„Wachsender“ Untersatz 32‘
HARP64, Mittwoch, 26. März 2025, 15:23 (vor 533 Tagen)
Hallo in die Runde.
Manchmal höre ich in orgelbaulichen Gesprächen von einem „mitwachsenden“ Untersatz 32‘. Das meint wohl, dass er alleine eine schön sanftbassige Grundlage bilden kann. Im Verbund mit anderen hinzukommenden Registern scheint jedoch seine Lautstärke zuzunehmen und er so z. B. im Tutti ein ordentliches Fundament darstellt.
Das dürfte zweifellos eine akustische Täuschung sein, denn der 32‘ wird ja wohl nicht mehr Wind bekommen, nur weil andere Register hinzukommen.
Wie ist das also physikalisch/akustisch zu erklären?
Und macht das ein offener 32‘ auch?
Grüße vom HARP 64‘ ;-)
„Wachsender“ Untersatz 32‘
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Mittwoch, 26. März 2025, 15:47 (vor 533 Tagen) @ HARP64
Hallo in die Runde.
Manchmal höre ich in orgelbaulichen Gesprächen von einem „mitwachsenden“ Untersatz 32‘. Das meint wohl, dass er alleine eine schön sanftbassige Grundlage bilden kann. Im Verbund mit anderen hinzukommenden Registern scheint jedoch seine Lautstärke zuzunehmen und er so z. B. im Tutti ein ordentliches Fundament darstellt.
Das dürfte zweifellos eine akustische Täuschung sein, denn der 32‘ wird ja wohl nicht mehr Wind bekommen, nur weil andere Register hinzukommen.
Wie ist das also physikalisch/akustisch zu erklären?
Und macht das ein offener 32‘ auch?
Grüße vom HARP 64‘ ;-)
Auf die Schnelle würde ich sagen: Das macht jedes gut gemachte Register!
Diese Formulierung wird, so richtig sie auch sein mag, gerne bemüht, wenn das Fehlen eines weiteren Registers tiefer Lage oder die gedeckte Bauweise gerechtfertig werden muss, wo man eher Spar- oder Platzzwänge vermuten würde.
„Wachsender“ Untersatz 32‘
Friedrich
, Mittwoch, 26. März 2025, 18:35 (vor 533 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Diese Formulierung wird, so richtig sie auch sein mag, gerne bemüht, wenn das Fehlen eines weiteren Registers tiefer Lage oder die gedeckte Bauweise gerechtfertig werden muss, wo man eher Spar- oder Platzzwänge vermuten würde.
Das kann sein -- ich habe die Formulierung, glaube ich, zum ersten Mal bei Adelung gelesen. Er meinte, dass ein weitmensuriertes, aber untererregtes Labialregister klanglich zulegt, wenn Stimmen dazugezogen werden, auch deutlich lautere. Zulegt mehr im Sinn von vernehmlicher Präsenz als von Lautstärke.
Von Stephen Bicknells Beschreibungen und aus dem französischen Orgelbau kenne ich die Sitte, im Pedalwerk einen weitmensurierten Achtfuß zu disponieren, der dann dem Pedal in allen möglichen Kombinationen Gravität und eigenes Profil gibt, ohne alleine sehr laut zu sein. Bicknell empfahl, statt des Prinzipal 8' lieber den Manual-16' ins Pedal zu transmittieren und dem Pedal einen eigenständigen, weiten und offenen Achtfuß zu spendieren.
Bei einem 32' kann ich mir solche Effekte in geeigneten Räumen gut vorstellen, denn der wirkt alleine fast immer leise, bleibt aber oft spürbar, wenn die Orgel loslegt. Im Freiburger Nünster war das immer sehr wirkungsvoll, wahrscheinlich wegen der schweren Wände. Da hat man die Sechzehnfüße noch gespürt, wenn man am Montagabend am Münster vorbeiging, während drinnen für den Dienstag einregistriert wurde.
„Wachsender“ Untersatz 32‘
Reginhard
, Dienstag, 01. April 2025, 17:34 (vor 527 Tagen) @ Friedrich
Ich gebe mal meinen Senf nach bestem Wissen und Gewissen dazu,
korrigiert mich, falls ich danebengreifen sollte:
Ja, ich kenne den Begriff Wachsen auch für weit mensurierte Labiale, die mit einem schmalen Labium untererregt werden - das klassische Nachthorn.
Das Nachthorn ist dick mit einem schmalen Mündchen, wie eine barocke Idealfrau.
Der Effekt ist, dass die Pfeife besser schwingt, sobald andere Register hinzukommen. Also nutzt man die hinzukommende Energie der anderen Pfeifen aus - wenn vielleicht seinerzeit nicht wissentlich.
Der schöne Effekt ist, dass die Dicke trotzdem in Stimmung bleibt,
eben weit mensurierte sich gerne in der Tonhöhe an die Nachbarn angleichen..
Den Windhunger eines 32'-Gedeckts wird man sich oft nicht leisten können.
Sprich, um die Windanlage der Orgel nicht zu überlasten, bzw um nicht einen (teueren) Aufwand für Windanlage betreiben zu müssen, wird oft nix anderes übrigbleiben, als den 32' unterzuerregen.
Klanglich ist das nicht schlimm, der 32' ist von mystischem Gegrummel bis hin zur Gravität brauchbar.
Allerdings Gegrummel von einen ordentlichen Prinzipal 32' wird er nicht haben,
schon gar nicht den raumfüllenden Bumms von einen Kino-32' mit beledertem Labium (seufz).
Und warum nennt man das so lieblich als Wachsender Untersatz?
Ja, was?
Soll man ihn Wir-haben-nicht-genug-Orgel-drumherum 32' nennen?!
„Wachsender“ Untersatz 32‘
elias.orgel, Mittwoch, 02. April 2025, 07:16 (vor 527 Tagen) @ Reginhard
Und warum nennt man das so lieblich als Wachsender Untersatz?
Ja, was?
Soll man ihn Wir-haben-nicht-genug-Orgel-drumherum 32' nennen?!
Ich schmeiß mich weeech...
Das ist/wird, neben IndianerGeheul barfuß und TripperFlöte ohnefuß definitiv eines meiner LieblingsRegister
--
Orgelspielen heißt: im Sitzen tanzen ...
... für Gott
„Wachsender“ Untersatz 32‘
Orlos
, Mittwoch, 26. März 2025, 18:33 (vor 533 Tagen) @ HARP64
Nur eine Theorie:
Könnte es sein, dass durch das Ziehen zusätzlicher 16'- und 8'-Register quasi die Obertöne des 32' verstärkt werden und damit auch der Grundton als stärker klingend wahrgenommen wird?
„Wachsender“ Untersatz 32‘
oHo, Donnerstag, 27. März 2025, 16:00 (vor 532 Tagen) @ Orlos
bearbeitet von oHo, Freitag, 28. März 2025, 08:10
Nur eine Theorie:
Könnte es sein, dass durch das Ziehen zusätzlicher 16'- und 8'-Register quasi die Obertöne des 32' verstärkt werden und damit auch der Grundton als stärker klingend wahrgenommen wird?
So ist es!
Das ist ähnlich wie mit der 6´-Quinte manch Thüringer Orgel: Aus dem schlanken Quintatön 16´ wird hörbar ein gravitätischerer Bordun 16´ .
berichtet, fröhlich grüßend,
Oliver