Weise - Kreuz und quer durch die Oberpfalz

MCVL @, Sonntag, 18. Mai 2025, 14:09 (vor 482 Tagen)
bearbeitet von MCVL, Sonntag, 18. Mai 2025, 21:11

Liebe Weise-Freunde,

nachdem nun meine Forschungsarbeiten zu den Weise-Orgeln in der Oberpfalz abgeschlossen und die Ergebnisse vollständig in das Werkverzeichnis eingearbeitet sind, soll nun ein buntes Potpourri aus zwölf Dispositionen bis 1945 entstandener Weise-Orgeln dieser Region folgen.

Überwiegend sind es Dispositionen, die bislang nirgendwo in der Literatur bzw. in Internet-Datenbanken erfasst worden sind.
Vielleicht ist ja für den einen oder anderen etwas Interessantes darunter.

Ich konzentriere mich nun auf die weitere Forschung in Niederbayern und werde mich zu gegebener Zeit wieder zum Thema melden.


Amberg, kath. Stadtpfarrkirche St. Georg

Erbaut 1941
Pneumatische Traktur - Kegelladen
Teile der Vorgängerorgel von Ludwig Edenhofer/Deggendorf 1904 verwendet

I. Manual C-g3
1) Bourdon 16'
2) Principal 8'
3) Tibia 8'
4) Viola di Gamba 8'
5) Octav 4'
6) Traversflöte 4'
7) Cornett 3-5fach
8) Mixtur 3fach 2'
9) Trompete 8'

II. Manual C-g3
10) Geigenprincipal 8'
11) Liebl. Gedeckt 8'
12) Salicional 8'
13) Spitzflöte 4'
14) Sesquialtera 2 2/3' + 1 3/5'
15) Nachthorn 2'

III. Manual C-g3
16) Rohrflöte 8'
17) Quintatön 8'
18) Principal 4'
19) Nachthorn 4'
20) Blockflöte 2'
21) Nassard 1 1/3'
22) Scharf 4fach 1'
23) Krummhorn 8'
24) Clarine 4'

Pedal C-d1
25) Principalbaß 16'
26) Subbaß 16'
-Zartbaß 16' (Abschwächung)
27) Violonbaß 8'
28) Gedecktbaß 8'
29) Choralbaß 4'
30) Posaune 16'


Kallmünz, kath. Pfarrkirche

Erbaut 1938 (Fertigstellung Dezember) als Opus 434
Pneumatische Traktur - Membranladen System Weise und Kegelladen

I. Manual
1) Quintade 16'
2) Principal 8'
3) Flauto dolce 8'
4) Gemshorn 8'
5) Rohrflöte 4'
6) Cornett 3-5fach

II. Manual
7) Nachthorngedeckt 8'
8) Salicional 8'
9) Octav 4'
10) Rohrflöte 4'
11) Nachthorn 2'
12) Spitzquint 1 1/3'
13) Scharf 3-4fach 1'

Pedal
14) Subbaß 16'
15) Octavbaß 8'


Kirchendemenreuth, kath. Pfarrkirche

Erbaut 1931 als Opus 325
Pneumatische Traktur - Membranladen System Weise
Teile der Vorgängerorgel von Heinrich Buck/Bayreuth verwendet

Manual
1) Principal 8'
2) Gedeckt 8'
3) Gamba 8'
4) Salicional 8'
5) Octav 4'
6) Superoctav 2'
7) Mixtur 2 2/3'

Pedal
8) Subbaß 16'
9) Cello 8'


Michelfeld, kath. Pfarrkirche (vormals Klosterkirche der Benediktiner)

Erbaut 1941 als Opus 477
Pneumatische Traktur - Membranladen System Weise
anonymes Rokokogehäuse

I. Manual
1) Principal 8'
2) Hohlflöte 8'
3) Viola 8'
4) Octav 4'
5) Dolceflöte 4'
6) Superoctav 2'
7) Mixtur 4-5fach 2 2/3'

