von daneben! Und bei der beschriebenen "Pflege" wird mir ganz schwummrig - ich glaube, ich lebe hier vergleichsweise im Paradies:
Der Orgelbauer sagt: "Da wird sich eine Falte im Hauptbalg in nächster Zeit auflösen" und darauf antwortet mir die Kirchenpflegerin: "Ich laß' da gleich mal einen Kostenvoranschlag einholen. Da darf man nicht schlampern!" Und ich kann sicher sein, daß das spätestens bei der nächsten Wartung repariert wird.
Warum fahren manche ihr Auto brav alle Intervalle zum Kundendienst, erwarten aber von einer Orgel, daß die immer ohne Pflege funktioniert? Oder ist es da einfach wurst, wenn die nicht mehr tut? Werde ich nie verstehen...
WEISE-Mania!
Cmcmcm1
, Ottobrunn, Montag, 07. Juli 2025, 12:07 (vor 426 Tagen) @ Dorforganist
Den Prospekt an sich finde ich für Weise-Verhältnisse ganz ansprechend - aber die Aufstellung ist ja so was von daneben! Und bei der beschriebenen "Pflege" wird mir ganz schwummrig - ich glaube, ich lebe hier vergleichsweise im Paradies:
Warum fahren manche ihr Auto brav alle Intervalle zum Kundendienst, erwarten aber von einer Orgel, daß die immer ohne Pflege funktioniert? Oder ist es da einfach wurst, wenn die nicht mehr tut? Werde ich nie verstehen...
Das trifft es tatsächlich sehr gut. Irgendwie tut sie ja, nicht schön, aber sie tut.
@elias: Vielen Dank für die Links, die hatte ich tatsächlich vergessen!
WEISE-Mania!
Friedrich
, Montag, 07. Juli 2025, 12:13 (vor 426 Tagen) @ Dorforganist
Den Prospekt an sich finde ich für Weise-Verhältnisse ganz ansprechend ...
Eigentlich eine Kopie von Walter Suppers Prospekt für die Tübinger Stiftskirche im verkleinerten Maßstab:
... und wegen des verbreiterten Rahmenwerks und der notwendigerweise weiteren Pfeifen deutlich plumper.
Die Zungenbesetzung ist wahrscheinlich kraussisch-kontrapunktisch gedacht:
HW Fagott 16 -- Pedal Oboe 8
HW Trompete 8 -- Pedal Posaune 16
Was ich sofort ausprobieren würden, wenn denn die Pfeifen gestimmt wären: was das Schwellpositiv mit dem Gesamtklang macht, wenn man Clairon und Septsesquialter hinein- und herausschwellt. Immerhin hat Krauss wohl den mäßigen Stimmwillen der Leute dort vorausgesehen und nur Vollbecherige disponiert.
WEISE-Mania!
Cmcmcm1
, Ottobrunn, Montag, 07. Juli 2025, 12:46 (vor 426 Tagen) @ Friedrich
Eigentlich eine Kopie von Walter Suppers Prospekt für die Tübinger Stiftskirche im verkleinerten Maßstab:
... und wegen des verbreiterten Rahmenwerks und der notwendigerweise weiteren Pfeifen deutlich plumper.
Die strukturelle Ähnlichkeit beider Prospekte ist verblüffend! Der Frontenhausener Prospekt soll von Dipl. Ing. Dr. Fritz Markmiller entworfen worden sein.
Was ich sofort ausprobieren würden, wenn denn die Pfeifen gestimmt wären: was das Schwellpositiv mit dem Gesamtklang macht, wenn man Clairon und Septsesquialter hinein- und herausschwellt. Immerhin hat Krauss wohl den mäßigen Stimmwillen der Leute dort vorausgesehen und nur Vollbecherige disponiert.
Habe ich schon ausprobiert, bringt tatsächlich etwas Glanz. Mich würde ja durchaus interessieren wie die 16'-8'-4' Zungenbatterie perfekt gestimmt klingen würde.
Supper-Mania!
fluteceleste
, Montag, 07. Juli 2025, 12:51 (vor 426 Tagen) @ Friedrich
bearbeitet von fluteceleste, Montag, 07. Juli 2025, 13:03
Den Prospekt an sich finde ich für Weise-Verhältnisse ganz ansprechend ...
Eigentlich eine Kopie von Walter Suppers Prospekt für die Tübinger Stiftskirche im verkleinerten Maßstab:
Hut ab, lieber Friedrich! Das ist mir tatsächlich nicht aufgefallen, obwohl ich die Supperin jahrelang sozusagen live vor Augen hatte..
![[image]](images/uploaded/20250707105148686ba6c49af4f.jpg)
![[image]](images/uploaded/20250707105421686ba75d52ee4.jpg)
WEISE-Mania!
Wolfgang Gourgé
, Montag, 07. Juli 2025, 12:51 (vor 426 Tagen) @ Cmcmcm1
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Montag, 07. Juli 2025, 13:09
...vielen Dank für die Fotoreportage!
Die 1936er Weise fiel auch der Kirchenrenovierung zum Opfer und wurde 1987 durch einen Neubau derselben Firma ersetzt, die Disposition stammt aus der Feder von Eberhard Kraus:
I Hauptwerk
Quintade 16'
Prinzipal 8'
Rohrflöte 8'
Flute douce 8'
Oktave 4'
Gambetta 4'
Gemshörnlein 2'
Mixtur 6f 1 1/3'
Fagott 16'
Trompete 8'
....das immerhin ist positiv: eine 16'-Zunge im Hauptwerk.
Aus dem Kirchenraum wirkt der Prospekt auf mich etwas unterproportioniert. Auch die Tatsache einen symmetrischen Prospekt außerhalb der Mittelachse der Kirche aufzustellen, empfinde ich persönlich etwas störend. Hier wäre m.E. entweder eine asymmetrische Lösung oder eine symmetrische Lösung in der Mittelachse der Kirche (sprich: am linken Emporenrand) stimmiger gewesen.
...leider schon auf den ersten Blick der klassische "katholische Fehler": die Orgel steht viel zu weit hinten, geradezu "im Loch". Das wird auch auf den anderen Fotos, die die Orgel von hinten zeigen, sofort deutlich. Und zwar wirklich *viel* zu weit. Dass es da einen Gesichtspunkt gibt, der sich "Akustik" nennt und gemeinhin beim Orgelbau gelegentlich doch eine nicht ganz nachgeordnete Rolle spielt, ist in manchen Milieus bis heute noch nicht angekommen.....
Hinter der Orgel ist nochmal ebensoviel Platz, der quasi ungenutzt ist:
(denkt man sich statt des braunen Weise-Gehäuses eine Jalousiewand in den Spitzbogen, kommen mir beim Anblick dieses Raums Tonhallenfantasien in den Kopf. Anton Feith hätte genau sowas gemacht)
...allerdings. In jedem Fall aber eine weiter vorne plazierte Orgel....
Die Disposition zu kommentieren überlasse ich euch ;) Die Anzahl der Zungen jedenfalls ist beachtlich.
...wenn sie denn nur nutzbar wären. Die Orgel wurde nämlich zig Jahre überhaupt nicht gestimmt, und gerade die Zungen klingen wirklich diabolisch, aber auch z.B. die Flute douce 8' an sich ein Register mit schöner Klangfarbe ist in zahlreichen Tönen eine sehr unfreiwillige (und uneinheitliche) Schwebung zur Rohrflöte.
Ich hatte bereits Monate im Vorfeld angeregt man sollte sich bis zum Pfarrfest wenigstens um eine dringend notwendige Generalstimmung der Orgel kümmern. Man berichtete mir Stolz, die Orgel sei "gerichtet" und vom Schimmel gereinigt worden - und meinte damit auch eine Stimmung.
