Dunkelgrau in MV

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Dienstag, 03. Juni 2025, 23:23 (vor 461 Tagen)

Nichts wirklich Neues verkündet Friedrich Drese, OSV in Mecklenburg und Leiter des Malchower Orgelmuseums. Es geht trotzdem nahe und lässt sich fast nur mit dem Blick auf durchaus vorhandene Lichtblicke ertragen. Die Evangelische Zeitung macht eine Kurzfassung des Berichts in der abopflichtigen Mecklenburgischen und pommerschen Kirchenzeitung zugänglich.

Aus der Originalversion scheint mir der Appell sinnvoll, dass die Kirchenschlüssel (im ländlichen Raum) auch ins Gemeindebüro gehörten. Gemeint ist hier nicht das kirchliche, sondern das kommunale. Das Wissen um die Orgeln und das Interesse sollte also vermehrt mit den Vertretern der Kommunen geteilt und die außerkirchliche Nutzung der verwaisten Dorfkirchen gefördert werden.
Dabei würde es nicht um Umwidmungen oder Umbau gehen (Kita ? Co.) sondern um gelegentliche Veranstaltungen, sind diese Kirchen doch baulich nie für eine Ganzjahresnutzung im heutigen Sinne eingerichtet).

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JRorgel @, Mittwoch, 04. Juni 2025, 08:22 (vor 460 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Das habe ich bei meinen Forschungen zur Mitteldeutschen Orgellandschaft auch bitter festgestellt. Die Situation ist ähnlich. Mal ein Beispiel aus der Stadt Querfurt: Von 16 Orgeln in der Kernstadt mit angrenzenden Orten sind nur fünf richtig spielbar, weitere vier gehen irgendwie zu spielen, pfeifen aber auf dem letzten Loch. In Landsberg, das näher bei Halle liegt und durch mehrere S-Bahn-Anschlüsse gut angebunden ist, werden viele Orgeln durch Studenten der EHK Sonntag für Sonntag gespielt. Insgesamt habe ich von den circa 250 Orgeln, die ich hier in der Umgebung besichtigt habe, auch bestimmt 30 Ruinen gefunden - teilweise ausgelagert und niemand weiß mehr, wohin. Es fehlt nicht an Engagement der Gemeinden - die wollen ja gerne. Aber viele stellen sich eben auch die Frage „Wer soll die Orgel denn dann spielen?“ Und daran scheitert das dann meist, weil die Erhaltung der Gebäude genug Geld verschlingt. Da müssen unbedingt Konzepte erarbeitet werden.

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"Orgelspielen heißt, einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren." (Charles-Marie Widor)

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elias.orgel, Mittwoch, 04. Juni 2025, 08:49 (vor 460 Tagen) @ JRorgel

... Aber viele stellen sich eben auch die Frage „Wer soll die Orgel denn dann spielen?“


Also doch der Vorschlag von Peter Ammer mit der Organola?
Menschen mit Laptop dürften ja deutlich häufiger zu finden sein und "eine Taste" drücken kann doch wohl wirklich fast jeder

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Orgelspielen heißt: im Sitzen tanzen ...

... für Gott

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Poupoulcorouse @, Elberfeld, Mittwoch, 04. Juni 2025, 09:52 (vor 460 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Eigentlich müsste man solche Dinge jetzt zum Lackmustest der neuen "konservativen" Kulturpolitik machen. Wenigstens, um ihre Heuchelei zu entlarven.

Das war ja unter Kohl bereits die große Lüge.
Angeblich sollte schließlich schon damals die Rückbesinnung auf einen alten Kulturschatz gefördert und dafür die Förderung angeblicher 68er-Spinnereien zurückgefahren werden. Und was kam? Das Privatfernsehen mit all seinen gesellschaftlichen Folgen, darunter insbesondere die Allgegenwart von Werbung.

Diese Gesellschaft ist seitdem immer wohlhabender geworden, auch wenn die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergeht. Selbst in Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie sind die Vermögen weiter gewachsen, aber das Narrativ, daß für alles im Zweifel "kein Geld da ist", beherrscht weiter die Debatten, egal worum es geht, ob um öffentliche Daseinsvorsorge, Kultur, Bildung usw.

