Sparpedal?

ThoFi, Sonntag, 11. Mai 2025, 18:40 (vor 485 Tagen)

Also: hier in Pasing reichen 5 Register (Gedackt 32-16-8, offen Princ + Streicher 16-8, Posaune 16, Zunge 8-4), dazu Transmissionen und Koppeln weitaus...
Kommt halt auf die Mensuren an...
Thomas

Sparpedal?

Friedrich @, Montag, 12. Mai 2025, 10:21 (vor 484 Tagen) @ ThoFi

Also: hier in Pasing reichen 5 Register (Gedackt 32-16-8, offen Princ + Streicher 16-8, Posaune 16, Zunge 8-4), dazu Transmissionen und Koppeln weitaus...
Kommt halt auf die Mensuren an...

... und auf den Platz. Ich finde auch nicht, dass man dazu Sparpedal sagen kann, immerhin stehen vier unterschiedliche 16- und 8-Füße zur Verfügung, der offene Pedalbass und der 32' haben je 56 Pfeifen. Teure Register, die auch viel Platz und Infrastruktur brauchen.

Gut, dass die Posaune nicht gemolken wird -- da musste also keine Rücksicht auf Fortsetzung in die 8'-Lage genommen werden. Genau, die Mensuren sind's. Sie müssen dann relativ gleichmäßig verlaufen, ein Wachsen nach unten ist nicht sinnvoll. Wenn der Raum das so verträgt, ist dabei durchaus ein Luxuspedal herausgekommen.

Mit dem Grundmakel natürlich, dass es keine eigene Mixtur besitzt.

Viele Grüße
Friedrich

Sparpedal?

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Montag, 12. Mai 2025, 18:45 (vor 484 Tagen) @ Friedrich

Genau, die Mensuren sind's. Sie müssen dann relativ gleichmäßig verlaufen, ein Wachsen nach unten ist nicht sinnvoll.

Ja, das wollte ich auch noch anmerken:
Hat man eine Orgel, die z. B. nach Gedanken von Ernst Karl Rößler gestaltet wurde, so wurde auf einen gleichmäßigen, objektivierenden Klangverlauf in den registern geachtet. Sie waren sozusagen schon von vornherein besonders extensionstauglich. (Ich bin jetzt nicht völlig sicher, ob er beim Pedal andere Grundsätze zuließ, aber für die Manuale galt das - und begründet wurde das mit einer Notwendigkeit für die Darstellung von Polyphonie).
Eine Intonation wie bei ACC mit Anstieg zum Diskant hin dürfte bei Anwendung einer Superoctavkoppel bzw. einer oktavierenden Extension doch zu anderen Ergebnissen führen.

Sparpedal?

ThoFi, Montag, 12. Mai 2025, 23:13 (vor 483 Tagen) @ Friedrich

Hier die nutzbaren Register des Pedals (C-g1) in Pasing ohne Koppeln HW-P, POS expr-P, REC expr-P (letztere zu 8 und 4). Die "eigentlichen" Register/Pfeifen in Fettdruck.

Untersatz 32‘ Fichte gedeckt 32 Pfeifen
Kontrabaß 16‘ C-H Holz offen, dann 75% Sn offen 32 Pfeifen

Praestant 16‘ Transmission Hauptwerk (Prospekt, 88% Sn)
Violon 16‘ C-h° Zink, dann 88% Sn mit Expressionen und Streichbärten 32 Pfeifen
Subbaß 16‘ Extension Untersatz 32‘, Fichte gedeckt 12 Pfeifen
Lieblich Gedackt 16‘ Transmission Positiv, schwellbar mit ST 1
Octavbaß 8‘ Extension Kontrabaß 16‘, 75% Sn 12 Pfeifen
Cello 8‘ Extension Violon 16‘, C-H Zink, dann 88% Sn mit Expressionen und Streichbärten 12 Pfeifen
Bassflöte 8‘ Extension Subbaß 16‘, Fichte gedeckt, Aufschnitte ab gs° bogenförmig 12 Pfeifen
Lieblich Gedackt 8‘ Transmission Positiv, schwellbar mit ST 1
Octave 4‘ Extension Octavbaß 8‘, 75% Sn 12 Pfeifen
Lieblich Gedackt 4‘ Superoktav-Transmission Positiv, schwellbar mit ST 1

