Zuviel Bürokratie ? Aber nichdoch nie ...

elias.orgel, Samstag, 05. April 2025, 07:37 (vor 522 Tagen)
bearbeitet von elias.orgel, Samstag, 05. April 2025, 08:06

Editorial der Forum Kirchenmusik 2 2025

Ich schreibe diesen Text knapp zwei Wochen vor den Bundestagswahlen. Sie lesen ihn aber frühestens fünf Wochen nach der Wahl, wissen also viel mehr als ich jetzt. Unabhangig von den zahlreichen inhaltlichen Unterschieden zwischen den zur Wah! stehenden Parteien, sind diese sich zumindest in einem Thema jedoch recht einig: dem dringend notwendigen Burokratieabbau (fur den nach der Wahl womoglich ein eigenes Ministerium mit zwei Staatssekretaren und ca. 600 beamteten Mitarbeitern eingerichtet wird ...).

Vor ein paar Tagen war ich mit dem Innenstadtmanager Wertheims zum Kaffee verabredet. Wir wollten uns über gemeinsame Veranstaltungen unterhalten und Terminuberschneidungen ansprechen bzw. vermeiden. Am Ende des Kaffees geschah etwas fur mich absolut Erstaunliches: Herr Sch. sagte dem Kellner: "Schreiben Sie’s bei der Stadt auf”

Wie bitte? Keine vierseitigen Formulare, auf denen ich meine (und er seine) Kuchenauswahl nebst Inhaltsstoffen, Unvertraglichkeiten und Selbstbehalt ausfüllen und begründen muss? Gut, ich hatte vorsichtshalber auf die Sahne zum Kuchen verzichtet ~ aber trotzdem: So ganz ohne steuerliche Meistbegünstigtenklausel und geldwerten Vorteil, ohne Antrag und Durchschlag? Absolut bemerkenswert!

Ich habe vorsichtshalber nicht gefragt, welchen Papierwust Herr Sch. würde ausfüllen müssen, wenn er die heiligen Stadt-Hallen betreten würde. Ich ging einfach Kaffeeund Kuchen-beschwingt meiner Wege Richtung Kantorat = wo meine Sekretarin mit Augenrandern über dem landeskirchlichen Statistikbogen saß, der, weiß der Geier warum, sowohl elektronisch als auch in Papierform dem Evang. Oberkirchenrat zu Ubermitteln sei.

Um diesen Statistikbogen mit dem leicht nachvollziehbaren Namen, Statistikbogen 2” auszufiillen, bedurfte es eines Einblickes in das sog. Sachbuch des Bezirkskantorats, dessen Name sich, anders als beim Statistikbogen 2 sofort erschließt, umfasst dieses doch alleine fiir das Bezirkskantorat Wertheim 26 Seiten, Weniger geht auch nicht, denn es enthalt - ich habe nachgezahlt - tatsachlich 62 (in Worten: zweiundsechzig) verschiedene Haushaltsposten, darunter zahlreiche, deren Betrage im unteren bis mittleren zwei(!)stelligen Bereich liegen, Ok, nach dem Komma sind es nochmal zwei Stellen...

Das alles benenne ich pars pro toto, davon ausgehend, dass es in anderen Landeskirchen kaum besser ist. Im Gegenteil: Bei einem Konzert im Mainzer Dom musste ich vor zwei Jahren einen 16-seitigen Honorarbogen ausfüllen, in dem z.B. gefragt wurde, ob ich in meiner Eigenschaft als freischaffender Musiker eine eigene Homepage besitze. Als ehrliche Haut, die ich bin, habe ich dies natürlich verneint. Schade eigentlich, denn womöglich hatte ich in diesem Fall einen 3,7 Cent Freischaffender-Homepage-Besitzerinnen-Honorar-Zuschlag bekommen. Oder wenigstens eine Steuergutschrift in entsprechender Hohe.

Nach solchen Erfahrungen kann ich jedenfalls die mir bekannten und eigentlich dringend gesuchten Organisten verstehen, die sich weigern, GottesdienstVertretungen zu spielen, nicht, weil das Honorar zu niedrig ist, sondern weil sie

‘einfach keine Lust haben, die gleiche Zeit wie für die Gottesdienstvorbereitung

für die Burokratie-Nachbereitung aufzuwenden.