Entsprechend groß war dann meine Enttäuschung am Sonntagmorgen beim ersten Akkord festzustellen, dass überhaupt nichts gestimmt worden war. Die groß angekündigte Schimmelreinigung bezog sich, wie ich dann anschließend zwischen den Zeilen feststellte, lediglich auf das Entfernen von Schimmel im Spieltischbereich (immerhin!).
...ich glaube, ich hab's hier schonmal geschrieben - Dialog in "meiner" Kirche, 2014, ein Herr aus Pfarrgemeinderat/Kirchenvorstand mit mir vor der Orgel, ich: "...Sie sollten mal an eine Reinigung denken, die Orgel wird bald 30 Jahre alt. "- Er: "....uh! Wat kost' sowas denn?" - Ich: "...naja, rechnen Sie mal mit 30.00 - 40.000, so als ersten Ansatz..." - Er: "...oh, das ist zu teuer! Da kaufen wir gleich 'ne Neue!" - Ich: "....ehm....Sie wissen, was eine solche Orgel (23 Register, hochwertig gebaut) heute kosten würde?" - Er: "...nö, keine Ahnung!" Ich: "...rechnen Sie mal mit 500.000 aufwärts." (2014er Preise, ganz ungefähr.) - Er: "...wat denn, so teuer is das? Da lohnt sich die Reinigung ja!" - Ich: "...oh ja, durchaus...." - Natürlich ist nichts gemacht worden außer den üblichen jährlichen Wartungen; inzwischen soll die Orgel verkauft und die Kirche profaniert werden. - Mit solchen Leuten hat man's da zu tun. Ok, es ist verständlich, wenn jemand keine Ahnung hat, habe ich von vielen Dingen auch nicht. Nur: man könnte ja vielleicht mal jemanden fragen, der welche hat - und vielleicht auch sagen (und beurteilen) kann, was nötig ist und ob es gemacht wurde. Für viele normale Kirchenbesucher besteht eine Orgel nur aus den vorne sichtbaren Pfeifen. Über die komplexe (und teure) technische Anlage dahinter weiss man nichts, noch weniger darüber, dass die sichtbaren Pfeifen nur einen kleinen (und oft nicht mal klingenden) Bruchteil der tatsächlichen Pfeifenzahl ausmachen. Als ich dem Hausmeister der o.g. Kirche, deren Orgel jetzt verkauft werden soll, neulich das Instrument erklärte, war er komplett verblüfft - die Keilbalganlage war für ihn bloß "so ein Regal", dass das technisch was mit dem Instrument zu tun hatte, wusste er nicht.
An dieser Stelle nochmal ein ausdrückliches Hoch auf die Septsesquialter - der Zungenersatz für harte Zeiten und in der Tat eine hübsche Klangfarbe der Weise-Orgel.
Der Spieltisch ist ok, aber im Vergleich zu Orgeln anderer Firmen der späten 80er Jahre könnte er auch zu einer 60er-Jahre-Orgel gehören. Die Orgelbank ist seit Jahren auf niedrigster Stufe und lässt sich nicht mehr höhenverstellen... Es darf halt eben alles nichts kosten.
....ja, für die 1980er Jahre ein völlig verjährtes Layout, aber sowas von, inklusive der wirklich billig-scheußlichen Plastikwippen, die nach 1950er-Elektropneumatik im letzten niederbayerischen Winkel aussehen... *Grusel*...
Nun noch ein Blick ins Pedalwerk mitsamt der beiden Zungen Posaune 16' und Hautbois 8'. Ein Unikum, das ich so noch in keiner anderen Disposition gelesen habe:
....Zungen von Giesecke. Die Oboe macht an dieser Stelle wenig Sinn - eine möglichst grundtönige Trompete 8' dagegen viel mehr.
Mein ganz persönliches und subjektives Fazit: Ungeachtet des Zustandes scheint mir das Instrument im Vergleich mit anderen Orgeln Baujahr ~ 1987 sowohl intonatorisch, als auch in der qualitativen Ausführung eher unterdurchschnittlich.
...Du könntest glatt als Diplomat anfangen...vielleicht noch etwas "polierter": "Das Instrument erweist sich konzeptionell wie in Gestaltung, Plazierung und konkreter Ausführung in Material und Verarbeitung als epochentypische Vertreterin der ländlich-regionalspezifischen Prioritätensetzung im damaligen Orgelbau in der Diözese Regensburg außerhalb deren kirchenmusikalischer Zentren."....
PS.: gerade fällt mir dazu eine passende Formulierung des OSV der Nordkirche Hans-Martin Petersen ein, die auch neulich bei der gemeinsamen VOD/BDO-Tagung in Lübeck von ihm wieder zu hören war: er sprach vom "Versorgungs-Orgelbau" der Nachkriegszeit, natürlich insbesondere durch die Lübecker Firma Kemper, sprich: viel schnell gebaute Orgeln für wenig Geld in entsprechender "Qualität". Mir scheint, in mancher bayerischen Region hat die Nachkriegszeit noch ein wenig länger gedauert (und ist dort möglicherweise bis heute nicht zu Ende...), wobei der "Versorgungsorgelbau" aus heutiger Sicht längst zum "Entsorgungsorgelbau" mutiert ist...
WEISE-Mania!
fluteceleste
, Montag, 07. Juli 2025, 12:59 (vor 426 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
....Zungen von Giesecke. Die Oboe macht an dieser Stelle wenig Sinn - eine möglichst grundtönige Trompete 8' dagegen viel mehr.
Eigentlich ruft die Oboe ja nach Versetzung ins SW.. muss man halt etwas kröpfen :D
Wenn man das Clairon dafür opferte, hätte man vermutlich mehr Freude, denn nutzbar dürfte jenes kaum sein, wenn man nicht dauernd stimmen will..dann verlängern wir das Clairon mit einer tiefen Poweroktave und fertig ist die Pedaltrompete ..
WEISE-Mania!
Cmcmcm1
, Ottobrunn, Montag, 07. Juli 2025, 13:06 (vor 426 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
...allerdings. In jedem Fall aber eine weiter vorne plazierte Orgel....
Mit solchen Leuten hat man's da zu tun. Ok, es ist verständlich, wenn jemand keine Ahnung hat, habe ich von vielen Dingen auch nicht. Nur: man könnte ja vielleicht mal jemanden fragen, der welche hat - und vielleicht auch sagen (und beurteilen) kann, was nötig ist und ob es gemacht wurde. Für viele normale Kirchenbesucher besteht eine Orgel nur aus den vorne sichtbaren Pfeifen. Über die komplexe (und teure) technische Anlage dahinter weiss man nichts, noch weniger darüber, dass die sichtbaren Pfeifen nur einen kleinen (und oft nicht mal klingenden) Bruchteil der tatsächlichen Pfeifenzahl ausmachen.
Genau aus diesem Grund habe ich gestern Mittag anlässlich des Pfarrfestes zur Aufklärung auch noch eine Orgelführung gegeben (wie im Übrigen auch schonmal vor zwei Jahren).
An der Einstellung der Pfarrei hinsichtlich der Pflege hat das allerdings bisher noch nicht viel geändert.
...Du könntest glatt als Diplomat anfangen...vielleicht noch etwas "polierter": "Das Instrument erweist sich konzeptionell wie in Gestaltung, Plazierung und konkreter Ausführung in Material und Verarbeitung als epochentypische Vertreterin der ländlich-regionalspezifischen Prioritätensetzung im damaligen Orgelbau in der Diözese Regensburg außerhalb deren kirchenmusikalischer Zentren."....
