Traurige Nachrichten aus Krefeld

Poupoulcorouse @, Elberfeld, Sonntag, 16. März 2025, 23:50 (vor 542 Tagen) @ Niederrheiner
bearbeitet von Poupoulcorouse, Sonntag, 16. März 2025, 23:53

Naja, wenn ich mir das so durchlese, dann unterscheidet sich der Fall aber doch von anderen eher "strategischen" Entscheidungen der letzten Jahre.

Das plötzliche Auftreten solcher tiefgreifender Bauschäden steckt keine Gemeinde so einfach weg. Es gibt leider sehr viele Fälle, in denen ich auch der Meinung bin, daß Gemeinden Gebäude vorschnell aufgeben. Aber wenn ich mir die Eckdaten der Gemeinde so ansehe, dann fällt es auch mir in dem Fall schwer, noch andere Optionen zu sehen. Es kann Umstände geben, denen eine Gemeinde finanziell einfach nicht gewachsen ist.

Ob es wirklich der richtige Kurs ist, sofort zu entscheiden, daß man das Gebäude auch perspektivisch nicht mehr nutzen möchte, darüber kann man streiten. Daß die Gemeinde das Gebäude aber mit eigenen Mitteln nicht erhalten kann, ist, nach allem, was man wissen kann, schwer in Zweifel zu ziehen.
Die Bürde der Frage, ob eine Gemeinde dann jahrelang betteln möchte und gleichzeitig trotzdem all ihre Reserven aufgeben müsste, um ein Gebäude zu erhalten, das ihr womöglich ohnehin bald über den Kopf wachsen könnte, würde hier gewiss niemand gerne tragen wollen.


Jetzt ist es eben nicht mehr am kirchlichen, sondern am bürgerlichen Gemeinwesen, zu zeigen, ob ihm an der Erhaltung dieses Ortes gelegen ist oder nicht.

Das wird nicht die letzte Kirche in Deutschland sein, die auf einmal so großen Renovierungsbedarf aufweist, daß die Gemeinde gar keine andere Wahl mehr hat, als die Verantwortung abzugeben. Und es wird auch nicht die letzte größere, architektonisch und musikalisch besonders interessante Kirche sein, die von so etwas betroffen ist. Ganz im Gegenteil. Von hunderten Kirchen aus den 60ern und 70ern hat man sich in den letzten Jahren ja bereits getrennt. Glücklich sind die Gemeinden, in denen in den letzten Jahren noch die älteren Kirchen baulich konsolidiert werden konnten. Auch unsere Friedhofskirche hier in Elberfeld ist zum Glück in gutem Zustand, gerade was das Dach betrifft.

Mir fallen aber einige auch orgelmäßig hoch bedeutsame Kirchen in kleinen Gemeinden ein, bei denen ich nicht ausschließen würde, daß sich die Dinge ähnlich entwickeln könnten. Und ob es in den 2030ern nochmal so eine Dorfkirchenwunder-Welle geben wird wie in den vergangenen Jahrzehnten in den "neuen" Bundesländern, kann ich mir, zumindest unter Umständen, die sich nicht grundlegend ändern, nur schwer vorstellen.

Ich werde jetzt keine Namen nennen, aber wenn man bedenkt, wieviele Kirchen, die auch unter uns hier wohlbekannt sind, in den 80ern und 90ern teilweise noch grottenschlecht und verpfuscht renoviert wurden, dann hilft es den Gemeinden auch nicht, daß die Orgeln in Top-Zustand sind. Da fangen die wirklich großen Probleme gerade erst an, so bitter das auch klingen mag.

Ja, es gibt viele Gemeinden, die fragwürdige Gebäudeentscheidungen treffen und das alles weiterhin mit einer ungut eingeschliffenen kirchlichen "Rückzugs"-Sprache kommunizieren, weil sie aus psychologisch fragwürdigen Motiven gerne den Anschein erwecken wollen, als sei das alles noch ihre freie "Entscheidung" und hätte etwas mit "Aufbruch" und all den damit verbundenen Klischeevokabeln zu tun. Als würde das die damit verbundenen Traumata ungeschehen machen.
Aber die Fälle, in denen es wirklich unter allen denkbaren Umständen einfach nicht mehr anders ging und in denen die Gemeinden tatsächlich von vornherein keine andere Wahl mehr hatten, werden massiv zunehmen.


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