Hamburger Orgelsommer 2025

Wolfgang Gourgé @, Sonntag, 22. Juni 2025, 00:39 (vor 442 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Sonntag, 22. Juni 2025, 00:47

...am 01. Juli startet der Hamburger Orgelsommer - hier das Programm.


Starke Sache, täglich außer Montag eine große Orgel, und sehr breites Programm.... besonders gut finde ich, dass der Orgeltagung gedacht wird, und sei es dann oft leider auch nur mit einem einzigen Werk.

...dieser Orgeltagung zu gedenken, die ja eine Vor- wie eine Nachgeschichte hat und vor dem Hintergrund der Zeitströmungen in Gesellschaft wie Politik und Kirchen gesehen werden muss (Sebastian Haffner schon in den 1980ern: "Damals war die evangelische Kirche so rechts, wie sie heute links ist."), ist eigentlich in so einem Rahmen kaum möglich (ich hatte das ja in Lübeck auch angedeutet) - es braucht eine umfassende wissenschaftliche Reflektion, die sich nicht auf den rein musikalischen oder orgelbaulichen Aspekt verengt. Markus Zepf und Roman Summereder haben dazu einiges gesagt (Summereders "Aufbruch der Klänge" ist ein Standardwerk, wirklich sehr zu empfehlen). Aber ich glaube, man muss den Rahmen aus heutiger Sicht noch weiter ziehen.

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(Fenster in der Stader Wilhadikirche von 1919: Stahlhelme, Uniformen, martialische Mimik: da blitzen einen schon vor Erscheinen des Buchs in den 1920ern die Jüngerschen "Stahlgewitter" an....)

Zudem ist die Entwicklung in Österreich trotz Parallelen eine andere als in Deutschland gewesen: in beiden Ländern das Umkippen ins Autoritär-Restaurative als eine Art kollektiver Kompensationsmechanismus zur Verarbeitung der demütigenden Weltkriegsniederlage, aber in Österreich vor katholischem Hintergrund (bis hin zum Klerikalfaschismus), in Deutschland vor evangelischem und nach meinem Eindruck mit aggressiverer Vereinnahmung und sprichwörtlicher "Instrumentalisierung" der Orgel, die im Protestantismus eine andere liturgische Rolle spielt als im damaligen Katholizismus und sich deshalb dafür anbot. (Die Spätfolgen dieses "Kippens" im Österreich der 1920er Jahre sind bis heute aktuell in Form der geradezu atemraubenden Kompetenzen des österreichischen Bundespräsidenten, die unter Druck der rechten Heimwehren in den späten 1920ern eingeführt wurden, völlig konträr zum aufgeklärt-rechtsstaatlichen Anspruch der auf den Rechtspositivisten Hans Kelsen zurückgehenden Verfassung - deshalb ja Norbert Hofers Spruch "Sie werden sich noch wundern, was alles gehen wird!".)

Also: ich glaube, das ist ein weites Feld, dass man nicht aufs bloß-musikalische eingrenzen sollte. Auch Jahnn - der für mich keine Lichtgestalt ist, sondern schon wegen seiner Egozentrik eine problematische Figur mit der Neigung, seine stark subjektiv eingefärbten und durchaus fragwürdigen Auffassungen zu verabsolutieren - bekam ja schnell die Vorbehalte gegen ihn zu spüren.

Ich denke, das Material für Symposien geht so schnell nicht aus....;-D......


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