Herrlich! Besser könnte man's nicht schreiben ;)
WEISE-Mania!
Wolfgang Gourgé
, Montag, 07. Juli 2025, 13:25 (vor 426 Tagen) @ Cmcmcm1
...allerdings. In jedem Fall aber eine weiter vorne plazierte Orgel....
Mit solchen Leuten hat man's da zu tun. Ok, es ist verständlich, wenn jemand keine Ahnung hat, habe ich von vielen Dingen auch nicht. Nur: man könnte ja vielleicht mal jemanden fragen, der welche hat - und vielleicht auch sagen (und beurteilen) kann, was nötig ist und ob es gemacht wurde. Für viele normale Kirchenbesucher besteht eine Orgel nur aus den vorne sichtbaren Pfeifen. Über die komplexe (und teure) technische Anlage dahinter weiss man nichts, noch weniger darüber, dass die sichtbaren Pfeifen nur einen kleinen (und oft nicht mal klingenden) Bruchteil der tatsächlichen Pfeifenzahl ausmachen.
Genau aus diesem Grund habe ich gestern Mittag anlässlich des Pfarrfestes zur Aufklärung auch noch eine Orgelführung gegeben (wie im Übrigen auch schonmal vor zwei Jahren).
An der Einstellung der Pfarrei hinsichtlich der Pflege hat das allerdings bisher noch nicht viel geändert.
...Du könntest glatt als Diplomat anfangen...vielleicht noch etwas "polierter": "Das Instrument erweist sich konzeptionell wie in Gestaltung, Plazierung und konkreter Ausführung in Material und Verarbeitung als epochentypische Vertreterin der ländlich-regionalspezifischen Prioritätensetzung im damaligen Orgelbau in der Diözese Regensburg außerhalb deren kirchenmusikalischer Zentren."....
Herrlich! Besser könnte man's nicht schreiben ;)
...hab' ich mir bei Rainer Günzler abgeguckt/-gehört. Der hätte mit seiner sonoren Stimme aus dem geöffneten Seitenfenster das TV-Volk auch mit Weisheiten beglücken können wie "Auch der skeptische Betrachter sieht sich zu dem Zugeständnis genötigt, dass sich der Trend zu vier Rädern in den vergangenen Jahrzehnten unübersehbar zu einer festen Größe sowohl in der europäischen als auch der amerikanischen Automobilindustrie entwickelt hat, und die Entwickler des neuen Forpel Taunomat GLS haben konsequenterweise keinen Grund gesehen, sich diesem inzwischen vielfach bewährten und bei den Autokäufern beliebten Prinzip zu entsagen", und man hätte ihm jedes Wort von den Lippen abgelesen.
Schade, dass der nichts mit Orgeln am Hut hatte. Jede Woche so ein Orgeltest, das wär's gewesen - und das Instrument wäre heute ungleich populärer. Und die Gutachten obendrein viel besser formuliert....;--).....
WEISE-Mania!
Cmcmcm1
, Ottobrunn, Montag, 07. Juli 2025, 13:18 (vor 426 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
Aus dem Kirchenraum wirkt der Prospekt auf mich etwas unterproportioniert. Auch die Tatsache einen symmetrischen Prospekt außerhalb der Mittelachse der Kirche aufzustellen, empfinde ich persönlich etwas störend. Hier wäre m.E. entweder eine asymmetrische Lösung oder eine symmetrische Lösung in der Mittelachse der Kirche (sprich: am linken Emporenrand) stimmiger gewesen.
...leider schon auf den ersten Blick der klassische "katholische Fehler": die Orgel steht viel zu weit hinten, geradezu "im Loch". Das wird auch auf den anderen Fotos, die die Orgel von hinten zeigen, sofort deutlich. Und zwar wirklich *viel* zu weit. Dass es da einen Gesichtspunkt gibt, der sich "Akustik" nennt und gemeinhin beim Orgelbau gelegentlich doch eine nicht ganz nachgeordnete Rolle spielt, ist in manchen Milieus bis heute noch nicht angekommen.....
hier Mal eine nicht ganz ernstgemeinte Vorstellung von drei älteren Spielereien mit Photoshop:
Modell Neugotik
![[image]](images/uploaded/20250707111554686bac6ac6c4f.png)
Modell Tonhallenorgel im Generalschweller
![[image]](images/uploaded/20250707111605686bac7514d7d.png)
Modell Vilstaler Domorgel
![[image]](images/uploaded/20250707111637686bac9576d39.png)
WEISE-Mania!
MCVL
, Montag, 07. Juli 2025, 14:44 (vor 426 Tagen) @ Cmcmcm1
bearbeitet von MCVL, Montag, 07. Juli 2025, 14:51
Vielen herzlichen Dank für Deinen Bericht. Ergänzen kann ich den Orgelmeldebogen von 1944 für Frontenhausen; für den Orgelbau 1937 wurde offenbar einiges an Material aus der Vorgängerorgel verwendet. Über die 1914 bzw. 1923 ausgeführten Arbeiten liegen mir keine Informationen vor.
WEISE-Mania!
Cmcmcm1
, Ottobrunn, Montag, 07. Juli 2025, 17:15 (vor 426 Tagen) @ MCVL
Vielen Dank für die Unterlagen!
Da liegt die Vermutung nahe, dass auch in der heutigen Orgel noch viel Material aus Weise 1937 bzw. evtl. Edenhofer 1869 drin sein könnte.
Alle drei Instrumente besaßen einen Violon 16', ob der vielleicht sogar noch von Edenhofer ist?
Jedenfalls sollte ich mir beim nächsten Mal vielleicht doch mehr Zeit nehmen und auch das Pfeifenwerk der Manualwerke anschauen und dokumentieren.
WEISE-Mania!
Cmcmcm1
, Ottobrunn, Montag, 07. Juli 2025, 17:46 (vor 426 Tagen) @ MCVL
@Mark damit dürfte das Baujahr der ersten Weise tatsächlich gesichert 1937 und nicht 1936 sein, oder? Dann werde ich das auf Organindex abändern.
WEISE-Mania!
MCVL
, Montag, 07. Juli 2025, 18:33 (vor 426 Tagen) @ Cmcmcm1
@Mark damit dürfte das Baujahr der ersten Weise tatsächlich gesichert 1937 und nicht 1936 sein, oder? Dann werde ich das auf Organindex abändern.
Ich schaue später nach, ob das nicht sogar eine Orgel ist, von der ich die Opusnumner habe, dann sind wir auf der sicheren Seite. Ansonsten sind die Datierungen betreffend 1930er Jahre in den Regensburger Orgelmeldebogen sehr zuverlässig.
WEISE-Mania!
Cmcmcm1
, Ottobrunn, Montag, 07. Juli 2025, 20:02 (vor 426 Tagen) @ MCVL
Der Frontenhausener Lokalhistoriker Josef Wunderlich schrieb mir zu der Person Otto Bauer, die auf dem Orgelmeldebogen als Chorregent vermerkt ist:
"Der Organist Otto Bauer war Hauptlehrer und vor allem Ortsgruppenleiter der NSDAP von 1938 bis Kriegsende und Leiter der Liedertafel"
Die Recherche nach einem Foto der 1937er Weise läuft derzeit vor Ort - ich bin gespannt, ob sich noch Eines finden lässt!
WEISE-Mania!