II. Manual
8) Quintatön 16'
9) Gedeckt 8'
10) Gemshorn 8'
11) Salicional 8'
12) Schwebung 8'
13) Principal 4'
14) Blockflöte 4'
15) Nassard 2 2/3'
16) Waldflöte 2'
17) Cymbel 3fach
18) Trompete 8'

Pedal
19) Principalbaß 16'
20) Subbaß 16'
21) Octavbaß 8'
22) Gedecktbaß 8'
23) Choralbaß 4'
24) Posaune 16'


Mitterteich, kath. Stadtpfarrkirche

Erbaut 1931
Pneumatische Traktur - Membranladen System Weise

I. Manual
1) Bourdon 16'
2) Principal 8'
3) Flöte 8'
4) Gamba 8'
5) Octav 4'
6) Rohrflöte 4'
7) Mixtur 2'

II. Manual
8) Hornprincipal 8'
9) Gedeckt 8'
10) Quintatön 8'
11) Salicional 8'
12) Vox coelestis 8'
13) Spitzflöte 4'
14) Nassard 2 2/3'
15) Nachthorn 2'
16) Larigot 1 1/3'
17) Cymbel 1'
18) Trompete 8'

Pedal
19) Principalbaß 16'
20) Subbaß 16'
21) Octavbaß 8'
22) Flötenbaß 8'
23) Posaune 16'


Ottengrün, kath. Wallfahrtskirche (sog. "Kappl")

Erbaut 1931 als Opus 330
Pneumatische Traktur
Rokokogehäuse von 1727

Manual C-f3 (Superkoppel ausgebaut bis f4)
1) Principal 8'
2) Gedeckt 8'
3) Gamba 8'
4) Salicional 8'
5) Flöte 4'
6) Mixtur 2fach

Pedal C-d1
7) Subbaß 16'


Parsberg, kath. Stadtpfarrkirche

Erbaut 1927
Pneumatische Traktur - Membranladen System Weise

I. Manual
1) Bourdon 16'
2) Principal 8'
3) Flöte 8'
4) Gamba 8'
5) Dolce 8'
6) Octav 4'
7) Mixtur 2 2/3'

II. Manual
8) Geigenprincipal 8'
9) Gedeckt 8'
10) Quintatön 8'
11) Aeoline 8'
12) Vox coelestis 8'
13) Traversflöte 4'
14) Echomixtur 2 2/3'

Pedal
15) Subbaß 16'
16) Violonbaß 16'


Reichenbach am Regen, kath. Filialkirche (vormals Klosterkirche der Benediktiner)

Erbaut 1922
Pneumatische Traktur - Membranladen System Weise
anonymes Rokokogehäuse

I. Manual
1) Bourdon 16'
2) Principal 8'
3) Gedeckt 8'
4) Gamba 8'
5) Octav 4'
6) Mixtur 2 2/3'

II. Manual
7) Geigenprincipal 8'
8) Konzertflöte 8'
9) Quintatön 8'
10) Salicional 8'
11) Aeoline 8'
-Vox coelestis 8' (Sammelzug)
12) Traversflöte 4'
13) Fugara 4'

Pedal
14) Contrabaß 16'
15) Subbaß 16'
-Zartbaß 16' (Transmission)
16) Violon 8'

II-I; I 16'; I 4'; II-I 4'; II-I 16'; I-P; II-P
Automatisches Pianopedal


Riedenburg, Klosterkirche St. Anna

Erbaut 1930 als Opus 309
Pneumatische Traktur
Pneumatischer Umbau und Erweiterung der Vorgängerorgel von Martin Binder/Pfaffenhofen 1894

