Orgeln rund um den Schliersee?
Dorforganist, Montag, 21. April 2025, 23:22 (vor 504 Tagen)
Und wieder die obligatorische Anfrage an die Forumsspezialisten:
Wir sind vom 8.-14.5. am Schliersee; ein Besuch in Valley ist natürlich gesetzt, aber wo gibt es sonst noch sehens-/hörens-/spielenswerte Orgeln in erreichbarer Entfernung zum Schliersee?
Orgeln rund um den Schliersee?
Uli Skriwan
, Zwischen Inn und Salzach, Montag, 21. April 2025, 23:45 (vor 504 Tagen) @ Dorforganist
Koulen, ausgebaute Unteroktave, war: Orgeln rund um den Schliersee?
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Dienstag, 22. April 2025, 10:48 (vor 504 Tagen) @ Uli Skriwan
Unbedingt auf die Besuchsliste sollte aber die große Koulen-Orgel in Hausham.
Ich hab mit dem Süden ja kaum was zu tun (bin aber trotzdem fasziniert von der Entwicklung des Weise-Threads und staune ebenfalls über diese Werkstatt). Doch wenn der Name Koulen fällt, horche ich doch auf, hat diese Firma ja einst (1919) den Auftrag zum Bau einer praktisch neuen Orgel (IV/102) hier in St. Marien erhalten.
Würde man spekulieren, dass dieses Instrument errichtet worden wäre - es kam nicht dazu, da die Firma bald pleite ging und Koulen sich zu Welte flüchtete - könnte man sich fragen, ob es zumindest bis 1939 überlebt hätte. Wenn ja, wären die Chancen evtl. nicht so schlecht, dass das Instrument auch nach dem 2. WK weiter gepflegt hätte werden müssen, da man in der DDR zu einem Neubau eines ähnlich großen Instruments eher nicht in der Lage gewesen wäre. Sicherlich hätte es Umdisponierungen gegeben.
Tja, und jetzt kam der Moment, wo ich nachsehen wollte, welche Steuerung vorgeschlagen war - denn in der DDR hätte man wohl doch Elektrik nachgerüstet, wenn nicht schon vorhanden. Es zeigt sich, dass für Ped. und Man. I, III, IV Elektrik vorgesehen war, für das II. (HW) aber "nur" Pneumatik. Vereutlich als Backup, falls die komplexe Elektronik (*lach*) ausfallen würde.
Und jetzt kommt's:
Ich hatte doch hier mich an ausgebaute Unteroktaven zu erinnern gemeint. Ich schweifte viel zu weit in die Ferne, denn eigentlich "hätte" ich sie vor der Nase gehabt, hätte die Spekulation gegriffen. Letzter Absatz des Kostenvoranschlags:
Darin einbegriffen ist die Durchführung der Unteroctavkoppeln für Manual III und Hochdruckorgel und zwar bei Man. III wie bei Hochdruck, je mit einem Offenen und Gedeckten 16' und 8', einer Quinte 5 1/3, eines 4' und einer Zungenstimme als 16'.
Ferner die Durchführung der Oberoctavkoppel von Man. III, Hochdruck und Fernwerk, für alle Register die nicht über 2' hinausgehen.
Obwohl für das Lagerwerk T- und U-Eisen vorgesehen sind, frage ich mich doch, ob dieses Werk samt dreier Schwellkästen sich in damaliger Technik wirklich hätte einbauen lassen. Naja, der Grenzing-Weimbs-Entwurf in unserem Planungswettbewerb hatte 124 Register (mit zahlreichen Transmissionen) dort oben untergebracht. Und anders als Koulen dafür aber bereits eine recht hoch auflösende Konstruktionszeichnung vorgelegt.
Ach, all die Träumchen von 1919, 2024 und... Hier ein aktuelles Bild vom derzeit aufgestellten Altar-Gerüst aus. Hört Ihr die Koulen brausen? (und die Leckagen sausen) :D
![[image]](images/uploaded/202504220845496807573d5b612.jpg)
Koulen, ausgebaute Unteroktave, war: Orgeln rund um den Schliersee?
elias.orgel, Dienstag, 22. April 2025, 11:39 (vor 504 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Ich hab mit dem Süden ja kaum was zu tun ... Doch wenn der Name Koulen fällt, horche ich doch auf, hat diese Firma ja einst (1919) den Auftrag zum Bau einer praktisch neuen Orgel (IV/102) hier in St. Marien erhalten.
...
Darin einbegriffen ist die Durchführung der Unteroctavkoppeln für Manual III und Hochdruckorgel und zwar bei Man. III wie bei Hochdruck, je mit einem Offenen und Gedeckten 16' und 8', einer Quinte 5 1/3, eines 4' und einer Zungenstimme als 16'.
Ferner die Durchführung der Oberoctavkoppel von Man. III, Hochdruck und Fernwerk, für alle Register die nicht über 2' hinausgehen.
sehr interessant - sowas habe ich wirklich noch nie irgendwo gesehene,
geschweige denn davon gehört...
wenn ich das richtig verstehe also 2 (Werke) x 7 (Register) x 12
= 168 Pfeifen zusätzlich für die SuboktavKoppeln...
und
es gibt aber leider "nur" diese Beschreibung - gebaut worden ist es nicht,
auch nicht irgendwo anders ?