Aus der kirchlichen Binnenperspektive mag das ja stimmen und unser Blick auf solche Dinge ist ja nunmal vor allem durch die kirchliche Perspektive geprägt. Das sollte aber nicht zu Betriebsblindheit auf Kosten einer realistischen Gesamtperspektive führen.

Das alte Mäzenatentum erodiert dabei, Ausnahmen bestätigen die Regel, immer mehr. Die Kinder der alten Spenderfamilien geben sich zwar habituell (vulgär-)konservativ, aber lassen noch mehr als ihre Eltern ihr Geld für sich arbeiten und denken nicht im Traum daran, auch Dinge um ihres Eigenwertes willen zu fördern, mit denen sich wenig PR abgreifen lässt. Wenn überhaupt. Gemeinwohl ist längst kein "konservativer" Wert mehr.

Leider lenken die ganzen identitären Ennui-Debatten unserer Tage, quer durch alle Kulturkampflager, sehr nachhaltig (haha!) davon ab.

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alla_marcia, Mittwoch, 04. Juni 2025, 11:07 (vor 460 Tagen) @ Poupoulcorouse

Die Kinder der alten Spenderfamilien geben sich zwar habituell (vulgär-)konservativ, aber lassen noch mehr als ihre Eltern ihr Geld für sich arbeiten und denken nicht im Traum daran, auch Dinge um ihres Eigenwertes willen zu fördern, mit denen sich wenig PR abgreifen lässt. Wenn überhaupt. Gemeinwohl ist längst kein "konservativer" Wert mehr.

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Die Unlust zu arbeiten und Werte zu schaffen, kann man allerdings nicht nur bei den jungen Generationen der Reichen und Schönen verorten - auch ein nicht zu unterschätzender Anteil der weniger Reichen scheint keinen Bock mehr zu haben, sich den Hintern aufzureißen. Stichworte: "Hartz IV-Karrieren", "Life-Life-Balance", "3-4-Tage-Woche".

Natürlich werden manche Berufe schlecht bezahlt, keine Frage. Aber wenn generell kaum noch Leistungsbereitschaft da ist, wird diese Gesellschaft weiter massiv den Bach runtergehen. Über uns und unsere laxe Arbeitsmoral lacht sich doch inzwischen die halbe Welt kaputt.

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Poupoulcorouse @, Elberfeld, Mittwoch, 04. Juni 2025, 11:25 (vor 460 Tagen) @ alla_marcia

Ganz davon abgesehen, daß das eigentlich überhaupt nicht das Thema war:


Dafür, daß dieser angeblich "nicht zu unterschätzende Anteil" tatsächlich schwer ins Gewicht fällt, gibt es keinerlei empirische Belege. Also wenn man noch Interesse an empirischen Belegen hat und sich mit Geplapper bei Lanz oder in der Springerpresse nicht zufrieden geben will. Der Schaden, der in diesem Land durch Steuervermeidung entsteht, ist immer noch weitaus größer als der Schaden durch Sozialbetrug.

Und diese "laxe Arbeitsmoral" ist weißgott nicht nur Sache unterqualifizierter oder jüngerer Arbeitnehmer. Gerade der "Boomer"-Mittelbau hat ja seinen Kindern jahrzehntelang die Krankfeierei als Arbeitskampf durch die Hintertür vorgelebt, während Springerpresse und co. auf die wenigen Gewerkschaften (siehe Bahn usw.) eingedroschen haben, die noch wirklich etwas für ihre Mitglieder erstreiten wollen. Und heute fehlt überall das Personal, dafür gibt es zu viele BWL-Studenten. Na potztausend.

Demgegenüber hat es ja tatsächlich noch nie eine Zeit gegeben, in der so viele Studierende neben dem Studium dauerhaft und nicht nur saisonal erwerbstätig waren.

Die Welt jenseits des breitgetretenen Quarks sieht halt manchmal doch ganz anders aus.