Ja, es stimmt: Zahlreiche bürokratische Anforderungen werden den arbeitgebenden Kirchen von auBen aufgedrangt. Das gilt für den Bereich der Sozialversicherungen womöglich noch mehr als für die durch die Steuergesetzgebung erforderliche Burokratie. Es stimmt aber leider auch, dass zahlreiche lokale und regionale Kirchenverwaltungen jeweils auf ihrer eigenen Burokratie bestehen, behauptend, dass nur die von ihnen verwendeten Formulare die einzig korrekten seien und dass der Datenschutz eine bessere innerkirchliche Vernetzung leider unmöglich mache.

Aber auch, wenn es manchmal schwer fallt: Bleiben Sie frohlich,

Ihr Carsten Klomp

--
Orgelspielen heißt: im Sitzen tanzen ...

... für Gott

Zuviel Bürokratie ? Kann ich kaum nachvollziehen...

elias.orgel, Samstag, 05. April 2025, 07:46 (vor 522 Tagen) @ elias.orgel

Lieber Prof Carsten Klomp,

Mein Pfarrer (Christian Höfener-Wolf, ev Elias Gemeinde Dortmund) sagt ja gerne, dass es keine Zufälle gibt

So mußte ich, wenn schon nicht fröhlich lachen, so doch zumindest schmunzeln, als ich eben das Editorial (Forum Kirchenmusik 2 2025) gelesen habe...

Ich habe letztes Jahr im September eine (kleine Ev) Hochzeit in XYZ gespielt und bin dafür extra von Altena angereist
An der Orgel lag ein Vertretungsbogen, welchen ich auch gewissenhaft ausgefüllt habe...

Einige Wochen später (wenn ich mich recht erinnere) bekomme ich Post, dass ich leider den falschen Bogen ausgefüllt habe
Anbei ein neuer "anderer" Bogen bzw mehrseitiges Formular
Welches ich ebenfalls nach bestem Gewissen ausgefüllt und auf meine Kosten nach XYZ geschickt habe...

Vor ein paar Tagen fällt mir ein bzw auf, dass ich, sechs Monate später, immer noch kein Geld aus XYZ bekommen habe...

also fragte ich mal bei Organist und Pfarrerin nach...

Und bekomme nunmehr diese Formulare zugeschickt (Personalubersicht 3 Seiten / Antrag auf Berücksichtigung des Übungsleiterfreibetrages 1 Seite),
welche ich nun
Incl Versicherung (wahrscheinlich an Eidesstatt) der Richtigkeit aller Angaben
ausfüllen soll
Zudem einen Lebenslauf und Nachweis meiner Orgiastischen Fähigkeiten...

Das ganze wäre vielleicht witzig, und ich versuche definitiv "fröhlich" zu bleiben - eventuell nicht "heiter"... *
wenn ich dabei mit dem bürokratischen "Gegenüber" auf Augenhöhe wäre - aber es ist doch wahrscheinlich so, dass solange ich nicht genau das mache und tue
(oder exakt so ausfülle wie angeordnet / erwartet)...
Ich keinen Cent bezahlt bekommen werde...

Wie war das mit den

Es gibt 'ne Menge Bürokraten. Und Sie wissen ja: Ein Mensch bekommt Schuldgefühle, wenn er Menschen verletzt-aber ein Bürokrat kriegt nur Schuldgefühle, wenn er Vorschriften verletzt.< (H.-D. Schiitt: Regine Hildebrandt: Bloß nicht aufgeben Berlin 1992)

Mit den besten Wünschen und ganz besonders herzlichen Grüßen

Oliver Fiedler
.
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* kleiner Witz am Rande der Erkenntnis
der zustandige Mitarbeiter welcher mir die Formulare zugeschickt hat, heißt... Heiter

--
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... für Gott

Vollumfängliche Zustimmung!

alla_marcia, Samstag, 05. April 2025, 16:43 (vor 522 Tagen) @ elias.orgel

Zum Thema "Bürokratie und Kirche":

Als ich vor gefühlt zweiundneunzig Jahren meine ersten Orgeldienste versah, wurde ich bereits mit einem Wust an Bürokratie seitens der Rendantur (inzwischen ein Hasswort für mich) zugeballert. Damals bekam ich den unfassbaren Satz von 11 DM für eine Messe, wenn ich mich recht entsinne.