MCVL
, Montag, 07. Juli 2025, 22:25 (vor 426 Tagen) @ Cmcmcm1
Der Frontenhausener Lokalhistoriker Josef Wunderlich schrieb mir zu der Person Otto Bauer, die auf dem Orgelmeldebogen als Chorregent vermerkt ist:
"Der Organist Otto Bauer war Hauptlehrer und vor allem Ortsgruppenleiter der NSDAP von 1938 bis Kriegsende und Leiter der Liedertafel"
Die Recherche nach einem Foto der 1937er Weise läuft derzeit vor Ort - ich bin gespannt, ob sich noch Eines finden lässt!
Wenn du dort schon gräbst, versuche doch einmal in Erfahrung zu bringen, ob eventuell die Opusnummer noch jemandem bekannt ist.
Bei mir ist sie momentan zwischen Opus 407 (Partenkirchen St. Anton) und 409 (Wörth an der Isar) eingetragen.
WEISE-Mania!
Cmcmcm1
, Ottobrunn, Freitag, 11. Juli 2025, 18:12 (vor 422 Tagen) @ MCVL
bearbeitet von Cmcmcm1, Freitag, 11. Juli 2025, 18:18
Heute kam eine Mail aus Frontenhausen. Man zeigt sich dort sehr interessiert und gräbt zurzeit nochmal im Pfarrarchiv nach Infos zur alten Weise-Orgel.
Leider ist immer noch kein Foto aufgetaucht und auch die Opusnummer ist noch nicht gefunden, aber dafür das Kraus-Gutachten vom 2. April 1984 sowie die Festschrift zur Orgelweihe vom 6. Dezember 1987.
Dem Gutachten von Kraus ist zu entnehmen, dass die alte Weise-Orgel tatsächlich an der linken Seitenwand der Empore aufgestellt/-gehängt gewesen war.
Des Weiteren nennt Kraus explizit die Stand 1984 erhaltenen Edenhofer-Register, allerdings mit dem Verweis, dass die Holzpfeifen von Edenhofer stark von Wurm befallen und daher eher für einen Neubau nicht wiederzuverwenden seien.
Von Edenhofer 1869 stammten demnach noch folgende Register:
In I: Bourdon 16', Hohlflöte 8', Gedeckt 8', Oktav 4', Mixtur
in II: Traversflöte 4', Cornett
Die Gamba 8' sei aus fremdem alten Pfeifenmaterial gewesen. Der Violon 16' wird in der Auflistung nicht explizit erwähnt. In der Kraus'schen Wiedergabe der 1937er Disposition wird als Material für den Violon 16' Zink genannt, im Widerspruch zum heutigen Violon 16', der aus Holz ist (siehe rückseitiges Foto der Orgel). Ob Weise 1987 einen neuen Violon gebaut hat, oder gar einen gebrauchten in Frontenhausen eingebaut?
WEISE-Mania!
MCVL
, Freitag, 11. Juli 2025, 22:22 (vor 422 Tagen) @ Cmcmcm1
Vielen Dank für deine weiteren Ergänzungen. Ich hoffe ja, daß das Weise-Amgebot sich noch auffinden lässt. Sollte es sich nicht in einem Orgelakt befinden, ein Tip: es kann gut möglich sein, daß es in den Beilagen zu den Kirchenrechnungen der Jahrgänge 1936/37 oder 1937/38 abgelegt ist.
Schwierig einzuschätzen auf den Fotos, ob der Violon alt ist. Wie du ausführst, kann es sich natürlich auch um ein Gebrauchtregister aus Weises Fundus handeln.
Schön, daß du dich des Themas Frontenhausen so annimmst. Nicht weit davon dürfte doch Jägerndorf liegen? Weiß jemand, ob die dortige Weise von 1929 noch existiert?
Übrigens, weil es gerade so gut passt: übernächste Woche verbringe ich jeweils noch einen Tag im Bistumsarchiv Passau und im Staatsarchiv Amberg, in letzterem sehe ich noch gut 30 Akten der Regierung der Oberpfalz - Kammer des Innern zu den bis etwa 1928 für die Oberpfalz gebauten Weise-Orgeln durch.
WEISE-Mania!
Cmcmcm1
, Ottobrunn, Samstag, 12. Juli 2025, 12:42 (vor 421 Tagen) @ MCVL
bearbeitet von Cmcmcm1, Samstag, 12. Juli 2025, 21:45
Vielen Dank für deine weiteren Ergänzungen. Ich hoffe ja, daß das Weise-Amgebot sich noch auffinden lässt. Sollte es sich nicht in einem Orgelakt befinden, ein Tip: es kann gut möglich sein, daß es in den Beilagen zu den Kirchenrechnungen der Jahrgänge 1936/37 oder 1937/38 abgelegt ist.
Den Tipp habe ich weitergegeben. Man scheint vor Ort sehr interessiert zu sein - ich erhalte quasi täglich Updates per Mail mit neuen Dokumenten.
Nun sind immerhin schon zwei Fotos von 1936 VOR dem Einbau der Weise-Orgel, also unmittelbar nach der Erweiterung der Kirche mit noch leerer Empore, aufgetaucht. Wenn es selbst davon Fotos gibt, da muss doch auch mal irgendwer zwischen 1937 und 1984 mal mit der Kamera nach hinten auf den Auslöser gedrückt haben...
Das Rundfenster wurde übrigens bei der Kirchenerweiterung bewusst nicht zerstört, sondern in die neue Rückwand wiedereingebaut. Leider kann man es heute nur noch sehen, wenn man hinter der Orgel steht. Die beiden folgenden Fotos geben einen Eindruck davon, wie dieses Rundfenster die Mittelachse der Kirche betont.
![[image]](images/uploaded/2025071210420768723bff0ef84.png)
![[image]](images/uploaded/2025071210421468723c066ea0e.png)
Und noch ein Zeitungsfund zu Edenhofer (3. Januar 1870):
![[image]](images/uploaded/2025071210424768723c278f1df.png)
WEISE-Mania!
Stimmeisen, Samstag, 12. Juli 2025, 12:53 (vor 421 Tagen) @ Cmcmcm1
![[image]](images/uploaded/2025071210515468723e4a14286.jpg)
![[image]](images/uploaded/2025071210521668723e60a12bf.jpg)
![[image]](images/uploaded/2025071210523768723e7592f2e.jpg)
![[image]](images/uploaded/2025071210525468723e86e1e17.jpg)
WEISE-Mania!
ThoFi, Samstag, 12. Juli 2025, 17:34 (vor 421 Tagen) @ Stimmeisen
Interessant: Streichquartett mit drei Leuten..????
Thomas
WEISE-Mania!
MCVL
, Samstag, 12. Juli 2025, 22:16 (vor 421 Tagen) @ Stimmeisen
Vielen Dank für die Festschrift! Schön, daß die Orgelgeschichte doch ihren Platz darin gefunden hat.
WEISE-Mania!
Cmcmcm1
, Ottobrunn, Samstag, 12. Juli 2025, 22:21 (vor 421 Tagen) @ MCVL
Vielen Dank für die Festschrift! Schön, daß die Orgelgeschichte doch ihren Platz darin gefunden hat.
Allerdings! Aber für die Fußtonzahlen in der neuen Dispo war man sich dann zu Schade ;)
Krauss: Flûte douce? (war: WEISE-Mania!)