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3rd_astronaut, Mittwoch, 04. Juni 2025, 14:23 (vor 460 Tagen) @ Poupoulcorouse

Ganz davon abgesehen, daß das eigentlich überhaupt nicht das Thema war:

naja, scroll mal hoch, wer plötzlich mit dem merkwürdigen exkurs angefangen hat!

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Poupoulcorouse @, Elberfeld, Mittwoch, 04. Juni 2025, 15:00 (vor 460 Tagen) @ 3rd_astronaut

Naja, die Situation von Kulturpolitik und Mäzenatentum halte ich schon für mit dem Thema direkt verbunden. Aber ja, die Büchse der Pandora habe ich geöffnet.

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Orgelfritze, Donnerstag, 05. Juni 2025, 09:14 (vor 459 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Aus der Originalversion scheint mir der Appell sinnvoll, dass die Kirchenschlüssel (im ländlichen Raum) auch ins Gemeindebüro gehörten. Gemeint ist hier nicht das kirchliche, sondern das kommunale. D

Das ist doch nur der nächste Schritt auf der Leiter der organisierten Unverantwortlichkeit. Wo gibt es auf den kleinen Dörfern denn noch regelmäßig besetzte (kommunale) Gemeindebüros? Das ist nun mal das Produkt der im 15-Jahresrthythmus stattfindenden Kreisgebietsreformen mit dem Ziel immer noch größerer (und unpersönlicherer) Strukturen. Alle Dörfer gehören zu Ämtern und nur dort gibt es Verwaltung im Sinne von Regelmäßigkeit. Dem ohnehin nur mit Mühe zu findenden (ehrenamtlichen) Ortsbürgermeister nun aus Verzweiflung auch noch den Kirchenschlüssel in die Hand zu drücken, wird das Problem nicht lösen.

Wenn die großfusionierten Kirchengemeinden es nicht schaffen, in jedem Ort wenigstens noch einen Ansprechpartner aus ihren Reihen der "aktiven Kerngemeinde" zu finden (und wenn es die 80jährige Oma ist), der ein bisschen Restverantwortung für das Gebäude inkl. Schlüsselgewalt übernimmt, ist der fehlende Orgelzugang das kleinste Problem.

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Poupoulcorouse @, Elberfeld, Donnerstag, 05. Juni 2025, 14:17 (vor 459 Tagen) @ Orgelfritze

Wenn die großfusionierten Kirchengemeinden es nicht schaffen, in jedem Ort wenigstens noch einen Ansprechpartner aus ihren Reihen der "aktiven Kerngemeinde" zu finden (und wenn es die 80jährige Oma ist), der ein bisschen Restverantwortung für das Gebäude inkl. Schlüsselgewalt übernimmt, ist der fehlende Orgelzugang das kleinste Problem.


Da ist zwar sehr viel Wahres dran. Aber daß viele davor zurückschrecken, ein Schild mit ihrem Namen und der Aufschrift "Kirchenschlüssel bei Fr. XY, Tel. 4711, bitte länger klingeln" aufhängen zu lassen, liegt halt leider auch auf der Hand. Im Zweifel sagt dann die Enkelin: "Mach das bloß nicht, Oma!"
Da sind die Dinge insgesamt nicht einfacher geworden.

Dunkelgrau in MV

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Donnerstag, 05. Juni 2025, 18:24 (vor 459 Tagen) @ Poupoulcorouse

Wenn die großfusionierten Kirchengemeinden es nicht schaffen, in jedem Ort wenigstens noch einen Ansprechpartner aus ihren Reihen der "aktiven Kerngemeinde" zu finden (und wenn es die 80jährige Oma ist), der ein bisschen Restverantwortung für das Gebäude inkl. Schlüsselgewalt übernimmt, ist der fehlende Orgelzugang das kleinste Problem.

Da ist zwar sehr viel Wahres dran. Aber daß viele davor zurückschrecken, ein Schild mit ihrem Namen und der Aufschrift "Kirchenschlüssel bei Fr. XY, Tel. 4711, bitte länger klingeln" aufhängen zu lassen, liegt halt leider auch auf der Hand. Im Zweifel sagt dann die Enkelin: "Mach das bloß nicht, Oma!"
Da sind die Dinge insgesamt nicht einfacher geworden.

