Hallo!
US-Musikkritiker David Hurwitz widmet sich in einer aktuellen Folge seiner Video-Serie "Musikwerke, ohne die ich nicht leben könnte" der Orgelmusik. Man darf nicht vergessen, dass er ein "allgemeiner" Musikkritiker, ohne speziellen Fokus ist - auch wenn ein Schwerpunkt auf Orchester- und Kammermusik durchaus erkennbar ist. Er kann dementsprechend sehr gut ohne Orgelmusik leben, aber er stellt immerhin 16 Orgelwerke/-zyklen von 16 verschiedenen Komponisten vor, die ihn zumindest interessieren.
Viel Freude damit (deutsche Untertitel sind ja generierbar):
https://youtu.be/XX78hMdGjJ8?si=HpukcDn9jDAWz2yO
Man könnte ja nun hier - oder in der YouTube-Kommentarspalte - die Forumiers fragen, was denn "ihre" Orgelwerke sind, ohne die sie nicht leben können...
Gruß
Karsten
David Hurwitz und Orgelmusik
Axel, Samstag, 14. Juni 2025, 10:44 (vor 450 Tagen) @ Karsten
Interessant. Seine Sichtweise erinnert an den unvergessenen Clemens Schäfer hier im Forum, der als ausgewiesener Klassikkenner, aber eben nicht als Orgelfreak oft eine ähnliche Sichtweise hatte.
"Gute Musik" muss einerseits eine gewisse Ernsthaftigkeit haben, aber eben auch noch fasslich und verständlich sein. Er sagt ja sehr klar, dieses chromatische Zeug ist nicht sein Ding und wie man an Sweelinck sieht, ist es keine grundsätzliche Abneigung gegen Chromantik.
Ich erinnere mich an meine - sonst wenig spektakuläre - Studienzeit am Gregoriushaus in Aachen: Stefan Engels spielte in der Kapelle Duprés 2. Sinfonie und Auszüge aus Viernes 2. oder 3. Der Musikgeschichtsdozent war ein älterer Oberstudienrat eines Aacherner Gymnasiums und er sagte mir nachher: "Respekt vor der Leistung, aber finden Sie, dass das große Musik ist?" Auch da würde ich einen großen musikalischen Horizont unterstellen, Schulmusiker alter Schule halt.
Wir sollte das bei den Programmen auf dem Schirm haben. Was ist "fasslich", wenn man es nur einmal hört?
Was die Liste angeht: Gute Auswahl. Ein wenig erstaunt hat mich ausgerechnet Guilmant 2., die ich für eher brav halte. Meine Wahl wäre eher 4. oder 5. Ebenfalls erstaunt, dass Batiste auftaucht, ausgerechnet mit Bearbeitungen. Und tatsächlich finde Nielsen auch nicht so zugänglich. Mir würde tatsächlich Reger fehlen und da wüsste ich nicht so recht, was man nehmen sollte. Vielleicht "Wachet auf" oder op. 135b?
David Hurwitz und Orgelmusik
Orlos
, Samstag, 14. Juni 2025, 10:57 (vor 450 Tagen) @ Axel
Was die Liste angeht: Gute Auswahl. Ein wenig erstaunt hat mich ausgerechnet Guilmant 2., die ich für eher brav halte. Meine Wahl wäre eher 4. oder 5. Ebenfalls erstaunt, dass Batiste auftaucht, ausgerechnet mit Bearbeitungen. Und tatsächlich finde Nielsen auch nicht so zugänglich. Mir würde tatsächlich Reger fehlen und da wüsste ich nicht so recht, was man nehmen sollte. Vielleicht "Wachet auf" oder op. 135b?
Ging mir ganz genauso. Batiste halte ich nicht für bedeutend. Reger fehlt definitiv. Das Stück von Nielsen kannte ich nicht, ich habe es mir sofort angehört, kann daran aber nichts Faszinierendes entdecken. Vielleicht muss man es mehrmals hören.
Ich freue mich, dass er auf Duruflé hinweist, den außerhalb unserer "Blase" tatsächlich kaum einer kennt. Habe letzthin eine Musiklehrer-Kollegin mitgenommen zu einem Konzert mit seinem Requiem (Orgelfassung), sie war völlig begeistert.
David Hurwitz und Orgelmusik
Karsten
, Samstag, 14. Juni 2025, 12:10 (vor 450 Tagen) @ Orlos
Was die Liste angeht: Gute Auswahl. Ein wenig erstaunt hat mich ausgerechnet Guilmant 2., die ich für eher brav halte. Meine Wahl wäre eher 4. oder 5. Ebenfalls erstaunt, dass Batiste auftaucht, ausgerechnet mit Bearbeitungen. Und tatsächlich finde Nielsen auch nicht so zugänglich. Mir würde tatsächlich Reger fehlen und da wüsste ich nicht so recht, was man nehmen sollte. Vielleicht "Wachet auf" oder op. 135b?
Ging mir ganz genauso. Batiste halte ich nicht für bedeutend. Reger fehlt definitiv. Das Stück von Nielsen kannte ich nicht, ich habe es mir sofort angehört, kann daran aber nichts Faszinierendes entdecken. Vielleicht muss man es mehrmals hören.
