Koulen

MCVL @, Montag, 05. Mai 2025, 17:57 (vor 490 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von MCVL, Montag, 05. Mai 2025, 18:12

Herzlichen Dank für diese Dokumente, vor allem diejenigen, welche Koulen betreffen, war und bin ich doch ein großer Freund dieser klanglich sehr ansprechenden und farbenreichen Orgeln mit herrlichen Charakterstimmen, brachialen Tutti und einer sehr präzisen Pneumatik und hatte selbst auch beruflich an etlichen Koulen-Orgeln (Tiefenbach/Oberstdorf, Pleß an der Iller, Moosbach, Sulzberg, Hasberg, Markt Wald, Baisweil, Kettershausen) zu tun.

Meinerseits denke ich, daß die Rostocker Orgel, wäre sie denn gebaut worden, sicher mit Notreparaturen, Ausreinigungen und dergleichen bis in die 1980er Jahre am Laufen geblieben wäre.

Die Orgel in Hausham wurde hier ja schon für einen Besuch empfohlen, gleiches gilt meiner Meinung für die nicht minder prächtige Orgel in Kettershausen, die kürzlich von Kubak mustergültig restauriert wurde.

In den kommenden Tagen transkribiere ich die Handschift, ich habe es mal überflogen, meiner Meinung nach stammen die Texte nicht von dem Kommerzienrat selbst, sondern sind Konzepte für Antworten an Koulen aus der Feder eines Mitglieds der Kirchenverwaltung. Es dreht sich grob gesagt über die Leistung einer Zahlung an Koulen für bereits angefertigte Bestandteile der Orgel.

Hier einmal eine Seite des von mir selbst zusammengestellten Werkverzeichnis der Firma, welches ein gutes Bild über das Wirken und die Leistungsfähigkeit dieser Werkstätte vermittelt.
Wenn es von Interesse ist, kann ich auch die komplette Liste einstellen.


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Die Membranlade System Koulen (samt den Spielapparaten im Spieltisch und den Abstromstationen an den Windladen) sei in der nachstehenden Zeichnung den interessierten Foristen nähergebracht. Der wesentliche Unterschied zu der Weigle-Membranlade besteht darin, daß die sogenannten "Haubenmembranen" bei Koulen auf die Fundamentbretter der Windladen aufgeleimt sind und im Störungsfall Pfeifenwerk und Stöcke abgebaut werden müssen, während die Membranen bei Weigle auf sogenannten "Membrandeckeln", welche mit Eisenreibern an der Unterseite der Windlade befestigt sind, sitzen, bei Weigle im Störungsfall also nur die Membrandeckel demontiert werden müssen. Ein weiterer Unterschied zwischen Koulen und Weigle ist die Wahl des Leders für die Membranen: Weigle verwendete dafür relativ dickes Schafleder, welches mittels eines speziellen Verfahrens präpariert wurde, Koulen für seine Haubenmembranen dünnes Darmleder.


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Eine typische Koulen-Disposition, die meines Wissens bislang nicht publiziert wurde, habe ich im Zuge meiner Weise-Forschungen im Bistumsarchiv Bamberg ermitteln können. Die einzige Koulen-Orgel für Oberfranken entstand 1918 für Steinfeld (Opus 204) und stellt eines der letztgebauten Instrumente der Werkstatt dar:


I. Manual
1) Principal 8'
2) Harmonieflöte 8'
3) Quintatön 8'
4) Gamba 8'
5) Gemshorn 8'
6) Dolce 8'
7) Octav 4'

I. Manual (im Schweller)
8) Geigenprincipal 8'
9) Liebl. Gedeckt 8'
10) Salicional 8'
11) Vox celest 8'
12) Traversflöte 4'
13) Quinte 2 2/3'
14) Piccolo 2'
15) Terz 1 3/5'

Pedal
16) Subbaß 16'
- Still Gedeckt 16' (Abschwächung)
17) Cello 8'


Daß die Firma aus dem badischen Oppenau in Bayern, besonders im Kreis Schwaben und Neuburg, bekannt wurde, war dem Eichstätter Domkapellmeister und Orgelrevidenten Wilhelm Widmann zu verdanken, der mit Koulen seit dem Bau der (technisch) nicht unumstrittenen Münsterorgel in Strasbourg 1897 in Austausch stand und immer wieder in Fachperiodika das Wort für Koulen ergriff. Die ersten Koulen-Orgeln unter Expertise von Widmann für Bayern entstanden 1898/99 für Gaimersheim, Missen, Scheffau und Reicholzried, wobei letztere im weitgehenden Originalzustand erhalten ist.
Die Zusammenarbeit zwischen Koulen und Widmann gefiel nicht allen; als es an die Vergabe der Orgeln für Landshut und die Basilika Altötting ging, wurde Widmann (meines Wissens von Siemann) vorgeworfen, er würde von Koulen ordentlich geschmiert werden, was zu juristischen Auseinandersetzungen führte, die aber schlußendlich Widmann von allen Korruptionsvorwürfen entlasteten.

Wilhelm Widmann stammte gebürtig übrigens aus Missen im Allgäu und selbstverständlich durfte Koulen dort auch eine Orgel bauen, eine der ersten Koulen-Orgeln im Allgäu. Nun denn, hat Koulen Widmann tatsächlich nicht geschmiert? : -) Ich glaube es eher nicht, Widmann war einfach ein überzeugter Anhänger der Koulenschen Bauweise und Intonation.

Hier das entsprechende Werbeblatt für die Orgel nach Missen, die umgebaut und erweitert durch Zeilhuber immer noch vorhanden ist:


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Und abschließend noch ein Portrait einer der bekanntesten großen Koulen-Orgeln, der kolossalen Orgel für St. Ulrich und Afra in Augsburg, die leider erst spät einem Neubau zum Opfer gefallen ist. Der Beitrag erschien in der in Graz erschienenen "Zeitschrift für Orgel- und Harmoniumbau" (Jg. 1 Nr. 4-6).


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