I. Manual
1) Principal 8'
2) Gedeckt 8'
3) Gamba 8'
4) Salicional 8'
5) Oktav 4'
6) Mixtur 2 2/3'

II. Manual
7) Solo-Flöte 8'
8) Aeoline 8'
9) Vox coelestis 8'
10) Nachthorn 4'

Pedal
11) Subbaß 16'
-Zartbaß 16' (Abschwächung)


Roggenstein, kath. Pfarrkirche

Erbaut 1911
Pneumatische Traktur - Membranladen System Weise

Transmissionsorgel

I. & II. Manual
1) Principal 8'
2) Gedeckt 8'
3) Quintatön 8'
4) Gamba 8'
5) Salicional 8'
6) Aeoline 8'
-Vox coelestis 8' (Sammelzug)
7) Traversflöte 4'
-Oboe 8' (labialer Sammelzug)
-Clarinette 8' (labialer Sammelzug)
8) Mixtur 2 2/3' (nur auf I. Manual spielbar)

Pedal
9) Subbaß 16'


Treffelstein, kath. Pfarrkirche

Erbaut 1935
Pneumatische Traktur - Kegelladen
Pneumatischer Umbau der Vorgängerorgel von Ludwig Edenhofer/Deggendorf 1898

Manual
1) Principal 8'
2) Gedeckt 8'
3) Gamba 8'
4) Salicional 8'
5) Octav 4'
6) Mixtur 3fach

Pedal
7) Subbaß 16'

Unteroktavkoppel
Oberoktavkoppel
Pedalkoppel
Tuttischalter


Walderbach, kath. Pfarrkirche (vormals Klosterkirche der Zisterzienser)

Erbaut 1923
Pneumatische Traktur - Membranladen System Weise

I. Manual
1) Bourdon 16'
2) Principal 8'
3) Gedeckt 8'
4) Gamba 8'
5) Octav 4'
6) Cornettmixtur 2 2/3'

II. Manual
7) Hornprincipal 8'
8) Konzertflöte 8'
9) Quintatön 8'
10) Salicional 8'
11) Aeoline 8'
-Vox coelestis 8' (Sammelzug)
12) Traversflöte 4'
13) Fugara 4'
14) Mixtur 2 2/3'

Pedal
15) Contrabaß 16'
16) Subbaß 16'
-Zartbaß 16' (Transmission)
17) Violon 8'

II-I; I 16'; I 4'; II-I 4'; II-I 16'; I-P; II-P
Piano - Mezzoforte - Fortissimo - Auslöser
Automatisches Pianopedal

Weise - Kreuz und quer durch die Oberpfalz

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Sonntag, 18. Mai 2025, 16:23 (vor 482 Tagen) @ MCVL

Gratulation zum End(?)produkt - die Weise-Reise war auch für Fernstehende eine interessante Aktion!

Orgeln wie Amberg St. Georg, Kallmünz, Michelfeld (ex Klosterkirche) und Mitterteich dürften bei den Zeitgenossen, insgesondere denen, die die Orgeln zu spielen hatten, wohl nicht nur auf Begeisterung gestoßen sein?
So viel protestantisch gefärbte Orgelbewegung, viele mehr Buxtehude als Reger...
Ist da etwas überliefert, dass trotz eventuell sehr positiver OSV-Voten die Basis murrte?

Weise - Kreuz und quer durch die Oberpfalz

Evacuant, Sonntag, 18. Mai 2025, 18:34 (vor 482 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Gratulation zum End(?)produkt - die Weise-Reise war auch für Fernstehende eine interessante Aktion!

Orgeln wie Amberg St. Georg, Kallmünz, Michelfeld (ex Klosterkirche) und Mitterteich dürften bei den Zeitgenossen, insgesondere denen, die die Orgeln zu spielen hatten, wohl nicht nur auf Begeisterung gestoßen sein?
So viel protestantisch gefärbte Orgelbewegung, viele mehr Buxtehude als Reger...
Ist da etwas überliefert, dass trotz eventuell sehr positiver OSV-Voten die Basis murrte?