Später, als ich umzog, wurde es kommoder: ich wurde vielfach aus schwarzen Kassen bezahlt, unter Umgehung sämtlichen rendanturischen Irrsinns. Das war noch nicht einmal illegal für mich - denn ich wäre angesichts der weiterhin lausigen Vergütungen nicht mal annähernd über die magische Grenze des sog. "Übungsleiterfreibetrags" (ein weiteres Hasswort für mich!) gekommen. Ich reichte einfach eine Liste mit den gespielten Messen im Pfarrbüro ein und wurde dann in bar ausbezahlt.

Doch irgendwann wurde auch hier wieder auf Rendantur umgeschaltet, Anweisung von ganz oben. Irgendwann wurde dann auch noch das ganze Bezahlprozedere von der Rendantur meiner Heimatstadt in die Hauptrendantur des zuständigen Bistums umgelegt. Dort gab es dann versehentliche Fehlbuchungen des Übungsleiterfreibetrags in ein anderes Jahr, woraufhin ich einmal über diesen Betrag kam und angeblich voll steuerpflichtig würde (woraufhin man mir direkt seitens der Kirche ans Herz legte, ich solle doch nun endlich einmal von diesen leidigen Honorardiensten in einen Festvertrag mit Kirchens umsteigen - man denke nur daran, wieviel mehr Rente ich dann am Ende im Alter haben würde!).

Ich ging dann in mich, meditierte über die 0,95 € mehr, die mir wahrscheinlich einstmals an Zusatzrente geblüht hätten - und quittierte meine Dienste auf immer und ewig.

Nie mehr habe ich seitdem eine Taste im kirchlichen Auftrag berührt. Und fühle mich bis heute gut dabei.

Vollumfängliche Zustimmung!

elias.orgel, Samstag, 05. April 2025, 17:21 (vor 522 Tagen) @ alla_marcia
bearbeitet von elias.orgel, Samstag, 05. April 2025, 17:31

Ich ging dann in mich, meditierte über die 0,95 € mehr, die mir wahrscheinlich einstmals an Zusatzrente geblüht hätten - und quittierte meine Dienste auf immer und ewig.

Nie mehr habe ich seitdem eine Taste im kirchlichen Auftrag berührt. Und fühle mich bis heute gut dabei.


Mann möchte lachen, wenn es nicht eigentlich so traurig wäre ;-)

.
.
Das es auch ganz anders gehen kann, habe ich allerdings auch schon erlebt:
Wenn ich hier in der Nähe bei einer katholischen Gemeinde mal den Kantor vertrete, schreibe ich einfach eine Rechnung und habe ein paar Tage später das Geld auf meinem Konto...

Ganz ohne erweiterten polizeilichen Führerschein oder Gesundheitszeugnis der letzten 20 Jahre...

--
Orgelspielen heißt: im Sitzen tanzen ...

... für Gott

Vollumfängliche Zustimmung!

alla_marcia, Samstag, 05. April 2025, 18:47 (vor 522 Tagen) @ elias.orgel

Mann möchte lachen, wenn es nicht eigentlich so traurig wäre ;-)

.
.
Das es auch ganz anders gehen kann, habe ich allerdings auch schon erlebt:
Wenn ich hier in der Nähe bei einer katholischen Gemeinde mal den Kantor vertrete, schreibe ich einfach eine Rechnung und habe ein paar Tage später das Geld auf meinem Konto...

Ganz ohne erweiterten polizeilichen Führerschein oder Gesundheitszeugnis der letzten 20 Jahre...

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Tu felix Paderborna!

Ach ja - ein polizeiliches Führungszeugnis brauchte ich ab irgendwann tatsächlich auch. Weil ich ja als Organist, der einsam auf der Orgelbühne orgelt, prädestiniert dafür sein könnte, Kinder anzufassen. Ich musste sogar als Nebenamtler (mit vielleicht 4 Diensten im Monat) extra eine Präventivschulung gegen Missbrauch durchlaufen.

Hätten die kirchlichen Behören auch schon vor Jahrzehnten so genau hingesehen, wäre den Opfern sexuellen Missbrauchs (die in der absoluten Minderzahl von Organisten, sondern vielmehr von Pfarrern und Kaplänen missbraucht wurden!) viel Leid erspart geblieben.

Vollumfängliche Zustimmung!