Posaune 16‘ Stiefel Holz, Becher Fichte, Mensur nach Ladegast, volle Länge 32 Pfeifen
Cor anglais 16‘ Transmission Positiv, schwellbar mit ST 1, volle Länge (C-F Posthornkropf)
Physharmonika 16‘ Floating, Wind- und Deckelschweller (ST 3)
Tuba Mirjam 8‘ Floating, Hochdruck 304mm WS
Trompete 8‘ Becher 75% Sn 32 Pfeifen
Physharmonika 8‘ Floating, Wind- und Deckelschweller (ST 3)
Tuba Mirjam 4‘ Floating, Hochdruck 304mm WS
Clarine 4‘ Extension Trompete 8‘, 75% Sn 12 Pfeifen
Physharmonika 4‘ Floating, Wind- und Deckelschweller (ST 3)

Die Floating-Register sind mit Wippen in jedem Werk schaltbar,
als Mixtur kann man bei Barock-Stücken z.B. das Plein jeu 4fach 4' des Récit mit der 8'- oder der 4'-Koppel (oder beides!) verwenden...

Thomas

Sparpedal?

musikinallerheiligen ⌂ @, Nürnberg, Dienstag, 13. Mai 2025, 14:35 (vor 483 Tagen) @ ThoFi

Haben wir in Allerheiligen (Nürnberg) ähnlich gelöst, jedoch ohne Extensionen im Großpedal (7 volle Register + Untersatz als Ext.)

Alle Transmissionen im Kleinpedal sind aus der Einzelsteuerung teils aus dem Prospekt heraus entstanden, somit nimmt man das ohne großen Aufwand mit und es sind schöne zusätzliche Nuancen.

Wir dachten auch, dass durch fast 10 Meter Abstand zum Großpedal ein gewisser Abhöreffekt vorhanden sein sollte - jetzt bei der Intonation fällt positiv auf, dass auch tiefe Lagen trotz Abstand wunderbar zu hören sind.

Durch geschickte (Pedal-)Transmissionen kann im Hauptgehäuse eine Orgel in der Orgel (komplett schwellbar) generiert werden.

Sparpedal?

Friedrich @, Dienstag, 13. Mai 2025, 15:43 (vor 483 Tagen) @ ThoFi

Danke für die detaillierte Liste!

als Mixtur kann man bei Barock-Stücken z.B. das Plein jeu 4fach 4' des Récit mit der 8'- oder der 4'-Koppel (oder beides!) verwenden...

Ja, klar -- Koppeln geht immer. Ich bilde mir ein, ich merke es -- zumindest manchmal --, wenn die Mixtur aus einem Guss mit den Pedal-Grundstimmen mensuriert und intoniert ist. Das gefällt mir dann oft besser als eine gekoppelte Klangkrone, die obendrauf mitschwimmt und erst in der zweiten Oktave in den 2 2/3' repetiert. Im Raum stört es mich auch nicht, wenn die Pedalmixtur von der C- auf die Cis-Seite springt (wenn die Orgel so angelegt ist), das höre ich da eher als belebenden Kontrast zu den anderen Plena, die meist klarer lokalisiert sind.

Viele Grüße
Friedrich

Sparpedal?

Orlos @, Dienstag, 13. Mai 2025, 16:12 (vor 483 Tagen) @ Friedrich

Sehr richtig.
Wenn Transmissionen aus einer völlig anderen Ecke als die echten Pedalregister kommen, kann das sehr irritierend sein.

Hier übrigens das Gegenteil eines Sparpedals mit merkwürdiger Aufstellung:
Großpedal vom Betrachter aus links hinter dem HW, Kleinpedal als Brüstungspositiv in der Mitte, Oktavbass 8' elektrisch im Prospekt vor dem Schwellwerk rechts. Da kommt das Pedal tatsächlich aus allen Richtungen, ohne Transmissionen.