Würde mich eigentlich wundern; die Orgeln sind doch gut mit Grundregistern ausgestattet; eine Palette sanfter Begleitregister ist überall vorhanden. Amberg und Mitterteich haben noch den nahezu kompletten spätromantischen Fundus, Michelfeld folgt dem elsässisch geprägten Modell mit 16' und Trompete im II. Manual, das I. Manual in Kallmünz mit Cornett statt Mixtur ist auch noch recht konservativ. Die Kleinfüßer werden im Stil der Zeit wohl ziemlich zurückhaltend intoniert worden sein.

Weise - Kreuz und quer durch die Oberpfalz

MCVL @, Sonntag, 18. Mai 2025, 19:12 (vor 481 Tagen) @ Evacuant

Gratulation zum End(?)produkt - die Weise-Reise war auch für Fernstehende eine interessante Aktion!

Orgeln wie Amberg St. Georg, Kallmünz, Michelfeld (ex Klosterkirche) und Mitterteich dürften bei den Zeitgenossen, insgesondere denen, die die Orgeln zu spielen hatten, wohl nicht nur auf Begeisterung gestoßen sein?
So viel protestantisch gefärbte Orgelbewegung, viele mehr Buxtehude als Reger...
Ist da etwas überliefert, dass trotz eventuell sehr positiver OSV-Voten die Basis murrte?


Würde mich eigentlich wundern; die Orgeln sind doch gut mit Grundregistern ausgestattet; eine Palette sanfter Begleitregister ist überall vorhanden. Amberg und Mitterteich haben noch den nahezu kompletten spätromantischen Fundus, Michelfeld folgt dem elsässisch geprägten Modell mit 16' und Trompete im II. Manual, das I. Manual in Kallmünz mit Cornett statt Mixtur ist auch noch recht konservativ. Die Kleinfüßer werden im Stil der Zeit wohl ziemlich zurückhaltend intoniert worden sein.

Sehe ich ähnlich. Wie es von "Stimmeisen" beschrieben wurde, dürften Intonationstechniken und der Stil durchweg noch romatisch geprägt gewesen sein.
Die Orgel in Michelfeld soll nach meinen Informationen erhalten sein, sie steht ganz oben auf der Liste der Instrumente, von denen ich mir vor Ort ein (Klang)-Bild machen möchte.

Weise - Kreuz und quer durch die Oberpfalz

MCVL @, Sonntag, 18. Mai 2025, 19:23 (vor 481 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Gratulation zum End(?)produkt - die Weise-Reise war auch für Fernstehende eine interessante Aktion!

Danke! Zumindest für die Oberpfalz das vorläufige Endprodukt. Jetzt geht es erst einmal in Niederbayern weiter mit dem Schwerpunkt "frühe Orgeln für das Bistum Passau".

Zu den klanglichen Charaktereigenschaften teile ich die Ansichten von "Evacuant", dazu passend und zusammenfassend der Beitrag von "Stimmeisen".

Weise - Kreuz und quer durch die Oberpfalz

Dorforganist, Sonntag, 18. Mai 2025, 19:53 (vor 481 Tagen) @ MCVL

Danke! Zumindest für die Oberpfalz das vorläufige Endprodukt. Jetzt geht es erst einmal in Niederbayern weiter mit dem Schwerpunkt "frühe Orgeln für das Bistum Passau".

Als sozusagen "Aborigine im Weise-Land Niederbayern" (Eisenbarth war für mich damals schon was Exotisches) bin ich fasziniert von den Ergebnissen, die Dein Fleiß ans Tageslicht gebracht hat. Die Firma war offensichtlich weitaus besser als ihr damaliger Ruf, auch wenn viele Arbeitspferde (auch der späteren Epochen) immer noch unermüdlich ihren Dienst tun und wohl auch noch lange tun werden.

Bin schon gespannt auf Deine Forschungsergebnisse in Niederbayern...