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Samstag, 05. April 2025, 20:48 (vor 522 Tagen) @ alla_marcia

Ich musste sogar als Nebenamtler (mit vielleicht 4 Diensten im Monat) extra eine Präventivschulung gegen Missbrauch durchlaufen.

Hätten die kirchlichen Behören auch schon vor Jahrzehnten so genau hingesehen, wäre den Opfern sexuellen Missbrauchs (die in der absoluten Minderzahl von Organisten, sondern vielmehr von Pfarrern und Kaplänen missbraucht wurden!) viel Leid erspart geblieben.

Völlig richtig, aber die Schulung ist im Grundsatz schon sinnvoll. Habe gerade meine vierte hinter mir, muss in Abständen wiederholt werden. Vier Dienste im Monat ist ja schon einiges, und es geht auch nicht nur um Kinder. Es geht um das Ausnützen einer Machtposition und das behauptete Interesse ("Das tut dir doch auch gut!") des Klienten/Mitmenschen (später: Opfer) an der durch Macht ausgeübten Handlung.

Genau betrachtet, trifft das auch auf Orgelspiel zu. :D

EDIT: Die Schulung hilft auch, früher den Mund aufzumachen, wenn man z. B. den Klerus bei entsprechenden Handlungen oder der Anbahnung derselben beobachtet.

Vollumfängliche Zustimmung!

SpanischeTrompete @, Samstag, 05. April 2025, 22:39 (vor 522 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Ich musste sogar als Nebenamtler (mit vielleicht 4 Diensten im Monat) extra eine Präventivschulung gegen Missbrauch durchlaufen.

Hätten die kirchlichen Behören auch schon vor Jahrzehnten so genau hingesehen, wäre den Opfern sexuellen Missbrauchs (die in der absoluten Minderzahl von Organisten, sondern vielmehr von Pfarrern und Kaplänen missbraucht wurden!) viel Leid erspart geblieben.


Völlig richtig, aber die Schulung ist im Grundsatz schon sinnvoll. Habe gerade meine vierte hinter mir, muss in Abständen wiederholt werden. Vier Dienste im Monat ist ja schon einiges, und es geht auch nicht nur um Kinder. Es geht um das Ausnützen einer Machtposition und das behauptete Interesse ("Das tut dir doch auch gut!") des Klienten/Mitmenschen (später: Opfer) an der durch Macht ausgeübten Handlung.

Aber auch nur, wenn die Schulung gut gemacht ist. In meiner Region waren die 90 Minuten Schulung etwa 5 Minuten Täterstrategien, 5 Minuten Statistik und 80 Minuten, was für schlechte Menschen wir wären und was wir alles nicht mehr tun dürfen.

Auf Nachfrage, wie wir denn dann Täter erkennen sollen, erklärte man uns, dass der Teil "Täterstrategien" bewusst kurz gehalten sei, denn man möchte potentiellen Tätern nicht auch noch erklären, wie sie am Besten vorgehen. Darauf folgte dann eine Stunde sehr hitziger Diskussion...

...war: Vollumfängliche Zustimmung!

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Samstag, 05. April 2025, 22:54 (vor 522 Tagen) @ SpanischeTrompete

Aber auch nur, wenn die Schulung gut gemacht ist.

Davon würde ich ausgehen, dass solche Schulungen gut gemacht werden, aber es stimmt, da bin ich wieder zu gutgläubig.

In meiner Region waren die 90 Minuten Schulung etwa 5 Minuten Täterstrategien, 5 Minuten Statistik und 80 Minuten, was für schlechte Menschen wir wären und was wir alles nicht mehr tun dürfen.

Auf Nachfrage, wie wir denn dann Täter erkennen sollen, erklärte man uns, dass der Teil "Täterstrategien" bewusst kurz gehalten sei, denn man möchte potentiellen Tätern nicht auch noch erklären, wie sie am Besten vorgehen. Darauf folgte dann eine Stunde sehr hitziger Diskussion...

Klingt nicht wirklich professionell, wahrlich.

...war: Vollumfängliche Zustimmung!

SpanischeTrompete @, Samstag, 05. April 2025, 23:46 (vor 522 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von SpanischeTrompete, Montag, 07. April 2025, 09:52

Aber auch nur, wenn die Schulung gut gemacht ist.