Vielleicht wäre es eine Idee, nicht nur den Kirchenschlüssel - den kriegt man schon noch ab und an in der Nachbarschaft, oft auch mit entsprechender Info an der Kirche selbst - anzubieten, sondern auch den Orgelschlüssel.

Damit erhielte man allerdings auch Zugang zu relativ sensiblen Teilen der Kirche (Turmraum etc.). Insofern wäre es vielleicht eine Idee, Zertifikate erwerben zu lassen, die jemanden als halbwegs orgelkundig und interessiert ausweisen, zur Unterscheidung von möglichen Vandalismustätern. Naja, ist auch recht schräg.

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Poupoulcorouse @, Elberfeld, Donnerstag, 05. Juni 2025, 19:27 (vor 459 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Naja, mit D-, C-, B-, und A-Qualifikationen gibts ja schon quasi führerscheinähnliche Klassen. Nun braucht's halt nur noch das passende Kärtchen ;-)

Lustig wird's dann natürlich beim ganzen Komplex der Sanktionen :D

Dunkelgrau in MV

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Donnerstag, 05. Juni 2025, 20:10 (vor 459 Tagen) @ Poupoulcorouse

Naja, mit D-, C-, B-, und A-Qualifikationen gibts ja schon quasi führerscheinähnliche Klassen. Nun braucht's halt nur noch das passende Kärtchen ;-)

Lustig wird's dann natürlich beim ganzen Komplex der Sanktionen :D

Ja, so ein Orgelführerschein! Vielleicht wäre das doch was Schickes?
(Im Kleingedruckten dann zum Beispiel: Bis 1.500 Pfeifen. Oder: Bis 20 Tonnen Gesamtgewicht. Oder: Mit Anhänger bzw. Chororgel oder Fernwerk. Und in MV bräuchte man manchmal auch eine Kalkanten-Qualifikation....)

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Dorforganist, Donnerstag, 05. Juni 2025, 21:42 (vor 459 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Naja, mit D-, C-, B-, und A-Qualifikationen gibts ja schon quasi führerscheinähnliche Klassen. Nun braucht's halt nur noch das passende Kärtchen ;-)

Lustig wird's dann natürlich beim ganzen Komplex der Sanktionen :D


Ja, so ein Orgelführerschein! Vielleicht wäre das doch was Schickes?
(Im Kleingedruckten dann zum Beispiel: Bis 1.500 Pfeifen. Oder: Bis 20 Tonnen Gesamtgewicht. Oder: Mit Anhänger bzw. Chororgel oder Fernwerk. Und in MV bräuchte man manchmal auch eine Kalkanten-Qualifikation....)

Mach' mir keine Angst! Muß ich mir dann ein Kärtchen für E selber malen?
Bislang kam ich immer auf Treu und Glauben auf (fast) jede Orgel in unterschiedlichsten Größen...

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Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Freitag, 06. Juni 2025, 14:54 (vor 458 Tagen) @ Dorforganist

Ja, so ein Orgelführerschein! Vielleicht wäre das doch was Schickes?
(Im Kleingedruckten dann zum Beispiel: Bis 1.500 Pfeifen. Oder: Bis 20 Tonnen Gesamtgewicht. Oder: Mit Anhänger bzw. Chororgel oder Fernwerk. Und in MV bräuchte man manchmal auch eine Kalkanten-Qualifikation....)


Mach' mir keine Angst! Muß ich mir dann ein Kärtchen für E selber malen?
Bislang kam ich immer auf Treu und Glauben auf (fast) jede Orgel in unterschiedlichsten Größen...

Ich denke, Fahren ohne Führerschein hat auf den Dörfern (jedenfalls in MV) weiterhin Tradition! :D

Dunkelgrau in MV

MAT @, Freitag, 06. Juni 2025, 07:58 (vor 458 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

In Buttforde gab es vor etlichen Jahren den Kirchenschlüssel in der örtlichen Tankstelle. In Eilsum hängt der Kirchenschlüssel für jeden zugänglich im Eingangsbereich des Pfarrhauses.

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Gruß
MAT

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