--
Orgelspielen heißt: im Sitzen tanzen ...
... für Gott
Koulen, ausgebaute Unteroktave, war: Orgeln rund um den Schliersee?
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Dienstag, 22. April 2025, 16:23 (vor 503 Tagen) @ elias.orgel
wenn ich das richtig verstehe also 2 (Werke) x 7 (Register) x 12
= 168 Pfeifen zusätzlich für die SuboktavKoppeln...
und
es gibt aber leider "nur" diese Beschreibung - gebaut worden ist es nicht,
auch nicht irgendwo anders ?
Also jedenfalls nicht von Koulen, sein Konkurs fand bald nach Auftragsvergabe statt. Ich kann die Korrespondenz leider schlecht lesen, denn von Rostocker Seite liegen nur Konzepte der Briefe vor - so scheint es mir jedenfalls - , die sehr flüchtig auf die eingegangene Post draufgekritzelt wurden. Unser Kirchenrat, geführt von einem Kommerzienrat, hoffte, noch etwas aus der Konkursmasse herausholen zu können, aber das wurde abgeschmettert, es wäre nichts mehr da. Koulen seinerseits behauptete, dass ein zügigerer Abschluss und vor allem die ehere Überweisung der 1. Rate (die wir aber trotzdem verloren hatten) die Insolvenz hätte abwenden können. Erinnert an aktuelle Schiffbau- oder Elektroflugzeug-Themen.
Koulen, ausgebaute Unteroktave, war: Orgeln rund um den Schliersee?
fluteceleste
, Mittwoch, 23. April 2025, 08:30 (vor 503 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Sehr interessant...kannst Du uns mit der Koulen Dispo erfreuen? ;-) ich glaube das würde ein schöner (neuer) Thread
Koulen, ausgebaute Unteroktave, war: Orgeln rund um den Schliersee?
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Mittwoch, 23. April 2025, 11:00 (vor 503 Tagen) @ fluteceleste
Sehr interessant...kannst Du uns mit der Koulen Dispo erfreuen? ;-) ich glaube das würde ein schöner (neuer) Thread
Ich hab ja noch eine ebenso große Dispo von Sauer....*
Ich hab eine solche Anfrage schon mal abgebügelt, wegen angestrebter "Eigenverwertung". Aber ist wahrscheinlich Quatsch, denn hier passiert eh nicht viel, und worauf soll man dann warten.... Ich schau mal.
*) Vermutlich gab es auch einen Dispo-Vorschlag an die Bieter. Es gibt Ähnlichkeiten. Andererseits würden viermanualige Entwürfe jener Zeit wohl ohnehin Ähnlichkeiten aufweisen. Ein dritter Anbieter, den wir aus heutiger verfahrenstechnischer Sicht erwarten würden, ist zumindest nicht aktenkundig geworden.
Koulen, ausgebaute Unteroktave, war: Orgeln rund um den Schliersee?
Friedrich
, Mittwoch, 23. April 2025, 13:06 (vor 503 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
*) Vermutlich gab es auch einen Dispo-Vorschlag an die Bieter. Es gibt Ähnlichkeiten. Andererseits würden viermanualige Entwürfe jener Zeit wohl ohnehin Ähnlichkeiten aufweisen. Ein dritter Anbieter, den wir aus heutiger verfahrenstechnischer Sicht erwarten würden, ist zumindest nicht aktenkundig geworden.
Gemeine Anmerkung. Grüneberg? Ladegast-Sohn? Runge?
Wie kamen die überhaupt nochmal auf Koulen, ausgerechnet?
Rätselt in Nachschlagefaulheit
Friedrich
Koulen, ausgebaute Unteroktave, war: Orgeln rund um den Schliersee?
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Mittwoch, 23. April 2025, 19:36 (vor 502 Tagen) @ Friedrich
*) Vermutlich gab es auch einen Dispo-Vorschlag an die Bieter. Es gibt Ähnlichkeiten. Andererseits würden viermanualige Entwürfe jener Zeit wohl ohnehin Ähnlichkeiten aufweisen. Ein dritter Anbieter, den wir aus heutiger verfahrenstechnischer Sicht erwarten würden, ist zumindest nicht aktenkundig geworden.
Gemeine Anmerkung. Grüneberg? Ladegast-Sohn? Runge?
Wie kamen die überhaupt nochmal auf Koulen, ausgerechnet?Rätselt in Nachschlagefaulheit
Friedrich
Walcker wäre natürlich ein Kandidat, gab's damals auch schon zwei Mal in der Stadt (Heiligen Geist und St. Petri). Vielleicht wollte man "mal was anderes"? Galt er als teuer? Schlag & Söhne wären auch noch möglich.
Koulen brachte er sich vielleicht selbst in's Spiel? In den Akten liegt eine Zuschriftt von Furtwängler aus 1923, als unverbindliche Initiativbewerbung für alle Orgel-Gewerke.
