Traurige Nachrichten aus Krefeld

Niederrheiner @, Sonntag, 16. März 2025, 21:51 (vor 543 Tagen)

Leider gibt die ev. Kirche wohl die Luther-Kirche mit der wirklich sehr gelungen restaurierten und sehr original erhaltenen Walcker-Orgel auf.

https://www.evangelischimsueden.de/information-zur-lutherkirche-krefeld/

Es ist ein Trauerspiel zumal eine solche pneumatische Orgelanlage als Einheit mit Altar und Kanzel in diesem Zusammenspiel auch schwer original zu erhalten sein wird.

Ein Kollege von mir hat sich da für die Restaurierung und viele Konzerte unglaublich bemüht, das ist für ihn natürlich besonders schlimm.

https://www.walcker-orgel-krefeld.de/

Traurige Nachrichten aus Krefeld

Poupoulcorouse @, Elberfeld, Sonntag, 16. März 2025, 23:50 (vor 543 Tagen) @ Niederrheiner
bearbeitet von Poupoulcorouse, Sonntag, 16. März 2025, 23:53

Naja, wenn ich mir das so durchlese, dann unterscheidet sich der Fall aber doch von anderen eher "strategischen" Entscheidungen der letzten Jahre.

Das plötzliche Auftreten solcher tiefgreifender Bauschäden steckt keine Gemeinde so einfach weg. Es gibt leider sehr viele Fälle, in denen ich auch der Meinung bin, daß Gemeinden Gebäude vorschnell aufgeben. Aber wenn ich mir die Eckdaten der Gemeinde so ansehe, dann fällt es auch mir in dem Fall schwer, noch andere Optionen zu sehen. Es kann Umstände geben, denen eine Gemeinde finanziell einfach nicht gewachsen ist.

Ob es wirklich der richtige Kurs ist, sofort zu entscheiden, daß man das Gebäude auch perspektivisch nicht mehr nutzen möchte, darüber kann man streiten. Daß die Gemeinde das Gebäude aber mit eigenen Mitteln nicht erhalten kann, ist, nach allem, was man wissen kann, schwer in Zweifel zu ziehen.
Die Bürde der Frage, ob eine Gemeinde dann jahrelang betteln möchte und gleichzeitig trotzdem all ihre Reserven aufgeben müsste, um ein Gebäude zu erhalten, das ihr womöglich ohnehin bald über den Kopf wachsen könnte, würde hier gewiss niemand gerne tragen wollen.


Jetzt ist es eben nicht mehr am kirchlichen, sondern am bürgerlichen Gemeinwesen, zu zeigen, ob ihm an der Erhaltung dieses Ortes gelegen ist oder nicht.

Das wird nicht die letzte Kirche in Deutschland sein, die auf einmal so großen Renovierungsbedarf aufweist, daß die Gemeinde gar keine andere Wahl mehr hat, als die Verantwortung abzugeben. Und es wird auch nicht die letzte größere, architektonisch und musikalisch besonders interessante Kirche sein, die von so etwas betroffen ist. Ganz im Gegenteil. Von hunderten Kirchen aus den 60ern und 70ern hat man sich in den letzten Jahren ja bereits getrennt. Glücklich sind die Gemeinden, in denen in den letzten Jahren noch die älteren Kirchen baulich konsolidiert werden konnten. Auch unsere Friedhofskirche hier in Elberfeld ist zum Glück in gutem Zustand, gerade was das Dach betrifft.

Mir fallen aber einige auch orgelmäßig hoch bedeutsame Kirchen in kleinen Gemeinden ein, bei denen ich nicht ausschließen würde, daß sich die Dinge ähnlich entwickeln könnten. Und ob es in den 2030ern nochmal so eine Dorfkirchenwunder-Welle geben wird wie in den vergangenen Jahrzehnten in den "neuen" Bundesländern, kann ich mir, zumindest unter Umständen, die sich nicht grundlegend ändern, nur schwer vorstellen.

Ich werde jetzt keine Namen nennen, aber wenn man bedenkt, wieviele Kirchen, die auch unter uns hier wohlbekannt sind, in den 80ern und 90ern teilweise noch grottenschlecht und verpfuscht renoviert wurden, dann hilft es den Gemeinden auch nicht, daß die Orgeln in Top-Zustand sind. Da fangen die wirklich großen Probleme gerade erst an, so bitter das auch klingen mag.