Davon würde ich ausgehen, dass solche Schulungen gut gemacht werden, aber es stimmt, da bin ich wieder zu gutgläubig.

In meiner Region waren die 90 Minuten Schulung etwa 5 Minuten Täterstrategien, 5 Minuten Statistik und 80 Minuten, was für schlechte Menschen wir wären und was wir alles nicht mehr tun dürfen.

Auf Nachfrage, wie wir denn dann Täter erkennen sollen, erklärte man uns, dass der Teil "Täterstrategien" bewusst kurz gehalten sei, denn man möchte potentiellen Tätern nicht auch noch erklären, wie sie am Besten vorgehen. Darauf folgte dann eine Stunde sehr hitziger Diskussion...


Klingt nicht wirklich professionell, wahrlich.

Was auch daran lag, dass es keine Profis waren. Der Superintendent hatte das Schutzkonzept von Freiwilligen aus den Gemeinden erarbeiten lassen, da waren wohl auch ein paar Leute dabei, die sich nicht schnell genug weggeduckt hatten, als nach den Freiwilligen gesucht wurde.

Allerdings kann ich nicht sagen, ob die Schulungen bei uns inzwischen besser geworden sind - ich war nur zu der einen Schulung für Ehren- und Nebenamtler.

Edit: ein nicht ergänzt.

... Schutz vor GenderSchulung... (und Büro Kraken)

elias.orgel, Sonntag, 06. April 2025, 02:15 (vor 522 Tagen) @ SpanischeTrompete
bearbeitet von elias.orgel, Sonntag, 06. April 2025, 06:21

Was auch daran lag, dass es keine Profis waren. Der Superintendent hatte das Schutzkonzept von Freiwilligen aus den Gemeinden erarbeiten lassen, da waren wohl auch ein paar Leute dabei, die sich (fehlt hier vielleicht ein "nicht" ?)
schnell genug weggeduckt hatten, als nach den Freiwilligen gesucht wurde.

Allerdings kann ich nicht sagen, ob die Schulungen bei uns inzwischen besser geworden sind - ich war nur zu der einen Schulung für Ehren- und Nebenamtler.


ich war bisher noch nicht zu einer Schulung ;-)

Außer einer GenderSchulung, bei der ich dann am eigenen Leib erfahren durfte, wie sich so ein meltdown anfühlt
Autismus hat ja sowieso nicht nur Nachteile...
"Schutz vor sexualisierter Gewalt (?)
... Belehrung statt Schulung in der Gruppe"
und diese ist letztens auch noch ausgefallen jetzt warte ich auf den nächsten Termin, dann kann ich mitreden und über die Professionellheit schreiben...

Aber wenn ich mir in Erinnerung rufe, dass ich bei Orgelführungen für den Kindergarten, "mir" einfach so ein Kind "geschnappt" habe und es (ohne zu Fragen oder ausführliche Diskussionen) vollkommen übergriffig auf die Orgelbank gesetzt habe...
Nicht auszuschließen, dass ich für schlimmste Traumata und spätere, nahezu untherapierbare, psychische Störungen verantwortlich gemacht werden kann...

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... Prävention

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Sonntag, 06. April 2025, 17:18 (vor 521 Tagen) @ elias.orgel

Nicht auszuschließen, dass ich für schlimmste Traumata und spätere, nahezu untherapierbare, psychische Störungen verantwortlich gemacht werden kann...

Isso. Ein Klassenkamerad ist in der 9. ausgetickt und nicht wieder in's normale Leben zurückgekommen.
Zu den geringeren Ingredienzen - die größeren waren familiär - gehörte, dass unser Musiklehrer in sicherlich pädagogisch-menschlicher Absicht seine Hände um eine Hand seines Schülers legte. Eigentlich wollte er ihn nur nachdrücklich ermuntern, sich mehr anzustrengen oder so was.

Eine ähnliche Geste erinnere ich mir gegenüber von meinem Orgellehrer. Ich wusste, dass er in diesen Dingen etwas ungewöhnlich und auch ungeschickt war, kannte ihn auch schon. Aber mir war klar, dass es hier um eine völlig "unproblematische" Zuneigung ging. Trotzdem war es nicht angenehm.

Und was ist mit dem Händereichen zum Friedensgruß, zum Abendmahlskreis? Mir selbst eher unangenehm, aber wir vergessen noch kurzer Initiative immer schnell, alternative Gesten anzubieten und vorab auch zu erwähnen. (Habe ich vorbildlich im Lübecker Dom erlebt).

