„Fuge C-dur für Orgel – Joh. Seb. Bach – Professor GÜNTHER RAMIN Orgel-Solo“
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, Donnerstag, 17. April 2025, 21:54 (vor 509 Tagen)
Vor etlichen Jahren hatte ich diese Schellackplatte erworben und digitalisiert. Beim Durchstöbern einer externen Festplatte und dem erneuten Hören dieser Aufnahme fiel mir die heftige Temposteigerung doch deutlich auf.
Ob es etwas mit der damaligen Technik zu tun haben könnte, entzieht sich meiner Kenntnis. Meines Erachtens möglich, aber eher unwahrscheinlich. Zwar hatte ich mal etwas vom Rubato Ramins gelesen, würde es jedoch hier eher als Accelerando bezeichnen.
Wie dem auch sei: Vielleicht stößt Ramins doch individuelle Interpretation hier und dort auf ein ähnliches Interesse.
Einen guten 2. Teil der Heiligen Woche wünscht
Matthias
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„Fuge C-dur für Orgel – Joh. Seb. Bach – Professor GÜNTHER RAMIN Orgel-Solo“
HARP64, Freitag, 18. April 2025, 00:02 (vor 509 Tagen) @ www.Orgeljournal.de
Es ist wohl nicht anzunehmen, dass ein Tontechniker Herrn Ramin Zeichen gab, schneller zum Ende zu kommen, weil die Kapazität der Schellackplatte erreicht war. ;-)
Ich hätte aber vielleicht die Idee, dass der Straube-Schüler von der Fuge D-Dur op. 59,6 von Max Reger inspiriert war. Meiner Wahrnehmung nach wird es auf der Aufnahme zum Schluss ja auch immer lauter.
Aber kann es sein, dass auf dem Orgelpunkt G am Ende die Posaune versagt hat?
Karfreitagsgrüße von HARP
„Fuge C-dur für Orgel – Joh. Seb. Bach – Professor GÜNTHER RAMIN Orgel-Solo“
Cremona, Freitag, 18. April 2025, 09:53 (vor 509 Tagen) @ HARP64
Diese Interpretation von Günther Ramin steht in der Tat in einer Ausführungstradition aus dem frühen 20. Jahrhundert: Anfang des 20. Jahrhunderts war es absolut modern, eine Bach-Fuge im ständigen Crescendo und Accelerando zu spielen. Man lese das Buch "Johann Sebastian Bach" von Albert Schweitzer, Kapitel "Wiedergabe der Orgelwerke", der sich als erster von dieser Praxis distanzierte. Z.B. schreibt er auf S. 266 (Ausgabe 1967): "Statt einer großen, von Anfang bis zu Ende durchgeführten Steigerung, wie wir uns als Moderne die Fuge denken, haben wir also bei Bach zwei gleichwertige Hauptsätze, die einen Nebensatz einschließen." Auch andere Fugen-Konzeptionen des frühen 20. Jahrhunderts erwähnt Schweitzer und verwirft sie, siehe S. 264: "Oft erlebt man es auch, daß in einer Fuge die ganze architektonische Plastik dem Bestreben geopfert wird, dem Publikum das Thema immer recht hörbar zu machen, wozu man dann bei jedem Eintreten desselben mit den andern Stimmen das Hauptmanual verläßt und auf das Nebenklavier geht. Das ist ein unerlaubtes Herausarbeiten von Effekten. Es kommt auch mitunter vor, daß man Bachsche Fugen vorgesetzt bekommt, die sich fischleibartig verjüngen und im schönsten pianissimo verklingen."
Auf dem Orgelpunkt wurde sicher die Posaune abgestoßen, damit sie die Oberstimmen nicht zudecken möge, und anschließend wieder gezogen. Auch das war ein übliches Vorgehen, z.B. wurde das Pedal bei den Orgelpunkten in der Toccata F-Dur abregistriert und für die Soli wieder aufregistriert. Albert Schweitzer beschreibt das in "Deutsche und französische Orgelbaukunst und Orgelkunst", Wiesbaden 1906, S. 10: "Man höre Widor ohne Veränderung der Manualklangfarbe den großen Orgelpunkt des Pedals in der Fdur-Toccata von Bach anschwellen lassen! Man höre ihn den Bässen im Gmoll-Präludium gebieten! Ehe die gehaltene Baßnote einsetzt, fliegen durch fünf kurze aufeinanderfolgende Bewegungen seine sämtlichen Pedalkoppeln ab. Nun, gegen Ende der gehaltenen Note, tritt jede zu ihrer Zeit auf dem starken Taktteil, die Betonung verstärkend, wieder ein: V, IV, III, II, I KLavier! Dasselbe Manöver wird sechs- oder siebenmal wiederholt. Aber ich gestehe, daß ich sonst das Gmoll-Präludium noch nie ohne "Baßbeschwerden" gehört habe."