Ja, es gibt viele Gemeinden, die fragwürdige Gebäudeentscheidungen treffen und das alles weiterhin mit einer ungut eingeschliffenen kirchlichen "Rückzugs"-Sprache kommunizieren, weil sie aus psychologisch fragwürdigen Motiven gerne den Anschein erwecken wollen, als sei das alles noch ihre freie "Entscheidung" und hätte etwas mit "Aufbruch" und all den damit verbundenen Klischeevokabeln zu tun. Als würde das die damit verbundenen Traumata ungeschehen machen.
Aber die Fälle, in denen es wirklich unter allen denkbaren Umständen einfach nicht mehr anders ging und in denen die Gemeinden tatsächlich von vornherein keine andere Wahl mehr hatten, werden massiv zunehmen.

Traurige Nachrichten aus Krefeld

kjz1, Montag, 17. März 2025, 10:49 (vor 543 Tagen) @ Poupoulcorouse

Das wird nicht die letzte Kirche in Deutschland sein, die auf einmal so großen Renovierungsbedarf aufweist, daß die Gemeinde gar keine andere Wahl mehr hat, als die Verantwortung abzugeben. Und es wird auch nicht die letzte größere, architektonisch und musikalisch besonders interessante Kirche sein, die von so etwas betroffen ist. Ganz im Gegenteil.

Ein weiteres Beispiel: Kaiser-Wilhelm-Kirche in Bad Ems. Die muss wohl auch aufgegeben werden.

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elias.orgel, Montag, 17. März 2025, 11:37 (vor 543 Tagen) @ kjz1

Das wird nicht die letzte Kirche in Deutschland sein, die auf einmal so großen Renovierungsbedarf aufweist, daß die Gemeinde gar keine andere Wahl mehr hat, als die Verantwortung abzugeben. Und es wird auch nicht die letzte größere, architektonisch und musikalisch besonders interessante Kirche sein, die von so etwas betroffen ist. Ganz im Gegenteil.


Ein weiteres Beispiel: Kaiser-Wilhelm-Kirche in Bad Ems. Die muss wohl auch aufgegeben werden.


Dafür ist einfach kein Geld mehr da...

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Orgelspielen heißt: im Sitzen tanzen ...

... für Gott

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Poupoulcorouse @, Elberfeld, Montag, 17. März 2025, 20:39 (vor 542 Tagen) @ elias.orgel

Und er hier als "Thronfolger" hat ja auch keine kleine Portokasse.

https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Friedrich_Prinz_von_Preu%C3%9Fen

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Orlos @, Montag, 17. März 2025, 13:37 (vor 543 Tagen) @ kjz1

Ein weiteres Beispiel: Kaiser-Wilhelm-Kirche in Bad Ems. Die muss wohl auch aufgegeben werden.

Eine Klais-Orgel von 1974 im historischen Gehäuse mit vielen alten Registern. Ich habe gerade etwas Mühe, mir das klanglich vorzustellen, Klais-Orgeln waren in dieser Zeit klanglich recht steil und schwach im Grundtonbereich. Passt das Scharff wirklich zu den historischen Grundstimmen?

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hardy @, Montag, 17. März 2025, 15:09 (vor 542 Tagen) @ Orlos

Schwer zu sagen aus der Ferne.
Allerdings wurde zeit- untypisch recht viel "Romantisches" übernommen bis hin zu Violon 16' und Vox coelestis 8'.

Traurige Nachrichten aus Krefeld

Poupoulcorouse @, Elberfeld, Montag, 17. März 2025, 20:39 (vor 542 Tagen) @ hardy

Zumindest die Vox coelestis 8' war bei Klais 1974 aber schon nichts Ungewöhnliches mehr.

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Axel, Montag, 17. März 2025, 17:48 (vor 542 Tagen) @ Orlos

In Maria Magdalena in Bonn ist es ähnlich. Schöne Orgel.

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stein @, Montag, 17. März 2025, 21:16 (vor 542 Tagen) @ Axel

In Maria Magdalena in Bonn ist es ähnlich. Schöne Orgel.

Stimmt, leider wirkt das Positif wie ein Fremdkörper.