Als ich unseren Kinderchor mit meiner Frau leitete (bzw. ich am Klavier korrepetierte), hatten wir Kinder, die ein wenig aus dem Rahmen fielen, zu mir auf die Klavierbank gesetzt. Es schien uns sinnvoller als sie mal vor die Tür zu schicken. (Für eine sogenannte "Laufkarte", wie sie in einer örtlichenb Grundschule angeboten wurde, war unser Gemeindehaus nicht geeignet). Da ich die Kinder neben mir nicht weiter beachtete oder nervte, hielten wir es für eine gute Idee. Sie blieben an der Musik dran, waren aber von ihrem eigentlichen "Publikum" der Gruppe, kurzzeitig abgetrennt.

Ich schreibe das hier, nicht weil ich stolz darauf bin, sondern damit demonstrieren möchte, auf was für problematische Ideen man in bester Absicht kommen kann.

Als ich bereits "geschult" war, erlebte ich in einer Probe mit einigen Teenager-Mädchen, dass eine weitere männliche Person, die im Gemeindehaus unterwegs war, sich für die Chorprobe interessierte. Ich nahm es zunächst noch locker, doch als der Mann bei einem Chor-Mädchen von hinten über die Schulter in die Noten gucken wollte und ich merkte, dass es vor allem um die Nähe zum Mädchen ging, bat ich ihn, uns doch wieder zu verlassen (er hatte vorher ebenfalls in dem Raum zu tun). Er merkte dann scheinbar, was ich zumindest unterstellt habe und er vielleicht auch (unbewusst?) verfolgte, war peinlich berührt und entschuldigte sich.

Die wenigen Fälle, wo ich alleine mit Erwachsenen bin (Stimmbildung, Vorsingen), unterliegen auch einer noch größeren Sorgfalt als früher. Und es geht ja nicht nur um Sexuelles und dort ja auch nicht nur um Straftatbestände, sondern um die Kleinigkeiten, um jede Machtausübung und Demütigung.

Wie weit gehe ich dabei, wenn ich Einzelne oder kleinste Gruppen in einer größeren etwas singen lasse, und nur, weil ich chorpädagogisch die Bedürfnisse herausfinden will?
Das gehört alles zur Präventionsarbeit.
In unserem Kirchenkreis ist das eine hauptamtliche Stelle mit einem Sozialpädagogen, der die Gemeinden berät und diese Schulungen anbietet, auch unser eigenes Schutzkonzept abgesegnet hat.

Zuviel Bürokratie ? Aber nichdoch nie ... Situation im Erzbistum Bamberg

Bariolage, Sonntag, 06. April 2025, 10:55 (vor 521 Tagen) @ elias.orgel

Anstellungs- und Vergütungsmodalitäten für nebenamtliche
Organist*innen in der Diskussion