Weise - Kreuz und quer durch die Oberpfalz

MCVL @, Sonntag, 18. Mai 2025, 20:32 (vor 481 Tagen) @ Dorforganist

Bin schon gespannt auf Deine Forschungsergebnisse in Niederbayern...

Ein kleiner Vorgeschmack darauf (Loizenkirchen - bei Brenninger als ca. 1915 datiert, nunmehr kann die Orgel zu ihren 1931 entstandenen Schwestern hinzugefügt werden).

Und damit die Interessierten einmal eine der Hauptquellen für die Weise-Orgeln im Bistum Regensburg zu Gesicht bekommen: einer der hier schon öfters erwähnten "Meldebogen für Orgeln" aus dem Jahr 1944.

Für Niederbayern hoffe ich auf die Unterlagen der bayernweiten Orgelerhebung von 1928/30, die bislang von der Orgelforschung nahezu unbeachtet geblieben sind. Sie sind oftmals zuverlässiger als die 1944er-Bogen und so wie es aussieht, sind sie im Staatsarchiv Landshut tatsächlich zu finden.

Das Datum 13.12.1930 zu der Frage, aus welcher Zeit der Prospekt der Orgel stammt, dürfte auf einem Mißverständnis beruhen: vermutlich hat der Pfarrer das Datum angegeben, an welchem der Kostenvoranschlag von Weise entstand.


[image][image]

Weise - Kreuz und quer durch die Oberpfalz

perotin, Sonntag, 18. Mai 2025, 17:23 (vor 482 Tagen) @ MCVL

Amberg, kath. Stadtpfarrkirche St. Georg

I. Manual C-g3
1) Bourdon 16'
2) Principal 8'
3) Tibia 8'
4) Viola di Gamba 8'
5) Octav 4'
6) Traversflöte 4'
7) Cornett 3-5fach
8) Mixtur 3fach 2'
9) Trompete 8'

II. Manual C-g3
10) Geigenprincipal 8'
11) Liebl. Gedeckt 8'
12) Salicional 8'
13) Spitzflöte 4'
14) Sesquialtera 2 2/3' + 1 3/5'
15) Nachthorn 2'

III. Manual C-g3
16) Rohrflöte 8'
17) Quintatön 8'
18) Principal 4'
19) Nachthorn 2'
20) Blockflöte 2'
21) Nassard 1 1/3'
22) Scharf 4fach 1'
23) Krummhorn 8'
24) Clarine 4'


Merkwürdig finde ich die beiden "Nachthörner" 2', zumal es auf III ja auch noch eine Blockflöte 2' gibt. Ein prinzipalischer 2' findet sich hingegen nicht. Aber vielleicht wurde die Dispo zu irgendeinem Zeitpunkt ungenau auf- bzw. abgeschrieben...

Laut Wiki-Artikel gibt es die Orgel schon lange nicht mehr, und das Nachfolgeinstrument wurde erst kürzlich nach Ungarn verfrachtet. Ab 2026 gibt's wohl eine neue Klais...

Weise - Kreuz und quer durch die Oberpfalz

MCVL @, Sonntag, 18. Mai 2025, 18:52 (vor 481 Tagen) @ perotin

Merkwürdig finde ich die beiden "Nachthörner" 2', zumal es auf III ja auch noch eine Blockflöte 2' gibt. Ein prinzipalischer 2' findet sich hingegen nicht. Aber vielleicht wurde die Dispo zu irgendeinem Zeitpunkt ungenau auf- bzw. abgeschrieben...

Sorry das war ein Tippfehler meinerseits. Auch bei Michelfeld hat sich ein kleiner Fehler im Pedal eingeschlichen, den ich sofort korrigieren werde.

Weise - Kreuz und quer durch die Oberpfalz

Stimmeisen, Sonntag, 18. Mai 2025, 18:41 (vor 481 Tagen) @ MCVL

Ganz herzlichen Dank für Deinen Forscherfleiß, und, daß Du dessen Ergebnisse mit uns teilst!