[image]

Wiesbaden, St. Marien (mittlerweile ist unter dem Westfenster ein zusätzliches Werk mit gebrauchten Teilen ergänzt worden, das fehlt in der Beschreibung.)

Sparpedal?

ThoFi, Dienstag, 13. Mai 2025, 18:27 (vor 483 Tagen) @ Friedrich

Pasing: Plein jeu 4f im Récit mit 8'- bzw. 4'-Koppel ins Pedal:

C 4 - 2 - 1 1/3 - 1
c° 4 - 2 2/3 - 2 - 1 1/3
c'' 5 1/3 - 4 - 2 2/3 - 2 (betr. Koppel IIISuper-P)

mir fehlt da nichts.....

Thomas

Sparpedal?

otto krämer, Mittwoch, 14. Mai 2025, 14:06 (vor 482 Tagen) @ ThoFi

Sehr gut!

Das Spar-Derby, war: Sparpedal?

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Freitag, 16. Mai 2025, 23:28 (vor 479 Tagen) @ ThoFi
bearbeitet von Karl-Bernhardin Kropf, Freitag, 16. Mai 2025, 23:42

Ich durfte mal eine Woche lang in Derby Cathedral orgeln, lange her. Vor allem an der CO mit dem Visiting Choir. Die Hauptorgel, auf der Westempore aufgestellt, aber mit Fernspieltisch vorne, hörte ich nur gelegentlich, vor allem aber am Sonntag in den "großen" Gottesdiensten, wo ich neben dem Dienst an der CO das Postludium an der HO spielen durfte (nicht besonders gut, das Radialpedal machte mir zu schaffen...).

Zu diesen Zeitpunkten fand ich die Orgel recht okay, mindestens ansprechend, wusste aber noch nicht, dass sie fast völlig extendiert war. Damals hatte ich noch nicht soviel Ahnung von John Compton, den Multiplex´-Meister, und der hat den letzten Zustand verantwortet (Mehr hier incl. Dispo, aber ohne Reihenangabe). Es gab damals schon ein paar Änderungen, und zwar wurde der "straight"-Anteil etwas erhöht, also Register/Reihen, die wirklich nur sich selbst spielen. Um es wieder einmal zu sagen, ich habe akustisch bis dahin "nichts gemerkt". So viel zu Extensionen. Allerdings habe ich nicht lange und intensiv einregistriert oder so.
Die von mir um 2000 herum gespielte CO existiert nicht mehr, nur als Prospekt, stattdessen kam eine digitale Regent dazu, deren Konsole neben der Compton vorne steht.

Derby Cathedral gehört zu den Kathedralen, die "nur" als Pfarrkirchen gestartet sind und erst spät zu Kathedralen erhoben wurden, daher hat sie weder stilistisch noch von der Größe her das typische Erscheinungsbild. Die Musik dort ist aber höchst aktiv. Auf ihrer FB-Seite kann man die Orgel mit der Gemeinde hören, auch eine frankophile Impro zum Auszug gibt es.
Bei einigen Sachen (mit Chor) kann man aber nicht sicher sein, ob es die Compton oder die digitale Orgel ist. Eindeutig ist es hier bei diesem etwas wunderlich arrangierten Trumpet Voluntary und auch hier. Und hier auf der Seite noch ein recht bekanntes Orgelstück, das recht zimbelig daherkommt...*

Aus einem anscheinend vergriffenen Heftchen jetzt die Zuweisung der Reihen: Man sieht, dass bis auf einige "straight"-Reihen fast alles mehrfach genutzt wird. Der berühmte Polyphone 32, ein Klappen-Untersatz aus einer einzigen Pfeife, ist auch dabei. Vor kurzem von Nicholsons für Stockholm gebaut, hier ein schönes Video dazu.

[image]

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*) Hab erst später gesehen, dass dort auch ein Link zu einer Reihen-Aufschlüsselung angeboten wird.

Seit meinen Live-Eindrücken damals ist mein Motto:
Extension - es kommt drauf an, wie gut sie gemacht ist.

Unser allseits schlechtes Gewissen dabei ist schon berechtigt, klar. Aber an und ab darf man sich eine Mehrfachnutzung gönnen, finde ich.

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