Koulen, ausgebaute Unteroktave, war: Orgeln rund um den Schliersee?
Große Pfeife
, Mittwoch, 23. April 2025, 23:32 (vor 502 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Furtwängler und Hammer wären vielleicht gar keine schlechte Wahl gewesen. Habe ein lange vernachlässigtes Instrument viele Jahre gespielt - unkaputtbar.
Orgeln rund um den Schliersee?
Karsten
, Montag, 21. April 2025, 23:51 (vor 504 Tagen) @ Dorforganist
Und wieder die obligatorische Anfrage an die Forumsspezialisten:
Wir sind vom 8.-14.5. am Schliersee; ein Besuch in Valley ist natürlich gesetzt, aber wo gibt es sonst noch sehens-/hörens-/spielenswerte Orgeln in erreichbarer Entfernung zum Schliersee?
Hallo!
Das als erste Orientierung:
https://organindex.de/index.php?title=Kategorie:Landkreis_Miesbach
Die Koulen in Hausham könnte von Interesse sein...
Gruß
Karsten
Koulen Hausham
Dorforganist, Samstag, 17. Mai 2025, 00:23 (vor 479 Tagen) @ Karsten
Und wieder die obligatorische Anfrage an die Forumsspezialisten:
Wir sind vom 8.-14.5. am Schliersee; ein Besuch in Valley ist natürlich gesetzt, aber wo gibt es sonst noch sehens-/hörens-/spielenswerte Orgeln in erreichbarer Entfernung zum Schliersee?
Hallo!Das als erste Orientierung:
https://organindex.de/index.php?title=Kategorie:Landkreis_MiesbachDie Koulen in Hausham könnte von Interesse sein...
Gruß
Karsten
Mit dem Besuch in Valley war es leider nix, weil S.Lampl zu dieser Zeit keine Führungen anbot, aber das freundliche Bodenpersonal Gottes in Hausham bot mir sogar an, die Orgel außerhalb der offiziellen Dienstzeiten aufzusperren, und dieses Angebot zu einem (zweiten) Besuch nahm ich natürlich gerne an (zum klanglichen Eindruck beim ersten Besuch siehe hier).
Die Pfarrgemeinde wurde offensichtlich gerade noch rechtzeitig auf den Wert ihres Instruments hingewiesen und ist inzwischen stolz auf ihr spezielles Instrument
![[image]](images/uploaded/202505162139466827b0a295cb9.jpg)
wofür sich auch ein rühriger Orgelbauverein einsetzt, der praktischerweise gleich an das Pfarrbüro angegliedert ist. Die große Instandsetzung von 2013 hat Vleugels vorgenommen, das Instrument ist immer noch in einem sehr guten Zustand, wenn auch einige kleinere Aussetzer behoben werden sollten.
Da diesmal mehr Zeit war, nutzte ich die Gelegenheit, um auch ein paar Fotos zu machen. Der Prospekt des Architekten Hauberrisser dominiert die großzügig bemessene Empore:
![[image]](images/uploaded/202505162129356827ae3fea675.jpg)
Die erste Herausforderung ist allerdings die Suche nach dem Schalter für den Orgelmotor. Dieser findet sich hinter der Tür im Untergehäuse an der Wand
was mich natürlich motiviert hat, mich innen ein bißchen umzusehen: das gesamte Untergehäuse ist Balgkammer
![[image]](images/uploaded/202505162133446827af387d53f.jpg)
während im ersten Stock die gesamte Orgel auf Sturz steht
![[image]](images/uploaded/202505162134346827af6a2b954.jpg)
was zu einer interessanten Schwellwerkskonstruktion führt: die Jalousien liegen auf dem schrägen Dach des Schwellkastens, so daß der Schall eher nach oben reflektiert wird
![[image]](images/uploaded/202505162136166827afd0759bf.jpg)
Der Spieltisch wurde wohl z.T. auf das historische Aussehen zurückgebaut, so daß er jetzt wieder recht authentisch wirkt:
![[image]](images/uploaded/202505162202406827b6002a6f0.jpg)
![[image]](images/uploaded/202505162205016827b68d578af.jpg)
![[image]](images/uploaded/202505162205236827b6a312ae1.jpg)
![[image]](images/uploaded/202505162205476827b6bbdc32e.jpg)
Das Registercrescendo ist ein Tritt, der wie der Schwelltritt in der gleichen Richtung bewegt wird, und dessen Stand von einer großen Uhr angezeigt wird
![[image]](images/uploaded/202505162211276827b80f241fa.jpg)
![[image]](images/uploaded/202505162203116827b61fa21db.jpg)
Während es additiv zu den manuellen Registrierungen wirkt, lösen die festen Kombinationen
![[image]](images/uploaded/202505162209096827b7856198b.jpg)
die Handregister ab, so daß zusammen mit der freien Kombination quasi 7 Ebenen registriert werden können - für eine Orgel in einer mittelgroßen Dorfkirche also durchaus genügend Möglichkeiten. Da kommt keine Langeweile auf...