„Fuge C-dur für Orgel – Joh. Seb. Bach – Professor GÜNTHER RAMIN Orgel-Solo“
link1907
, Freitag, 18. April 2025, 12:01 (vor 509 Tagen) @ Cremona
Diese Interpretation von Günther Ramin steht in der Tat in einer Ausführungstradition aus dem frühen 20. Jahrhundert: Anfang des 20. Jahrhunderts war es absolut modern, eine Bach-Fuge im ständigen Crescendo und Accelerando zu spielen.<
Heinrich Reimann, der wohl wichtigste Lehrer von Karl Straube, hat das so praktiziert.
Diese Ausführungstradition stammt wohl von ihm.
„Fuge C-dur für Orgel – Joh. Seb. Bach – Professor GÜNTHER RAMIN Orgel-Solo“
Friedrich
, Freitag, 18. April 2025, 20:30 (vor 508 Tagen) @ Cremona
Danke für die ausführliche Einschätzung!
Das Entscheidende passiert ihm ja eigentlich schon in der ersten Themenexposition. Schon die Viertel verlassen das sehr ehrwürdige Tempo des Halben. Von da an accelleriert Ramin eigentlich nur noch mäßig und kontrolliert.
Wissen wir, wo er spielt? 1936 ist ja schon Orgelbewegungsgelände. Wie Sauer klingt das eigentlich nicht.
Viele Grüße
Friedrich
„Fuge C-dur für Orgel – Joh. Seb. Bach – Professor GÜNTHER RAMIN Orgel-Solo“
Karsten
, Freitag, 18. April 2025, 20:47 (vor 508 Tagen) @ Friedrich
Wissen wir, wo er spielt? 1936 ist ja schon Orgelbewegungsgelände. Wie Sauer klingt das eigentlich nicht.
Hallo!
Die historischen Orgelaufnahmen von Ramin entstanden eigentlich an St. Thomas in Leipzig, da ist auch die C-Dur-Fuge dabei.
https://youtu.be/s4Q_Gt6UXZw?si=xpUpzhJQTL3cvNFe
Abgesehen davon gibt es eine Reger-Platte bei der DGG an der Beckerath-Orgel der Laeiszhalle in Hamburg.
Gruß
Karsten
„Fuge C-dur für Orgel – Joh. Seb. Bach – Professor GÜNTHER RAMIN Orgel-Solo“
www.Orgeljournal.de
, Freitag, 18. April 2025, 20:51 (vor 508 Tagen) @ Cremona
Zunächst herzlichen Dank für die Beiträge!
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"Diese Interpretation von Günther Ramin steht in der Tat in einer Ausführungstradition aus dem frühen 20. Jahrhundert: Anfang des 20. Jahrhunderts war es absolut modern, eine Bach-Fuge im ständigen Crescendo und Accelerando zu spielen."
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Alfred Sittard überzeugt mich gleichwohl hinsichtlich dieser tempobezogenen Gestaltungsdramaturgie. Ich weiß, er war kein Schüler Straubes.
Ramin drängelt hingegen in den allerersten Takten und verlässt das Metrum bereits während des ersten Themeneinsatzes.
Aber mir steht es nicht zu, das zu bemängeln. So empfinde ich es lediglich als sehr beachtlich (Differenz/kein Defizit). Für weitere Steigerungen bleibt dann indes weniger Gelegenheit.
By the way: Die Straube-Schülerin Käte van Tricht hatte 1987 ihre legendäre Aufnahme „Johann Sebastian Bach: Orgelwerke, gespielt nach der Ausgabe von Karl Straube“ auf den Weg gebracht. Ein Meilenstein der Retrospektive. Hier fallen mir jedoch diese Temposteigerungen keineswegs auf.
Fragen über Fragen und kognitive Ungleichgewichte.
Matthias
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