Friedrich
, Montag, 07. Juli 2025, 16:10 (vor 426 Tagen) @ Cmcmcm1
Frage an die Kraussauskenner: Was ist eine Flûte douce bei ihm? Ich habe den Registernamen in mindestens einer anderen Krauss-Disposition gelesen und frage mich, was er damit meint. In der Frontenhausen-Disposition geht es ihm offenkundig darum, möglichst viele unterschiedliche Bauweisen unterzubringen. Quintade, Rohrflöte, Gedackt, Gambette und Violon, Flauto amabile (Gedacktflöte?), Gemshorn, Nachthorn. Flûte douce könnte eine enge offene Flöte sein oder ein Lieblich Gedackt (neben der Rohrflöte), eine Art Dolce, also trichterförmig-eng, was zum Gedanken der großen Palette passen würde ...
Wer kann Auskunft geben?
Krauss: Flûte douce? (war: WEISE-Mania!)
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Montag, 07. Juli 2025, 16:51 (vor 426 Tagen) @ Friedrich
Frage an die Kraussauskenner: Was ist eine Flûte douce bei ihm? Ich habe den Registernamen in mindestens einer anderen Krauss-Disposition gelesen und frage mich, was er damit meint. In der Frontenhausen-Disposition geht es ihm offenkundig darum, möglichst viele unterschiedliche Bauweisen unterzubringen. Quintade, Rohrflöte, Gedackt, Gambette und Violon, Flauto amabile (Gedacktflöte?), Gemshorn, Nachthorn. Flûte douce könnte eine enge offene Flöte sein oder ein Lieblich Gedackt (neben der Rohrflöte), eine Art Dolce, also trichterförmig-eng, was zum Gedanken der großen Palette passen würde ...
Wer kann Auskunft geben?
Bei der Gambetta ist mir eher nach der da.
Krauss: Flûte douce? (war: WEISE-Mania!)
Friedrich
, Montag, 07. Juli 2025, 16:53 (vor 426 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Gambetta - honni soit qui mal y pense
Dorforganist, Montag, 07. Juli 2025, 17:07 (vor 426 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Krauss: Flûte douce? (war: WEISE-Mania!)
Cmcmcm1
, Ottobrunn, Montag, 07. Juli 2025, 17:13 (vor 426 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Krauss: Flûte douce? (war: WEISE-Mania!)
Cmcmcm1
, Ottobrunn, Montag, 07. Juli 2025, 17:11 (vor 426 Tagen) @ Friedrich
Leider war ich im Hauptwerk gar nicht drin bisher, d.h. ich kann nur Auskunft über den Klang der Flute douce geben.
Es ist eine dem Namen entsprechende weiche, runde, obertonarme Flöte - beinahe romantisch!
Würde vom Klang her eher auf eine offene Bauweise tippen, aber kann es nicht abschließend sagen, weil ich das Pfeifenwerk nicht gesehen habe.
Krauss: Flûte douce? (war: WEISE-Mania!)
Friedrich
, Montag, 07. Juli 2025, 17:46 (vor 426 Tagen) @ Cmcmcm1
Leider war ich im Hauptwerk gar nicht drin bisher, d.h. ich kann nur Auskunft über den Klang der Flute douce geben.
Es ist eine dem Namen entsprechende weiche, runde, obertonarme Flöte - beinahe romantisch!
Würde vom Klang her eher auf eine offene Bauweise tippen, aber kann es nicht abschließend sagen, weil ich das Pfeifenwerk nicht gesehen habe.
Danke!
Krauss: Flûte douce? (war: WEISE-Mania!)
Cmcmcm1
, Ottobrunn, Montag, 07. Juli 2025, 17:48 (vor 426 Tagen) @ Friedrich
Gerne!
Und wie schon gesagt müsste sie derzeit eigentlich eher Flute celeste heißen, denn sie ist sozusagen die Flötenschwebung zur Rohrflöte ;)
Mich würde interessieren, ob die Flûte douce eventuell tatsächlich noch von Edenhofer 1869 sein könnte, jedenfalls besaß die Edenhofer eine Flauto dolce 8'.
Kraus vs. Krauss
Florian-L
, Montag, 07. Juli 2025, 19:23 (vor 426 Tagen) @ Friedrich
Edenhofer (war: WEISE-Mania!)
Cmcmcm1
, Ottobrunn, Montag, 07. Juli 2025, 17:56 (vor 426 Tagen) @ Cmcmcm1
Anbei habe ich noch Pläne der alten Edenhofer-Orgel von 1869 beizusteuern. Offenbar war die Orgel zweiteilig geplant, um das Rundfenster freizulassen, wurde dann aber letztendlich doch als einteiliges Werk ausgeführt, wie das Foto im ersten Beitrag beweist.
![[image]](images/uploaded/20250707155537686bedf96560d.png)
![[image]](images/uploaded/20250707155546686bee0245ede.png)
Das Rundfenster existiert übrigens bis heute: Bei der Erweiterung in den 30er Jahren war es wohl zur Auflage gemacht worden, dass das Rundfenster aus der abgebrochenen alten Westwand der Kirche wieder in die neue Westwand integriert werden müsse.
Aus dem Kirchenraum ist es heute trotzdem nicht zu sehen, aber es beleuchtet eben jenen Raum hinter der Orgel.
WEISE-Mania!
Gerd, Montag, 07. Juli 2025, 19:22 (vor 426 Tagen) @ Cmcmcm1
Liebe Foristen,
direkt zur Weise-Orgel habe ich leider nichts zu berichten, außer dass
der Eindruck einer eher stiefmütterlichen Aufstellung im Kirchenraum
besteht.
Doch ist bei dem Besuch Frontenhausens, der sich bei einer Durchfahrt zu einem Orgelprojekt zufällig ergab, folgendes kleines Ortsvideo entstanden. Leider nicht Musik der Weise, sondern
eine Schmid-Weigle-Orgel aus der Oberpfalz:
WEISE-Mania!
MCVL
, Montag, 07. Juli 2025, 19:39 (vor 426 Tagen) @ Gerd
eine Schmid-Weigle-Orgel aus der Oberpfalz:
In der anderen Hälfte dieser Doppelstadt müsste meines Wissens noch eine historische kleine Weise-Orgel von 1925 in der sogenannten "Klosterkirche" stehen...
WEISE-Mania!
fluteceleste
, Montag, 07. Juli 2025, 19:45 (vor 426 Tagen) @ MCVL
bearbeitet von fluteceleste, Montag, 07. Juli 2025, 19:51
WEISE-Mania!
MCVL
, Montag, 07. Juli 2025, 20:01 (vor 426 Tagen) @ fluteceleste
Wie die Orgel 1925 genau aufgestellt wurde, kann ich nicht sagen, vielleicht kann jemand mit Ortskenntnissen hier aufklären.
WEISE-Mania!
Regermann
, Oberpfalz, Montag, 07. Juli 2025, 22:19 (vor 426 Tagen) @ MCVL
Die Orgel geht auf einen Neubau von Andreas Weiss (1756, 6/I/P) für die Lorettokapelle auf dem Annaberg zurück. 1843 wurde sie von Friedrich Specht nach St. Hedwig transferiert. 1910 renovierte Strebel, 1923 lieferte Weise einen Neubau mit pneumatischen Trakturen (5/I). Später gab es noch einen Umbau durch Johannes Schädler.
--
freundliche Grüße, Regermann
WEISE-Mania!
MCVL
, Montag, 07. Juli 2025, 22:20 (vor 426 Tagen) @ Regermann
Die Orgel geht auf einen Neubau von Andreas Weiss (1756, 6/I/P) für die Lorettokapelle auf dem Annaberg zurück. 1843 wurde sie von Friedrich Specht nach St. Hedwig transferiert. 1910 renovierte Strebel, 1923 lieferte Weise einen Neubau mit pneumatischen Trakturen (5/I). Später gab es noch einen Umbau durch Johannes Schädler.