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Adrian, Bonn, Montag, 17. März 2025, 21:51 (vor 542 Tagen) @ stein

Nur in der Theorie der gelesenen Disposition.
Das Positiv in Maria-Magdalena ist quasi zweigeteilt: eine weichere flötige Abteilung und eine etwas schärfere, neobarockere Abteilung, ablesbar u.a. an den beiden 2‘-Registern. Intonatorisch aber beides gut mischbar und passt auch sehr gut zum Rest (es gibt u.a. auch eine romantische und eine hellere Mixtur im HW).
Wer diese Orgel öfter spielt, erkennt das Konzept dahinter. Für mich absolut passend und klug gemacht.

Übrigens wird die Orgel gerade von Klais generalüberholt inkl. neuer Elektrik/Setzeranlage und Nachintonation.

Grüße aus Bonn!

Traurige Nachrichten aus Krefeld

Max Reger @, Wallfahrtsstadt Kevelaer, Dienstag, 18. März 2025, 20:46 (vor 541 Tagen) @ Poupoulcorouse
bearbeitet von Max Reger, Dienstag, 18. März 2025, 20:53

Naja, wenn ich mir das so durchlese, dann unterscheidet sich der Fall aber doch von anderen eher "strategischen" Entscheidungen der letzten Jahre.

Das plötzliche Auftreten solcher tiefgreifender Bauschäden steckt keine Gemeinde so einfach weg. [.......]
Das wird nicht die letzte Kirche in Deutschland sein, die auf einmal so großen Renovierungsbedarf aufweist, daß die Gemeinde gar keine andere Wahl mehr hat, als die Verantwortung abzugeben."


Was mich beim Lesen des Gemeindeartikels wirklich nachdenklich stimmt:
was hat man an regelmäßiger eingehender Visitation aller Gebäudebestandteile bislang unterlassen, dass man jetzt so überrascht tut?
Ist der Dachstuhl so schwer oder gar nicht zugänglich, dass dieser Schaden nicht im frühestmöglichen Stadium hätte erkannt und behandelt werden können?
Haben sich da Verantwortliche möglicherweise fahrlässig verhalten?

Dass ein Schaden einen solchen Umfang erreichen kann, dass man fast schon von Einsturzgefahr sprechen möchte, finde ich außerordentlich bedenklich!

Wenn man einmal in zwölf Monaten mit einem bausachverständigen Fachmann eine (mehrstündige) Visitation durchführt, kostet das wenig Geld -
was jetzt (möglicherweise vermeidbar) eingetreten ist, ist der Super-Gau."

Traurige Nachrichten aus Krefeld

Niederrheiner @, Mittwoch, 19. März 2025, 22:04 (vor 540 Tagen) @ Max Reger

Zu den Details schweigt die Gemeinde auffällig laut. In optische Umgestaltungen (die auch gelungen sind) hat man in den letzten Jahren sogar einiges investiert.

Selbst der Förderverein der Orgel bekommt wohl keine wirklichen Detailinformationen, obwohl man dem wohl sogar den Kauf der Kirche angeboten hat.

Die Situation ist einerseits verständlich, eine transparentere Informationspolitik wäre allerdings schon sehr hilfreich, um für Verständnis zu werben.

Traurige Nachrichten aus Krefeld

Axel, Montag, 17. März 2025, 09:14 (vor 543 Tagen) @ Niederrheiner

Das ist tatsächlich traurig. Ein schönes Instrument und ein toller Kirchenraum.

Richtig erstaunlich finde ich es allerdings nicht. Vor einigen Jahren habe ich mal eine Matinee dort gespielt. Natürlich war ich zeitig da und habe den Rest vom Gottesdienst mitbekommen. Das wirkte schon befremdlich. Vorne stand ein lebensgroßer Playmobil Luther, ästhetisch wenig stimmig. Im Gottesdienst (ca. 15 Besucher) eine Taufgesellschaft in Jogginghose und Gammelklamotten. Das Kind wurde getauft und schon gruppierte man sich zum Selfie. Die Pfarrerin grinste krampfhaft: "Ääähm...also....ääähm...Entschuldigung....ich bin aber mit dem Gottesdienst noch nicht fertig." Skurril, meine Freundin (katholisch) meinte nur: "Wenn das bei denen immer so ist, bekommst du mich nie wieder in einen evangelischen Gottesdienst. Ist ja wie eine schräge Sekte."

Für die Orgel allerdings ein Jammer. Die hätte ich gerne nochmal gespielt.

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