Ich darf ergänzen:


Amberg, kath. Stadtpfarrkirche St. Georg

Fettdruck und Ergänzungen geben die Disposition der Edenhofer-Orgel wieder. Dieses Instrument war für der sehr großen Kirchenraum eklatant "untermotorisiert", deshalb die erhebliche Erweitertung durch Weise.


Erbaut 1941
Pneumatische Traktur - Kegelladen
Teile der Vorgängerorgel von Ludwig Edenhofer/Deggendorf 1904 verwendet

I. Manual C-g3
1) Bourdon 16'
2) Principal 8'
3) Tibia 8'
4) Viola di Gamba 8'
5) Octav 4'
6) Traversflöte 4'
7) Cornett 3-5fach
8) Mixtur 3fach 2'
9) Trompete 8'

ferner:
Mixtur 2 2/3' + 2' + 1 1/3'
Oberoktavkoppel I


II. Manual C-g3
10) Geigenprincipal 8'
11) Liebl. Gedeckt 8'
12) Salicional 8'
13) Spitzflöte 4'
14) Sesquialtera 2 2/3' + 1 3/5'
15) Nachthorn 2'

ferner:
Fugara 4'
Unteroktavkoppel II


III. Manual C-g3
16) Rohrflöte 8'
17) Quintatön 8'
18) Principal 4'
19) Nachthorn 2'
20) Blockflöte 2'
21) Nassard 1 1/3'
22) Scharf 4fach 1'
23) Krummhorn 8'
24) Clarine 4'

Pedal C-d1
25) Principalbaß 16'
26) Subbaß 16'
-Zartbaß 16' (Abschwächung)
27) Violonbaß 8'
28) Gedecktbaß 8'
29) Choralbaß 4'
30) Posaune 16'


Pfakofen, Lkr. Regensburg
1922, Membranenladen, nicht erhalten

Manual, C-f'''
Prinzipal 8'
Gedackt 8'
Flute harmonique 8'
Gamba 8'
Salicional 8'
Oktave 4'
Mixtur 2 2/3'

Pedal, C-d'
Subbaß 16'


Waffenbrunn, Lkr. Cham
1927, Membranenladen, erhalten

Manual I, C-g'''
Bordun 16'
Prinzipal 8'
Fernflöte 8'
Gamba 8'
Oktave 4'
Mixtur 3f. 2 2/3'

Manual II, im Schweller
Geigenprincipal 8'
Liebl. Gedeckt 8'
Quintatön 8'
Salicional 8'
Vox coelestis 8'
Traversflöte 4'

Pedal, C-d'
Contrabaß 16'
Subbaß 16'
Octavbaß 8'

Koppeln: OK I, OK II, MK/OK/UK II-I, PK I, PK II


Regensburg, Kirche des Priesterseminars
1934, opus 363, Membranenladen, nicht erhalten

Manual I, C-g'''
Principal 8'
Spitzflöte 8'
Quintade 8'
Oktave 4'
Rohrflöte 4'
Mixtur 3-4f. 2 2/3'

Manual II, im Schweller
Gedeckt 8'
Gemshorn 8'
Salicional 8'
Nachthorn 4'
Rohrquint 2 2/3'
Blockflöte 2'
Terz 1 3/5'
Oboe 8'

Pedal, C-f'
Subbaß 16'
Zartbaß 16'
Octavbaß 8'

Koppeln: MK/OK/UK II-I, PK I, PK II


Kleiner Exkurs nach Niederbayern:

Bodenmais, Lkr. Regen
1940, opus 468, Membranenladen, erhalten

Manual I, C-f'''
Prinzipal 8'
Spitzflöte 8'
Viola da Gamba 8'
Octave 4'
Mixtur 3-4f. 2'

Manual II, im Schweller
Gedackt 8'
Salicional 8'
Quintade 8'
Nachthorn 4'
Blockflöte 2'
Spitzquinte 1 1/3'
Cimbel 3f.