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Hallo!
Das ist eines der üblichen Missverständnisse die viele bei Hurwitz' "Works I Couldn’t Live Without"-Serie haben: es handelt sich nicht um (vermeintlich) allgemeingültige Empfehlungen oder einen Pflichtkanon im Sinne von "X Werke, die man unbedingt kennen muss", sondern persönliche, subjektive Aufstellungen. Er lädt auch stets die Zuschauer/Abonnennten ein, in den Kommentaren ihre Werkliste vorzustellen, und das machen nicht wenige. Letztlich geht es darum, zum Hören anzuregen.
Mit Reger hat Hurwitz generell so seine Probleme, dazu gibt es auch einige Videos von ihm. Und wie er ausführt: wenn man den Stil des Komponisten generell mag, mag man am ehesten auch dessen Orgelmusik (und umgekehrt). Wenn man mehr oder weniger in der Orgelmusikblase "lebt", dann ist das Auftauchen Regers in so einer Liste natürlich viel wahrscheinlicher.
An der Batiste-Platte von Innocenzi hat Hurwitz so wie ich das verstehe (auch) einen Narren gefressen, weil er in den Vortragsangaben der Transkriptionen ein starkes Indiz für den Gebrauch des Vibrato in dieser Epoche sieht, denn Batiste verlangt wohl in den Registrierungen auch den Tremulanten... Christoph Frommen hat es jedenfalls gefreut
Letztlich muss "unsereins" froh sein, dass Hurwitz sich dieser Nische überhaupt widmet.
Gruß
Karsten
David Hurwitz und Orgelmusik
Axel, Samstag, 14. Juni 2025, 18:48 (vor 450 Tagen) @ Karsten
Nee, so hatte ich ihn gar nicht verstanden. Das ist ja sehr deutlich, dass es subjektiv ist und auch sein darf.
Was Reger angeht, ist er ja sehr differenziert. Mehrfach lobt er die Böcklin Suite, die nun wirklich sehr schön ist. Das Monstrum von Klavierkonzert ist nicht seins, was ihm auch niemand verdenken kann. Ich finde auch die Sinfonietta grausam. Vieles an Kammermusik lobt Hurwitz aus ebenso guten Gründen.
Die Aufstellung kann ich durchaus nachvollziehen, wenn man einen Querschnitt durch die Orgelliteratur haben möchte, ist das schon sinnvoll und substanziell. In einigen Punkten verstehe ich ihn nicht ganz und natürlich sähe meine Liste etwas anders aus.
1. Frescobaldi, 2. Buch der Toccaten
2. Storace, Ciaconna in C und Rossi, Toccata settima als "Exoten"
3. Muffat, Apparatus
4. Pachelbel, Arietta und "Was Gott tut"
5. Buxtehude,...jetzt wird es schwer...selbst wenn ich sagen würde, auf was ich verzichten könnte...eigentlich auf kaum etwas
6. Bruhns, großes e-moll
7. Bach, auch da schwierig...wie bei Buxtehude...zu viele extrem gute Stücke
8. Carl Philipp, die Sonaten in D und F
9. Mendelssohn, 1. Sonate (die ich tatsächlich noch nie gespielt habe)
10. Rheinberger, 11. Sonate....vielleicht die 4.
11. Widor, 6. Sinfonie
12. Vierne, 2. Sinfonie
13. Franck, die Choräle
14. Reger, op. 135b und op. 52,2+3
15. Ligeti, Volumina
David Hurwitz und Orgelmusik
JSBach
, Samstag, 14. Juni 2025, 11:10 (vor 450 Tagen) @ Axel
Zu Reger wurde er in den Kommentaren auch gefragt, seine Antwort:
"Because he wrote nothing that I couldn't live without"
David Hurwitz und Orgelmusik
Willscher, Sonntag, 15. Juni 2025, 08:28 (vor 449 Tagen) @ JSBach
Na und? Soll D.H. doch seine Meinung kundtun. Das ändert nichts daran, dass es unterschiedliche Geschmäcker gibt. Geschmack lässt sich zum Glück nicht verordnen. Und ich bewundere schon alle, die sich die ganzen Links hier zu Gemüte führen können.
Mir fehlt die Zeit dafür.
David Hurwitz und Orgelmusik
JSBach
, Sonntag, 15. Juni 2025, 10:15 (vor 449 Tagen) @ Willscher
Na und? Soll D.H. doch seine Meinung kundtun. Das ändert nichts daran, dass es unterschiedliche Geschmäcker gibt. Geschmack lässt sich zum Glück nicht verordnen. Und ich bewundere schon alle, die sich die ganzen Links hier zu Gemüte führen können.
Habe ich ihm das Recht irgendwo abgesprochen? Ich habe nur seinen Kommentar bzgl. Reger ergänzt, dessen Abwesenheit ja einigen aufgefallen wäre.
Mir fehlt die Zeit dafür.
Das denk ich mir manchmal auch...