Danke für diese Hinweise. Wo ist denn die Weise-Orgeln genau untergebracht?
WEISE-Mania!
Stimmeisen, Dienstag, 08. Juli 2025, 08:37 (vor 426 Tagen) @ MCVL
Hier die Original - Disposition:
Manual (C-f''')
Principal 8'
Gedeckt 8'
Gamba 8'
Salicional 8'
Violine 4'
Pedal (C-d')
Subbaß 16'
Ober- und Unteroktavkoppel für das Manual, Pedalkoppel
Ich kann mich schwach erinnern, daß beim Umbau vor ca. 20 Jahren einer der Streicher dran glauben mußte und durch ein gebrauchtes Register der frisch abgebrochenen Weise - Orgel (1960, III/40) der benachbarten Marienkirche Sulzbach ersetzt wurde.
Die chromatische Membranenladen liegen sehr tief. Die großen Pfeifen stehen hinter den seitlichen Prospekt - "Erweiterungen", weswegen man hinter den Prospektpfeifen kein Innenleben sieht.
Übrigens:
Solange hier tolle Leute wie z.B. MCVL und Cmcmcm1 höchst engagiert, fachlich kompetent und sachlich ihre Forschungsergebnisse dankenswerterweise mit uns allen teilen, wird mir eine Accountlöschung nicht in den Sinn kommen.
WEISE-Mania!
Stimmeisen, Dienstag, 08. Juli 2025, 08:48 (vor 426 Tagen) @ Stimmeisen
WEISE-Mania!
fluteceleste
, Dienstag, 08. Juli 2025, 12:40 (vor 425 Tagen) @ Stimmeisen
Vielen Dank für die ergänzenden Infos, ich habe mal einen Eintrag dazu angelegt.
https://organindex.de/index.php?title=Sulzbach-Rosenberg,_Klosterkirche_St._Hedwig
WEISE-Mania!
MCVL
, Dienstag, 08. Juli 2025, 09:54 (vor 426 Tagen) @ Stimmeisen
Hier die Original - Disposition:
Manual (C-f''')
Principal 8'
Gedeckt 8'
Gamba 8'
Salicional 8'
Violine 4'Pedal (C-d')
Subbaß 16'Ober- und Unteroktavkoppel für das Manual, Pedalkoppel
Ich kann mich schwach erinnern, daß beim Umbau vor ca. 20 Jahren einer der Streicher dran glauben mußte und durch ein gebrauchtes Register der frisch abgebrochenen Weise - Orgel (1960, III/40) der benachbarten Marienkirche Sulzbach ersetzt wurde.
Die chromatische Membranenladen liegen sehr tief. Die großen Pfeifen stehen hinter den seitlichen Prospekt - "Erweiterungen", weswegen man hinter den Prospektpfeifen kein Innenleben sieht.
Übrigens:
Solange hier tolle Leute wie z.B. MCVL und Cmcmcm1 höchst engagiert, fachlich kompetent und sachlich ihre Forschungsergebnisse dankenswerterweise mit uns allen teilen, wird mir eine Accountlöschung nicht in den Sinn kommen.
Vielen herzlichen Dank für die Beschreibung! Jetzt ist auch der Sinn diese "Schreine" links und rechts des historischen Gehäuses klar.
OT: WEISE-Mania!
Solcena
, Montag, 07. Juli 2025, 20:11 (vor 426 Tagen) @ MCVL
eine Schmid-Weigle-Orgel aus der Oberpfalz:
In der anderen Hälfte dieser Doppelstadt müsste meines Wissens noch eine historische kleine Weise-Orgel von 1925 in der sogenannten "Klosterkirche" stehen...
Cool.
Vor nicht allzulanger Zeit war es so, dass jeder Post irgendwann nach Paris (NDdP) „entglitt“ - hier hast du das Offtopic ganz elegant in Richtung Weise zurückgebogen! :-)
OT: WEISE-Mania!
MCVL
, Montag, 07. Juli 2025, 20:34 (vor 426 Tagen) @ Solcena
eine Schmid-Weigle-Orgel aus der Oberpfalz:
In der anderen Hälfte dieser Doppelstadt müsste meines Wissens noch eine historische kleine Weise-Orgel von 1925 in der sogenannten "Klosterkirche" stehen...
Cool.
Vor nicht allzulanger Zeit war es so, dass jeder Post irgendwann nach Paris (NDdP) „entglitt“ - hier hast du das Offtopic ganz elegant in Richtung Weise zurückgebogen! :-)
Ganz ehrlich: vor einem halben Jahr hätte ich das auch nicht so elegant hinbekommen. Aber ich hätte mit einem Werbeblatt von Weigle zu besagter Orgel aufwarten können : -)
WEISE-Mania!
Cmcmcm1
, Ottobrunn, Freitag, 11. Juli 2025, 17:58 (vor 422 Tagen) @ Cmcmcm1
bearbeitet von Cmcmcm1, Freitag, 11. Juli 2025, 19:15
"Der Zustand der Orgel ist gegenwärtig miserabel. Viele Töne gehen nicht, [...] einige Register mußten abgestellt werden, [...]. Es muß ohne Einschränkung festgestellt werden, daß die Orgel klanglich, aber auch optisch keinerlei Wert besitzt. Eine Reparatur ist sinnlos, da eine grundlegende und anhaltende Besserung weder der technischen Funktionen noch des klanglichen Ergebnisses garantiert werden kann.
Der jetzige Aufstellungsmodus der Orgel [...] ist akustisch, optisch und auch vom Zugang her reichlich unerfreulich."
Beschreibt ziemlich treffend die heutige Situation in Frontenhausen. Das Zitat stammt allerdings aus dem Gutachten von Eberhard Kraus vom 2. April 1984 über die erste Weise-Orgel von 1937. ;)
WEISE-Mania!
Cmcmcm1
, Ottobrunn, Freitag, 11. Juli 2025, 18:01 (vor 422 Tagen) @ Cmcmcm1
bearbeitet von Cmcmcm1, Freitag, 11. Juli 2025, 18:29
Eberhard Kraus erster Dispositionsentwurf für Frontenhausen aus dem Jahr 1984 sah ein Rückpositiv vor:
I Rückpositiv
Holzgedackt 8'
Prinzipal 4'
Flauto amabile 4' (ehem. II. Manual Traversflöte 4')
Nachthorn 2'
Septsesquialter 3f
Scharff 4f 1'
II Hauptwerk (teilweise schwellbar *)
Prinzipal 8'
Flûte douce 8' * (Holz offen, ehem. Hohlflöte 8')
Oktav 4'
Gambetta 4' *
Gemshörnlein 2' *
Mixtur 6f 1 1/3'
Fagott 16'
Trompete 8'
Pedal
Subbaß 16'
Oktavbaß 8'
Bourdon 8' (ehem. II. Manual)
Choralbaß 4' (ehem. I. Manual Oktav 4')
Rauschquinte 3f
Posaune 16'
Optional schlägt Kraus bereits hier die folgenden zusätzlichen Register vor:
Im Rückpositiv: Clairon 4'
Im Hauptwerk: Quintade 16', Rohrflöte 8'
Im Pedal: Violonbaß 16 aus Holz offen, Hautbois 8'
WEISE-Mania!
Cmcmcm1
, Ottobrunn, Sonntag, 13. Juli 2025, 07:22 (vor 421 Tagen) @ Cmcmcm1
Die Orgelbank ist seit Jahren auf niedrigster Stufe und lässt sich nicht mehr höhenverstellen... Es darf halt eben alles nichts kosten.