Muss es einen Arbeitsvertrag für jeden Organisten geben: bedingt oder unbedingt – so oder anders? Die Frage ist wegen unterschiedlicher Betrachtungsweisen nicht einfach zu beantwor-
ten, die Sache nicht einfach zu lösen. Seit März des Jahres [2024] ist ein Prüfungs- und Gesprächs­prozess über dieses wichtige Thema in Gang gekommen, das wohl sehr viele Organisten interessieren und betreffen dürfte, und dieser Prozess wird wohl auch noch länger andauern. Es
geht um das Verfahren, das die Bistumsverwaltung seit Ende 2006 den Pfarreien für alle nicht
hauptberuflich tätigen Organisten em­pfiehlt,wenn sie in Teilzeitanstellung oder im Rahmen
der Übungsleiter- oder Ehrenamtspauschale für ihr liturgisches Orgelspiel Vergütungen erhal-
ten, selbst wenn ihr Dienstumfang jährlich nur wenige Stunden beträgt.
In den letzten Jahren hatte sich indes die em­pfohlene und an die Organisten als notwen-
dig vermittelte Verfahrenspraxis in der Umsetzung so verändert, dass sich etliche Organisten
an den Berufsverband gewandt hatten, etwa weil Einzelberatung am Telefon nicht mehr
„griff“. Es geht auch generell darum, dass angesichts eines dreistufigen Verfahrens mit circa 20
Formularseiten und teils datenschutzrechtlich fragwürdigen Pflichtangaben die überbordend
entwickelte Bürokratie ganz allgemein dem Ehrenamt nicht entspricht – einem Ehrenamt,
das etwa auch weisungsabhängig eingesetzte Kräfte bei Feuerwehr, Technischem Hilfswerk
und im Sporttraining mit gleichwertigen Alternativen unproblematisch leisten. Das kirchliche
Arbeitsvertragsrecht hatte die ausführlichen Arbeitsverträge ohnehin nicht für das bezahlte
Ehrenamt entworfen, weshalb sich die Bamberger KODA-Mitarbeiterseite für das Problem nicht
zuständig sieht.
Um die Probleme zu lösen, hatten dann Vertreter der Bistumsleitung und des Berufsverbands
interessierte Mitglieder und andere Betroffene zu einer Informationsveranstaltung eingeladen:
Am 8. Juli stellte die Abteilungsleitung für Personal und Bezüge den zehn anwesenden Kirchen-
musikern die verbindlichen Bedingungen und Hintergründe ihrer intern nochmals geprüften
Verfahrensweise dar. Im Gegenzug stellten die Kirchenmusiker Fragen, wiesen auf ungelöste
Probleme hin, äußerten Bedenken, trugen persönliche Erfahrungen vor und begründeten
ihren Antrag auf Verfahrensänderung mit neueren rechtlichen Argumenten und einem Alterna-
tivkonzept, das einer der Anwesenden als Jurist mit Organisten- und kirchlicher Verwaltungser-
fahrung erläuterte.
Das positive Gesprächsklima war bis zum Schluss von gegenseitigem Zuhören und Verständnis
geprägt, was auch das Protokoll der zuständigen Hauptabteilung festhält: „Beide Seiten sind sich
einig, diesbezüglich in stetigem und vertrauensvollen Austausch zu bleiben“. Schließlich ergab
[77] der Ausblick, dass sowohl die Verfahrensweise als auch alle vorgetragenen Anliegen und Argu
mente in Bamberg nochmals überprüft und in eine über­diözesane Arbeitsgruppe eingespielt werden.
Der Einladung folgend formulierten dann einige der Organisten nachträglich weitere Stellung-
nahmen und der als Alternative ausgearbeitete Vorschlag eines Dokumentations-Fragebogens
wurde an die Personalabteilung weitergeleitet. Die Erfüllung einer gesetzlichen Dokumentationspflicht wird schließlich auch von den anwesenden nebenamtlichen Organisten im
Grundsatz unterstützt. So dürfen Verband und Beteiligte eine nächste Runde des Austauschs
und Änderungen, die zur Entspannung der Situation beitragen, erwarten.
aus: Kirchenmusik im Erzbistum Bamberg 79, Dezember 2024, S. 76-77
Entgeltsätze seit 1. März 2024

Entwicklung 2002 --> 2024
A: 20,50 --> 45,43 (121,61%)
C: 15,50 --> 28,42 (83,35%)
E: 10,50 --> 25,43 (142,19%)

Zuviel Bürokratie ? Aber nichdoch nie ... Situation im Erzbistum Bamberg

3rd_astronaut, Sonntag, 06. April 2025, 12:37 (vor 521 Tagen) @ Bariolage

Auch nach über 30 Jahren Orgelspiel ist mir das Thema der korrekten versteuerung etc der nebenamtlichen Honorare ein Rätsel geblieben…

Was ich aber weiß: inflationsbereinigt sind die Bamberger Entgelte auf einem schlechten Niveau verharrend: die 15,50 für C müssten alleine für Inflationsausgleich auf 24 steigen.

Zuviel Bürokratie ? Aber nichdoch nie ...

orgelquaeler, Montag, 07. April 2025, 13:41 (vor 520 Tagen) @ elias.orgel

Hier wurde noch nicht angerissen, dass die Bildung von Großpfarreien hier Vorteile hat.
Endlich muss ich nicht für jede Vertretung den ganzen Papierwust ausfüllen....
Erzbistum Freiburg: Warum werden wir Organisten nicht zentral abgerechnet? Ich hatte teilweise mit drei Verrechnungsstellen zu tun, die alle drei meine Zeugnisse usw. haben wollten. Und das innerhalb von 10 Kilometern Luftlinie...

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