Pedal, C-d'
Subbaß 16'
Octavbaß 8'
Baßflöte 4'

Koppeln: OK/MK/UK II-I, PK I, PK II

Leider hat man die Orgel des Regensburger Priesterseminars, die sich in gutem Zustand befand, beim Umbau des Hauses vor etwa 20 Jahren durch eine neue ersetzt, meiner Meinung nach ein herber Verlust. Sie war außerordentlich klangschön, die Farben der Register ausgefeilt und vorzüglich aufeinander abgestimmt. Zur grandiosen Wirkung der Orgel trug auch der Kirchenraum bei; es ging durchaus in Richtung "Kathedralakustik". Mein Eindruck war, daß Weise seinem potentiellen Kundenkreis mit diesem Werk zeigen wollte, was er so drauf hatte.

Die Geringschätzung dieser Orgel und deren Abbruch waren für mich Anstoß, das Wirken der Fa. Weise näher zu erforschen. Auch pauschale Negativurteile an anderen Stellen wollte ich nicht so einfach akzeptieren.

Es ergibt sich nun für mich folgendes Bild:
Die Fa. Weise war ab den 1920er Jahren für etwa 60 Jahre ein Betrieb mit enormer Produktivität und überregionaler Bedeutung; der Abstand zu Steinmeyer ist diesbezüglich kleiner als gedacht. Die Fortschrittlichkeit und das kaufmännische Geschick von Michael Weise hat ihm in Ostbayern zu seiner Zeit die Marktführung beschert. Ich bin nicht ganz sicher, ob er die früheren "Platzhirsche" Siemann (München und Regensburg) und Edenhofer (Deggendorf) verdrängt hat oder ihnen einfach nachgefolgt ist. Bei Bedarf bekamen die Kunden sehr günstige Orgeln, indem Altmaterial (Register, Bälge etc.) Wiederverwendung fand.

Die Membranenladen mit konsequenter Abstrompneumatik von der Spielwindlade bis hin zur Tonmembran sind ein verhältnismäßig schnelles und zuverlässiges System, solange es keinen Verschleiß oder keine Holzschäden gibt. Die Kegelladen der Nachkriegszeit sind überaus solide und gekonnt konstruiert, so richtige Arbeitstiere, was ich auch von den Schleifladen behaupten möchte. Weise-Orgeln mit Schaumstoff auf den Ventilen oder Mechanikteilen aus Kunststoff sind mir persönich noch nicht untergekommen.

Bezüglich des Klanges kenne ich keine Weise-Orgel mit konsequent kernstichfreier Kernspaltenintonation auf offenen Füßen. Auch extreme Mensuren kamen nicht zum Einsatz, sodaß sich bei Instrumenten, die noch künstlerische Wünsche offen lassen, leicht Verbesserungen erzielen lassen. Ein kleines Detail: Besonders positiv ist mir die Intonation großer offener Holzpfeifen aufgefallen. Diese sprechen dank einer bewährten Kombination aus Seiten- und Rollenbärten sehr schnell und stabil an. Die meisten mir bekannten Weise-Orgeln haben durchaus eine gesunde Kraft und füllen ihre Räume gut. Die orgelbewegten Instrumente haben auch bei Weise "moderne" Dispositionen bei romantischer Intonation auf pneumatischen oder elektrischen Registerkanzellen. Regensburg, Priesterseminar (1934), Weiden, St. Augustinus (1935), Bodenmais (1940), wohl auch Niederalteich (1927, Ausgangspunkt für die "Weise-Mania" hier im Forum) bräuchten sich im internationalen Vergleich vermutlich nicht zu verstecken.