Dieser Satz aus meinem Anfangsbeitrag bekommt im Nachgang eine gewisse Komik beim Anblick der Rechnung von Weise:
![[image]](images/uploaded/2025071305214568734269d1b60.jpg)
WEISE-Mania! War er günstig?
FranzS., Sonntag, 13. Juli 2025, 23:29 (vor 420 Tagen) @ Cmcmcm1
bearbeitet von FranzS., Sonntag, 13. Juli 2025, 23:37
Sehr interessant!
Ich weiß, dass die Weise Orgeln in Gangkofen und Kirchberg (beide von 1992) damals ziemlich günstig waren. Hier in Frontenhausen kommt mir das nicht so vor, oder liege ich falsch? Hat jemand einen direkten Vergleich aus dieser Zeit von einer "guten" Firma?
Edit: habe die Orgel vor ca. 20 Jahren kennengelernt (mein Gott bin ich alt), da war technisch alles in Ordnung und die Zungen sogar gestimmt. Schön war sie aber auch damals nicht.......
WEISE-Mania! War er günstig?
MCVL
, Montag, 14. Juli 2025, 09:57 (vor 420 Tagen) @ FranzS.
Ich habe den Preis der Orgel für Frontenhausen gerade einmal mit mehreren Angeboten der durchaus guten Firma Reiser aus Biberach/Riß verglichen, die ebenfalls aus den 1980er Jahren stammen und Orgeln mit ähnlicher Zungendisposition, neuem Gehäuse und elektrischer bzw. elektropneumatischer (System Rhod-O-Matic) Registertraktur betreffen.
Weise hat in Frontenhausen beispielsweise 700-800 DM pro Register mehr angerechnet, als Reiser bei vergleichbaren Projekten aus den 1980er Jahren.
WEISE-Mania! War er günstig?
MichaelS
, Dülmen, Montag, 14. Juli 2025, 13:46 (vor 419 Tagen) @ MCVL
Ich habe den Preis der Orgel für Frontenhausen gerade einmal mit mehreren Angeboten der durchaus guten Firma Reiser aus Biberach/Riß verglichen, die ebenfalls aus den 1980er Jahren stammen und Orgeln mit ähnlicher Zungendisposition, neuem Gehäuse und elektrischer bzw. elektropneumatischer (System Rhod-O-Matic) Registertraktur betreffen.
Weise hat in Frontenhausen beispielsweise 700-800 DM pro Register mehr angerechnet, als Reiser bei vergleichbaren Projekten aus den 1980er Jahren.
Naja, Reiser als "durchaus gut" oder zumindest besser als Weise zu betiteln, halte ich für etwas fragwürdig. Ich würde jetzt vielleicht Eisenbarth als Referenz heranziehen, Jann dazu um im Bayerischen zu bleiben. Ich will nachher mal in meiner großen Festschriftensammlung nachsehen, ob ich etwas vergleichbares finde.
--
"Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht." (Albert Schweitzer)
www.bulderone.de
WEISE-Mania! War er günstig?
Evacuant, Montag, 14. Juli 2025, 18:50 (vor 419 Tagen) @ MichaelS
Naja, Reiser als "durchaus gut" oder zumindest besser als Weise zu betiteln, halte ich für etwas fragwürdig. Ich würde jetzt vielleicht Eisenbarth als Referenz heranziehen, Jann dazu um im Bayerischen zu bleiben. Ich will nachher mal in meiner großen Festschriftensammlung nachsehen, ob ich etwas vergleichbares finde.
Bei den wenigen Instrumenten beider Firmen aus der Zeit um 1980, die ich kenne, würde ich mir kein definitives Urteil erlauben, aber ich halte sie schon für vergleichbar; "guter Durchschnitt", hätte ich gesagt.
WEISE-Mania! War er günstig?
MCVL
, Montag, 14. Juli 2025, 21:25 (vor 419 Tagen) @ Evacuant
Naja, Reiser als "durchaus gut" oder zumindest besser als Weise zu betiteln, halte ich für etwas fragwürdig. Ich würde jetzt vielleicht Eisenbarth als Referenz heranziehen, Jann dazu um im Bayerischen zu bleiben. Ich will nachher mal in meiner großen Festschriftensammlung nachsehen, ob ich etwas vergleichbares finde.
Bei den wenigen Instrumenten beider Firmen aus der Zeit um 1980, die ich kenne, würde ich mir kein definitives Urteil erlauben, aber ich halte sie schon für vergleichbar; "guter Durchschnitt", hätte ich gesagt.
Reisers Orgeln der 1980er und 1990er Jahren hätte ich ebenfalls als guten bis sehr guten Durchschnitt bezeichnet. Über manches im klanglichen Bereich kann man sicher diskutieren, technisch und handwerklich sind die Orgeln sauber gearbeitet und angenehm zu spielen, für Wartungsarbeiten gut zugänglich und vor allem: sie sind extrem robust, an diesen Orgeln fehlt technisch jahrein jahraus nichts.
WEISE-Mania! War er günstig?
zehnzweidrittel
, Montag, 14. Juli 2025, 21:47 (vor 419 Tagen) @ Evacuant
Angesichts der aktuellen "Weise-Mania" muss ich endlich ein persönliches Statement loswerden:
Als Organist in der Oberpfalz war (und bin) ich umgeben, besser umzingelt von Instrumenten der Fa. Weise - allerdings solche ab etwa 1970. Ältere Instrumente (insbesondere die hier hochgelobten aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg) durfte ich (mit Ausnahme von St. Augustin, Weiden) nicht kennenlernen.
Ich berichte aus tiefster Seele und Überzeugung (d.h. nur meine eigene Meinung), dass kaum eines der mir bekannten Instrumente wenigstens durchschnittlich ist oder war.
Sicher besser als das, was z.B. Kloss Kelheim und Nenninger für das wenige Geld, das man bereit war, ihnen für Ihre Arbeit zu bezahlen, fabriziert haben.
Ich habe den Oberpfälzer Orgelbau bzw. den in der Diözese Regensburg während der Regentschaft eines gewissen OSV immer als Billig-Orgelbau erlebt.
Insider wissen sicher mehr - ich kann es nur aus meiner Erinnerung berichten:
Qualität gab es nur in den Pfarreien, die sich gegen das Votum des OSV durchgesetzt oder es verstanden haben, einen anderen OSV beauftragen zu dürfen. Wie haben wir uns damals über jede große (Weiden, Herz Jesu) oder noch so kleine Jann-Orgel gefreut. Damals war auch die große Eisenbarth in Weiden, St. Josef eine kleine Sensation. Und erst Waldsassen.
Inzwischen ist die Orgellandschaft hier wesentlich bunter und erheblich qualitätvoller geworden.
Herzliche Grüße
Zehnzweidrittel
WEISE-Mania! War er günstig?
musikinallerheiligen
, Nürnberg, Montag, 14. Juli 2025, 20:02 (vor 419 Tagen) @ FranzS.
Als im Kloster Metten eine neue Orgel geplant wurde, musste Weise mit anbieten (obwohl man die vorherige Orgel nach knapp 30 Jahren eingestampft hat) - und das war ein absoluter Kampfpreis (ich meine ca 400.000 DM für ca. 40 Register). Gebaut wurde sie dann von Sandtner 1989, der bei ca. 650.000 DM lag - nagelt mich nicht auf plus/minus 10.000 Mark fest).
Also ja - war günstig ,-)
WEISE-Mania! War er günstig?
