Rücktritt der EKD-Vorsitzenden Kurschus 2023 wegen Kirchenmusiker-Falles

Orlos @, Mittwoch, 07. Mai 2025, 23:53 (vor 489 Tagen)

In einem langen Artikel berichtet die FAZ heute vom Bericht über den Missbrauchsfall in Siegen, über den Frau Kurschuss 2023 stürzte. Dabei ging es um einen dortigen langjährigen Kreiskantor, der zwar verheiratet war und Kinder hatte, aber sexuelle Handlungen an minderjährigen Orgelschülern vornahm. Das kam wohl schon 1997 heraus, wurde aber nicht verfolgt. Der Vorgang ploppte aber 2022 wieder auf. Frau Kurschus war damals Pfarrerin in dieser Gemeinde und stand 2022 im Fokus der kircheninternen Aufklärer, die jedoch ausgebremst wurden.
Es wäre ein Fehler, die Missbrauchstäter nur im zölibatären Bereich zu vermuten.

Rücktritt der EKD-Vorsitzenden Kurschus 2023 wegen Kirchenmusiker-Falles

Poupoulcorouse @, Elberfeld, Donnerstag, 08. Mai 2025, 02:14 (vor 488 Tagen) @ Orlos

Bingener hat ein nicht ganz unwichtiges Detail allerdings nicht sachgerecht wiedergegeben.
Das Einstiegsalter der C-Kurse liegt zwar bei 13-15, aber die Betroffenen waren nach den Schilderungen, die bereits 2023 veröffentlicht wurden, zur Tatzeit im Durchschnitt zwischen 17 und 19 Jahren alt. Das ändert nichts an der Verwerflichkeit der Ausnutzung des Abhängigkeitsverhältnisses und der manipulativen Methoden des Beschuldigten. Die Darstellung in der FAZ erweckt aber den Anschein, es ginge um Pädosexualität und das ist irreführend.

Was mich an der ganzen Sache besonders ärgert ist, daß öffentlich (im Bericht von Deloitte ist es Randnotiz, siehe hier: Download) kaum darüber diskutiert wird, wie das bis vor wenigen Jahren noch massiv ausgeprägt homophobe Klima im Siegerland zur Verschärfung dieses Falls beigetragen haben könnte. Daß Annette Kurschus vermeintlich wohlmeinend davon ausgegangen ist, es ginge bei den Anschuldigungen um homophobe Verleumdungen, liegt nahe, wenn man zwischen den Zeilen liest. Daß die Betroffenen auf seine Manipulationsversuche vielleicht selbstbewusster reagiert hätten, wenn er nicht im Dunkelbereich des Tabus so auf seine krude Eigenlegende ("alte Griechen" usw. siehe Bericht) hätte setzen können, also wenn ein aufgeklärterer Umgang mit dem Thema Homosexualität geherrscht hätte, ist vielleicht das tragischste Detail an dieser ganzen Sache.

Erschütternd ist, wie dilettantisch nicht nur in Siegen, sondern auch in Bielefeld herumgewurschtelt wurde. Erschütternd ist, wie in einem Klima aus Geraune und Tabuisierung die Betroffenen immer wieder kleingehalten wurden und mit welchen Psychospielchen auf so gut wie allen Seiten versucht wurde, sich vom ethisch Offensichtlichen abzulenken. Das ist schon wirklich ein atemberaubendes Maß an ethischer Inkompetenz.

Mir graut vor der Debatte, die jetzt darüber geführt werden könnte.
Ich hoffe, daß die Angehörigen des Beschuldigten, dessen Identität nach dem Deloitte-Bericht ohnehin offenliegt (auch wenn dort von "Schutz der Privatsphäre" gesprochen wird), insbesondere seine Kinder (seine Ehefrau erscheint im Bericht eher wie eine Mittäterin), nun angemessene seelsorgliche Hilfe bekommen und daß die Empfehlungen an die Kirchenleitung entschieden umgesetzt werden.

Rücktritt der EKD-Vorsitzenden Kurschus 2023 wegen Kirchenmusiker-Falles

3rd_astronaut, Donnerstag, 08. Mai 2025, 15:13 (vor 488 Tagen) @ Orlos

Es wäre ein Fehler, die Missbrauchstäter nur im zölibatären Bereich zu vermuten.

ja, das hört man oft, dass der zölibat diese vorgänge schon quasi erzwingen würde. das ist natürlich vollquatsch: in allen abhängigkeitsstrukturen entstehen bei fehlender überwachung oder bei homogenen und geschlossenen konfigurationen solche missstände.
im leistungssport z.b. steht die aufklärung noch ganz am anfang. modelagenturen schienen teilweise nur zu diesem zweck unterhalten worden zu sein. das filmgeschäft ist sprichwörtlich dafür mit der besetzungscouch, im musikbusiness zeichnen sich ähnliche zustände ab ... usw.

einzig typisch für die jeweiligen bereiche könnten sexuelle präferenzen sein, aber nicht das ausmaß.

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