Einige Schattenseiten: Nicht immer kam bestes Material zum Einsatz. So bin ich z.B. schon sehr dünnwandigen Zinkpfeifen und grenzwertig schlecht verarbeiteten Pfeifen aus Altbeständen begegnet, die Weise besser nicht wiederverwendet hätte. Oft ist die Zugänglichkeit der Orgeln zu Wartung und Stimmung sehr unbefriedigend. Wenn bei den Membranenladen der Verschleiß in Form von brechenden Federchen, rissigem Leder und verrußten Nachstromdüsen einsetzt, werden die Störungen richtig unangenehm. Gleichwohl ist die Renovierung solch einer Orgel überlegenswert, sofern der Allgemeinzustand (Wurmbefall? Trocknungsrisse?) nicht allzu schlecht ist.

Doch genug der Pauschalierungen. Es kommt - wie immer - auf den Einzelfall an. Jedenfalls war die Fa. Weise bedeutender und produktiver als bislang bekannt und besser als ihr Ruf. Amen.

Weise - Kreuz und quer durch die Oberpfalz

MCVL @, Sonntag, 18. Mai 2025, 19:10 (vor 481 Tagen) @ Stimmeisen

Vielen herzlichen Dank für deine umfangreichen Ergänzungen.

Hinsichtlich der technischen Tücken wie sie von dir beschrieben werden, liegen die Windladen von Weise und von Koulen nicht weit auseinander.

Die pragmatische Verwendung von Altteilen hat beispielsweise in Württemberg auch die Firma Reiser gepflegt, die Kunden gelangten so an kostengünstige Orgeln, die dem liturgischen Gebrauch vollauf genügten. Leider hat auch Reiser manchmal fragwürdiges Pfeifenmaterial wieder verwendet. Aber Albert Reiser war ein wahrer Künstler darin, auch dünnwandiges Pfeifenwerk auf Registerkanzellenladen mit verhältnismäßig hohem Winddruck zum Klingen zu bringen, auch mit einigen Kniffen und Kunstgriffen.

Ja, Weise war in Bayern nach 1920 hinter Steinmeyer sicherlich die Nummer 2, was die Produktivität anbelangte und neben Klais und Späth mit die leistungsfähigste katholische Orgelbaufirma Deutschlands.

Weise - Kreuz und quer durch die Oberpfalz

Regermann @, Oberpfalz, Montag, 19. Mai 2025, 10:06 (vor 481 Tagen) @ Stimmeisen

Ergänzung zu der Edenhofer-Orgel in Amberg St. Georg: In Amberg St. Martin stand seit 1891 mit dem Opus 430 (31/II/P) eine große pneumatische Steinmeyer, die bis 1965 spielte. Edenhofer junior war damals neu in der Region tätig: 1899 Adertshausen, 1896 Kastl, 1897 Hohenburg.
Der Leiter des Amberger Studienseminars (St. Georg war die Studienkirche), der Priester und Heimatforscher Georg Blössner (Direktor 1894-1926) war Gymnasiast in Metten gewesen, daher wohl die Verbindung zu Edenhofer. Dieser erstellte 1902 ein vernichtendes Gutachten über die Funtsch-Orgel: "Nichtssagendes Geschrei", "ein unmusikalischer und Abscheu erregender Eindruck". Edenhofer hatte bis 1902 keine Orgeln größer als 16 Register gebaut, er war mit der Orgel für den großen Raum in St. Georg offensichtlich überfordert, die 16 Register waren zu wenig (Funtsch: 22). Steinmeyer hätte das wohl souverän gelöst.

--
freundliche Grüße, Regermann

Weise - Kreuz und quer durch die Oberpfalz

Regermann @, Oberpfalz, Sonntag, 18. Mai 2025, 21:45 (vor 481 Tagen) @ MCVL

Michelfeld: Heute wissen wir, dass das typische Gehäuse von Funtsch stammt.

--
freundliche Grüße, Regermann

powered by my little forum