MichaelS
, Dülmen, Dienstag, 15. Juli 2025, 09:49 (vor 419 Tagen) @ musikinallerheiligen
bearbeitet von MichaelS, Dienstag, 15. Juli 2025, 15:49
Als im Kloster Metten eine neue Orgel geplant wurde, musste Weise mit anbieten (obwohl man die vorherige Orgel nach knapp 30 Jahren eingestampft hat) - und das war ein absoluter Kampfpreis (ich meine ca 400.000 DM für ca. 40 Register). Gebaut wurde sie dann von Sandtner 1989, der bei ca. 650.000 DM lag - nagelt mich nicht auf plus/minus 10.000 Mark fest).
Also ja - war günstig ,-)
Auf das Ergebnis bin ich auch gekommen, als ich gestern mal in Festschriften aus der Zeit zwischen 1985 und 1992 etwas geblättert habe. Bei ähnlicher Orgelgröße ist da von 400.000,- bis 550.000,- € die Rede, die aufgebracht werden mussten.
Mit Anfang der 90er zieht das Preisgefüge aber auch an im Orgelbau. Die Billigheimer verschwinden bei den OSV vom Schirm und die Guten können Qualität kalkulieren. Eine "Landmarke" war da sicherlich Klais in Bad Neustadt 1994 mit 33 Registern auf drei Manualen und etwas über 900.000,- DM, mit Nebenkosten wie Bauvorbereitung kratzte das Projekt knapp an der Million. Aber das Instrument hat bis heute "Gültigkeit".
--
"Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht." (Albert Schweitzer)
www.bulderone.de
OT: Preise (war: WEISE-Mania! War er günstig?)
Friedrich
, Dienstag, 15. Juli 2025, 10:32 (vor 419 Tagen) @ MichaelS
bearbeitet von Friedrich, Dienstag, 15. Juli 2025, 10:47
Mit Anfang der 90er zieht das Preisgefüge aber auch an ...
Das ist eine Zeit, von der ich glaube, sie wird einmal als eine Art goldenes Orgelbau-Zeitalter geschildert werden. Viele große, qualitätvolle und auch innovative Orgeln wurden gebaut, wichtige alte restauriert; gute Leute bildeten aus, gute kamen nach, die Kirchen hielten sich noch leidlich.
Über den Tellerrand geschaut: Das war die Zeit der Globalisierung und der deutschen Dominanz in der EU, die zu Regelungen führte, die für uns hierzulande sehr vorteilhaft waren. Wenn man den Orgelbau der Sechziger- und Siebzigerjahre damit vergleicht, muss man das bedenken. Damals war eine Truhenorgel von 20.000 Mark für eine großstädtische Gemeinde eine große Ausgabe.
Der Wohlstand ist in den Jahren seit 1990 unfassbar stark gestiegen, jedenfalls für Staaten, die zu den glücklichen Globalisierungsgewinnern gehörten. Orgeln wie im Münchner Dom, in der Basilika Trier, in der Leipziger Nikolaikirche sind Globalisierungskinder.
Schätzt
Friedrich
P. S.
... wie die gerade beliebten britischen Orgeln der viktorianischen und edwardianischen Zeit Kinder des britischen Kolonialismus sind. Tropenhölzer, Elfenbein, Zinn aus Afrika ...
OT: Preise (war: WEISE-Mania! War er günstig?)
MichaelS
, Dülmen, Dienstag, 15. Juli 2025, 16:01 (vor 418 Tagen) @ Friedrich
Das ist eine Zeit, von der ich glaube, sie wird einmal als eine Art goldenes Orgelbau-Zeitalter geschildert werden. Viele große, qualitätvolle und auch innovative Orgeln wurden gebaut, wichtige alte restauriert; gute Leute bildeten aus, gute kamen nach, die Kirchen hielten sich noch leidlich.
Über den Tellerrand geschaut: Das war die Zeit der Globalisierung und der deutschen Dominanz in der EU, die zu Regelungen führte, die für uns hierzulande sehr vorteilhaft waren. Wenn man den Orgelbau der Sechziger- und Siebzigerjahre damit vergleicht, muss man das bedenken. Damals war eine Truhenorgel von 20.000 Mark für eine großstädtische Gemeinde eine große Ausgabe.
Der Wohlstand ist in den Jahren seit 1990 unfassbar stark gestiegen, jedenfalls für Staaten, die zu den glücklichen Globalisierungsgewinnern gehörten. Orgeln wie im Münchner Dom, in der Basilika Trier, in der Leipziger Nikolaikirche sind Globalisierungskinder.
Schätzt
Friedrich
Die Zukunft ist in meinem Kopf in soweit angebrochen wie ich gerade auch "mein" jetzt 30-jähriges Instrument als aus "der großen Zeit des Orgelbaus" bezeichne, die ich ab ca. 1990 bis 2005/2008 einordnen würde, bei einigen Orgelbauern sicher schon um 1985.
Der Versorgungsorgelbau des Wiederaufbaus war gemacht, die Pneumatik-Beseitigungs-Welle lange überwunden, die Experimente mit komischen Materialien hatten sich als kurzlebig schon herausgestellt und die Denkmalorgeln soweit erforscht, dass man von Schnitger, Silbermann, Walcker und Kollegen das Beste zu einer modernen Orgel zusammenfassen konnte. Dazu war die Computertechnik angekommen, mit der man den idealen Ventilquerschnitt und den vorteilhaftesten Hebel im Wellenbrett berechnen konnte um leichtgängige, präzise und spielfreudige Trakturen zu bauen. Und nicht zuletzt waren und wurden Dogmen wie Kernstichlose Intonation und offener Fuß bei niedrigem Winddruck auch wieder ad acta gelegt.
Gepaart mit lebendigen Gemeinden, die noch ausreichen über Haushaltsmittel und Spendenfluss sowie Qualitätsbewusstsein verfügten um entweder die materialmüde Nachkriegsorgel zu ersetzen oder in manch Neubaukirche nach 20 oder 30 Jahren überhaupt eine richtige Orgel zu bekommen.
Wir sollten aufpassen, dass gerade diese Instrumente heute nicht vernachlässigt werden.
--
"Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht." (Albert Schweitzer)
www.bulderone.de
WEISE-Mania! War er günstig?
perotin, Dienstag, 15. Juli 2025, 10:40 (vor 419 Tagen) @ MichaelS
Mit Anfang der 90er zieht das Preisgefüge aber auch an im Orgelbau. Die Billigheimer verschwinden bei den OSV vom Schirm und die Guten können Qualität kalkulieren. Eine "Landmarke" war da sicherlich Klais in Bad Neustadt 1994 mit 33 Registern auf drei Manualen und etwas über 900.000,- €
Über 900.000,- EURO hat sie 1994 garantiert nicht gekostet...
WEISE-Mania! War er günstig?
FranzS., Dienstag, 15. Juli 2025, 12:20 (vor 418 Tagen) @ musikinallerheiligen
Als im Kloster Metten eine neue Orgel geplant wurde, musste Weise mit anbieten (obwohl man die vorherige Orgel nach knapp 30 Jahren eingestampft hat) - und das war ein absoluter Kampfpreis (ich meine ca 400.000 DM für ca. 40 Register). Gebaut wurde sie dann von Sandtner 1989, der bei ca. 650.000 DM lag - nagelt mich nicht auf plus/minus 10.000 Mark fest).
Also ja - war günstig ,-)
Hier und anderswo war er günstig, aber Frontenhausen kam mir eben nicht so günstig vor. Man muss auch bedenken, dass Plattling nicht weit weg und somit die Montagekosten relativ niedrig gewesen sein müssten.
![[image]](https://i.postimg.cc/7PTJmMKQ/IMG-7433.jpg)
![[image]](https://i.postimg.cc/1z3MMLGD/IMG-7434.jpg)